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LBBW Brexit-Barometer

Brexit-Barometer: May macht einen weiteren Schritt in Richtung Soft-Brexit.

9.7.2018 - Und prompt geht Brexit-Minster David Davis über Bord. LBBW analysiert die aktuelle Lage.

LBBW Brexit-Barometer: Pessimismus

Tweet: @LBBW | 9. MJuli 2018

Kabinett-Sitzung in Chequers

Das Kabinett der britischen Regierung hat sich am Freitag auf dem offiziellen Landsitz des britischen Premierministers auf einen Vorschlag zur Gestaltung des Austritts aus der Europäischen Union (EU) verständigt. Demnach strebt das Vereinigte Königreich mit der EU einen Freihandelsvertrag für Güter, einschließlich Agrarrohstoffen, an. Zudem ist das Vereinigte Königreich bereit, eine laufende Harmonisierung mit den EU-Regeln zu Waren zu gewährleisten. Ferner sollen die Gerichte im Vereinigten Königreich europäische Urteile in Streitfragen, welche die EU und das Vereinigte Königreich betreffen, angemessen berücksichtigen. Des Weiteren schwebt dem Vereinigten Königreich eine Zollpartnerschaft mit der EU vor. Der Vorschlag sieht vor, dass das Vereinigte Königreich an seiner Zollgrenzen für Einfuhren, welche für die EU bestimmt sind, die Zölle im Auftrag der EU erhebt. Für Einfuhren, welche im Vereinigten Königreich verbleiben, würden fortan Zollsätze des Inselreiches gelten. In der Praxis dürfte mit dem britischen Importeur eine Verrechnung mit dem im Voraus zu entrichteten EU-Zollsatz erfolgen. Die Vorschläge zielen vornehmlich darauf ab, Zollkontrollen an der Grenze zwischen der Republik Irland und Nordirland zu vermeiden.

UK Leistungsbilanzsaldo, in % des BIP

Unsere Einschätzung

Die britische Regierungschefin hat vor der Sitzung auf dem nördlich Londons liegenden Landsitz erheblichen Druck auf ihre Kabinettsmitglieder ausgeübt, zu einer Einigung im Brexit-Streit zu gelangen. Ihre Strategie war erfolgreich. Die Premierministerin hat sich unserer Einschätzung nach bis zum äußersten Rand in Richtung „Soft Brexit“ bewegt, ohne eine Revolte der Brexit-Hardliner in der Tory-Fraktion auszulösen. Das Vereinigte Königreich bleibt durch die weitere Anwendung der EU-Regularien im Güterbereich „de facto“ ein EU-Mitglied, freilich ohne jegliche Mitspracherechte. Die Unternehmen des Produzierenden Gewerbes beiderseits des Ärmelkanals können nun darauf hoffen, auch zukünftig ohne Grenzkontrollen Handel miteinander betreiben zu können. Hier dürften die in den letzten Wochen vermehrt zu vernehmenden Warnungen von Unternehmen, wie beispielsweise Airbus und Jaguar Land Rover, vor einem „Hard Brexit“ nicht ohne Wirkung geblieben sein. Die Dienstleistungsunternehmen, insbesondere die britischen Banken, ließ die Regierungschefin jedoch über die Klinge springen. Deren Geschäfte in der Europäischen Union würden bei Umsetzung der britischen Vorschläge zukünftig erschwert werden. Dies wiegt umso schwerer, da das Vereinigte Königreich in der Leistungsbilanz zwar seit Jahren hohe Defizite verzeichnet, in der Unterbilanz „Dienstleistungen“ aber hohe Überschüsse erwirtschaftet.

Es wird sich zeigen müssen, ob die Vorschläge bezüglich Freihandelsvertrag, Beibehaltung der EU-Regularien und Zollpartnerschaft tatsächlich hinreichend sind, damit auch in Zukunft auf Zollkontrollen zwischen dem Vereinigten Königreich und den verbleiben-den EU-Staaten verzichtet werden kann. Hier ist nun auf Seiten der EU guter Wille gefragt. Eine Umsetzung der vorgeschlagenen Neuregelung dürfte zweifelslos Zollumgehungen erleichtern.

Was bleibt nach all den Kröten, welche die Brexit-Befürworter schlucken mussten, auf der Habenseite? Durch den EU-Austritt des Vereinigten Königreiches wird auf der Insel die EU-Grundfreiheit Personenfreizügigkeit wegfallen. Mit anderen Worten: Das Vereinig-te Königreich erlangt wieder die Kontrolle über die Migration. Zudem werden die Netto-zahlungen in den EU-Haushalt entfallen. Dies setzt jedoch voraus, dass die EU für den angestrebten Zugang zum EU-Gütermarkt keine Zahlung einfordern wird. Dem Brexit-Minister David Davis war es eine Kröte zuviel. Der konservative Politiker erklärte am Montagmorgen seinen Rücktritt.

