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LBBW Brexit-Barometer

Brexit-Barometer: Theresa May bleibt nichts erspart.

12.12.2018 - Während Sie auf Brexit-Betteltour den Kontinent bereist, wird ein parteiinternes Misstrauensvotum eröffnet.

LBBW blickt auf eine Tragödie in shakespeare'schen Dimensionen.

LBBW Brexit-Barometer: Pessimismus

Tweet: @LBBW | 12. Dezember 2018

Während Theresa May auf dem Kontinent auf Betteltour ist und in einem Akt der Verzweiflung die anderen EU-Staats- und Regierungschefs um eine Zusicherung bittet, dass die Notlösung, der sogenannte „backstop“, für das Nordirland-Problem nicht zur Konsequenz hat, dass das Vereinigte Königreich bis zum Sankt-Nimmerleinstag in einer Zollunion mit der Europäischen Union verbleibt, werfen ihr die „Parteifreunde“ in London weiterhin Knüppel zwischen die Beine. Es geisterten schon seit geraumer Zeit Spekulationen über ein parteiinternes Misstrauensvotum gegen Theresa May durch die Gazetten. Nun gab Graham Brady, der Vorsitzende des sogenannten „1922 Committee“ bekannt, dass er von mehr als 48 Abgeordneten ein Schreiben erhalten hat, in welchen die konservativen Hinterbänkler ihr fehlendes Vertrauen in die Amtsführung von Theresa May zum Ausdruck gebracht haben. Damit ist die Hürde für das Stellen eines parteiinternen Misstrauensvotums genommen.

Die Abstimmung ist für heute Abend angesetzt, und zwar zwischen 18.00 Uhr und 20.00 Uhr Londoner Zeit. Es reicht eine einfache Mehrheit innerhalb der Fraktion der Konservativen, also 158 Stimmen, um Theresa May als Parteiführerin und damit auch als Premierministerin abzuwählen. Im Westmister-Parlamentssystem wird typischerweise der Parteiführer der im Unterhaus am stärksten vertretenen Partei als Premierminister eingesetzt. Sollte das Misstrauensvotum erfolgreich sein, folgen parteiinterne Neuwahlen für das Amt des Parteiführers und damit, wie geschildert, auch für das Amt des Regierungschefs. Eine Bestätigung eines neuen Kabinetts durch das Unterhaus ist nicht vorgesehen.

Nach unserer Einschätzung wird der Misstrauensantrag scheitern. Zum Ersten drängt sich trotz aller Kritik an Theresa May kein anderer Kandidat für das Amt des Premierministers auf. Zum Zweiten würde ein Sturz der Premierministerin den ohnehin schon engen Zeitplan für den EU-Austritt gefährden und somit die Wahrscheinlichkeit für das Szenario eines ungeordneten „Brexit by accident“ erhöhen. Diese Aussicht sollte die in den Bezug auf den Brexit gemäßigten Konservativen in der Fraktion von einer Rebellion abhalten. Prominente Mitglieder des Kabinetts haben ihrer Premierministerin, welche um ihren Posten kämpfen will, die Unterstützung bereits zugesagt.

Tragödie in shakespeare'schen Dimensionen

Sollte Theresa May den Misstrauensantrag indes nicht überstehen, so wird nach Ansicht ihres Justizministers David Gauke eine Verschiebung des EU-Austrittstermins, bis dato der 29. März 2019, unausweichlich sein. Es könnte sich jedoch herausstellen, dass der Minister die Rechnung ohne den Wirt gemacht hat. Denn für eine Fristverlängerung ist ein einstimmiger Beschluss des Europäischen Rates nötig. Und die anderen EU-Staats- und Regierungschefs scheinen des Chaos in Westmister überdrüssig zu sein.

Die Märkte zeigten sich von den Ereignissen in London unbeeindruckt. Der Euro gab heute Morgen gegenüber dem Pfund Sterling etwas nach, und der britische Aktienmarkt startete freundlich in den Tag.

Indikatoren des LBBW Brexit-Barometer

In unser LBBW-Barometer für die Brexit-Sorgen der Marktteilnehmer gehen fünf Indikatoren gleichgewichtet ein:

  • der Außenwert des Pfund Sterling
  • die relative Stärke britischer Bankaktien
  • die relative Stärke des britischen Aktienmarktes
  • die Kreditausfallprämie für britische Staatsanleihen
  • die Entwicklung von an der Londoner Börse notierten Immobilienfonds

Ein negativer Wert stellt im historischen Vergleich eine Abweichung vom Mittelwert nach unten dar. Das Umgekehrte gilt für positive Werte.

Mit einfachen Worten: Sinkt unser Barometer, nehmen die Brexit-Sorgen der Marktteilnehmer zu.

  • LBBW Brexit-Barometer

    Stand: 15.8.2019, Quelle: Refinitiv, LBBW Research

Tweet-Historie

Lesen Sie unsere letzten Analysen zum Brexit.

