LBBW
LBBW Brexit-Barometer

Brexit-Drama – nächster Teil: Britisches Unterhaus darf wieder zusammenkommen.

25.9.2019 - LBBW Brexit Barometer erholt sich von Tiefstständen, aber HardBrexit laut LBBW Research damit nicht vom Tisch

LBBW Brexit-Barometer: Pessimismus

Tweet: @LBBW | 25. September 2019

Der Oberste Gerichtshof des Vereinigten Königreiches (Supreme Court) hat entschieden, dass der Ratschlag, den Premierminister Boris Johnson seiner Königin gab, nämlich das britische Unterhaus für die Zeit vom 9. September bis zum 14. Oktober zu suspendieren (Prorogation), unrechtsmäßig, nichtig und ohne Wirkung war. Die Entscheidung der elf Richter fiel einhellig aus. Nach Ansicht des Gerichtes war der Ratschlag des Premiers unrechtmäßig, da er darauf abzielte, das Unterhaus davon abzuhalten, seiner konstitutionellen Funktion nachzukommen. Der Präsident des Unterhauses, John Bercow, erklärte unmittelbar nach Bekanntwerden des Gerichtsentscheides, das Unterhaus solle wieder ohne Verzögerung zusammentreten. Führende Vertreter der Oppositionsparteien forderten Boris Johnson nach seiner Schlappe vor Gericht zum Rücktritt auf.

Nach unserer Einschätzung wird Premierminister Boris Johnson den vielfältigen Rufen nach seinem Rücktritt nicht nachkommen. Der Premierminister wird so kurz vor seinem Ziel, dem Ausscheiden des Vereinigten Königreiches aus der EU, den Bettel nicht hinschmeißen. Die oppositionellen Volksvertreter könnten zwar im nun wieder zusammenkommenden Unterhaus einen Misstrauensantrag gegen Boris Johnson stellen. Aber auch im Erfolgsfall wären die Vertreter der Opposition, ihrem eigentlichen Ziel, nämlich die Verhinderung eines „Hard Brexit“, nicht viel nähergekommen. Denn Boris Johnson wird nach einem erfolgreichen Misstrauensvotum immer noch geschäftsführend im Amt bleiben. Das sogenannte Anti-No-Deal Gesetz sieht zwar vor, dass der Premierminister die EU um eine Verschiebung des Austrittstermins ersuchen muss, sollte bis zum 19. Oktober keine Einigung auf ein Austrittsabkommen zustande kommen. Der Premierminster Boris Johnson hat jedoch mehrfach erklärt, die EU nicht um eine Verschiebung des Austrittstermins ersuchen zu wollen. Lieber hänge er tot über den Gartenzaun, so der Premierminister. Das Boris Johnson in diesem Fall ein Gerichtsprozess droht, ist ziemlich unstreitig. Ob seine Weigerung, dem Anti-No-Deal Gesetz Folge zu leisten, aber unweigerlich zu einem „Hard Brexit“ führt, ist schwierig zu beurteilen.

Infografik - Brexit Szenarien

Die Statuen sehen zwar vor, dass das Unterhaus nach einem erfolgreichen Misstrauensvotum aus ihren Reihen innerhalb von zwei Wochen eine neue Regierung bildet oder der alten Regierung wieder ihr Vertrauen ausspricht. Die Oppositionsparteien konnten sich bislang aber nicht auf einen Kandidaten einigen. Die Liberaldemokraten, welche mit 18 Sitzen im Unterhaus vertreten sind und sich eindeutig für einen Verbleib in der EU ausgesprochen haben, scheinen offenbar einen Premierminister Jeremy Corbyn noch mehr zu fürchten als einen „Hard Brexit“. Sollte eine Regierungsbildung innerhalb der Zweiwochenfrist nicht gelingen, sieht das Gesetz Neuwahlen vor. Diese dürften aber erst nach dem Austrittsdatum stattfinden und können somit den Brexit nicht mehr verhindern. Davon abgesehen liegen die Konservativen in den Umfragen ohnehin vorne. Aus diesem Grund halten wir unsere Wahrscheinlichkeitseinstufung für das Szenario „Hard Brexit“ in Höhe von 45 % weiterhin bei.

Infografik - Brexit Szenarien

Indikatoren des LBBW Brexit-Barometer

In unser LBBW-Barometer für die Brexit-Sorgen der Marktteilnehmer gehen fünf Indikatoren gleichgewichtet ein:

  • der Außenwert des Pfund Sterling
  • die relative Stärke britischer Bankaktien
  • die relative Stärke des britischen Aktienmarktes
  • die Kreditausfallprämie für britische Staatsanleihen
  • die Entwicklung von an der Londoner Börse notierten Immobilienfonds

Ein negativer Wert stellt im historischen Vergleich eine Abweichung vom Mittelwert nach unten dar. Das Umgekehrte gilt für positive Werte.

