LBBW
LBBW Brexit-Barometer

LBBW Brexit-Barometer

Das LBBW Research begleitet Sie durch die Brexit-Verhandlungen und bietet Ihnen marktrelevantes Research in Zeiten hoher politischer Unsicherheit.

Tweet: @LBBW · 14. November 2018

Durchbruch beim Brexit: Nach Monaten harter Verhandlungen haben sich EU und UK auf einen Entwurf für ein Austrittsabkommen geeinigt.

Der Kompromiss beinhaltet wohl, dass UK in der Europäischen Zollunion verbleiben wird.

Durchbruch bei den Brexit-Verhandlungen

Breakthrough

Nach Monaten harter Verhandlungen haben sich die Europäische Union (EU) und das Vereinigte Königreich gestern auf Ebene der Verhandlungsführer auf einen Entwurf für ein Austrittsabkommen geeinigt. Es ist eine Ironie der Geschichte, dass die Europäische Kommission am selben Tag ihren Notfallplan für das Szenario eines „Hard Brexit“ veröffentlicht hat. Die britische Regierungschefin Theresa May steht nun vor der schwierigen Aufgabe, den Kompromiss durch ihr Kabinett und das britische Parlament zu bringen. Die „Hard-Brexiteers“ in den Reihen der konservativen Abgeordneten haben ihre Kollegen im Kabinett zwar aufgefordert, gegen den Entwurf des Austrittsabkommens zu stimmen. Da die Zeitung „The Sun“ aber meldet, dass wichtige Minister den gefundenen Kompromiss unterstützen wollen, ist damit zu rechnen, dass das britische Kabinett mehrheitlich für die Annahme des Kompromisses votieren wird. Die Kabinettsmitglieder konnten den Entwurf gestern im Amtssitz der Premierministerin einsehen. Heute Nachmittag soll das Kabinett über den Kompromiss abschließend beraten. Sollte alles nach Plan verlaufen, könnte noch für Ende November ein Sondergipfel der EU-Staats- und Regierungschefs zur Diskussion des Kompromisses einberufen werden. Der 25. November, ein Sonntag, gilt als wahrscheinlichtestes Datum.

Den Gerüchten zufolge soll der Kompromiss beinhalten, dass das Vereinigte Königreich in der Europäischen Zollunion verbleiben wird, um damit eine Zollgrenze zwischen der Republik Irland und dem zum Vereinigten Königreich gehörenden Nordirland zu vermeiden, und zwar solange, bis eine friedenssichernde Lösung für Nordirland gefunden sei. Aber genau ein solcher Vorschlag lag vor rund einem Monat auf dem Tisch. Damals soll Theresa May aus Furcht vor einer Revolte in ihrem Kabinett vor einer Zustimmung zurückgeschreckt haben. Es ist daher zu mutmaßen, dass Theresa May entweder ihren Mut wiedergefunden hat oder aber die EU-Verhandlungsführer ihr nun etwas entgegengekommen sind.

