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LBBW Brexit-Barometer

LBBW Brexit-Barometer

Das LBBW Research begleitet Sie durch die Brexit-Verhandlungen und bietet Ihnen marktrelevantes Research in Zeiten hoher politischer Unsicherheit.

Tweet: @LBBW · 16. Oktober 2018

Fast der Brexit-Durchbruch und dann doch nur Enttäuschte.

Dramatische Stunden in Brüssel und schon morgen geht es wieder ums Ganze. LBBW zum Brexit Showdown.

Dramatische Stunden in Brüssel

Aus Brüssel war während des Wochenendes zu vernehmen, dass sich die Verhandlungen zwischen der Europäischen Union (EU) und dem Vereinigten Königreich über die Modalitäten des EU-Ausstiegs der Insel auf einem guten Wege befänden. Man sei auf den letzten 100 Metern. Der britische Brexit-Minister Dominic Raab reiste am Sonntagabend kurzfristig nach Brüssel, um mit dem EU-Chefunterhändler Michel Barnier persönlich letzte Details zu klären. Der erhoffte Durchbruch blieb jedoch aus. Die britische Regierungschefin Theresa May beorderte ihren Minister unverrichteter Dinge wieder zurück nach London.

Der Knackpunkt der Verhandlungen ist weiterhin eine Auffanglösung für Nordirland. Dem Vernehmen nach zeichnete sich in den Verhandlungen folgender Kompromiss ab: Sollten die EU und das Vereinigte Königreich während der geplanten, bis Ende 2020 andauernden Übergangsphase keine Einigung über ihre Handelsbeziehungen finden, werde das Vereinigte Königreich als „Backstop“ in der Europäischen Zollunion verbleiben, und zwar solange, bis eine friedenssichernde Lösung für Nordirland gefunden sei. Nordirland solle bis dahin nicht nur in der Europäischen Zollunion, sondern auch im Europäischen Binnenmarkt verbleiben. Obgleich dieser Vorschlag bedeutet hätte, dass Theresa May ein weiteres Mal eine ihrer roten Linien hätte räumen müssen, soll die britische Regierungschefin dem Vernehmen nach anfänglich durchaus Zustimmung signalisiert haben.

Die Furcht vor einer Revolte in ihrem Kabinett ließ die britische Regierungschefin jedoch offenbar vor einer Zustimmung zurückschrecken. Die Brexit-Anhänger in ihrem Kabinett stören sich vor allem daran, dass im vorliegenden Vorschlag kein Enddatum für das Ausscheiden aus der Zollunion enthalten ist. Die „Hard Brexiteers“ befürchten – nicht ohne Grund –, dass damit das Ausscheiden aus der Zollunion auf den Sankt Nimmerleinstag verschoben werden könnte. Ein vollständiges Ausscheiden aus der Zollunion ist jedoch Voraussetzung dafür, dass das Vereinigte Königreich nach eigener Interessenslage Freihandelsverträge mit anderen Staaten abschließen kann. Dies war im Vorfeld des Referendums eines der genannten Ziele für einen Brexit. Zudem zeigte sich in der nordirischen Partei DUP, welche die Minderheitsregierung der Konservativen toleriert, Widerstand gegen den Vorschlag aus Brüssel. Vertreter der DUP befürchten, dass der vorgesehene Verbleib Nordirlands im Europäischen Binnenmarkt Kontrollen auf der Irischen See erforderlich machen werde, was die territoriale Integrität des Vereinigten Königreichs untergraben würde. Die Enttäuschung über das Nicht-Zustandekommen des Kompromisses dürfte für die leichte Aufwertung des Euro gegenüber dem Pfund Sterling am Montagmorgen ursächlich gewesen sein. Auch unser LBBW Brexit-Barometer zeigt zunehmende Sorgen über den Ausgang der Brexit-Verhandlungen an.