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Könnte das britische Unterhaus dann einen Hard Brexit noch verhindern?

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Bleibt überhaupt genügend Zeit für Brexit-Neuverhandlungen?
Die Brexit-Lage bleibt verworren. Vieles deutet laut LBBW Research auf die Notwendigkeit einer neuerlichen Verschiebung über Ende Oktober hinaus.

16. Juli 2019

Wird die Queen nun in das Brexit-Chaos hineingezogen?
Boris Johnson, Favorit bei der Theresa May-Nachfolgewahl, denkt über eine "Suspendierung des Parlaments" in der Brexit-Frage nach.

Weitere Analysen

Auf dieser Übersichtsseite finden Sie alle Tweets mit den Analysen zum Thema Brexit seit Mai 2018.

Eine Zusammenstellung von Downloads finden Sie unten auf dieser Seite unter "Research zu den Brexit-Verhandlungen".

LBBW Brexit-Barometer auf einen Blick.

Der LBBW-Barometer zeigt auf einen Blick: Wie ist die Stimmung der Marktteilnehmer im Brexit-Prozess?

  • Barometer-Tiefststand

    LBBW Brexit-Barometer: Tiefststand

    Der LBBW Brexit-Barometer für die Brexit-Erwartungen hat einen Tiefststand erreicht. Die Marktteilnehmer haben mit Blick auf den Brexit große Sorgen.

  • Barometer-Pessimismus

    LBBW Brexit-Barometer: Pessimismus

    Der LBBW Brexit-Barometer für die Brexit-Erwartungen liegt unter dem Mittel. Die Marktteilnehmer haben mit Blick auf den Brexit überwiegend Sorgen.

  • Barometer-Eintrübung

    LBBW Brexit-Barometer: Eintrübung

    Der LBBW BRexit-Barometer für die Brexit-Erwartungen liegt nahe dem Mittel. Die Marktteilnehmer haben mit Blick auf den Brexit gespannte Stimmung.

  • Barometer-Gelassenheit

    LBBW Brexit-Barometer: Gelassenheit

    Der LBBW Brexit-Barometer für die Brexit-Erwartungen liegt über dem Mittel. Die Marktteilnehmer haben mit Blick auf den Brexit nur wenig Sorgen.

  • Barometer-Höchststand

    LBBW Brexit-Barometer: Höchststand

    Der LBBW Brexit-Barometer für die Brexit-Erwartungen hat einen Höchststand erreicht. Die Marktteilnehmer haben mit Blick auf den Brexit keine Sorgen.

Research zu den Brexit-Verhandlungen.

Das LBBW Research begleitet Sie nicht nur mit dem LBBW #Brexit-Barometer durch die Verhandlungen. In unseren Publikationen analysieren wir die Auswirkungen des Brexit-Votums auf die Wirtschaft sowie die Finanzmärkte und kommentieren die Folgen von Entscheidungen in der Wirtschafts-, Notenbank- und Regierungspolitik.

Wir bieten Ihnen das marktrelevante Research in Zeiten von wirtschaflicher Veränderung und hoher politischer Unsicherheit. Eine Auswahl unserer bisherigen Analysen zum Brexit haben wir für Sie zusammengestellt.

2019 und Ausblick bis 2020

31. Dezember 2020
Ursprüngliches Ende der Übergangsphase.

31. Oktober 2019
Spätestes Austrittsdatum.
Beschlossen auf dem Sondergipfel am 10. April 2019.

7. Juni 2019
Rücktritt von May vom Vorsitz der Konservativen Partei (Tories).

2. Juli 2019
Konstituierung des neugewählten Europäischen Parlaments.

23. bis 26. Mai
Wahl des Europäischen Parlaments

18. April 2019
Letzte Plenartagung des Europäischen Parlaments.

10. April 2019
Die EU Statts- und Regierungschefs beschliessen auf dem EU-Sondergipfel einen Aufschub des Brexit bis zum 31. Oktober. Ein früherer Austritt bleibt möglich, falls das Unterhaus dem Austrittsabkommen doch noch zustimmen sollte.

29. März 2019
Ursprüngliches Austrittsdatum mit Ende der EU-Mitgliedschaft und Beginn der Übergangsphase. Das Unterhaus lehnt zum dritten Mal das ausgehandelte Austrittsabkommen ab.

27. März 2019
Das Unterhaus hat acht Alternativen zum Abkommen mit der EU abgelehnt.

21. März 2019
Der EU-Gipfel beschliesst einen möglichen Aufschub des Brexit bis zum 12. April. Sollte das Unterhaus dem Austrittsabkommen noch zustimmen, soll der Aufschub bis zum 22. Mai verlängert werden.

19. März 2019
Der Sprecher des Unterhauses, John Bercow, lässt die von der britischen Regierung geplante dritte Parlamentsabstimmung über das Austrittsabkommen am 20. März nicht zu.

