Rechtliche Hinweise

Die IBOR-Reform – Ablösung der Referenzzinssätze bis Ende 2021

Ende 2021 bedeutet das Ende für LIBOR, EONIA und weitere bedeutende Referenzzinssätze in den globalen Finanzmärkten. Die LBBW hat ein eigens für die IBOR-Transformation zuständiges Projektteam mobilisiert, um die Bank und ihre Kunden reibungslos durch die Reform zu steuern.

Seit Jahrzehnten werden „Interbank Offered Rates“ (IBORs) als grundlegende Referenzzinssätze in den globalen Finanzmärkten verwendet. Deshalb beziehen sich heute die Konditionen einer Vielzahl von Krediten, Derivaten, Wertpapieren und Bankeinlagen auf diese Benchmarks.

Die IBOR-Reform als eine der größten Veränderungen im Kapitalmarkt seit der Einführung des Euro

2013 haben die G20-Nationen beschlossen, das globale System dieser Referenzzinssätze grundlegend zu reformieren. Bisherige IBORs werden entweder reformiert oder nach und nach durch sogenannte risikofreie Zinssätze – „Risk-Free Rates“ (RFRs) oder auch „Alternative Reference Rates“ (ARRs) – abgelöst. In der EU trat hierzu 2018 die Benchmark-Verordnung (Benchmark Regulation: BMR) in Kraft. Die alten IBOR-Sätze sollen bis Ende 2021 vollkommen ersetzt bzw. reformiert werden.

Der EURIBOR (Euro Interbank Offered Rate) als einer der wichtigsten IBORs gehört hierbei zu denjenigen Referenzzinssätzen, die BMR-konform reformiert wurden, und wird zunächst fortbestehen. Die Reform des EURIBOR wurde im November 2019 abgeschlossen. Dadurch kann der EURIBOR weiterhin als Referenzzins genutzt werden.

Da heute rund 370 Billionen US-Dollar an Finanzprodukten auf IBORs referenzieren, ist die Reform eine der größten Veränderungen im Kapitalmarkt seit der Einführung des Euro.

  • Die global wichtigsten IBORs und Alternative Reference Rates

Vorbereitungen auf einen reibungslosen Übergang

Die LBBW hat ein eigens für die IBOR-Reform zuständiges Projekt eingerichtet. Durch kontinuierliche Marktbeobachtung ist die LBBW stets über aktuelle Entwicklungen informiert und in der Lage, auf diese zu reagieren und in die Entwicklung neuer Produkte einfließen zu lassen. Zudem ist die LBBW Mitglied verschiedener bankübergreifender IBOR-Arbeitsgruppen und arbeitet aktiv daran mit, Alternativen zum EONIA (Euro OverNight Index Average) zu identifizieren und mit der Umstellung einhergehende Herausforderungen zu lösen. Ziel der Aktivitäten ist es, im Zeitraum bis Ende 2021 die komplexen Veränderungen zu erfassen und alles Notwendige zu tun, um die LBBW, die BW-Bank und ihre Kunden reibungslos durch die Reform zu begleiten.

Auswirkungen der IBOR-Reform auf LBBW Kunden

Die Reform der Referenzzinsen wird Auswirkungen auf Finanzprodukte wie z. B. Wertpapiere und Derivate sowie auf Kreditprodukte der LBBW haben. Folgen der Reform werden u. a. die Anpassung bestehender Geschäfte, Einführung neuer Produkte und Vertragsänderungen sein, um die neu geschaffenen Referenzzinsen möglichst friktionsfrei einzuführen.

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Produkt- und Serviceangebot der LBBW:

Unsere Kunden haben für uns höchste Priorität. Deswegen arbeiten wir mit einem eigens für die IBOR-Reform zuständigen Projektteam daran, sowohl Bestands- als auch Neugeschäft an die neuen Referenzzinssätze anzupassen sowie alle notwendigen Vertragsumstellungen zu identifizieren und mit Ihnen die gegebenenfalls erforderlichen Vereinbarungen zu treffen. Wir schaffen dadurch die Voraussetzungen, die LBBW und unsere Kunden bei unverändert hohen Standards unseres Produkt- und Serviceangebots sicher durch diese umfangreiche Transition zu führen.