Mit einfachen Worten: Sinkt unser Barometer, nehmen die Brexit-Sorgen der Marktteilnehmer zu.

  • LBBW Brexit-Barometer

    Stand: 31.10.2019, Quelle: Refinitiv, LBBW Research

Tweet-Historie

Lesen Sie unsere letzten Analysen zum Brexit.

23. Oktober 2019

Brexit: Er kommt, aber später!

Der allseits erhoffte geregelte Brexit kommt wohl also tatsächlich, jedoch später als von Premier Boris Johnson gewünscht.

Zur Analyse

2. Oktober 2019

LBBW Brexit Barometer zeigt die 4 aktuellen Brexit-Szenarien auf.

LBBW Research stuft die Wahrscheinlichkeit für einen Hard Brexit auf 45 % ein.

Zur Analyse

25. September 2019

Brexit-Drama – nächster Teil: Britisches Unterhaus darf wieder zusammenkommen.

LBBW Brexit Barometer erholt sich von Tiefstständen, aber HardBrexit laut LBBW Research damit nicht vom Tisch.

Zur Analyse

Übersicht

Alle Brexit Analysen seit 2018

Auf der Übersicht finden Sie alle Tweets mit den Analysen zum Thema Brexit seit Mai 2018.

Weitere Analysen

LBBW Brexit-Barometer auf einen Blick.

Der LBBW-Barometer zeigt auf einen Blick: Wie ist die Stimmung der Marktteilnehmer im Brexit-Prozess?

  • Barometer-Tiefststand

    LBBW Brexit-Barometer: Tiefststand

    Der LBBW Brexit-Barometer für die Brexit-Erwartungen hat einen Tiefststand erreicht. Die Marktteilnehmer haben mit Blick auf den Brexit große Sorgen.

  • Barometer-Pessimismus

    LBBW Brexit-Barometer: Pessimismus

    Der LBBW Brexit-Barometer für die Brexit-Erwartungen liegt unter dem Mittel. Die Marktteilnehmer haben mit Blick auf den Brexit überwiegend Sorgen.

  • Barometer-Eintrübung

    LBBW Brexit-Barometer: Eintrübung

    Der LBBW BRexit-Barometer für die Brexit-Erwartungen liegt nahe dem Mittel. Die Marktteilnehmer haben mit Blick auf den Brexit gespannte Stimmung.

  • Barometer-Gelassenheit

    LBBW Brexit-Barometer: Gelassenheit

    Der LBBW Brexit-Barometer für die Brexit-Erwartungen liegt über dem Mittel. Die Marktteilnehmer haben mit Blick auf den Brexit nur wenig Sorgen.

  • Barometer-Höchststand

    LBBW Brexit-Barometer: Höchststand

    Der LBBW Brexit-Barometer für die Brexit-Erwartungen hat einen Höchststand erreicht. Die Marktteilnehmer haben mit Blick auf den Brexit keine Sorgen.

Research zu den Brexit-Verhandlungen.

Das LBBW Research begleitet Sie nicht nur mit dem LBBW #Brexit-Barometer durch die Verhandlungen. In unseren Publikationen analysieren wir die Auswirkungen des Brexit-Votums auf die Wirtschaft sowie die Finanzmärkte und kommentieren die Folgen von Entscheidungen in der Wirtschafts-, Notenbank- und Regierungspolitik.

Wir bieten Ihnen das marktrelevante Research in Zeiten von wirtschaflicher Veränderung und hoher politischer Unsicherheit. Eine Auswahl unserer bisherigen Analysen zum Brexit haben wir für Sie zusammengestellt.

Brexit Timline

Die wichtigsten Ereignisse zum Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union in einer kurzen Chronologie des Brexit (2103 bis 2020).

Ausblick bis 2020

31. Dezember 2020
Ursprüngliches Ende der Übergangsphase.

31. Januar 2020
Neues spätestes Austrittsdatum, auf das sich die EU-Staaten am 28. Oktober 2019 geeinigt haben.

2019

12. Dezember 2019
Wahlen zum Unterhaus in Großbritanien.

31. Oktober 2019
Spätestes Austrittsdatum der ersten Verschiebung des Brexit, beschlossen auf dem EU-Sondergipfel am 10. April 2019.

29. Oktober 2019
Mit großer Mehrheit hat das Unterhaus einem Gesetz für Neuwahlen am 12. Dezember 2019 zugestimmt.

28. Oktober 2019
Die EU-Staaten haben sich auf eine Verschiebung Austrittstermins bis zum 31. Januar 2020 geeinigt. Die Regelung erlaubt auch ein früheres Austrittsdatum.