14. März 2019
Unterhaus stimmt mit 412 zu 202 Stimmen für eine Verschiebung des Brexit-Termins.

13. März 2019
Unterhaus spricht sich mit einer Mehrheit von 43 Stimmen gegen „Hard Brexit“ aus.

12. März 2019
Erneute Abstimmung im britischen Unterhaus über die Verhandlungsergebnisse. Britisches Unterhaus lehnt Austrittsabkommen ab.

14. Februar 2019
Das Unterhaus lehnt die Erklärung über das Vorgehen der Regierung und den Stand der Gespräche mit der EU ab.

29. Januar 2019
Das Unterhaus stimmt einem Antrag zu, durch denTheresa May den Auftrag erhält, den umstrittenen Backstop für die innerirische Grenze mit der EU neu zu verhandeln.

16. Januar 2019
Der von Oppositionsführer Jeremy Corbyn gestellte Misstrauensantrag gegen die Regierung ist gescheitert.

15. Januar 2019
Unterhaus lehnt Austrittsabkommen mit der EU ab.

2018

12. Dezember 2018
Parteiintenes Misstrauensvorum gegen Theresa May scheitert erwartungsgemäß.

10. Dezember 2018
Theresa May sagt das für den 11. Dezember geplante Votum im britischen Unterhaus zum Austrittsabkommen ab.

25. November 2018
Europäischer Rat beschließt auf Sondergipfel die Verhandlungsergebnisse.

Bis November 2018
Detailverhandlungen zum Brexit.

2017

Bis Ende 2017
Verhandlungen zwischen EU und Großbritannien über die „divorce bill“ sowie die Rechte von Briten und EU-Bürgern, die Rolle des EU-Gerichtshofs sowie die Grenze in Irland.

24. September 2017
Bundestagswahl in Deutschland

19. Juni 2017
Start der Austrittsverhandlungen.

8. Juni 2017
Unterhauswahlen in Großbritannien.

29. März 2017
Der EU-Botschafter Barrow übergibt den Austrittsantrag in Brüssel.

14. März 2017
Das Parlament stimmt für das von der Regierung vorgelegte Brexit-Gesetz.

18. Januar 2017
Premierministerin May kündigt einen "clean brake" an.

3. Januar 2017
Rogers, der britische EU-Botschafter, gibt sein Amt auf und verlässt Brüssel.

2016 - 2013

3. November 2016
Der High Court entscheidet, dass die Regierung die Brexit-Verhandlungen nur mit Zustimmung des Parlaments führen darf.

02. Oktober 2016
Premierministerin May kündigt an, dass bis Ende März 2017 ein Austrittsantrag nach Artikel 50 des EU- Vertrags eingereicht wird.

13. Juli 2016
May ist neue britische Premierministerin. Johnson wird Außenminister. Zuständig für den Brexit ist jedoch Davis als "Principal Secretary of State for Exiting the European Union".

11. Juli 2016
Premier Cameron verkündet die Kandidatur von May für seine Nachfolge.

30. Juni 2016
Johnson verzichtet auf die Nachfolge von Premier Cameron.

24. Juni 2016
Premier Cameron erklärt seinen Rücktritt bis spätestens Oktober.

23. Juni 2016
Brexit-Votum: 46,5 Millionen Briten stimmen über "Brexit" oder "Bremain" ab. Am folgenden Tag steht das Ergebnis fest: 51,9 Prozent der Briten wollen die EU verlassen.

20. Februar 2016
Premier Cameron das EU-Referendum für den 23. Juni an, will seinen Landsleuten aber zu einem Verbleib in der EU raten. Einen Tag zuvor kommen die Staats- und Regierungschef aller EU-Staaten den Briten mit einem Reformpaket entgegen.

5. Februar 2016
Premier Cameron gibt seinen Ministern in der Frage eines EU-Austritts freie Hand. Vor dem geplanten EU-Referendum stellen sich fünf Minister auf die Seite des Brexit-Lagers, darunter Justizminister Gove. Der Londoner Ex-Bürgermeister Johnson schlägt sich ebenfalls auf die Seite der Brexit- Befürworter.

11. November 2015
Premier Cameron stellt Forderungen nach EU-Reformen und droht mit dem EU-Austritt.

28. Mai 2015
Im Parlament wird der Gesetzesentwurf zum Referendum eingereicht.

7. Mai 2015
Premier Camerons Partei siegt bei der Parlamentswahl und erneuert sein Versprechen eines EU- Referendums.

1. März 2016
Premier Cameron stellt an Brüssel Forderungen zum Verbleib in der EU.

23. Januar 2013
Premier Cameron stellt im Falle des Wahlsiegs ein Referendum zum Verbleib in der EU bis spätestens 2017 in Aussicht.

LBBW-Experte und verantwortlicher Analyst.

Dirk Chlench als verantwortlicher Analyst wird Sie auch weiterhin auf dem Laufenden halten.

Dirk Chlench, Analyst Strategy & Macro - LBBW Research

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