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LBBW Brexit-Barometer

LBBW Brexit-Barometer

Das LBBW Research begleitet Sie durch die Brexit-Verhandlungen und bietet Ihnen marktrelevantes Research in Zeiten hoher politischer Unsicherheit.

Tweet: @LBBW · 26. September 2018

UK-Wachstum: Vom Spitzenreiter zum Nachzügler.

Während das Vereinigte Königreich 2016 in der Gruppe der G10-Staaten beim Wachstum noch Rang 3 belegte, dürfte das Inselreich 2018 infolge der Brexit-Vorläufer auf den vorletzten Rang abrutschen.

UK-Wachstumsausblick: Vom Wachstumsspitzenreiter zum Nachzügler.

Das Expansionstempo der britischen Wirtschaft nahm nach dem Brexit-Votum im Juni 2016 anfänglich nicht ab. Ab 2017 sind jedoch im Verlauf nur noch geringe Wachstumsraten zu verzeichnen. Die sich aus dem Votum ergebenden Wachstumsbelastungen zeigen sich auch im internationalen Vergleich. Während das Vereinigte Königreich 2016 in der Gruppe der G10-Staaten beim Wachstum noch Rang 3 belegte, rutschte das Inselreich 2017 auf Rang 7 ab. Das Vereinigte Königreich dürfte im Jahr 2018 auf den vorletzten Rang abrutschen.

Quelle: Thomson Reuters, LBBW Research

In der ersten Jahreshälfte 2018 legte die britische Wirtschaft mit einer auf das Jahr hochgerechneten Rate (Jahresrate) von 1,1 % zu. Hauptursächlich für dieses geringe Wachstumstempo waren drei Faktoren, nämlich die geringe Zunahme des privaten Konsums, der Rückgang der Anlageinvestitionen sowie die Ausweitung des Defizits im Außenhandel.
Das Statistikamt ONS hat im diesen Jahr eine Neuerung eingeführt. Nun werden Daten zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) auch mit monatlicher Frequenz veröffentlicht. Demnach ist das BIP im Juli 2018 um 0,3 % gegenüber dem Vormonat angestiegen, nach einer entsprechenden Rate von 0,1 % im Juni. Somit zeichnet sich für das dritte Quartal 2018 eine Zunahme des Expansionstempos ab. Im Einklang damit steht die Aufwärtsentwicklung des Wirtschaftsvertrauens. Die Arbeitslosenquote fiel im Sommer auf 4,0 % und verzeichnete damit ihren niedrigsten Stand seit 1975. Daher steht zu erwarten, dass sich der Lohnanstieg beschleunigen und somit eine Stütze für den privaten Verbrauch im weiteren Jahresverlauf sein sollte. Es kommt unterstützend hinzu, dass die Inflationsrate abnehmen sollte. Dem steht indes entgegen, dass die private Sparquote Anfang 2017 auf ein Allzeittief fiel und danach nur unwesentlich anstieg. Es ist somit unwahrscheinlich, dass der private Verbrauch Rückenwind durch eine fallende Sparquote erhalten wird. Die Investitionsneigung der Unternehmen sollte weiterhin durch die Unwägbarkeiten des geplanten EU-Austritts belastet werden. Im Ergebnis sollte sich das Wachstum von 1,7 % im Jahr 2017 auf 1,5 % im Jahr 2018 abschwächen.

Drei Szenarien für das Wachstum im Jahr 2019

Da die Wirtschaftsentwicklung 2019 in hohen Maßen davon abhängt, wie sich der EU-Austritt gestalten wird, haben wir drei Szenarien aufgestellt. In unserem Haupt-szenario, welchem wir eine Eintrittswahrscheinlichkeit von 55 % beimessen, unter-stellen wir, dass sich die EU und das Vereinigte Königreich für die Zeit nach dem geplanten EU-Austritt im März 2019 auf eine knapp zwei Jahre laufende Übergangsperiode verständigen werden, an welche sich der Abschluss eines Freihandelsabkommens anschließt. In diesem Szenario sollte sich das Wachstum leicht beschleunigen, und zwar auf eine Rate von 1,8 % 2019. In unserem „Worst-Case“-Szenario unterstellen wir, dass das Vereinigte Königreich Ende März 2019 ohne Austrittsabkommen aus der EU ausscheiden wird. In diesen Fall würden für den Handel zwischen UK und der EU die Regeln der Welthandelsorganisation WTO Anwendung finden (Modell „Jedermann“). Sollte sich dieses Szenario bewahrheiten, dürfte die britische Wirtschaft in eine Rezession abgleiten. Im Jahresdurchschnitts 2019 sollte aufgrund eines sogenannten statistischen Überhanges gleichwohl noch eine positive Veränderungsrate zu verzeichnen sein. Die Wahrscheinlichkeitseinstufung für dieses Szenario hatten wir angesichts der verhaltenen Reaktion aus EU-Kreisen auf die sogenannten Chequers-Pläne der britischen Premierministerin Theresa May zwar bereits vor einiger Zeit von 10 % auf 25 % heraufgesetzt. Die kategorische Ablehnung ihrer Vorschläge durch die anderen EU-Staats- und Regierungschefs auf dem informellen Ratsgipfel, welcher jüngst in Salzburg stattfand, hat uns jedoch bewogen, unsere Wahrscheinlichkeitseinstufung für das Szenario „Hard Brexit“ abermals zu Lasten des „Soft-Brexit“-Szenarios anzuheben, und zwar um 10 %-Punkte auf 35 %.