Die bisherigen Erfahrungen lehren, dass in der Europäischen Union die wichtigen Entscheidungen meist in buchstäblich letzter Minute erfolgen. Sowohl die Europäische Union, im besonderen Maße Deutschland, als auch das Vereinigte Königreich haben ein wirtschaftliches Interesse daran, dass ein „Hard Brexit“ vermieden wird, also ein Ausscheiden des Vereinigten Königreichs ohne Vertrag. Wir halten an unserem Hauptszenario fest. Demnach werden sich die EU und das Vereinigte König-reich für die Zeit nach dem EU-Austritt im März 2019 auf eine knapp zwei Jahre laufende Übergangsperiode verständigen, an welche sich der Abschluss eines Freihandelsabkommens anschließt. Dabei wäre auch ein Freihandelsabkommen kein gleichwertiger Ersatz für einen uneingeschränkten Zugang zum Europäischen Binnenmarkt. Bei alledem ist es unseres Erachtens unstreitig, dass die Eintrittswahrscheinlichkeiten der bisherigen Randszenarien „Soft Brexit“ und „Hard Brexit“ zuletzt jeweils zugenommen haben.

Morgen wird in Brüssel ein reguläres Treffen der EU-Staats- und Regierungschefs stattfinden. Die britische Regierungschefin wird dem Vernehmen nach am Abendessen ihrer Amtskolleginnen und –kollegen teilnehmen und dort ihre Brexit-Vorschläge nochmals vortragen. Die britische Seite soll es gemäß einer Bloomberg-Nachricht dabei als Nachteil empfinden, dass die deutsche Bundeskanzlerin, von welcher mehr Führung in der Brexit-Debatte erwartet werde, zurzeit innenpolitisch stark gefordert sei.

Indikatoren des LBBW Brexit-Barometer

In unser LBBW-Barometer für die Brexit-Sorgen der Marktteilnehmer gehen vier Indikatoren gleichgewichtet ein:

  • der Außenwert des Pfund Sterling
  • die relative Stärke britischer Bankaktien
  • die relative Stärke des britischen Aktienmarktes
  • die Kreditausfallprämie für britische Staatsanleihen
  • die Entwicklung von an der Londoner Börse notierten Immobilienfonds

Ein negativer Wert stellt im historischen Vergleich eine Abweichung vom Mittelwert nach unten dar. Das Umgekehrte gilt für positive Werte.

Mit einfachen Worten: Sinkt unser Barometer, nehmen die Brexit-Sorgen der Marktteilnehmer zu.

  • LBBW Brexit-Barometer

    Stand: 20.11.2018, Quelle: Refinitiv, LBBW Research

Tweet-Historie

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LBBW Brexit-Barometer auf einen Blick.

Der LBBW-Barometer zeigt auf einen Blick: Wie ist die Stimmung der Marktteilnehmer im Brexit-Prozess?

  • Barometer-Tiefststand

    LBBW Brexit-Barometer: Tiefststand

    Der LBBW Brexit-Barometer für die Brexit-Erwartungen hat einen Tiefststand erreicht. Die Marktteilnehmer haben mit Blick auf den Brexit große Sorgen.

  • Barometer-Pessimismus

    LBBW Brexit-Barometer: Pessimismus

    Der LBBW Brexit-Barometer für die Brexit-Erwartungen liegt unter dem Mittel. Die Marktteilnehmer haben mit Blick auf den Brexit überwiegend Sorgen.

  • Barometer-Eintrübung

    LBBW Brexit-Barometer: Eintrübung

    Der LBBW BRexit-Barometer für die Brexit-Erwartungen liegt nahe dem Mittel. Die Marktteilnehmer haben mit Blick auf den Brexit gespannte Stimmung.

  • Barometer-Gelassenheit

    LBBW Brexit-Barometer: Gelassenheit

    Der LBBW Brexit-Barometer für die Brexit-Erwartungen liegt über dem Mittel. Die Marktteilnehmer haben mit Blick auf den Brexit nur wenig Sorgen.

  • Barometer-Höchststand

    LBBW Brexit-Barometer: Höchststand

    Der LBBW Brexit-Barometer für die Brexit-Erwartungen hat einen Höchststand erreicht. Die Marktteilnehmer haben mit Blick auf den Brexit keine Sorgen.

Research zu den Brexit-Verhandlungen.

Das LBBW Research begleitet Sie nicht nur mit dem LBBW #Brexit-Barometer durch die Verhandlungen. In unseren Publikationen analysieren wir die Auswirkungen des Brexit-Votums auf die Wirtschaft sowie die Finanzmärkte und kommentieren die Folgen von Entscheidungen in der Wirtschafts-, Notenbank- und Regierungspolitik.

Wir bieten Ihnen das marktrelevante Research in Zeiten von wirtschaflicher Veränderung und hoher politischer Unsicherheit. Eine Auswahl unserer bisherigen Analysen zum Brexit haben wir für Sie zusammengestellt.

