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LBBW Brexit-Barometer

LBBW Brexit-Barometer (21.1.2019)

Das LBBW Research begleitet Sie durch die Brexit-Verhandlungen und bietet Ihnen marktrelevantes Research in Zeiten hoher politischer Unsicherheit.

Tweet: @LBBW · 21. Januar 2019

Brexit: Aufgeschoben ist nicht aufgehoben?

Für Ende März droht das aus ökonomischer Sicht wohl schlechteste EU-Austritt-Szenario: Ein HardBrexit. LBBW-Reserach zu den möglichen Spielräumen bei einer Brexit-Verschiebung.

Brexit-Barometer

Brexit: Aufgeschoben ist nicht aufgehoben?

Sollte nach heutigem Stand bis zum 29. März 2019 keine eine Übereinkunft zwischen der Europäischen Union (EU) und dem Vereinigten Königreich über die Modalitäten des EU-Austritts zustande kommen, wird das aus ökonomischer Sicht schlechteste Szenario eintreten: Ein „Hard Brexit“, also ein Ausscheiden des Vereinigten Königreich ohne Vertrag. Da aufgrund der verfahrenen Lage in Westminster eine rechtzeitige Einigung auf ein von beiden Verhandlungspartnern akzeptiertes Austrittsabkommen in den Sternen steht, könnte eine Brexit-Verschiebung neuen Spielraum für Verhandlungen ermöglichen. Für diese Option hat sich jüngst der österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz ausgesprochen.

Für eine Brexit-Verschiebung sind jedoch sowohl rechtliche als auch terminliche Determinanten zu berücksichtigen. Gemäß Artikel 50, Absatz 3, des EU-Vertrages kann der Europäische Rat im Einvernehmen mit dem Vereinigten Königreich beschließen, die Ausstiegsfrist zu verlängern. Hierfür sieht die Regelung jedoch Einstimmigkeit vor. Da ein „Hard Brexit“ nicht nur für das Vereinigte Königreich, sondern auch für die verbleibenden EU-Mitgliedsstaaten mit erheblichen wirtschaftlichen Nachteilen verbunden sein würde, stellt die Erfordernis der Einstimmigkeit unsers Erachtens keine große politische Hürde dar. Darüber hinaus würde die britische Premierministerin Theresa May für eine Verschiebung des Austrittstermins die Zustimmung des britischen Unterhauses benötigen. Dieser Aufschub könnte theoretisch endlos gegeben werden, jedoch wäre das Vereinigte Königreich während dieses Aufschubes vollwertiges Mitglied der Europäischen Union und müsste daher auch die zwischen dem 23. und 26. Mai 2019 stattfindende Europawahl abhalten, sofern der Aufschub eines neuen Brexit-Termins über die konstituierende Sitzung des neuen Europa-Parlaments, welche für den 2. Juli 2019 vorgesehen ist, hinausgeht. Es ist jedoch davon auszugehen, dass eine derart lange Verschiebung des Austritts von EU-Seite nicht gewünscht wird, zumal bereits eine Verkleinerung des Europäischen Parlamentes aufgrund des erwarteten Wegfalls der britischen Sitze beschlossen wurde. Gleichwohl ist der Termin 2. Juli 2019 als maximal mögliche Verschiebung keineswegs in Stein gemeißelt. Die Verabschiedung eines Zusatzprotokolls zu den EU-Verträgen, welche vorsieht, dass das Vereinigte Königreich dieses Jahr nicht an der Europa-Wahl teilnimmt, ist eine derzeit diskutierte Lösung. Im Zweifel sollte nach unserer Auffassung eine etwaige Verschiebung des Austrittstermins nicht an einer Überschneidung mit der anstehenden Europa-Wahl scheitern.

Eine andere Möglichkeit der Verschiebung hat sich zudem durch eine jüngst erfolgte Entscheidung des Europäischen Gerichtshofes (EUGH) aufgetan. Demnach ist die Rücknahme eines Austrittsersuchens grundsätzlich möglich. Sollte die britische Regierung jedoch diesen Weg einschlagen, würde sie entgegen dem im Brexit-Referendum vom Juni 2016 ausgedrückten Volkswillen handeln. Das Vereinigte Königreich hätte dann indes Zeit, unter Umständen mittels eines erneutes Plebiszits oder Neuwahlen, seine Position zu definieren. Sollte der britische Wunsch, aus der EU auszutreten, Bestand haben, könnte ein neues Austrittsersuchen eingebracht werden. Es ist jedoch damit zu rechnen, dass sich das Vereinigte Königreich mit einer solchen Vorgehensweise verbleibende Sympathien auf Seiten der EU verspielen dürfte. Denn diese Vorgehendweise könnte Nachahmer auf den Plan rufen. Auch andere Mitgliedstatten könnten quasi auf Probe ein Austrittsersuchen stellen und entspannt verfolgen, wie sich die Austrittsverhandlungen gestalten. Die Rückkehr in den Schoß der EU ist ja jederzeit möglich. Daher dürfte ein solche Vorgehensweise des Vereinigten Königreichs nicht im Interesse der EU sein.