In unserem Szenario „Soft Brexit“ (10 % Eintrittswahrscheinlichkeit) wird das Verei-nigte Königreich nach dem Ende einer Übergangsphase Mitglied in der Europäischen Zollunion werden. Dies hätte zur Folge, dass der Warenhandel zwischen dem Vereinigten Königreich und den EU-Mitgliedsstaaten weiterhin nicht durch Zölle oder gleichwirkende Abgaben behindert wird. Die negativen Auswirkungen des Brexit auf die britische Wirtschaft wären in diesem Szenario am geringsten, das Expansionstempo sollte sich beschleunigen. Wir nehmen für dieses optimistische Szenario eine Wachstumsrate in Höhe von 2,0 % für das Jahr 2019 an.

Indikatoren des LBBW Brexit-Barometer

In unser LBBW-Barometer für die Brexit-Sorgen der Marktteilnehmer gehen vier Indikatoren gleichgewichtet ein:

  • der Außenwert des Pfund Sterling
  • die relative Stärke britischer Bankaktien
  • die relative Stärke des britischen Aktienmarktes
  • die Kreditausfallprämie für britische Staatsanleihen
  • die Entwicklung von an der Londoner Börse notierten Immobilienfonds

Ein negativer Wert stellt im historischen Vergleich eine Abweichung vom Mittelwert nach unten dar. Das Umgekehrte gilt für positive Werte.

Mit einfachen Worten: Sinkt unser Barometer, nehmen die Brexit-Sorgen der Marktteilnehmer zu.

  • LBBW Brexit-Barometer

    Stand: 20.11.2018, Quelle: Refinitiv, LBBW Research

Tweet-Historie

Lesen Sie unsere letzten Analysen zum Brexit.

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LBBW Brexit-Barometer auf einen Blick.

Der LBBW-Barometer zeigt auf einen Blick: Wie ist die Stimmung der Marktteilnehmer im Brexit-Prozess?

  • Barometer-Tiefststand

    LBBW Brexit-Barometer: Tiefststand

    Der LBBW Brexit-Barometer für die Brexit-Erwartungen hat einen Tiefststand erreicht. Die Marktteilnehmer haben mit Blick auf den Brexit große Sorgen.

  • Barometer-Pessimismus

    LBBW Brexit-Barometer: Pessimismus

    Der LBBW Brexit-Barometer für die Brexit-Erwartungen liegt unter dem Mittel. Die Marktteilnehmer haben mit Blick auf den Brexit überwiegend Sorgen.

  • Barometer-Eintrübung

    LBBW Brexit-Barometer: Eintrübung

    Der LBBW BRexit-Barometer für die Brexit-Erwartungen liegt nahe dem Mittel. Die Marktteilnehmer haben mit Blick auf den Brexit gespannte Stimmung.

  • Barometer-Gelassenheit

    LBBW Brexit-Barometer: Gelassenheit

    Der LBBW Brexit-Barometer für die Brexit-Erwartungen liegt über dem Mittel. Die Marktteilnehmer haben mit Blick auf den Brexit nur wenig Sorgen.

  • Barometer-Höchststand

    LBBW Brexit-Barometer: Höchststand

    Der LBBW Brexit-Barometer für die Brexit-Erwartungen hat einen Höchststand erreicht. Die Marktteilnehmer haben mit Blick auf den Brexit keine Sorgen.

Research zu den Brexit-Verhandlungen.

Das LBBW Research begleitet Sie nicht nur mit dem LBBW #Brexit-Barometer durch die Verhandlungen. In unseren Publikationen analysieren wir die Auswirkungen des Brexit-Votums auf die Wirtschaft sowie die Finanzmärkte und kommentieren die Folgen von Entscheidungen in der Wirtschafts-, Notenbank- und Regierungspolitik.

