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Der Mittelstand hat den Konsortialkredit für sich entdeckt

LBBW-Studie: Mittelständler nutzen den Konsortialkredit als Sicherheitspuffer und als Anker, der sich leicht mit anderen Finanzierungsprodukten kombinieren lässt.

Der Konsortialkredit kommt im Mittelstand an. „Da Banken vermehrt auch kleinere Finanzierungsvolumen ab ca. 25 Millionen Euro mit Hilfe von Konsortialkrediten abdecken, sind die Voraussetzungen einer zunehmenden Etablierung des Produktes im breiten Mittelstand gegeben“, konstatiert die aktuelle „Konsortialkredit“-Studie von LBBW Research . Mittelständler lernen die Sicherheit und die Flexibilität dieser Finanzierungsform schätzen, gerade in unsicheren Zeiten: „Konsortialkredite bieten Unternehmen in volatilen Marktphasen ausreichend Finanzierungssicherheit.“

Die LBBW-Studie sieht diese Art des Kredits, für den sich mehrere Banken zu einem Konsortium zusammenschließen, als oftmals optimales Ankerprodukt. An Konsortialkrediten – auch syndizierter Kredit genannt – lassen sich problemlos andere Finanzierungsformen andocken. „Der Konsortialkredit eignet sich hier insbesondere als Ankerprodukt für künftige Finanzierungsprojekte. Neben sicherheitsbezogenen Aspekten bietet eine Konsortialfinanzierung dem Kreditgeber eine hohe individuelle Flexibilität in Bezug auf die Ausgestaltung der Finanzierung“, sagt Senior Analyst Hans-Peter Kuhlmann.

Der Mittelstand treibt die Nachfrage

Tatsächlich hat vor allem das Interesse von Mittelständlern die Nachfrage nach syndizierten Krediten in den vergangenen Jahren getrieben. Das zeigt sich beispielsweise daran, dass sich das durchschnittliche Volumen je Transaktion seit der Jahrtausendwende etwa halbiert hat. Ein deutliches Indiz dafür, dass der Konsortialkredit seinen Platz in der Finanzierungsstruktur von mittelständischen Unternehmen hat festigen können.

Sechs Prozent weniger Volumen bei Konsortialkrediten

Zunehmende Liquidität wartet geradezu darauf, investiert zu werden – und wartet und wartet. „In unsicheren Zeiten sinkt häufig die Investitionsneigung“, sagt Studienautor Hans-Peter Kuhlmann. Wer Geld hat und gerade nicht weiß, wofür er es ausgeben soll, der braucht auch keinen Kredit. Seit Anfang 2018 scheinen die Zahlen das zu spiegeln. Im ersten Halbjahr 2018 sahen wenige Unternehmen einen Anlass, zusätzliche Finanzmittel aufzunehmen. Der Schuldscheinmarkt etwa zeigte Rückgänge von mehr als 30 Prozent. Der Markt für Unternehmensanleihen blieb zwar stabil, doch dafür gibt es einen speziellen Grund. „Nach dem Ende der Nettokäufe durch die Europäische Zentralbank EZB droht dann die Risikoprämie für Unternehmensanleihen wieder anzusteigen“, sagt LBBW-Analyst Kuhlmann. „Daher dürften bis dahin noch diverse Unternehmen versuchen, Unternehmensanleihen zu den durch die EZB-Käufe besonders günstigen Konditionen zu emittieren.“

  • Der Konsortialkreditmarkt in Deutschland wächst seit 2009 kontinuierlich

Auch die Zahl der Konsortial-Transaktionen sinkt. Bis Ende Oktober 2018 wurden erst 113 Deals mit einem Gesamtvolumen von 73,3 Milliarden Euro verzeichnet. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ist das ein Minus von sechs Prozent, was das Kreditvolumen angeht, und ein Rückgang von 29 Prozent in der Anzahl der Transaktionen. Das liegt nicht an einem erlahmenden Interesse, sondern hat einen anderen Grund. Die deutschen Unternehmen sind bereits versorgt. Sie haben selbst Geld und brauchen es sich daher nicht von der Bank zu holen. Seit 2009 haben „die Unternehmen zunehmend hohe Liquiditätsreserven aufgebaut, was durch die stabilen Cashflows ermöglicht wurde“, heißt es in der LBBW-Studie.

Konsortialkredite als „zentrale Finanzierungsbausteine“

Analyst Kuhlmann nennt einen weiteren Grund für den Nachfrage-Hänger: Während Anleihen oder Schuldscheine vor allem bei konkreten Investitionen gefragt sind, übernehmen Konsortialkredite eher allgemeine Aufgaben. „Zentrale Finanzierungsbausteine“ nennt sie Kuhlmann, die sich wunderbar mit anderen Bausteinen kombinieren ließen. Allerdings nur, wenn die Notwendigkeit besteht. „Je höher das Geschäftsrisiko, umso höher ist das Managementbedürfnis nach Sicherheit durch zusätzliche Liquiditätslinien in Form eines Konsortialkredits“, sagt auch LBBW-Analyst Martin Dresp.

  • Die Infografik zeigt, dass ca. 80 % Konsortialkredite mit einer Laufzeit von 30 Jahren und weniger auskommen

Schaut man auf die Entwicklung der Laufzeiten, scheinen deutsche Unternehmen diese Sicherheitspuffer derzeit seltener zu benötigen. Kürzer ist offenbar besser. Konsortialkredite mit einer Laufzeit von nur zwölf Monaten machten früher nur 10 Prozent aller Transaktionen aus, aktuell ist ihr Anteil auf 30 Prozent gestiegen. Zwar dominieren Konsortialkredite mit einer fünfjährigen Laufzeit noch immer den Markt (40 Prozent der Transaktionen), doch vor allem die Zahl der Deals mit einer Laufzeit von drei Jahren nimmt erkennbar ab.

Woran das liegt, ist schnell erklärt. Erstens zwischenfinanzieren Unternehmen Akquisitionen meist mit einjährigen Bridges, um danach umzufinanzieren – und 2018 gab es viele Akquisitionen. Zweitens verhelfen die guten Marktbedingungen immer mehr Unternehmen zu verbesserten Bonitäten, was Alternativen zum Konsortialkredit attraktiver macht. Deshalb ist die Studie bewusst eine Momentaufnahme. Je volatiler die Märkte, desto attraktiver wird der Konsortialkredit, denn er sorgt genau dann für „ausreichend Finanzierungssicherheit und Flexibilität“.

Die komplette Studie „Konsortialkredit“ können Sie hier herunterladen