Aussage

Weiterführende Informationen:

Mit den Informationen auf dieser Seite hält Sie die LBBW über die Hintergründe der IBOR-Reform, den aktuellen Stand der Reformbestrebungen sowie die weiteren Entwicklungen auf dem Laufenden. Weitere Informationen finden Sie zudem auf den Websites der nationalen IBOR-Arbeitsgruppen und Industrieorganisationen.

Lupe

Weiteres Vorgehen:

Falls Sie als LBBW Kunde von der IBOR-Transition betroffen sind, wird die LBBW zu gegebener Zeit mit konkreten Daten und erforderlichen Aktivitäten auf Sie zukommen.

Mit zwischenzeitlich auftretenden Fragen können Sie sich jederzeit über IBOR-Reform@LBBW.de an uns wenden.

Hintergründe zur IBOR-Reform

Warum ist die Reform notwendig? Und inwiefern verändert sie die Blickrichtung auf den Finanzmärkten? Das erklären wir hier.

„Interbank Offered Rates“ (IBORs) sind durchschnittliche Zinssätze, zu denen Banken am Interbankenmarkt Kredite aufnehmen können. Die Laufzeiten reichen von über Nacht bis zu zwölf Monaten und sind in verschiedensten Währungen verfügbar. IBORs spielen eine zentrale Rolle in den globalen Finanzmärkten, da sich die Konditionen einer Vielzahl von Krediten, Derivaten, Wertpapieren und Bankeinlagen von Kunden auf diese Benchmarks beziehen. Das gesamte Exposure des IBOR-Markts beträgt mehr als 370 Billionen US-Dollar. Davon repräsentieren die beiden Referenzraten USD LIBOR (London Interbank Offered Rate) und EURIBOR ca. 80 Prozent. Neben USD LIBOR und EURIBOR gehören der britische GBP LIBOR, der Schweizer CHF LIBOR, der Europäische EUR LIBOR und der EONIA sowie der japanische TIBOR/JPY LIBOR zu den wichtigsten IBORs weltweit.

2013 haben die G20-Nationen beschlossen, das globale System dieser Referenzzinssätze grundlegend zu reformieren. Bisher basierte die Feststellung der IBORs auf Basis von Expertenschätzungen einer Anzahl von Banken (Panel-Banken). IBORs basieren folglich nicht immer auf tatsächlich abgewickelten Transaktionen, sondern spiegeln zum Teil lediglich die Wahrnehmung der Banken über Finanzierungskosten wider. Ein deutlicher Rückgang in den zugrunde liegenden Märkten und Herausforderungen in Bezug auf die Tragfähigkeit der Bankenpanels, die diese Benchmarks quotieren, stellte ein ernst zu nehmendes Risiko sowohl für einzelne Finanzmarktakteure als auch für die Stabilität des globalen Finanzsystems dar.

Im Jahr 2014 veröffentlichte das Financial Stability Board (FSB) seine Empfehlungen zur Reformation dieser Zinssätze. Durch die Entwicklung von alternativen Referenzzinssätzen soll das globale System der Referenzzinssätze robuster werden. Dafür werden sie zukünftig so weit als möglich aus tatsächlich getätigten Transaktionen abgeleitet werden – anstatt wie bisher auf Basis von Expertenschätzungen einer Anzahl von Banken.

Rechtsgrundlage ist die Benchmark-Verordnung (Benchmark Regulation: BMR), die am 1. Januar 2018 in Kraft getreten ist. An die Stelle der IBOR-Sätze sollen neue „Risk-Free Rates“ (RFRs), oft auch als „Alternative Reference Rates“ (ARRs) bezeichnet, treten.
Bisherige IBORs werden bis Ende 2021 entweder reformiert oder nach und nach durch RFRs abgelöst.

Was ist der aktuelle Stand der Reform?