Wir bieten Ihnen das marktrelevante Research in Zeiten von wirtschaflicher Veränderung und hoher politischer Unsicherheit. Eine Auswahl unserer bisherigen Analysen zum Brexit haben wir für Sie zusammengestellt.

Schaubild Brexit Timeline

Brexit Timeline

Die wichtigsten Ereignisse vor und nach dem Brexit-Votum.

Schaubild

Ausblick 2018 bis 2020

31. Dezember 2020
Übergangsphase endet.

ab April 2019
Verhandlungen über Handelsabkommen.

29. März 2019
Ende der EU-Mitgliedschaft, Übergangsphase beginnt

bis März 2019
Abstimmung über die Verhandlungsergebnisse im EU-Parlament und im britischen Parlament.
Ggf. Abstimmung in nationalen Parlamenten der EU-Mitglieder

25. November 2018
Europäischer Rat beschließt auf Sondergipfel mit qualifizierter Mehrheit über die Verhandlungsergebnisse.

Bis November 2018
Detailverhandlungen zum Brexit.

2017

Bis Ende 2017
Verhandlungen zwischen EU und Großbritannien über die „divorce bill“ sowie die Rechte von Briten und EU-Bürgern, die Rolle des EU-Gerichtshofs sowie die Grenze in Irland.

24. September 2017
Bundestagswahl in Deutschland

19. Juni 2017
Start der Austrittsverhandlungen.

8. Juni 2017
Unterhauswahlen in Großbritannien.

29. März 2017
Der EU-Botschafter Barrow übergibt den Austrittsantrag in Brüssel.

14. März 2017
Das Parlament stimmt für das von der Regierung vorgelegte Brexit-Gesetz.

18. Januar 2017
Premierministerin May kündigt einen "clean brake" an.

3. Januar 2017
Rogers, der britische EU-Botschafter, gibt sein Amt auf und verlässt Brüssel.

2016 - 2013

3. November 2016
Der High Court entscheidet, dass die Regierung die Brexit-Verhandlungen nur mit Zustimmung des Parlaments führen darf.

02. Oktober 2016
Premierministerin May kündigt an, dass bis Ende März 2017 ein Austrittsantrag nach Artikel 50 des EU- Vertrags eingereicht wird.

13. Juli 2016
May ist neue britische Premierministerin. Johnson wird Außenminister. Zuständig für den Brexit ist jedoch Davis als "Principal Secretary of State for Exiting the European Union".

11. Juli 2016
Premier Cameron verkündet die Kandidatur von May für seine Nachfolge.

30. Juni 2016
Johnson verzichtet auf die Nachfolge von Premier Cameron.

24. Juni 2016
Premier Cameron erklärt seinen Rücktritt bis spätestens Oktober.

23. Juni 2016
Brexit-Votum: 46,5 Millionen Briten stimmen über "Brexit" oder "Bremain" ab. Am folgenden Tag steht das Ergebnis fest: 51,9 Prozent der Briten wollen die EU verlassen.

20. Februar 2016
Premier Cameron das EU-Referendum für den 23. Juni an, will seinen Landsleuten aber zu einem Verbleib in der EU raten. Einen Tag zuvor kommen die Staats- und Regierungschef aller EU-Staaten den Briten mit einem Reformpaket entgegen.

5. Februar 2016
Premier Cameron gibt seinen Ministern in der Frage eines EU-Austritts freie Hand. Vor dem geplanten EU-Referendum stellen sich fünf Minister auf die Seite des Brexit-Lagers, darunter Justizminister Gove. Der Londoner Ex-Bürgermeister Johnson schlägt sich ebenfalls auf die Seite der Brexit- Befürworter.

11. November 2015
Premier Cameron stellt Forderungen nach EU-Reformen und droht mit dem EU-Austritt.

28. Mai 2015
Im Parlament wird der Gesetzesentwurf zum Referendum eingereicht.

7. Mai 2015
Premier Camerons Partei siegt bei der Parlamentswahl und erneuert sein Versprechen eines EU- Referendums.

1. März 2016
Premier Cameron stellt an Brüssel Forderungen zum Verbleib in der EU.

23. Januar 2013
Premier Cameron stellt im Falle des Wahlsiegs ein Referendum zum Verbleib in der EU bis spätestens 2017 in Aussicht.

LBBW-Experte und verantwortlicher Analyst.

Dirk Chlench als verantwortlicher Analyst wird Sie auch weiterhin auf dem Laufenden halten.

Dirk Chlench
Analyst Strategy & Macro - LBBW Research
Tel +49 711 127-7 61 36
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