24. Oktober 2019
Premier Johnson schlägt Neuwahlen für den 12. Dezember 2019 vor. Für seinen Vorschlag benötigt er eine 2/3-Mehrheit im Parlament.

21. Oktober 2019
Der Sprecher des Unterhauses Bercow lehnt eine zweite Abstimmung über das neue Abkommen ab.

20. Oktober 2019
Die britische Regierung bittet die EU um einen neuerlichen Aufschub des Austritts aus der EU bis zum 31. Januar 2020.

19. Oktober 2019
Das Unterhaus verschiebt eine Abstimmung über das neue Abkommen und stimmt einem Antrag zu, der vorsieht, dass eine Entscheidung vertagt werden soll, bis das Ratifizierungsgesetz verabschiedet ist.

17. Oktober 2019
Bei den neuerlichen Verhandlungen zum Brexit wird eine Einigung zwischen UK und EU erzielt.

24. September 2019
Der Supreme Court erklärt die von Premierminister Boris Johnson auferlegte Zwangspause des Parlaments für rechtswidrig.

4. September 2019
Das Unterhaus stimmt einem Gesetzentwurf (No-No-Deal-Brexit) zu, wonach die britische Regierung einen Deal mit der Europäischen Union vorweisen muss. Andernfalls soll eine erneute Verschiebung des Brexit bis zum 31. Januar 2020 in Brüssel beantragt werden. Damit soll der No-Deal-Brexit verhindert werden.

28. August 2019
Premier Johnson bittet Queen Elisabeth II. die aktuelle Sitzungsphase des britischen Parlaments in der zweiten Septemberwoche zu beenden. Das Parlament wird erst wieder am 14. Oktober wieder zurückkehren

24. Juli 2019
Boris Johnson wird neuer Premier, nachdem er die Wahl zum Parteivorsitz der Konservativen Partei (Tories) gewonnen hat.

2. Juli 2019
Konstituierung des neugewählten Europäischen Parlaments.

7. Juni 2019
Rücktritt von May vom Vorsitz der Konservativen Partei (Tories).

23. bis 26. Mai
Wahl des Europäischen Parlaments

18. April 2019
Letzte Plenartagung des Europäischen Parlaments.

10. April 2019
Die EU Statts- und Regierungschefs beschliessen auf dem EU-Sondergipfel einen Aufschub des Brexit bis zum 31. Oktober. Ein früherer Austritt bleibt möglich, falls das Unterhaus dem Austrittsabkommen doch noch zustimmen sollte.

29. März 2019
Ursprüngliches Austrittsdatum mit Ende der EU-Mitgliedschaft und Beginn der Übergangsphase. Das Unterhaus lehnt zum dritten Mal das ausgehandelte Austrittsabkommen ab.

27. März 2019
Das Unterhaus hat acht Alternativen zum Abkommen mit der EU abgelehnt.

21. März 2019
Der EU-Gipfel beschliesst einen möglichen Aufschub des Brexit bis zum 12. April. Sollte das Unterhaus dem Austrittsabkommen noch zustimmen, soll der Aufschub bis zum 22. Mai verlängert werden.

19. März 2019
Der Sprecher des Unterhauses, John Bercow, lässt die von der britischen Regierung geplante dritte Parlamentsabstimmung über das Austrittsabkommen am 20. März nicht zu.

14. März 2019
Unterhaus stimmt mit 412 zu 202 Stimmen für eine Verschiebung des Brexit-Termins.

13. März 2019
Unterhaus spricht sich mit einer Mehrheit von 43 Stimmen gegen „Hard Brexit“ aus.

12. März 2019
Erneute Abstimmung im britischen Unterhaus über die Verhandlungsergebnisse. Britisches Unterhaus lehnt Austrittsabkommen ab.

14. Februar 2019
Das Unterhaus lehnt die Erklärung über das Vorgehen der Regierung und den Stand der Gespräche mit der EU ab.

29. Januar 2019
Das Unterhaus stimmt einem Antrag zu, durch denTheresa May den Auftrag erhält, den umstrittenen Backstop für die innerirische Grenze mit der EU neu zu verhandeln.

16. Januar 2019
Der von Oppositionsführer Jeremy Corbyn gestellte Misstrauensantrag gegen die Regierung ist gescheitert.

15. Januar 2019
Unterhaus lehnt Austrittsabkommen mit der EU ab.

2018

12. Dezember 2018
Parteiintenes Misstrauensvorum gegen Theresa May scheitert erwartungsgemäß.

10. Dezember 2018
Theresa May sagt das für den 11. Dezember geplante Votum im britischen Unterhaus zum Austrittsabkommen ab.

25. November 2018
Europäischer Rat beschließt auf Sondergipfel die Verhandlungsergebnisse.

Bis November 2018
Detailverhandlungen zum Brexit.

