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LBBW Brexit-Barometer

LBBW Brexit-Barometer

Das LBBW Research begleitet Sie durch die Brexit-Verhandlungen und bietet Ihnen marktrelevantes Research in Zeiten hoher politischer Unsicherheit.

Tweet: @LBBW · 15. August 2018

May's Charmeoffensive stößt auf kalte Schulter bei EU.

Wahrscheinlichkeit eines "Hard"-Brexit signifikant höher einzustufen. Brexit Barometer der LBBW zeigt auch Wirkung

Die britische Regierungschefin Theresa May hatte vor der Sitzung ihres Kabinetts auf dem Landsitz in Chequers erheblichen Druck auf ihre Minister ausgeübt. Ihre Strategie war erfolgreich. Die Premierministerin hat sich unserer Einschätzung nach bis zum äußersten Rand des politisch Möglichen in Richtung „Soft Brexit“ bewegt. Die Minister David Davis und Boris Johnson traten nach der Einigung in Chequers aus Protest zurück. Der Brexit-Hardliner Jacob Rees-Mogg schäumte vor Wut. Seiner Einschätzung nach werde das Vereinigte Königreich zu einem Vasallenstaat der Europäischen Union verkommen. Dabei bemühte er einen Vergleich mit einer im Jahre 1200 erlittenen Schmach. Damals sah sich der englische König Ohneland zur Ehrerbietung gegenüber dem französischen König Phillip II gezwungen, um seine Festlandbesitzungen zu behalten. Trotz der wütenden Äußerungen der Brexit-Hardliner lässt eine handfeste Revolte in der Tory-Fraktion jedoch noch auf sich warten.

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Das Vereinigte Königreich bliebe den eigenen Vorschlägen zufolge durch die weitere Anwendung der EU-Regularien im Güterbereich „de facto“ ein EU-Mitglied, freilich ohne jegliche Mitspracherechte. Die Unternehmen des Produzierenden Gewerbes beiderseits des Ärmelkanals können somit darauf hoffen, auch zukünftig ohne Grenzkontrollen miteinander Handel zu betreiben. Des Weiteren schwebt dem Vereinigten Königreich eine Zollpartnerschaft mit der EU vor. Der Vorschlag sieht vor, dass das Vereinigte Königreich an seinen Zollgrenzen für Einfuhren, welche für die EU bestimmt sind, die Zölle im Auftrag der EU erhebt. Für Einfuhren, welche im Vereinigten Königreich verbleiben, würden fortan Zollsätze des Inselreiches gelten. In der Praxis dürfte mit dem britischen Importeur eine Verrechnung mit dem im Voraus zu entrichtenden EU-Zollsatz erfolgen. Die Vorschläge zielen vornehmlich darauf ab, Zollkontrollen an der Grenze zwischen der Republik Irland und Nordirland zu vermeiden.

Obwohl EU-Vertreter öffentlich kaum Kritik an den Vorschlägen des Vereinigten Königreichs übten, ist gleichwohl eine ablehnende Haltung der EU-Vertreter zu erkennen. Zum wiederholten Male wird auf die Integrität des Binnenmarktes verwiesen, die die EU mit den britischen Vorschlägen verletzt sieht. Außerdem befürchtet die EU, dass Wettbewerbsnachteile für europäische Unternehmen entstehen. Zudem wird der Vorschlag eines kombinierten Zollgebiets abgelehnt. Dieser stellt unserer Kenntnis nach aber die einzige Möglichkeit dar, den Gordischen Knoten bei der Nordirland-Problematik zu durchschlagen.

Durch die Ablehnung seitens der EU droht nun wieder ein Scheitern der Verhandlungen und damit ein „Hard Brexit“. Angesichts dessen ändern wir unser „Worst Case“-Szenario dahingehend, dass das Vereinigte Königreich bereits Ende März 2019 ohne Austrittsvereinbarung aus der EU ausscheiden wird und damit die Regeln der Welthandelsorganisation WTO den Rahmen für den zukünftigen Handel setzen werden. Zudem heben wir unsere Wahrscheinlichkeitseinstufung für dieses „Worst Case“-Szenario von 10 % auf 25 % zu Lasten unseres Hauptszenarios an. Dessen Wahrscheinlichkeit schätzen wir nun auf 55% ein, während die Wahrscheinlichkeitseinstufung des „Soft-Brexit“-Szenarios bei 20% verbleibt.