Die größte Hürde für das Zustandekommen des Kompromisses ist das britische Unterhaus. Dort verfügen die Konservativen über keine eigene Mehrheit. Theresa May führt eine Minderheitsregierung unter Tolerierung durch die nordirische Partei DUP an. Deren Volksvertreter werden mit Argusaugen darauf achten, dass der gefundenen Kompromiss keine Sonderregelung für Nordirland enthält und somit die territoriale Integrität des Vereinigten Königreichs untergräbt. In den Reihen der Tory-Fraktion befinden sich schätzungsweise 60 bis 80 Abgeordnete, welche vehement gegen ein Verbleib des Vereinigten Königreichs in Zollunion und EU-Binnenmarkt sind. Auf Stimmen aus den Reihen der Opposition kann Theresa May auch nicht setzen. Der zurückliegende Labour-Parteitag hat gezeigt, dass die Arbeiterpartei nicht gewillt ist, ein von Theresa May ausgehandeltes Ausstiegsabkommen im Unterhaus zu unterstützen. Gleichwohl ist es unseres Erachtens wahrscheinlich, dass es Theresa May trotz des geschilderten Gegenwindes gelingen wird, den Entwurf des Kompromisses durch das britische Unterhaus zu bringen, da bei einer Ablehnung des Kompromisses Neuwahlen des Unterhauses drohen. Im Fall von Neuwahlen müssen die „Hard-Brexiteers“ jedoch befürchten, dass Labour die Wahl gewinnt und einen Soft-Brexit oder sogar einen Ausstieg aus dem Brexit betreiben würde. Somit könnten sich die „Hard-Brexiteers“ im Unterhaus gezwungen sehen, zähneknirschend dem Entwurf des Ausstiegsabkommens zuzustimmen. Im Ergebnis steht die aktuelle Entwicklung im Einklang mit unserem Hauptszenario. Demnach werden sich die EU und das Vereinigte Königreich für die Zeit nach dem EU-Austritt im März 2019 auf eine knapp zwei Jahre laufende Übergangsperiode verständigen, an welche sich der Abschluss eines Freihandelsabkommens anschließt. Unser neu konzipiertes LBBW Brexit-Barometer (die relative Stärke des britischen Aktienmarktes geht nun zusätzlich in die Berechnung des Barometers ein, und die zugrundeliegenden Daten werden nun nicht mehr von Bloomberg, sondern von Refinitiv geliefert) zeigt bereits seit einigen Tagen abnehmende Brexit-Sorgen der Marktteilnehmer an.

Indikatoren des LBBW Brexit-Barometer

In unser LBBW-Barometer für die Brexit-Sorgen der Marktteilnehmer gehen fünf Indikatoren gleichgewichtet ein:

  • der Außenwert des Pfund Sterling
  • die relative Stärke britischer Bankaktien
  • die relative Stärke des britischen Aktienmarktes
  • die Kreditausfallprämie für britische Staatsanleihen
  • die Entwicklung von an der Londoner Börse notierten Immobilienfonds

Ein negativer Wert stellt im historischen Vergleich eine Abweichung vom Mittelwert nach unten dar. Das Umgekehrte gilt für positive Werte.

Mit einfachen Worten: Sinkt unser Barometer, nehmen die Brexit-Sorgen der Marktteilnehmer zu.

  • LBBW Brexit-Barometer

    Stand: 12.12.2018, Quelle: Refinitiv, LBBW Research

Tweet-Historie

Lesen Sie unsere letzten Analysen zum Brexit.

26. November 2018

Brexit-POKER - EU hat ihre Interessen gewahrt und kann sich sogar als Sieger fühlen, wenn auch ohne Siegerpose. Denn jetzt steht der "May-Day" im UK-Parlament an und die Frage: Kann Theresa May den Deal im Unterhaus durchboxen?

23. November 2018

Der Brexit geht für die Briten in die entscheidende Phase.
Stürzt Theresa May? Wie wird es weiter gehen?

20. November 2018

Folgen eines Mißtrauensvotums gegen May."Brexit by accident" oder Totgesagte leben länger. Szenarien der Unsicherheit im UK-Parlament in der LBBW-Analyse.

19. November 2018

May be or not? Auch bei einem Scheitern des Brexit-Abkommens sieht die LBBW in ihrem Brexit Barometer das UK-Parlament nicht auf Neuwahlen zusteuern.

14. November 2018
Durchbruch beim Brexit: Nach Monaten harter Verhandlungen haben sich EU und UK auf einen Entwurf für ein Austrittsabkommen geeinigt. Der Kompromiss beinhaltet wohl, dass UK in der Europäischen Zollunion verbleiben wird.

7. November 2018
UK hat durch Brexit-Votum bereits 3,2% an Wachstum verloren. LBBW-Analyse legt ein "Doppelgänger-Szenario" zu Grunde und hat einmal nachgerechnet.

16. Oktober 2018
Fast der Brexit-Durchbruch und dann doch nur Enttäuschte. Dramatische Stunden in Brüssel und schon morgen geht es wieder ums Ganze. LBBW zum Brexit Showdown.

26. September 2018
UK-Wachstum: Vom Spitzenreiter zum Nachzügler. Während das Vereinigte Königreich 2016 in der Gruppe der G10-Staaten beim Wachstum noch Rang 3 belegte, dürfte das Inselreich 2018 infolge der Brexit-Vorläufer auf den vorletzten Rang abrutschen.