Der Rücktritt zeigt, wie weit May den Bogen gespannt hat. Nun liegt der Ball im Feld der EU. Es bleibt zu hoffen, dass die EU-Verhandlungsführer ihn aufnehmen werden.

Indikatoren des LBBW Brexit-Barometer

In unser LBBW-Barometer für die Brexit-Sorgen der Marktteilnehmer gehen fünf Indikatoren gleichgewichtet ein:

  • der Außenwert des Pfund Sterling
  • die relative Stärke britischer Bankaktien
  • die relative Stärke des britischen Aktienmarktes
  • die Kreditausfallprämie für britische Staatsanleihen
  • die Entwicklung von an der Londoner Börse notierten Immobilienfonds

Ein negativer Wert stellt im historischen Vergleich eine Abweichung vom Mittelwert nach unten dar. Das Umgekehrte gilt für positive Werte.

Mit einfachen Worten: Sinkt unser Barometer, nehmen die Brexit-Sorgen der Marktteilnehmer zu.

  • LBBW Brexit-Barometer

    Stand: 31.10.2019, Quelle: Refinitiv, LBBW Research

Tweet-Historie

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Weitere Analysen

LBBW Brexit-Barometer auf einen Blick.

Der LBBW-Barometer zeigt auf einen Blick: Wie ist die Stimmung der Marktteilnehmer im Brexit-Prozess?

  • Barometer-Tiefststand

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    Der LBBW Brexit-Barometer für die Brexit-Erwartungen hat einen Tiefststand erreicht. Die Marktteilnehmer haben mit Blick auf den Brexit große Sorgen.

  • Barometer-Pessimismus

    LBBW Brexit-Barometer: Pessimismus

    Der LBBW Brexit-Barometer für die Brexit-Erwartungen liegt unter dem Mittel. Die Marktteilnehmer haben mit Blick auf den Brexit überwiegend Sorgen.

  • Barometer-Eintrübung

    LBBW Brexit-Barometer: Eintrübung

    Der LBBW BRexit-Barometer für die Brexit-Erwartungen liegt nahe dem Mittel. Die Marktteilnehmer haben mit Blick auf den Brexit gespannte Stimmung.

  • Barometer-Gelassenheit

    LBBW Brexit-Barometer: Gelassenheit

    Der LBBW Brexit-Barometer für die Brexit-Erwartungen liegt über dem Mittel. Die Marktteilnehmer haben mit Blick auf den Brexit nur wenig Sorgen.

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    Der LBBW Brexit-Barometer für die Brexit-Erwartungen hat einen Höchststand erreicht. Die Marktteilnehmer haben mit Blick auf den Brexit keine Sorgen.

Research zu den Brexit-Verhandlungen.

Das LBBW Research begleitet Sie nicht nur mit dem LBBW #Brexit-Barometer durch die Verhandlungen. In unseren Publikationen analysieren wir die Auswirkungen des Brexit-Votums auf die Wirtschaft sowie die Finanzmärkte und kommentieren die Folgen von Entscheidungen in der Wirtschafts-, Notenbank- und Regierungspolitik.

Wir bieten Ihnen das marktrelevante Research in Zeiten von wirtschaflicher Veränderung und hoher politischer Unsicherheit. Eine Auswahl unserer bisherigen Analysen zum Brexit haben wir für Sie zusammengestellt.

Brexit Timline

Die wichtigsten Ereignisse zum Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union in einer kurzen Chronologie des Brexit (2103 bis 2020).

Ausblick bis 2020

31. Dezember 2020
Ursprüngliches Ende der Übergangsphase.

31. Januar 2020
Neues spätestes Austrittsdatum, auf das sich die EU-Staaten am 28. Oktober 2019 geeinigt haben.

2019

12. Dezember 2019
Wahlen zum Unterhaus in Großbritanien.

31. Oktober 2019
Spätestes Austrittsdatum der ersten Verschiebung des Brexit, beschlossen auf dem EU-Sondergipfel am 10. April 2019.

29. Oktober 2019
Mit großer Mehrheit hat das Unterhaus einem Gesetz für Neuwahlen am 12. Dezember 2019 zugestimmt.

28. Oktober 2019
Die EU-Staaten haben sich auf eine Verschiebung Austrittstermins bis zum 31. Januar 2020 geeinigt. Die Regelung erlaubt auch ein früheres Austrittsdatum.

