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LBBW Brexit-Barometer

LBBW Brexit-Barometer

Das LBBW Research begleitet Sie durch die Brexit-Verhandlungen und bietet Ihnen marktrelevantes Research in Zeiten hoher politischer Unsicherheit.

Tweet: @LBBW · 30. August 2018

Vorbereitungen für einen „No-Deal“-Brexit laufen

Grenzfrage zwischen Nordirland und Irland noch ungeklärt

Nachdem der Chequers-Deal, den Theresa May mühsam ihren Parteikollegen abgerungen hatte, auf wenig Begeisterung bei der EU gestoßen ist, deutet immer mehr auf einen ungeordneten Brexit zwischen dem Vereinigten Königreich und der EU hin. Für diesen Fall hatte die EU bereits vor Monaten Notfallpläne veröffentlicht, nun hat auch die Regierung in London Empfehlungen zum Umgang mit einem „No-Deal“-Brexit herausgegeben. Bis heute wurden 25 von 80 Dokumenten veröffentlicht, die unter anderem an den Warenhandel, das Gesundheitswesen, die Landwirtschaft und die Finanzbranche adressiert sind. Demnach sollen sich Unternehmen beim Warenhandel auf zunehmende Bürokratie an den Grenzen einstellen. Dies würde die Produktion sowohl britischer als auch europäischer Unternehmen beeinträchtigen, da Lieferketten durch Zeitverzögerungen unterbrochen werden müssten. Betroffene Unternehmen, zu denen auch die der Pharmaindustrie gehören, zeigten sich wenig begeistert. Für sie wurde beispielsweise der Vorschlag eingebracht, einen Medikamentenvorrat anzulegen, um Engpässen bei der Versorgung mit Medikamenten aus der EU vorzubeugen. Allerdings wurden keine konkreten Pläne vorgelegt, wie man mit nicht-lagerfähigen Medikamenten umgehen soll. Auch die Zertifizierung in der Landwirtschaft und im Finanzbereich könnte zu Problemen führen. Dies würde sich auch auf die Haushalte auswirken, die unter anderem höhere Bankgebühren zu befürchten haben. Um die negativen Auswirkungen auch im Falle eines Austritts ohne Anschlussabkommen möglichst gering zu halten, will das Vereinigte Königreich auch über den Austrittstermin am 29. März 2019 europäische Standards beispielsweise im Finanz- und Gesundheitsbereich akzeptieren. Hier hofft man in London auf ähnliche Regelungen von Seiten der EU auf die man sich aber keinesfalls verlassen kann.

Das Verlassen der EU ohne einen Deal wurde bereits in der Vergangenheit insbesondere vom Vereinigten Königreich als Druckmittel genutzt, um sich in eine bessere Verhandlungsposition zu bringen und der EU mehr Zugeständnisse zu entlocken. Angesichts der verbleibenden Zeit scheint dieses Szenario aber tatsächlich immer wahrscheinlicher zu werden. Schon bis Mitte Oktober sollen unterschriftsreife Austrittsverträge vorliegen, damit beim EU-Gipfel darüber beraten werden kann. Einige Experten rechnen bereits damit, dass im November oder sogar Dezember ein Sondergipfel angesetzt werden muss, um doch noch einen geordneten Austritt zu ermöglichen. Zwar wird von beiden Seiten immer wieder betont, dass man alles tun werde, um einen No Deal“-Brexit zu verhindern, und Brexit-Minister Raab betonte, dass man sich bei 80% der Themen mit der EU bereits geeinigt habe, aber bei wichtigen Punkten wie der Grenzfrage zwischen Irland und Nordirland ist man noch weit von einer Einigung entfernt. Immerhin scheinen die Beteiligten den Ernst der Lage verstanden zu haben. Die Regierung in London schickt Raab jede Woche zum Verhandeln nach Brüssel. Die aktuellen Entwicklungen bestätigen unsere Prognosen. Vor kurzem hatten wir die Wahrscheinlichkeit unseres Worst-Case Szenarios, das einem „No Deal“-Brexit entspricht, auf 25% erhöht.