Da IBORs (mit Ausnahme des reformierten EURIBOR, der weiterhin als Referenzzins genutzt werden kann) mit Beginn 2022 nicht länger veröffentlicht werden, müssen RFR-basierte Märkte bis dahin etabliert sein. Nach Einführung des US SOFR (Secured Overnight Financing Rate) und des Schweizer SARON (Swiss Average Rate Overnight) sowie des modernisierten SONIA (Sterling Overnight Index Average) in den UK stand 2019 der EONIA im Fokus. Die EUR-Arbeitsgruppe der EZB hat die €STR (Euro Short-Term Rate) als Nachfolgereferenz gewählt. Diese wird seit Oktober 2019 durch die EZB publiziert. Der EONIA wird parallel hierzu noch bis 3. Januar 2022 publiziert und entfällt anschließend. Der EURIBOR wurde BMR-konform reformiert und wird zunächst fortbestehen. Es ist jedoch nicht absehbar, ob der EURIBOR dauerhaft zur Verfügung steht, da Marktteilnehmer evtl. nach und nach auf Produkte umschwenken, die auf €STR als RFR-Benchmark abstellen.

  • Zeitleiste der IBOR-Reform

Entwicklungen hierzu sind teilweise schon weiter fortgeschritten als in der EU und werden in verschiedenen Währungen und Rechtsräumen unterschiedlich verlaufen.

  • Entwicklung der IBOR-Reform in unterschiedlichen Rechts- und Währungsräumen

Alternative Referenzzinssätze und Arbeitsgruppen weltweit

Auch wenn Regulatoren weltweit die IBOR-Transition auf ihrer Agenda haben, wird die Umstellung hauptsächlich von Marktteilnehmern getrieben. Arbeitsgruppen in einer Vielzahl von Ländern arbeiten mit Hochdruck an dieser globalen Transition der bisher bekannten IBORs hin zu den neu definierten, alternativen Referenzzinssätzen.

In der EU wurde bei der EZB eine Arbeitsgruppe mit Vertretern von Banken, Verbänden und weiteren Institutionen etabliert, die Vorschläge zu RFR für den Euro und deren Umsetzung unterbreitet (ECB Working Group on Euro Risk-Free Rates). Diese Arbeitsgruppe hat im Herbst 2018 die €STR als neuen Referenzzinssatz für den Euro vorgeschlagen. Die €STR wird von der EZB seit dem 2. Oktober 2019 festgestellt und täglich publiziert.

Vergleichbare Arbeitsgruppen existieren in einer Vielzahl von Ländern und haben das Ziel, als „Katalysator“ eine Transition weg von den bisherigen Benchmarks hin zu RFR zu bewirken. Neben der €STR als RFR für den Euro wurden der SOFR (US), der SARON (CH) sowie der reformierte SONIA (UK) als neue RFR festgelegt.

Alternative Reference Rates (ARR) & Arbeitsgruppen weltweit

Zustän­digkeit IBOR ARR Beschreibung Merkmale Arbeitsgruppe Zinsver­wal­tung/ ARR Administrator Verfügbar seit
EU EONIA,
EURIBOR,
Euro LIBOR
Euro Short-Term Rate (€STR) Umfasst institu­tio­nelle Übernacht-Einlagengeschäfte.
EURIBOR wurde BMR-konform reformiert.
- Unbesichert
- Übernacht
Working Group on Euro Risk-Free Rates €STR: Europäische Zentralbank
EURIBOR: EMMI
02. Oktober 2019
USA USD LIBOR Secured Overnight Financing Rate (SOFR) Deckt mehrere Marktsegmente für Repo-Märkte ab. - Besichert
- Übernacht
The Alternative Reference Rates Committee (ARRC) Federal Reserve Bank of New York 03. April 2018
UK GBP LIBOR Reformed Sterling Overnight Index Average (SONIA) Deckt institu­tionelle Übernacht-Einlagengeschäfte ab. - Unbesichert
- Übernacht
Working Group on Sterlin Risk-Free Rates Bank of England 23. April 2018
CH CHF LIBOR Swiss Average Rate Overnight (SARON) Zeigt die auf Interbank-Overnight Repo gezahlten Zinsen. - Besichert
- Übernacht
National Working Group on Swiss Franc Reference Rates(SNB) SIX Schweizer Börse 25. August 2009
JPN JPY LIBOR,
JPY TIBOR,
EUROYENTIBOR
Tokyo Overnight Average Rate (TONA) Umfasst den Tagesgeldmarkt. - Unbesichert
- Übernacht
Cross-Industry Committee on Japanese Yen Interest Rates Benchmarks Bank of Japan 01. November 1997