24. Oktober 2019
Premier Johnson schlägt Neuwahlen für den 12. Dezember 2019 vor. Für seinen Vorschlag benötigt er eine 2/3-Mehrheit im Parlament.

21. Oktober 2019
Der Sprecher des Unterhauses Bercow lehnt eine zweite Abstimmung über das neue Abkommen ab.

20. Oktober 2019
Die britische Regierung bittet die EU um einen neuerlichen Aufschub des Austritts aus der EU bis zum 31. Januar 2020.

19. Oktober 2019
Das Unterhaus verschiebt eine Abstimmung über das neue Abkommen und stimmt einem Antrag zu, der vorsieht, dass eine Entscheidung vertagt werden soll, bis das Ratifizierungsgesetz verabschiedet ist.

17. Oktober 2019
Bei den neuerlichen Verhandlungen zum Brexit wird eine Einigung zwischen UK und EU erzielt.

24. September 2019
Der Supreme Court erklärt die von Premierminister Boris Johnson auferlegte Zwangspause des Parlaments für rechtswidrig.

4. September 2019
Das Unterhaus stimmt einem Gesetzentwurf (No-No-Deal-Brexit) zu, wonach die britische Regierung einen Deal mit der Europäischen Union vorweisen muss. Andernfalls soll eine erneute Verschiebung des Brexit bis zum 31. Januar 2020 in Brüssel beantragt werden. Damit soll der No-Deal-Brexit verhindert werden.

28. August 2019
Premier Johnson bittet Queen Elisabeth II. die aktuelle Sitzungsphase des britischen Parlaments in der zweiten Septemberwoche zu beenden. Das Parlament wird erst wieder am 14. Oktober wieder zurückkehren

24. Juli 2019
Boris Johnson wird neuer Premier, nachdem er die Wahl zum Parteivorsitz der Konservativen Partei (Tories) gewonnen hat.

2. Juli 2019
Konstituierung des neugewählten Europäischen Parlaments.

7. Juni 2019
Rücktritt von May vom Vorsitz der Konservativen Partei (Tories).

23. bis 26. Mai
Wahl des Europäischen Parlaments

18. April 2019
Letzte Plenartagung des Europäischen Parlaments.

10. April 2019
Die EU Statts- und Regierungschefs beschliessen auf dem EU-Sondergipfel einen Aufschub des Brexit bis zum 31. Oktober. Ein früherer Austritt bleibt möglich, falls das Unterhaus dem Austrittsabkommen doch noch zustimmen sollte.

29. März 2019
Ursprüngliches Austrittsdatum mit Ende der EU-Mitgliedschaft und Beginn der Übergangsphase. Das Unterhaus lehnt zum dritten Mal das ausgehandelte Austrittsabkommen ab.

27. März 2019
Das Unterhaus hat acht Alternativen zum Abkommen mit der EU abgelehnt.

21. März 2019
Der EU-Gipfel beschliesst einen möglichen Aufschub des Brexit bis zum 12. April. Sollte das Unterhaus dem Austrittsabkommen noch zustimmen, soll der Aufschub bis zum 22. Mai verlängert werden.

19. März 2019
Der Sprecher des Unterhauses, John Bercow, lässt die von der britischen Regierung geplante dritte Parlamentsabstimmung über das Austrittsabkommen am 20. März nicht zu.

14. März 2019
Unterhaus stimmt mit 412 zu 202 Stimmen für eine Verschiebung des Brexit-Termins.

13. März 2019
Unterhaus spricht sich mit einer Mehrheit von 43 Stimmen gegen „Hard Brexit“ aus.

12. März 2019
Erneute Abstimmung im britischen Unterhaus über die Verhandlungsergebnisse. Britisches Unterhaus lehnt Austrittsabkommen ab.

14. Februar 2019
Das Unterhaus lehnt die Erklärung über das Vorgehen der Regierung und den Stand der Gespräche mit der EU ab.

29. Januar 2019
Das Unterhaus stimmt einem Antrag zu, durch denTheresa May den Auftrag erhält, den umstrittenen Backstop für die innerirische Grenze mit der EU neu zu verhandeln.

16. Januar 2019
Der von Oppositionsführer Jeremy Corbyn gestellte Misstrauensantrag gegen die Regierung ist gescheitert.

15. Januar 2019
Unterhaus lehnt Austrittsabkommen mit der EU ab.

2018

12. Dezember 2018
Parteiintenes Misstrauensvorum gegen Theresa May scheitert erwartungsgemäß.

10. Dezember 2018
Theresa May sagt das für den 11. Dezember geplante Votum im britischen Unterhaus zum Austrittsabkommen ab.

