Business-Frau sitzt am Schreibtisch und arbeitet am Laptop

Digitales Ökosystem

Unternehmen fordern intuitive, standardisierte Prozesse beim digitalen Banking. Sonst zögern sie, zeigt die Studie „Portallösungen und Zahlungsverkehr im Wandel“.

Es klang wie eine Prophezeiung, als Bill Gates verkündete: „Banking ist notwendig – Banken sind es nicht.“ Ganz so ist es nicht gekommen, lässt sich heute, drei Jahrzehnte später, festhalten. Womit der Microsoft-Gründer allerdings recht hatte: Banken müssen ihr Selbstverständnis und ihr Leistungsangebot ändern, denn das Banking wird zunehmend digital. Der Zahlungsverkehr hat sich weitgehend ins Netz verlagert, ständig kommen neue Optionen für Unternehmen dazu. Auf spezialisierten Plattformen können beispielsweise Avale mit einem schlanken digitalen Workflow ohne Papier beauftragt werden.

Und die Banken? Sie werden weiterhin gebraucht. Allerdings vor allem in ihrer Rolle als Berater. Denn in der Praxis verzichten die meisten Unternehmen ungern auf die Expertise ihrer Banken, sobald komplexere Transaktionen anstehen. Das zeigt die Studie „Digitales Ökosystem – Portallösungen und Zahlungsverkehr im Wandel“ der LBBW mit dem Magazin FINANCE. 71 Prozent der 236 befragten Unternehmen nutzen webbasierte Portallösungen, fast alle davon für ihren Zahlungsverkehr. Anders sieht es bei weniger standardisierten Transaktionen aus, doch auch hier schreitet die Digitalisierung voran. Immerhin 32 Prozent setzen Webportale für ihr Zins-, Währungs- und Rohstoffmanagement ein. Beim Working Capital Management liegt der Anteil aktuell knapp über 10 Prozent.

Banking wird digital

Nutzt Ihr Unternehmen webbasierte Portale für Prozesse der Finanzabteilung?

Quelle: FAZ Business Media | research, LBBW

Hohe Komplexität, mangelnde Standards

Ein Grund für die noch vorherrschende Zurückhaltung, das legen die Ergebnisse der Studie nahe, ist die Komplexität der webbasierten Lösungen. Um die – zu Recht – rigiden Vorschriften zu Authentifizierung und IT-Sicherheit einzuhalten, ist das Benutzen solcher digitalen Angebote kein Selbstläufer, sondern mit hohen Anforderungen an Datenschutz und Datensicherheit verbunden.

Wir müssen noch stärker deutlich machen, welches Potenzial in digitalen Anwendungen steckt.

Dr. Jürgen Harengel, Leiter des Zentralbereichs Unternehmenskunden bei der LBBW

Fehlende Standards sind ein weiterer Grund für die Reserviertheit, wie sich am Beispiel der E-Signatur zeigt. Hier gibt es eine Vielzahl konkurrierender, nicht miteinander kompatibler Systeme. Also warten viele Unternehmen ab, welche elektronische Signatur sich als Standard durchsetzen wird. Der fehlende Standard ist auch für die Banken selbst hinderlich: Eine E-Signatur würde den KYC-Prozess beschleunigen. KYC steht für „Know Your Customer“: Bestands- und Neukunden werden im Rahmen von gesetzlich vorgeschriebenen Due-Diligence-Prozessen überprüft. Die LBBW hat daher im März 2021 die Pilotphase für die digitale Signatur mit DocuSign gestartet, dem am weitesten verbreiteten Signaturanbieter. Auf dieser Plattform können Verträge hocheffizient vorbereitet, umgesetzt, unterzeichnet und verwaltet werden. Die ersten Erfahrungen sind sehr positiv.

Was Unternehmer von ihrer Bank erwarten

Die Ansprüche der Unternehmen, so wie sie in der Studie geäußert werden, sind eindeutig: zeit- und ortsabhängige Interaktion über einfache – sprich schnelle und intuitive – Prozesse. Und die Kontrolle soll bei den Unternehmen liegen. 55 Prozent der befragten Finanzentscheider geben an, dass sie selbst die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen freischalten möchten.

Die meisten Unternehmen unterhalten Geschäftsbeziehungen zu mehreren Banken. Sich in das jeweilige digitale Banking einzuloggen ist wenig attraktiv. Mehr als die Hälfte der befragten Treasurer und Finanzentscheider bevorzugt Multi-Banken-Lösungen statt elektronischer Schnittstellen zu einzelnen Banken.

Gleichzeitig wollen Unternehmenskunden beim digitalen Banking keineswegs allein gelassen werden. Von ihren Banken erwarten sie eine fachlich überzeugende Beratung und einen Service, der hilft, wenn er gebraucht wird. „Der persönliche Austausch mit dem Kunden ist und bleibt essenziell“, sagt Dr. Jürgen Harengel, Leiter des Zentralbereichs Unternehmenskunden bei der LBBW. „Dafür ist dank effizienterer Abläufe auf beiden Seiten idealerweise sogar mehr Zeit als früher.“

53% der kleinen Unternehmen bevorzugen Banken mit digitalem Ökosystem

Viele Banken richten den Blick in die Zukunft und wollen möglichst rasch moderne Zahlungsformate wie Instant Payments, Request to Pay oder DLT2Pay über Blockchain-ähnliche Netzwerke ermöglichen. „Wir müssen noch stärker deutlich machen, welches Potenzial in digitalen Anwendungen auch außerhalb des Zahlungsverkehrs liegt“, sagt LBBW-Experte Harengel. Die Studie zeigt, wie wichtig es ist, die Unternehmenskunden dabei mitzunehmen. Denn wenn die digitale Alternative zum Vertrauten nicht einfacher, schneller, sicherer und letztlich bequemer ist, schießt sie an den Bedürfnissen der Zielgruppe vorbei.

Was sich in den Banken ändern muss

Banken haben längst erkannt: Der Trend zum Digital Banking mit standardisierten und bequemen Prozessen ist unaufhaltsam. Diese Erkenntnis umzusetzen ist allerdings schwierig, denn die technologische Infrastruktur der Banken ist bereits jetzt komplex. Dennoch nehmen sie die Herausforderung an, denn Einfachheit bedeutet Bequemlichkeit, und Bequemlichkeit ist der größte Treiber für Loyalität in der digitalen Welt.

Am Ende ist Technologie immer Mittel zum Zweck, und der bleibt seit Jahrhunderten unverändert: jeden Kunden bestmöglich zu beraten.

Hier gelangen Sie zur Studie „Digitales Ökosystem. Portallösungen und Zahlungsverkehr im Wandel."

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