Unterschiede RFRs vs. IBORs

IBORs sind durchschnittliche Zinssätze, zu denen Banken am unbesicherten Interbankenmarkt Kredite aufnehmen können. Die Laufzeiten reichen von über Nacht bis zu zwölf Monaten und sind in verschiedensten Währungen verfügbar. Basis für die Festlegung dieser Zinssätze sind Expertenschätzungen verschiedener definierter Panelbanken. Als solche enthalten die bisherigen zukunftsbezogenen IBOR-Zinssätze inhärent einen Forward-Aufschlag für die künftige Zinsentwicklung und einen Credit Spread.

Im Gegensatz dazu basieren die neuen RFRs auf Über-Nacht-Zinssätzen und werden rückwirkend berechnet. Die neuen RFRs werden nicht mehr durch Expertenmeinungen von Bankenpanels festgestellt, sondern von tatsächlich getätigten Transaktionen abgeleitet. Dadurch dass die Feststellung auf real getätigten Geschäften basiert, werden RFRs in den überwiegenden Währungsräumen (Ausnahme CHF) täglich mit einem Versatz von einem Tag veröffentlicht. Der Zinssatz für die Zinsperiode kann daher erst am Ende der Zinsbindungsfrist bestimmt werden.

Welche Herausforderungen bringt die Reform für Märkte und Marktteilnehmer mit sich?

Die Reform zu einem neuen System von Referenzzinsen bedeutet eine umfassende Veränderung für Märkte und Marktteilnehmer und geht mit einigen Herausforderungen und Unsicherheiten einher.

  • Während die aktuellen IBOR-Fixings es ermöglichen, am Anfang der Periode die nächste Zinszahlung zu bestimmen (Forward-Looking-Ansatz), wird der Referenzzins basierend auf den neuen RFRs erst am Ende der Zinsperiode bestimmt (Backward-Looking-Ansatz), da die Feststellung der neuen RFRs auf real getätigten Geschäften basiert. Durch diese Umstellung vom aktuellen Forward-Looking-Ansatz auf den zukünftigen Backward-Looking-Ansatz (siehe Grafik) müssen eine Vielzahl von IT-Systemen und Geschäften sowohl auf Bank- wie auch auf Kundenseite angepasst werden.
  • Aktueller Forward-Looking- vs. zukünftiger Backward-Looking-Ansatz

  • Sehr viele Geschäftsbereiche, Prozesse und Technologien sind betroffen, was den Einsatz umfangreicher Ressourcen und Anpassungen bedeutet.
  • Um eine reibungslose Transition zu den alternativen Referenzzinsen zu gewährleisten, ist ausreichend Marktliquidität, v. a. in Derivatemärkten, essenziell.
  • Durch die Reform kann es zu Steuer- und Bilanzierungsänderungen kommen.
  • Durch die Zinsänderung kann es zu Bewertungsänderungen sowie Änderungen in Hedge-Beziehungen kommen.
  • Existierende regulatorische Anforderungen können die Komplexität der Transition zu alternativen Referenzzinssätzen zusätzlich erhöhen.
  • Da der Übergang zu alternativen Referenzzinssätzen mehrere Wirtschaftssektoren und unterschiedliche Währungsräume betrifft, sind simultane und koordinierte Reformbestrebungen notwendig, um eine kontrollierte Transition erreichen zu können.
  • Die Marktinfrastruktur bei allen Handels-, Clearing- und Abwicklungshäusern muss angepasst werden.
  • Betroffene Institutionen müssen über verlässliche Governance-Strukturen verfügen, um die Transition unter Einbeziehung aller betroffenen Geschäftseinheiten reibungslos bewerkstelligen zu können.