25. November 2018
Europäischer Rat beschließt auf Sondergipfel die Verhandlungsergebnisse.

Bis November 2018
Detailverhandlungen zum Brexit.

2017

Bis Ende 2017
Verhandlungen zwischen EU und Großbritannien über die „divorce bill“ sowie die Rechte von Briten und EU-Bürgern, die Rolle des EU-Gerichtshofs sowie die Grenze in Irland.

24. September 2017
Bundestagswahl in Deutschland

19. Juni 2017
Start der Austrittsverhandlungen.

8. Juni 2017
Unterhauswahlen in Großbritannien.

29. März 2017
Der EU-Botschafter Barrow übergibt den Austrittsantrag in Brüssel.

14. März 2017
Das Parlament stimmt für das von der Regierung vorgelegte Brexit-Gesetz.

18. Januar 2017
Premierministerin May kündigt einen "clean brake" an.

3. Januar 2017
Rogers, der britische EU-Botschafter, gibt sein Amt auf und verlässt Brüssel.

2016

3. November 2016
Der High Court entscheidet, dass die Regierung die Brexit-Verhandlungen nur mit Zustimmung des Parlaments führen darf.

02. Oktober 2016
Premierministerin May kündigt an, dass bis Ende März 2017 ein Austrittsantrag nach Artikel 50 des EU-Vertrags eingereicht wird.

13. Juli 2016
May ist neue britische Premierministerin. Johnson wird Außenminister. Zuständig für den Brexit ist jedoch Davis als "Principal Secretary of State for Exiting the European Union".

11. Juli 2016
Premier Cameron verkündet die Kandidatur von May für seine Nachfolge.

30. Juni 2016
Johnson verzichtet auf die Nachfolge von Premier Cameron.

24. Juni 2016
Premier Cameron erklärt seinen Rücktritt bis spätestens Oktober.

23. Juni 2016
Brexit-Votum: 46,5 Millionen Briten stimmen über "Brexit" oder "Bremain" ab. Am folgenden Tag steht das Ergebnis fest: 51,9 Prozent der Briten wollen die EU verlassen.

20. Februar 2016
Premier Cameron das EU-Referendum für den 23. Juni an, will seinen Landsleuten aber zu einem Verbleib in der EU raten. Einen Tag zuvor kommen die Staats- und Regierungschef aller EU-Staaten den Briten mit einem Reformpaket entgegen.

5. Februar 2016
Premier Cameron gibt seinen Ministern in der Frage eines EU-Austritts freie Hand. Vor dem geplanten EU-Referendum stellen sich fünf Minister auf die Seite des Brexit-Lagers, darunter Justizminister Gove. Der Londoner Ex-Bürgermeister Boris Johnson schlägt sich ebenfalls auf die Seite der Brexit-Befürworter.

2. Februar 2016
Die EU will Großbritannien Ausnahmen und Sonderregelungen zugestehen, um einen Brexit zu verhindern. Für das Entgegenkommen sollen die EU-Verträge jedoch nicht geändert werden.

2015

November 2015
Premier Cameron stellt Forderungen nach EU-Reformen und droht mit dem EU-Austritt.

28. Mai 2015
Im Parlament wird der Gesetzesentwurf zum Referendum eingereicht.

7. Mai 2015
Premier Camerons Partei siegt bei der Parlamentswahl und erneuert sein Versprechen eines EU-Referendums.

2014

Premier Cameron stellt Forderungen für die weitere Mitgliedschaft Großbritanniens in der Europäischen Gemeinschaft.

2013

23. Januar 2013
Premier Cameron stellt im Falle des Wahlsiegs ein Referendum zum Verbleib in der EU bis spätestens 2017 in Aussicht.

LBBW-Experte und verantwortlicher Analyst.

Dirk Chlench als verantwortlicher Analyst wird Sie auch weiterhin auf dem Laufenden halten.

Dirk Chlench, Analyst Strategy & Macro - LBBW Research

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Analyst Strategy & Macro - LBBW Research
Tel +49 711 127-7 61 36
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Unser Tipp

Brexit Monitor von DESTATIS

Der Brexit Monitor des Statistischen Bundesamtes bietet interaktive Grafiken rund um die Brexit-Entscheidung zu den Aspekten:

  • Migration
  • Wirtschaft
  • Arbeitsmarkt
  • Außenhandel
  • EU-27 ohne das Vereinigte Königreich: Auswirkungen des Austritts auf die Europäische Union
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