Theresa May versuchte während ihrer Afrika-Reise, bei der sie unter anderem nach zukünftigen Handelspartnern Ausschau hielt, die Auswirkungen durch einen „No Deal“-Brexit herunterzuspielen und wiederspricht damit ihrem Finanzminister, der unter anderem eine wachsende Verschuldung im Falle eines harten Brexits prognostizierte. Damit entfernt sie sich wieder etwas von ihrer Soft-Brexit Linie, die parteiintern auf viel Wiederstand gestoßen ist. Im September steht mit dem Parteitag der Konservativen Partei ein weiterer wichtiger Termin bevor, bei dem vor allem der Brexit-Flügel in der Partei für einen Abkehr vom Chequers-Deal werben wird. Derweil steht die Bevölkerung den aktuellen Entwicklungen kritisch gegenüber. Einer Umfrage von YouGov zufolge würde die Mehrheit derzeit für einen Verbleib in der EU stimmen. Jeder zweite fordert eine erneute Abstimmung. Dazu passt auch unser Brexit-Barometer, das eine Zunahme der Brexit-Sorgen der Marktteilnehmer in den letzten Wochen zeigt.

Indikatoren des LBBW Brexit-Barometer

In unser LBBW-Barometer für die Brexit-Sorgen der Marktteilnehmer gehen fünf Indikatoren gleichgewichtet ein:

  • der Außenwert des Pfund Sterling
  • die relative Stärke britischer Bankaktien
  • die relative Stärke des britischen Aktienmarktes
  • die Kreditausfallprämie für britische Staatsanleihen
  • die Entwicklung von an der Londoner Börse notierten Immobilienfonds

Ein negativer Wert stellt im historischen Vergleich eine Abweichung vom Mittelwert nach unten dar. Das Umgekehrte gilt für positive Werte.

Mit einfachen Worten: Sinkt unser Barometer, nehmen die Brexit-Sorgen der Marktteilnehmer zu.

  • LBBW Brexit-Barometer

    Stand: 26.11.2018, Quelle: Refinitiv, LBBW Research

Tweet-Historie

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Vorbereitungen für einen „No-Deal“-Brexit laufen. Grenzfrage zwischen Nordirland und Irland noch ungeklärt.

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LBBW Brexit-Barometer auf einen Blick.

Der LBBW-Barometer zeigt auf einen Blick: Wie ist die Stimmung der Marktteilnehmer im Brexit-Prozess?

  • Barometer-Tiefststand

    LBBW Brexit-Barometer: Tiefststand

    Der LBBW Brexit-Barometer für die Brexit-Erwartungen hat einen Tiefststand erreicht. Die Marktteilnehmer haben mit Blick auf den Brexit große Sorgen.

  • Barometer-Pessimismus

    LBBW Brexit-Barometer: Pessimismus

    Der LBBW Brexit-Barometer für die Brexit-Erwartungen liegt unter dem Mittel. Die Marktteilnehmer haben mit Blick auf den Brexit überwiegend Sorgen.

  • Barometer-Eintrübung

    LBBW Brexit-Barometer: Eintrübung

    Der LBBW BRexit-Barometer für die Brexit-Erwartungen liegt nahe dem Mittel. Die Marktteilnehmer haben mit Blick auf den Brexit gespannte Stimmung.

  • Barometer-Gelassenheit

    LBBW Brexit-Barometer: Gelassenheit

    Der LBBW Brexit-Barometer für die Brexit-Erwartungen liegt über dem Mittel. Die Marktteilnehmer haben mit Blick auf den Brexit nur wenig Sorgen.

  • Barometer-Höchststand

    LBBW Brexit-Barometer: Höchststand

    Der LBBW Brexit-Barometer für die Brexit-Erwartungen hat einen Höchststand erreicht. Die Marktteilnehmer haben mit Blick auf den Brexit keine Sorgen.

Research zu den Brexit-Verhandlungen.

Das LBBW Research begleitet Sie nicht nur mit dem LBBW #Brexit-Barometer durch die Verhandlungen. In unseren Publikationen analysieren wir die Auswirkungen des Brexit-Votums auf die Wirtschaft sowie die Finanzmärkte und kommentieren die Folgen von Entscheidungen in der Wirtschafts-, Notenbank- und Regierungspolitik.

Wir bieten Ihnen das marktrelevante Research in Zeiten von wirtschaflicher Veränderung und hoher politischer Unsicherheit. Eine Auswahl unserer bisherigen Analysen zum Brexit haben wir für Sie zusammengestellt.