Indikatoren des LBBW Brexit-Barometer

In unser LBBW-Barometer für die Brexit-Sorgen der Marktteilnehmer gehen fünf Indikatoren gleichgewichtet ein:

  • der Außenwert des Pfund Sterling
  • die relative Stärke britischer Bankaktien
  • die relative Stärke des britischen Aktienmarktes
  • die Kreditausfallprämie für britische Staatsanleihen
  • die Entwicklung von an der Londoner Börse notierten Immobilienfonds

Ein negativer Wert stellt im historischen Vergleich eine Abweichung vom Mittelwert nach unten dar. Das Umgekehrte gilt für positive Werte.

Mit einfachen Worten: Sinkt unser Barometer, nehmen die Brexit-Sorgen der Marktteilnehmer zu.

  • LBBW Brexit-Barometer

    Stand: 30.1.2019, Quelle: Refinitiv, LBBW Research

Tweet-Historie

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LBBW Brexit-Barometer auf einen Blick.

Der LBBW-Barometer zeigt auf einen Blick: Wie ist die Stimmung der Marktteilnehmer im Brexit-Prozess?

  • Barometer-Tiefststand

    LBBW Brexit-Barometer: Tiefststand

    Der LBBW Brexit-Barometer für die Brexit-Erwartungen hat einen Tiefststand erreicht. Die Marktteilnehmer haben mit Blick auf den Brexit große Sorgen.

  • Barometer-Pessimismus

    LBBW Brexit-Barometer: Pessimismus

    Der LBBW Brexit-Barometer für die Brexit-Erwartungen liegt unter dem Mittel. Die Marktteilnehmer haben mit Blick auf den Brexit überwiegend Sorgen.

  • Barometer-Eintrübung

    LBBW Brexit-Barometer: Eintrübung

    Der LBBW BRexit-Barometer für die Brexit-Erwartungen liegt nahe dem Mittel. Die Marktteilnehmer haben mit Blick auf den Brexit gespannte Stimmung.

  • Barometer-Gelassenheit

    LBBW Brexit-Barometer: Gelassenheit

    Der LBBW Brexit-Barometer für die Brexit-Erwartungen liegt über dem Mittel. Die Marktteilnehmer haben mit Blick auf den Brexit nur wenig Sorgen.

  • Barometer-Höchststand

    LBBW Brexit-Barometer: Höchststand

    Der LBBW Brexit-Barometer für die Brexit-Erwartungen hat einen Höchststand erreicht. Die Marktteilnehmer haben mit Blick auf den Brexit keine Sorgen.

Research zu den Brexit-Verhandlungen.

Das LBBW Research begleitet Sie nicht nur mit dem LBBW #Brexit-Barometer durch die Verhandlungen. In unseren Publikationen analysieren wir die Auswirkungen des Brexit-Votums auf die Wirtschaft sowie die Finanzmärkte und kommentieren die Folgen von Entscheidungen in der Wirtschafts-, Notenbank- und Regierungspolitik.

Wir bieten Ihnen das marktrelevante Research in Zeiten von wirtschaflicher Veränderung und hoher politischer Unsicherheit. Eine Auswahl unserer bisherigen Analysen zum Brexit haben wir für Sie zusammengestellt.

Schaubild Brexit Timeline

Grafiken zum Brexit

Brexit Timeline

So sieht der Brexit-Fahrplan aus: Die wichtigsten Ereignisse zum Brexit.
Brexit Fahrplan Grafik

Brexit Entscheidungsbaum

Wie könnte es weiter gehen? So sieht der Entscheidungsbaum zum Brexit aus Sicht der LBBW aus.
Brexit Entscheidungsbaum Grafik

Brexit Wahrscheinlichkeitseinstufung

Hard Brexit, Rücktritt vom Brexit oder eine andere Option? So schätzt die LBBW die Wahrscheinlichkeit ein.
Brexit Wahrscheinlichkeitseinstufung Grafik

2019 und Ausblick bis 2020

31. Dezember 2020
Übergangsphase endet, Verlängerung möglich.

ab April 2019
Verhandlungen über Handelsabkommen.