30. August 2018
Vorbereitungen für einen „No-Deal“-Brexit laufen. Grenzfrage zwischen Nordirland und Irland noch ungeklärt.

15. August 2018
May's Charmeoffensive stößt auf kalte Schulter bei EU. Wahrscheinlichkeit eines "Hard"-Brexit signifikant höher einzustufen. Brexit Barometer der LBBW zeigt auch Wirkung.

9. Juli 2018
Theresa May macht einen weiteren Schritt in Richtung Soft-Brexit. Und prompt geht Brexit-Minster David Davis über Bord. LBBW analysiert die aktuelle Lage.

19. Juni 2018
Wie viel Mitspracherecht erhält das UK-Parlament beim Brexit? LBBW-Analyse sieht May zwischen Zugeständnissen an beide Meinungslager ihrer Partei und harten Verhandlungen mit der EU zum Austrittsabkommen.

18. Mai 2018
Brexit: Verzweiflung über die zukünftigen Zollbeziehungen zwischen EU und UK - Steigen die Chancen für die Zollunion oderHardBrexit?

4. Mai 2018
Brexit - Bleibt UK nun doch in der EU-Zollunion? LBBW zu dem Für und Wider.

LBBW Brexit-Barometer auf einen Blick.

Der LBBW-Barometer zeigt auf einen Blick: Wie ist die Stimmung der Marktteilnehmer im Brexit-Prozess?

  • Barometer-Tiefststand

    LBBW Brexit-Barometer: Tiefststand

    Der LBBW Brexit-Barometer für die Brexit-Erwartungen hat einen Tiefststand erreicht. Die Marktteilnehmer haben mit Blick auf den Brexit große Sorgen.

  • Barometer-Pessimismus

    LBBW Brexit-Barometer: Pessimismus

    Der LBBW Brexit-Barometer für die Brexit-Erwartungen liegt unter dem Mittel. Die Marktteilnehmer haben mit Blick auf den Brexit überwiegend Sorgen.

  • Barometer-Eintrübung

    LBBW Brexit-Barometer: Eintrübung

    Der LBBW BRexit-Barometer für die Brexit-Erwartungen liegt nahe dem Mittel. Die Marktteilnehmer haben mit Blick auf den Brexit gespannte Stimmung.

  • Barometer-Gelassenheit

    LBBW Brexit-Barometer: Gelassenheit

    Der LBBW Brexit-Barometer für die Brexit-Erwartungen liegt über dem Mittel. Die Marktteilnehmer haben mit Blick auf den Brexit nur wenig Sorgen.

  • Barometer-Höchststand

    LBBW Brexit-Barometer: Höchststand

    Der LBBW Brexit-Barometer für die Brexit-Erwartungen hat einen Höchststand erreicht. Die Marktteilnehmer haben mit Blick auf den Brexit keine Sorgen.

Research zu den Brexit-Verhandlungen.

Das LBBW Research begleitet Sie nicht nur mit dem LBBW #Brexit-Barometer durch die Verhandlungen. In unseren Publikationen analysieren wir die Auswirkungen des Brexit-Votums auf die Wirtschaft sowie die Finanzmärkte und kommentieren die Folgen von Entscheidungen in der Wirtschafts-, Notenbank- und Regierungspolitik.

Wir bieten Ihnen das marktrelevante Research in Zeiten von wirtschaflicher Veränderung und hoher politischer Unsicherheit. Eine Auswahl unserer bisherigen Analysen zum Brexit haben wir für Sie zusammengestellt.

Schaubild Brexit Timeline

Brexit Timeline

So sieht der Brexit-Fahrplan aus: Die wichtigsten Ereignisse vor und nach dem Brexit-Votum.

Schaubild

2018 und Ausblick bis 2020

31. Dezember 2020
Übergangsphase endet, Verlängerung möglich.

ab April 2019
Verhandlungen über Handelsabkommen.

29. März 2019
Ende der EU-Mitgliedschaft, Übergangsphase beginnt.

bis März 2019
Abstimmung über die Verhandlungsergebnisse im EU-Parlament.
Rat der Europäischen Union beschließt mit qualifizierter Mehrheit über die Verhandlungsergebnisse.