Schaubild Brexit Timeline

Brexit Timeline

So sieht der Brexit-Fahrplan aus: Die wichtigsten Ereignisse vor und nach dem Brexit-Votum.

Schaubild

2018 und Ausblick bis 2020

31. Dezember 2020
Übergangsphase endet, Verlängerung möglich.

ab April 2019
Verhandlungen über Handelsabkommen.

29. März 2019
Ende der EU-Mitgliedschaft, Übergangsphase beginnt.

bis März 2019
Abstimmung über die Verhandlungsergebnisse im EU-Parlament.
Rat der Europäischen Union beschließt mit qualifizierter Mehrheit über die Verhandlungsergebnisse.

11. Dezember 2018
Abstimmung im britischen Unterhaus über die Verhandlungsergebnisse.

25. November 2018
Europäischer Rat beschließt auf Sondergipfel die Verhandlungsergebnisse.

Bis November 2018
Detailverhandlungen zum Brexit.

2017

Bis Ende 2017
Verhandlungen zwischen EU und Großbritannien über die „divorce bill“ sowie die Rechte von Briten und EU-Bürgern, die Rolle des EU-Gerichtshofs sowie die Grenze in Irland.

24. September 2017
Bundestagswahl in Deutschland

19. Juni 2017
Start der Austrittsverhandlungen.

8. Juni 2017
Unterhauswahlen in Großbritannien.

29. März 2017
Der EU-Botschafter Barrow übergibt den Austrittsantrag in Brüssel.

14. März 2017
Das Parlament stimmt für das von der Regierung vorgelegte Brexit-Gesetz.

18. Januar 2017
Premierministerin May kündigt einen "clean brake" an.

3. Januar 2017
Rogers, der britische EU-Botschafter, gibt sein Amt auf und verlässt Brüssel.

2016 - 2013

3. November 2016
Der High Court entscheidet, dass die Regierung die Brexit-Verhandlungen nur mit Zustimmung des Parlaments führen darf.

02. Oktober 2016
Premierministerin May kündigt an, dass bis Ende März 2017 ein Austrittsantrag nach Artikel 50 des EU- Vertrags eingereicht wird.

13. Juli 2016
May ist neue britische Premierministerin. Johnson wird Außenminister. Zuständig für den Brexit ist jedoch Davis als "Principal Secretary of State for Exiting the European Union".

11. Juli 2016
Premier Cameron verkündet die Kandidatur von May für seine Nachfolge.

30. Juni 2016
Johnson verzichtet auf die Nachfolge von Premier Cameron.

24. Juni 2016
Premier Cameron erklärt seinen Rücktritt bis spätestens Oktober.

23. Juni 2016
Brexit-Votum: 46,5 Millionen Briten stimmen über "Brexit" oder "Bremain" ab. Am folgenden Tag steht das Ergebnis fest: 51,9 Prozent der Briten wollen die EU verlassen.

20. Februar 2016
Premier Cameron das EU-Referendum für den 23. Juni an, will seinen Landsleuten aber zu einem Verbleib in der EU raten. Einen Tag zuvor kommen die Staats- und Regierungschef aller EU-Staaten den Briten mit einem Reformpaket entgegen.

5. Februar 2016
Premier Cameron gibt seinen Ministern in der Frage eines EU-Austritts freie Hand. Vor dem geplanten EU-Referendum stellen sich fünf Minister auf die Seite des Brexit-Lagers, darunter Justizminister Gove. Der Londoner Ex-Bürgermeister Johnson schlägt sich ebenfalls auf die Seite der Brexit- Befürworter.

11. November 2015
Premier Cameron stellt Forderungen nach EU-Reformen und droht mit dem EU-Austritt.

28. Mai 2015
Im Parlament wird der Gesetzesentwurf zum Referendum eingereicht.

7. Mai 2015
Premier Camerons Partei siegt bei der Parlamentswahl und erneuert sein Versprechen eines EU- Referendums.

1. März 2016
Premier Cameron stellt an Brüssel Forderungen zum Verbleib in der EU.

23. Januar 2013
Premier Cameron stellt im Falle des Wahlsiegs ein Referendum zum Verbleib in der EU bis spätestens 2017 in Aussicht.

LBBW-Experte und verantwortlicher Analyst.

Dirk Chlench als verantwortlicher Analyst wird Sie auch weiterhin auf dem Laufenden halten.

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Dirk Chlench
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