29. März 2019
Ende der EU-Mitgliedschaft, Übergangsphase beginnt.

bis März 2019
Abstimmung über die Verhandlungsergebnisse im EU-Parlament.
Rat der Europäischen Union beschließt mit qualifizierter Mehrheit über die Verhandlungsergebnisse.

bis 31. Januar 2019
Nach dem Willen des britischen Unterhauses soll die Regierung nun innerhalb von drei Sitzungstagen, also bis Montag 21. Januar, einen Plan B präsentieren, über welchen innerhalb von sieben Sitzungstagen abgestimmt werden soll, also spätestens am 31. Januar.

16. Januar 2019
Der von Oppositionsführer Jeremy Corbyn gestellte Misstrauensantrag gegen die Regierung ist gescheitert.

15. Januar 2019
Unterhaus lehnt Austrittsabkommen mit der EU ab.

2018

12. Dezember 2018
Parteiintenes Misstrauensvorum gegen Theresa May scheitert erwartungsgemäß.

10. Dezember 2018
Theresa May sagt das für den 11. Dezember geplante Votum im britischen Unterhaus zum Austrittsabkommen ab.

25. November 2018
Europäischer Rat beschließt auf Sondergipfel die Verhandlungsergebnisse.

Bis November 2018
Detailverhandlungen zum Brexit.

2017

Bis Ende 2017
Verhandlungen zwischen EU und Großbritannien über die „divorce bill“ sowie die Rechte von Briten und EU-Bürgern, die Rolle des EU-Gerichtshofs sowie die Grenze in Irland.

24. September 2017
Bundestagswahl in Deutschland

19. Juni 2017
Start der Austrittsverhandlungen.

8. Juni 2017
Unterhauswahlen in Großbritannien.

29. März 2017
Der EU-Botschafter Barrow übergibt den Austrittsantrag in Brüssel.

14. März 2017
Das Parlament stimmt für das von der Regierung vorgelegte Brexit-Gesetz.

18. Januar 2017
Premierministerin May kündigt einen "clean brake" an.

3. Januar 2017
Rogers, der britische EU-Botschafter, gibt sein Amt auf und verlässt Brüssel.

2016 - 2013

3. November 2016
Der High Court entscheidet, dass die Regierung die Brexit-Verhandlungen nur mit Zustimmung des Parlaments führen darf.

02. Oktober 2016
Premierministerin May kündigt an, dass bis Ende März 2017 ein Austrittsantrag nach Artikel 50 des EU- Vertrags eingereicht wird.

13. Juli 2016
May ist neue britische Premierministerin. Johnson wird Außenminister. Zuständig für den Brexit ist jedoch Davis als "Principal Secretary of State for Exiting the European Union".

11. Juli 2016
Premier Cameron verkündet die Kandidatur von May für seine Nachfolge.

30. Juni 2016
Johnson verzichtet auf die Nachfolge von Premier Cameron.

24. Juni 2016
Premier Cameron erklärt seinen Rücktritt bis spätestens Oktober.

23. Juni 2016
Brexit-Votum: 46,5 Millionen Briten stimmen über "Brexit" oder "Bremain" ab. Am folgenden Tag steht das Ergebnis fest: 51,9 Prozent der Briten wollen die EU verlassen.

20. Februar 2016
Premier Cameron das EU-Referendum für den 23. Juni an, will seinen Landsleuten aber zu einem Verbleib in der EU raten. Einen Tag zuvor kommen die Staats- und Regierungschef aller EU-Staaten den Briten mit einem Reformpaket entgegen.

5. Februar 2016
Premier Cameron gibt seinen Ministern in der Frage eines EU-Austritts freie Hand. Vor dem geplanten EU-Referendum stellen sich fünf Minister auf die Seite des Brexit-Lagers, darunter Justizminister Gove. Der Londoner Ex-Bürgermeister Johnson schlägt sich ebenfalls auf die Seite der Brexit- Befürworter.

11. November 2015
Premier Cameron stellt Forderungen nach EU-Reformen und droht mit dem EU-Austritt.

28. Mai 2015
Im Parlament wird der Gesetzesentwurf zum Referendum eingereicht.

7. Mai 2015
Premier Camerons Partei siegt bei der Parlamentswahl und erneuert sein Versprechen eines EU- Referendums.

1. März 2016
Premier Cameron stellt an Brüssel Forderungen zum Verbleib in der EU.

23. Januar 2013
Premier Cameron stellt im Falle des Wahlsiegs ein Referendum zum Verbleib in der EU bis spätestens 2017 in Aussicht.

LBBW-Experte und verantwortlicher Analyst.

Dirk Chlench als verantwortlicher Analyst wird Sie auch weiterhin auf dem Laufenden halten.

Dirk Chlench, Analyst Strategy & Macro - LBBW Research

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