Dezember 2018
Abstimmung im britischen Unterhaus über die Verhandlungsergebnisse.

25. November 2018
Europäischer Rat beschließt auf Sondergipfel die Verhandlungsergebnisse.

Bis November 2018
Detailverhandlungen zum Brexit.

2017

Bis Ende 2017
Verhandlungen zwischen EU und Großbritannien über die „divorce bill“ sowie die Rechte von Briten und EU-Bürgern, die Rolle des EU-Gerichtshofs sowie die Grenze in Irland.

24. September 2017
Bundestagswahl in Deutschland

19. Juni 2017
Start der Austrittsverhandlungen.

8. Juni 2017
Unterhauswahlen in Großbritannien.

29. März 2017
Der EU-Botschafter Barrow übergibt den Austrittsantrag in Brüssel.

14. März 2017
Das Parlament stimmt für das von der Regierung vorgelegte Brexit-Gesetz.

18. Januar 2017
Premierministerin May kündigt einen "clean brake" an.

3. Januar 2017
Rogers, der britische EU-Botschafter, gibt sein Amt auf und verlässt Brüssel.

2016 - 2013

3. November 2016
Der High Court entscheidet, dass die Regierung die Brexit-Verhandlungen nur mit Zustimmung des Parlaments führen darf.

02. Oktober 2016
Premierministerin May kündigt an, dass bis Ende März 2017 ein Austrittsantrag nach Artikel 50 des EU- Vertrags eingereicht wird.

13. Juli 2016
May ist neue britische Premierministerin. Johnson wird Außenminister. Zuständig für den Brexit ist jedoch Davis als "Principal Secretary of State for Exiting the European Union".

11. Juli 2016
Premier Cameron verkündet die Kandidatur von May für seine Nachfolge.

30. Juni 2016
Johnson verzichtet auf die Nachfolge von Premier Cameron.

24. Juni 2016
Premier Cameron erklärt seinen Rücktritt bis spätestens Oktober.

23. Juni 2016
Brexit-Votum: 46,5 Millionen Briten stimmen über "Brexit" oder "Bremain" ab. Am folgenden Tag steht das Ergebnis fest: 51,9 Prozent der Briten wollen die EU verlassen.

20. Februar 2016
Premier Cameron das EU-Referendum für den 23. Juni an, will seinen Landsleuten aber zu einem Verbleib in der EU raten. Einen Tag zuvor kommen die Staats- und Regierungschef aller EU-Staaten den Briten mit einem Reformpaket entgegen.

5. Februar 2016
Premier Cameron gibt seinen Ministern in der Frage eines EU-Austritts freie Hand. Vor dem geplanten EU-Referendum stellen sich fünf Minister auf die Seite des Brexit-Lagers, darunter Justizminister Gove. Der Londoner Ex-Bürgermeister Johnson schlägt sich ebenfalls auf die Seite der Brexit- Befürworter.

11. November 2015
Premier Cameron stellt Forderungen nach EU-Reformen und droht mit dem EU-Austritt.

28. Mai 2015
Im Parlament wird der Gesetzesentwurf zum Referendum eingereicht.

7. Mai 2015
Premier Camerons Partei siegt bei der Parlamentswahl und erneuert sein Versprechen eines EU- Referendums.

1. März 2016
Premier Cameron stellt an Brüssel Forderungen zum Verbleib in der EU.

23. Januar 2013
Premier Cameron stellt im Falle des Wahlsiegs ein Referendum zum Verbleib in der EU bis spätestens 2017 in Aussicht.

LBBW-Experte und verantwortlicher Analyst.

Dirk Chlench als verantwortlicher Analyst wird Sie auch weiterhin auf dem Laufenden halten.

LBBW-Experte


Dirk Chlench
Analyst Strategy & Macro - LBBW Research
Tel +49 711 127-7 61 36
dirk.chlench@LBBW.de

Twitter @LBBW

Folgen Sie unserer Einschätzung mit dem LBBW #Brexit-Barometer auf Twitter.

LBBW (@LBBW) | Twitter