Indikatoren des LBBW Brexit-Barometer

In unser LBBW-Barometer für die Brexit-Sorgen der Marktteilnehmer gehen vier Indikatoren gleichgewichtet ein:

  • der Außenwert des Pfund Sterling
  • die relative Stärke britischer Bankaktien
  • die relative Stärke des britischen Aktienmarktes
  • die Kreditausfallprämie für britische Staatsanleihen
  • die Entwicklung von an der Londoner Börse notierten Immobilienfonds

Ein negativer Wert stellt im historischen Vergleich eine Abweichung vom Mittelwert nach unten dar. Das Umgekehrte gilt für positive Werte.

Mit einfachen Worten: Sinkt unser Barometer, nehmen die Brexit-Sorgen der Marktteilnehmer zu.

  • LBBW Brexit-Barometer

    Stand: 20.11.2018, Quelle: Refinitiv, LBBW Research

Tweet-Historie

Lesen Sie unsere letzten Analysen zum Brexit.

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LBBW Brexit-Barometer auf einen Blick.

Der LBBW-Barometer zeigt auf einen Blick: Wie ist die Stimmung der Marktteilnehmer im Brexit-Prozess?

  • Barometer-Tiefststand

    LBBW Brexit-Barometer: Tiefststand

    Der LBBW Brexit-Barometer für die Brexit-Erwartungen hat einen Tiefststand erreicht. Die Marktteilnehmer haben mit Blick auf den Brexit große Sorgen.

  • Barometer-Pessimismus

    LBBW Brexit-Barometer: Pessimismus

    Der LBBW Brexit-Barometer für die Brexit-Erwartungen liegt unter dem Mittel. Die Marktteilnehmer haben mit Blick auf den Brexit überwiegend Sorgen.

  • Barometer-Eintrübung

    LBBW Brexit-Barometer: Eintrübung

    Der LBBW BRexit-Barometer für die Brexit-Erwartungen liegt nahe dem Mittel. Die Marktteilnehmer haben mit Blick auf den Brexit gespannte Stimmung.

  • Barometer-Gelassenheit

    LBBW Brexit-Barometer: Gelassenheit

    Der LBBW Brexit-Barometer für die Brexit-Erwartungen liegt über dem Mittel. Die Marktteilnehmer haben mit Blick auf den Brexit nur wenig Sorgen.

  • Barometer-Höchststand

    LBBW Brexit-Barometer: Höchststand

    Der LBBW Brexit-Barometer für die Brexit-Erwartungen hat einen Höchststand erreicht. Die Marktteilnehmer haben mit Blick auf den Brexit keine Sorgen.

Research zu den Brexit-Verhandlungen.

Das LBBW Research begleitet Sie nicht nur mit dem LBBW #Brexit-Barometer durch die Verhandlungen. In unseren Publikationen analysieren wir die Auswirkungen des Brexit-Votums auf die Wirtschaft sowie die Finanzmärkte und kommentieren die Folgen von Entscheidungen in der Wirtschafts-, Notenbank- und Regierungspolitik.

Wir bieten Ihnen das marktrelevante Research in Zeiten von wirtschaflicher Veränderung und hoher politischer Unsicherheit. Eine Auswahl unserer bisherigen Analysen zum Brexit haben wir für Sie zusammengestellt.

Schaubild Brexit Timeline

Brexit Timeline

Die wichtigsten Ereignisse vor und nach dem Brexit-Votum.

Schaubild

Ausblick 2018 bis 2020

31. Dezember 2020
Übergangsphase endet.

ab April 2019
Verhandlungen über Handelsabkommen.