2017

Bis Ende 2017
Verhandlungen zwischen EU und Großbritannien über die „divorce bill“ sowie die Rechte von Briten und EU-Bürgern, die Rolle des EU-Gerichtshofs sowie die Grenze in Irland.

24. September 2017
Bundestagswahl in Deutschland

19. Juni 2017
Start der Austrittsverhandlungen.

8. Juni 2017
Unterhauswahlen in Großbritannien.

29. März 2017
Der EU-Botschafter Barrow übergibt den Austrittsantrag in Brüssel.

14. März 2017
Das Parlament stimmt für das von der Regierung vorgelegte Brexit-Gesetz.

18. Januar 2017
Premierministerin May kündigt einen "clean brake" an.

3. Januar 2017
Rogers, der britische EU-Botschafter, gibt sein Amt auf und verlässt Brüssel.

2016

3. November 2016
Der High Court entscheidet, dass die Regierung die Brexit-Verhandlungen nur mit Zustimmung des Parlaments führen darf.

02. Oktober 2016
Premierministerin May kündigt an, dass bis Ende März 2017 ein Austrittsantrag nach Artikel 50 des EU-Vertrags eingereicht wird.

13. Juli 2016
May ist neue britische Premierministerin. Johnson wird Außenminister. Zuständig für den Brexit ist jedoch Davis als "Principal Secretary of State for Exiting the European Union".

11. Juli 2016
Premier Cameron verkündet die Kandidatur von May für seine Nachfolge.

30. Juni 2016
Johnson verzichtet auf die Nachfolge von Premier Cameron.

24. Juni 2016
Premier Cameron erklärt seinen Rücktritt bis spätestens Oktober.

23. Juni 2016
Brexit-Votum: 46,5 Millionen Briten stimmen über "Brexit" oder "Bremain" ab. Am folgenden Tag steht das Ergebnis fest: 51,9 Prozent der Briten wollen die EU verlassen.

20. Februar 2016
Premier Cameron das EU-Referendum für den 23. Juni an, will seinen Landsleuten aber zu einem Verbleib in der EU raten. Einen Tag zuvor kommen die Staats- und Regierungschef aller EU-Staaten den Briten mit einem Reformpaket entgegen.

5. Februar 2016
Premier Cameron gibt seinen Ministern in der Frage eines EU-Austritts freie Hand. Vor dem geplanten EU-Referendum stellen sich fünf Minister auf die Seite des Brexit-Lagers, darunter Justizminister Gove. Der Londoner Ex-Bürgermeister Boris Johnson schlägt sich ebenfalls auf die Seite der Brexit-Befürworter.

2. Februar 2016
Die EU will Großbritannien Ausnahmen und Sonderregelungen zugestehen, um einen Brexit zu verhindern. Für das Entgegenkommen sollen die EU-Verträge jedoch nicht geändert werden.

2015

November 2015
Premier Cameron stellt Forderungen nach EU-Reformen und droht mit dem EU-Austritt.

28. Mai 2015
Im Parlament wird der Gesetzesentwurf zum Referendum eingereicht.

7. Mai 2015
Premier Camerons Partei siegt bei der Parlamentswahl und erneuert sein Versprechen eines EU-Referendums.

2014

Premier Cameron stellt Forderungen für die weitere Mitgliedschaft Großbritanniens in der Europäischen Gemeinschaft.

2013

23. Januar 2013
Premier Cameron stellt im Falle des Wahlsiegs ein Referendum zum Verbleib in der EU bis spätestens 2017 in Aussicht.

LBBW-Experte und verantwortlicher Analyst.

Dirk Chlench als verantwortlicher Analyst wird Sie auch weiterhin auf dem Laufenden halten.

Dirk Chlench, Analyst Strategy & Macro - LBBW Research

LBBW-Experte


Dirk Chlench
Analyst Strategy & Macro - LBBW Research
Tel +49 711 127-7 61 36
dirk.chlench@LBBW.de

Twitter @LBBW

Folgen Sie unserer Einschätzung mit dem LBBW #Brexit-Barometer auf Twitter.

LBBW (@LBBW) | Twitter

Unser Tipp

Brexit Monitor von DESTATIS

Der Brexit Monitor des Statistischen Bundesamtes bietet interaktive Grafiken rund um die Brexit-Entscheidung zu den Aspekten:

  • Migration
  • Wirtschaft
  • Arbeitsmarkt
  • Außenhandel
  • EU-27 ohne das Vereinigte Königreich: Auswirkungen des Austritts auf die Europäische Union
Brexit Monitor von DESTATIS

Browser Benachrichtigungen

Bitte wählen Sie die gewünschten Themen aus

Es wurde kein Thema ausgewählt