Schaubild Brexit Timeline

Brexit Timeline

Die wichtigsten Ereignisse vor und nach dem Brexit-Votum.

Schaubild

Ausblick 2018 bis 2020

31. Dezember 2020
Übergangsphase endet.

ab April 2019
Verhandlungen über Handelsabkommen.

29. März 2019
Ende der EU-Mitgliedschaft, Übergangsphase beginnt

bis März 2019
Abstimmung über die Verhandlungsergebnisse im EU-Parlament und im britischen Parlament.
Ggf. Abstimmung in nationalen Parlamenten der EU-Mitglieder

25. November 2018
Europäischer Rat beschließt auf Sondergipfel mit qualifizierter Mehrheit über die Verhandlungsergebnisse.

Bis November 2018
Detailverhandlungen zum Brexit.

2017

Bis Ende 2017
Verhandlungen zwischen EU und Großbritannien über die „divorce bill“ sowie die Rechte von Briten und EU-Bürgern, die Rolle des EU-Gerichtshofs sowie die Grenze in Irland.

24. September 2017
Bundestagswahl in Deutschland

19. Juni 2017
Start der Austrittsverhandlungen.

8. Juni 2017
Unterhauswahlen in Großbritannien.

29. März 2017
Der EU-Botschafter Barrow übergibt den Austrittsantrag in Brüssel.

14. März 2017
Das Parlament stimmt für das von der Regierung vorgelegte Brexit-Gesetz.

18. Januar 2017
Premierministerin May kündigt einen "clean brake" an.

3. Januar 2017
Rogers, der britische EU-Botschafter, gibt sein Amt auf und verlässt Brüssel.

2016 - 2013

3. November 2016
Der High Court entscheidet, dass die Regierung die Brexit-Verhandlungen nur mit Zustimmung des Parlaments führen darf.

02. Oktober 2016
Premierministerin May kündigt an, dass bis Ende März 2017 ein Austrittsantrag nach Artikel 50 des EU- Vertrags eingereicht wird.

13. Juli 2016
May ist neue britische Premierministerin. Johnson wird Außenminister. Zuständig für den Brexit ist jedoch Davis als "Principal Secretary of State for Exiting the European Union".

11. Juli 2016
Premier Cameron verkündet die Kandidatur von May für seine Nachfolge.

30. Juni 2016
Johnson verzichtet auf die Nachfolge von Premier Cameron.

24. Juni 2016
Premier Cameron erklärt seinen Rücktritt bis spätestens Oktober.

23. Juni 2016
Brexit-Votum: 46,5 Millionen Briten stimmen über "Brexit" oder "Bremain" ab. Am folgenden Tag steht das Ergebnis fest: 51,9 Prozent der Briten wollen die EU verlassen.

20. Februar 2016
Premier Cameron das EU-Referendum für den 23. Juni an, will seinen Landsleuten aber zu einem Verbleib in der EU raten. Einen Tag zuvor kommen die Staats- und Regierungschef aller EU-Staaten den Briten mit einem Reformpaket entgegen.

5. Februar 2016
Premier Cameron gibt seinen Ministern in der Frage eines EU-Austritts freie Hand. Vor dem geplanten EU-Referendum stellen sich fünf Minister auf die Seite des Brexit-Lagers, darunter Justizminister Gove. Der Londoner Ex-Bürgermeister Johnson schlägt sich ebenfalls auf die Seite der Brexit- Befürworter.

11. November 2015
Premier Cameron stellt Forderungen nach EU-Reformen und droht mit dem EU-Austritt.

28. Mai 2015
Im Parlament wird der Gesetzesentwurf zum Referendum eingereicht.

7. Mai 2015
Premier Camerons Partei siegt bei der Parlamentswahl und erneuert sein Versprechen eines EU- Referendums.

1. März 2016
Premier Cameron stellt an Brüssel Forderungen zum Verbleib in der EU.

23. Januar 2013
Premier Cameron stellt im Falle des Wahlsiegs ein Referendum zum Verbleib in der EU bis spätestens 2017 in Aussicht.

LBBW-Experte und verantwortlicher Analyst.

Dirk Chlench als verantwortlicher Analyst wird Sie auch weiterhin auf dem Laufenden halten.

Dirk Chlench
Analyst Strategy & Macro - LBBW Research
Tel +49 711 127-7 61 36
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