COP 28 in Dubai: Was die Staaten auf der Weltklimakonferenz beschlossen haben

Kein Durchbruch, aber ein Kompromiss: Die Weltgemeinschaft hat auf der Klimakonferenz einen ersten kleinen Schritt zur Abkehr von den fossilen Energien gemacht.

Mann am Rednerpult

Die Erwartungen an die 28. Weltklimakonferenz in Dubai, der COP 28, waren nicht allzu hoch. Ganz oben auf der Agenda stand ein Thema, um das die vorangegangenen COP allesamt einen großen Bogen gemacht haben – der Ausstieg aus den fossilen Energien. Dass die Vereinigten Arabischen Emirate die Konferenzleitung ausgerechnet in die Hände des CEO eines Ölkonzerns legten, ließ die Hoffnung auf einen Erfolg nicht gerade wachsen.

Daher zeigten sich viele Experten erleichtert, dass die Staaten in den 13 Tagen intensiver Verhandlungen mehrere Vereinbarungen getroffen haben, die den Klimaschutz ein Stück voranbringen dürften. Die COP 28 habe nicht den großen Durchbruch gebracht, urteilt etwa Professor Carl-Friedrich Schleussner von der Humboldt-Universität Berlin, sondern einen Kompromiss. „Aber vielleicht ist es ein Kompromiss, der uns den Zielen des Pariser Abkommens näherbringen wird, als viele glauben“, meint der Klimawissenschaftler.

„Weg von fossilen Energien“

Den Rahmen für die COP 28 spannte die erste globale Bilanz, vorgelegt von den verantwortlichen UN-Gremien: Selbst wenn alle beschlossenen Maßnahmen vollständig umgesetzt werden, sinken die Treibhausgasemissionen bis 2030 gegenüber 2019 nur um gut fünf Prozent. Um das 1,5-Grad-Ziel zu erreichen, ist aber eine Reduktion um 43 Prozent notwendig, bis 2035 gar um 60 Prozent. Angesichts dieser Zahlen fiel es den Befürwortern einer ambitionierteren Klimapolitik nicht schwer, die Konferenz zu bewegen, einer Verdreifachung der Energieerzeugung aus erneuerbaren Energien bis 2030 zuzustimmen. Dabei kommt den Staaten zugute, dass Fotovoltaik und Windkraft in vielen Regionen der Welt mittlerweile die günstigsten Energiequellen sind. Auch bei der Energieeffizienz einigten sich die Teilnehmer schnell auf ein ehrgeiziges Ziel: Zum Ende dieses Jahrzehnts soll Energie doppelt so effizient eingesetzt werden wie heute.

3 mal so viel

Energie aus erneuerbaren Quellen wie heute will die Weltgemeinschaft bis 2030 produzieren. Darauf haben sich die Teilnehmer der COP 28 festgelegt.

Weitaus schwieriger war es dagegen, einen Konsens über den Ausstieg aus Kohle, Gas und Öl zu erzielen. Die Staaten konnten sich hier nur auf eine wenig ehrgeizige, recht vage Formulierung einigen: Die Weltgemeinschaft strebt einen „Übergang weg von fossilen Energien in einer gerechten, geordneten und ausgewogenen Weise“ an, heißt es in der Abschlusserklärung.

Meilensteine auf diesem Weg, konkrete Vorgaben, ein Enddatum für die fossilen Energien – all das fehlt in diesem Dokument. Dafür findet sich dort ein Schlupfloch, das es möglich macht, Öl und Gas auch langfristig weiter zu nutzen: Der Einsatz der beiden Energieträger steht im Einklang mit dem Ziel der Klimaneutralität, sofern das dabei entstehende CO2 abgeschieden und gespeichert wird (Carbon Capture and Storage, kurz CCS).

Mit dem COP-Ergebnis haben die Befürworter des Klimaschutzes nun neue Mittel in der Hand.

Wolfgang Obergassel, Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie

„Die Auswirkungen werden davon abhängen, was die Akteure daraus machen“, kommentiert Wolfgang Obergassel vom Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie die Vereinbarung. Die über 120 Länder, die sich für einen klaren Beschluss zum Ausstieg aus den fossilen Brennstoffen ausgesprochen haben, sollten ihren Worten jetzt Taten folgen lassen. „Mit der öffentlichen Positionierung dieser Länder und dem COP-Ergebnis haben die Befürworter des Klimaschutzes nun neue Mittel in der Hand, sie dazu zu drängen“, sagt Obergassel.

Fonds für Klimaschäden eingerichtet

Einen Erfolg erzielte die Konferenz bei der Finanzierung von Maßnahmen, die vor den Folgen der Erderwärmung schützen sollen. Die Weltgemeinschaft einigte sich darauf, dafür einen Fonds einzurichten, von dem vor allem Länder des globalen Südens profitieren sollen. Deutschland und die Vereinigten Arabischen Emirate haben auf der COP 28 als erste Staaten Finanzierungszusagen gegeben, beide in Höhe von jeweils 100 Millionen US-Dollar.

Darüber hinaus vereinbarten die Teilnehmer, Subventionen für fossile Brennstoffe abzubauen. Außerdem sollen die Emissionen von Methan, Lachgas und anderen Nicht-CO2-Treibhausgasen bis 2030 reduziert und mehr Mittel für den Ausbau der erneuerbaren Energien bereitgestellt werden.

Zudem nahm auf der COP 28 der sogenannte Klimaclub seine Arbeit auf. Dieser von der Bundesregierung initiierte Zusammenschluss von Staaten mit hohen Klimaschutzambitionen will sich vor allem auf die beschleunigte Dekarbonisierung der Industrie konzentrieren.

Die nächste Weltklimakonferenz findet vom 11. bis zum 22. November 2024 in der aserbaidschanischen Hauptstadt Baku statt. Das Land gehört zu den größten Öl- und Gasförderern der Welt. Ob das eine gute oder eine schlechte Voraussetzung ist, den Ausstieg aus den fossilen Energien voranzutreiben, wird sich zeigen. In den ebenso öl- und gasreichen Vereinigten Arabischen Emiraten hat die Weltgemeinschaft dazu jetzt immerhin einen ersten kleinen Schritt gemacht.