FAQs zur IBOR-Reform

Die Reform der IBORs ist komplex. Hier beantworten wir die wichtigsten Fragen.

IBORs („Interbank Offered Rates“) sind durchschnittliche Zinssätze, zu denen Banken am Interbankenmarkt Kredite aufnehmen können. Die Laufzeiten reichen von über Nacht bis zu zwölf Monaten und sind in verschiedensten Währungen verfügbar. IBORs spielen eine zentrale Rolle in den globalen Finanzmärkten, da sich die Konditionen einer Vielzahl von Krediten, Derivaten, Wertpapieren und Bankeinlagen von Kunden auf diese Benchmarks beziehen. Das gesamte Exposure des IBOR-Markts beträgt mehr als 370 Billionen US-Dollar. Davon repräsentieren die beiden Referenzraten USD LIBOR und EURIBOR ca. 80 Prozent.

Neben USD LIBOR und EURIBOR gehören der britische GBP LIBOR, der Schweizer CHF LIBOR, der Europäische EUR LIBOR und der EONIA sowie der japanische TIBOR/JPY LIBOR zu den wichtigsten LIBORs weltweit.

Aufgrund der Benchmark-Verordnung (Benchmark Regulation: BMR), die am 1. Januar 2018 in Kraft getreten ist, werden die IBOR-Referenzzinssätze (sog. IBORs, z. B. EURIBOR, LIBOR, EONIA) derzeit durch neue Referenzzinssätze abgelöst oder Benchmark-konform reformiert. Anstelle der IBOR-Sätze sollen neue „Risk-Free Rates“ (RFRs) treten, welche die alten IBORs bis Ende 2021 ersetzen werden. Dieser werden oft auch als „Alternative Reference Rates“ (ARRs) bezeichnet.

Im Jahr 2014 veröffentlichte das Financial Stability Board (FSB) seine Empfehlungen zur Reformation dieser Zinssätze. Reduzierte Aktivitäten in den zugrunde liegenden Märkten und Herausforderungen in Bezug auf die Tragfähigkeit der Bankenpanels, die diese Benchmarks quotieren, stellen ein ernst zu nehmendes Risiko sowohl für individuelle Nutzer als auch für die Stabilität des globalen Finanzsystems dar.

Durch die Entwicklung von alternativen, nahezu risikofreien Referenzzinssätzen soll das globale System der Referenzzinsen robuster werden. Daher werden die neuen Referenzzinsen künftig aus tatsächlich getätigten Transaktionen abgeleitet – anstatt wie bisher auf Basis von Expertenschätzungen einer Anzahl von Banken festgelegt.

Bisherige IBORs werden entweder reformiert oder nach und nach durch Risk-Free Rates (RFRs) abgelöst.

Auf auslaufende Referenzzinssätze wie EONIA sowie die Drittland-Benchmarks USD LIBOR, GBP LIBOR, CHF LIBOR und TIBOR besteht eine Übergangsfrist bis Ende 2021. Der EURIBOR wurde transformiert und hat nach aktuellem Stand weiterhin Bestand bis Ende 2025.

Da heute rd. 370 Billionen US-Dollar an Finanzprodukten auf IBORs referenzieren, ist die Reform eine der größten Veränderungen im Kapitalmarkt seit der Einführung des Euro.

Die Reform zu einem neuen System von Referenzzinsen bedeutet eine umfassende Veränderung für Märkte und Marktteilnehmer. Die Wertschöpfungsketten unterschiedlichster Produkte sind end-to-end betroffen.

