Neuer Schwung für den Ausbau der Windenergie

Der Ausbau der Windenergie stockt. Das ändert die Bundesregierung mit neuen Gesetzen. Zusätzlicher Rückenwind kommt aus dem Strommarkt.

Frau in Warnweste vor einem Windkraftanlage
Frau in Warnweste vor einem Windkraftanlage
  • Ab 2032 müssen die Bundesländer mindestens 2 Prozent ihrer Flächen für Windparks bereitstellen. Aktueller Stand: 0,8 Prozent.
  • Die Bundesregierung verabschiedet parallel Gesetze, um die Genehmigungsverfahren für Windparks zu beschleunigen.
  • Unternehmen setzen verstärkt auf Power Purchase Agreements (PPA), um Windenergie auf dem Strommarkt einzukaufen.
  • Erste Konzerne versuchen sich selbst als Windparkbetreiber, um sich verlässlich mit preiswerter erneuerbarer Energie zu versorgen.

Sie gehören zum Western wie die Bohnensuppe aus dem Blechnapf oder die Rauferei im Saloon: kleine Windräder, die sich quietschend im Präriewind drehen und die Farmer mit Energie versorgen. Wer hätte gedacht, dass aus diesem Konzept einmal eine Schlüsseltechnologie der globalen Energiewende werden wird! Windräder an Land und auf See haben 2022 bereits ein Viertel des deutschen Strombedarfs gedeckt, nur die Kohlekraftwerke lieferten mehr Energie. Weltweit lag der Anteil der Windkraft an der Stromerzeugung im vergangenen Jahr immerhin bei knapp 8 Prozent – mit stark zunehmender Tendenz.

Wind wird zu Strom

Anteil der Windenergie am Strommix in Deutschland, in Prozent

Quelle: Statista

Mehr Flächen, schnellere Genehmigungen

Der wichtigste Grund für die zuletzt so schleppende Entwicklung liegt in der knappen Verfügbarkeit von Flächen für Windparks. Viele Bundesländer und Kommunen zeigten sich bei deren Ausweisung in den vergangenen Jahren sehr restriktiv. Die Bundesregierung will nun mit dem im Februar in Kraft getretenen „Windenergie an Land“-Gesetz mehr Flächen mobilisieren. So zwingt das Gesetz die Länder, bis 2027 insgesamt 1,4 Prozent und bis 2032 2 Prozent ihrer Fläche für die Windenergie auszuweisen – bislang sind es bundesweit nur 0,8 Prozent.

2 %

ihrer Fläche müssen Länder ab dem Jahr 2032 für die Windenergie ausweisen. Bisher liegt der bundesweite Schnitt bei 0,8 Prozent.

Zugleich hat die Ampelkoalition einige bestehende Gesetze novelliert, um die Genehmigung von Windparks zu beschleunigen. Weitere gesetzliche Maßnahmen sollen folgen. Zuvor hatte die Europäische Union (EU) im Zuge des europäischen Green Deals mit einer Verordnung dafür die nötigen Voraussetzungen geschaffen.

Ehrgeizige Ausbauziele

All diese Maßnahmen sollen helfen, das Bundesziel für den Ausbau der erneuerbaren Energien – ein Anteil von 80 Prozent im Strommix bis 2030 – zu erreichen. Dafür muss die installierte Leistung der Onshore-Windkraft nahezu verdoppelt werden, hat die Ampelkoalition errechnet. Das verlangt einen Zubau von jährlich durchschnittlich 8 Gigawatt. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr gingen gerade einmal knapp 2,5 Gigawatt neu ans Netz, in den Vorjahren noch weit weniger.

Auch bei der Offshore-Windenergie setzt die Bundesregierung ehrgeizige Ziele: Bis 2030 soll die installierte Leistung von heute gut 8 auf 30 Gigawatt steigen. Mit dem Ende 2022 verabschiedeten „Windenergie auf See“-Gesetz will sie hier nun Tempo machen, unter anderem mit der Ausweisung zusätzlicher Meeresflächen sowie dem Abbau bürokratischer Hürden.

Windstrom bietet Unternehmen Preissicherheit

Mit diesen Initiativen hat die Bundesregierung die Bedingungen für den Ausbau der Windenergie zuletzt deutlich verbessert. Rückenwind kommt aber auch aus dem Strommarkt: Die hohen, zunehmend volatilen Preise sorgen dafür, dass Unternehmen im Stromeinkauf verstärkt auf Modelle setzen, die ihnen mehr Kostensicherheit bieten. Im Fokus stehen dabei die sogenannten Power Purchase Agreements (PPAs) – langfristige Abnahmeverträge mit Stromerzeugern, vor allem mit Wind- und Solarparkbetreibern. Solche PPAs sichern die Unternehmen gegen Preisschwankungen ab. Zugleich verbessern sie ihre Klimabilanz. In den vergangenen Monaten haben unter anderem Bosch, Lidl/Kaufland, Schäffler und Evonik solche Windenergie-PPAs geschlossen.

Dieses Geschäftsmodell gibt den Erneuerbare-Energien-Projektierern einen Anreiz, neue Windparks zu bauen. Weil der auf diese Weise vermarktete Strom nicht öffentlich gefördert wird, sind sie dafür nicht auf den Zuschlag in einer Ausschreibung des Bundes angewiesen. Darüber hinaus haben einige Unternehmen selbst Windräder errichtet, um Strom für ihren Eigenbedarf zu erzeugen – Volkswagen zum Beispiel oder der Stahlhersteller Salzgitter AG. Allerdings ist nicht zu erwarten, dass ihnen viele Betriebe folgen werden. Denn die Installation und der Betrieb von Windrädern verlangt technisches und energiewirtschaftliches Know-how, über das Unternehmen außerhalb der Energiebranche in der Regel nicht verfügen.