29. März 2019
Ende der EU-Mitgliedschaft, Übergangsphase beginnt

bis März 2019
Abstimmung über die Verhandlungsergebnisse im EU-Parlament und im britischen Parlament.
Ggf. Abstimmung in nationalen Parlamenten der EU-Mitglieder

25. November 2018
Europäischer Rat beschließt auf Sondergipfel mit qualifizierter Mehrheit über die Verhandlungsergebnisse.

Bis November 2018
Detailverhandlungen zum Brexit.

2017

Bis Ende 2017
Verhandlungen zwischen EU und Großbritannien über die „divorce bill“ sowie die Rechte von Briten und EU-Bürgern, die Rolle des EU-Gerichtshofs sowie die Grenze in Irland.

24. September 2017
Bundestagswahl in Deutschland

19. Juni 2017
Start der Austrittsverhandlungen.

8. Juni 2017
Unterhauswahlen in Großbritannien.

29. März 2017
Der EU-Botschafter Barrow übergibt den Austrittsantrag in Brüssel.

14. März 2017
Das Parlament stimmt für das von der Regierung vorgelegte Brexit-Gesetz.

18. Januar 2017
Premierministerin May kündigt einen "clean brake" an.

3. Januar 2017
Rogers, der britische EU-Botschafter, gibt sein Amt auf und verlässt Brüssel.

2016 - 2013

3. November 2016
Der High Court entscheidet, dass die Regierung die Brexit-Verhandlungen nur mit Zustimmung des Parlaments führen darf.

02. Oktober 2016
Premierministerin May kündigt an, dass bis Ende März 2017 ein Austrittsantrag nach Artikel 50 des EU- Vertrags eingereicht wird.

13. Juli 2016
May ist neue britische Premierministerin. Johnson wird Außenminister. Zuständig für den Brexit ist jedoch Davis als "Principal Secretary of State for Exiting the European Union".

11. Juli 2016
Premier Cameron verkündet die Kandidatur von May für seine Nachfolge.

30. Juni 2016
Johnson verzichtet auf die Nachfolge von Premier Cameron.

24. Juni 2016
Premier Cameron erklärt seinen Rücktritt bis spätestens Oktober.

23. Juni 2016
Brexit-Votum: 46,5 Millionen Briten stimmen über "Brexit" oder "Bremain" ab. Am folgenden Tag steht das Ergebnis fest: 51,9 Prozent der Briten wollen die EU verlassen.

20. Februar 2016
Premier Cameron das EU-Referendum für den 23. Juni an, will seinen Landsleuten aber zu einem Verbleib in der EU raten. Einen Tag zuvor kommen die Staats- und Regierungschef aller EU-Staaten den Briten mit einem Reformpaket entgegen.

5. Februar 2016
Premier Cameron gibt seinen Ministern in der Frage eines EU-Austritts freie Hand. Vor dem geplanten EU-Referendum stellen sich fünf Minister auf die Seite des Brexit-Lagers, darunter Justizminister Gove. Der Londoner Ex-Bürgermeister Johnson schlägt sich ebenfalls auf die Seite der Brexit- Befürworter.

11. November 2015
Premier Cameron stellt Forderungen nach EU-Reformen und droht mit dem EU-Austritt.

28. Mai 2015
Im Parlament wird der Gesetzesentwurf zum Referendum eingereicht.

7. Mai 2015
Premier Camerons Partei siegt bei der Parlamentswahl und erneuert sein Versprechen eines EU- Referendums.

1. März 2016
Premier Cameron stellt an Brüssel Forderungen zum Verbleib in der EU.

23. Januar 2013
Premier Cameron stellt im Falle des Wahlsiegs ein Referendum zum Verbleib in der EU bis spätestens 2017 in Aussicht.

LBBW-Experte und verantwortlicher Analyst.

Dirk Chlench als verantwortlicher Analyst wird Sie auch weiterhin auf dem Laufenden halten.

Dirk Chlench
Analyst Strategy & Macro - LBBW Research
Tel +49 711 127-7 61 36
dirk.chlench@LBBW.de

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