Da IBORs ab Beginn 2022 nicht länger veröffentlicht werden, müssen RFR-basierte Märkte bis dahin etabliert sein. Nach Einführung des SOFR (US) und SARON (CH) sowie des modernisierten SONIA (UK) stand 2019 der EONIA im Fokus. Die EUR-Arbeitsgruppe der EZB hat die „€STR“ als Nachfolgeindex gewählt. Diese wird seit Oktober 2019 durch die EZB publiziert. Der EONIA wird parallel hierzu noch bis 3. Januar 2022 publiziert und entfällt anschließend. Der EURIBOR wurde BMR-konform reformiert und wird zunächst fortbestehen. Es ist jedoch nicht absehbar, ob der EURIBOR dauerhaft zur Verfügung steht, da Marktteilnehmer evtl. nach und nach auf Produkte umschwenken, die auf €STR als RFR-Benchmark abstellen.

Aufgrund des Mangels an zugrunde liegenden Transaktionen und der hohen Konzentration des Volumens auf nur wenige Marktteilnehmer, erfüllt der EONIA in seiner ursprünglichen Form nicht die Anforderungen der BMR. Deswegen hat das European Money Markets Institute (EMMI) als Administrator des EONIA angekündigt, den EONIA nur noch bis zum 3. Januar 2022 zu veröffentlichen. Die EZB-Arbeitsgruppe veröffentlicht seit Oktober 2019 die €STR als neue RFR im Euroraum.

Um den Marktteilnehmern den Übergang zu erleichtern, hat die EZB seit Oktober 2019 den EONIA an die €STR gekoppelt. Der EONIA wird seit diesem Zeitpunkt als Tracking Rate aus der €STR mit einem festen Zinsaufschlag von 8,5 Basispunkten berechnet.

Die €STR (Euro Short-Term Rate) basiert auf Transaktionen des ungesicherten Geldmarktes. Die €STR wird auf Grundlage von Euro-Transaktionen beteiligter Banken berechnet, welche von diesen Banken gemäß der Geldmarktstatistik-Verordnung an die EZB gemeldet werden. Die €STR wird an jedem TARGET-2-Werktag veröffentlicht und basiert auf den Transaktionen des Vortages.

€STR-Daten werden von der EZB regelmäßig unter folgendem Link veröffentlicht

Für eine erfolgreiche Transition vom EONIA zur €STR als Standard-Benchmark sollten alle Marktteilnehmer nach und nach den EONIA durch die €STR oder andere BMR-konforme Referenzzinssätze wie z. B. den EURIBOR für alle betroffenen Produkte und Verträge ersetzen.

Die Änderung des Referenzzinssatzes erfordert eine intensive Vorbereitung und beinhaltet u. a. eine Anpassung betroffener IT-Systeme sowie eine Überprüfung von existierenden Dokumentationen, Prozessen, bilanzieller Bewertung und Verfahren.

Die Financial Services and Markets Authority (FSMA) hat am 2. Juli 2019 verkündet, dass das EMMI den reformierten EURIBOR weiterhin publizieren kann, d. h., es besteht im Moment keine Notwendigkeit, den EURIBOR durch einen alternativen Zinssatz zu ersetzen. Dies resultiert aus der Anpassung der EURIBOR-Berechnungsmethode durch das EMMI. Durch die Anwendung einer hybriden Berechnungsmethodik basiert der reformierte EURIBOR in größerem Ausmaß auf realen Markttransaktionen und erfüllt somit die Anforderungen aus der BMR.

Es ist noch nicht absehbar, ob der EURIBOR dauerhaft zur Verfügung steht, da Marktteilnehmer evtl. nach und nach auf Produkte umschwenken, die auf €STR als RFR-Benchmark abstellen. Die Annahme zum aktuellen Zeitpunkt ist ein Fortbestehen des reformierten EURIBOR bis Ende 2025.

Weiterführende Informationen zur IBOR-Reform

Sie haben weitere Fragen oder wollen sich noch tiefgehender mit der IBOR-Reform beschäftigen? Kein Problem!

Nützliche Informationen zur IBOR-Reform finden Sie auf den Websites der nationalen IBOR-Arbeitsgruppen und -Industrieorganisationen:

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