Exportfinanzierung China: Papiermaschinen von Voith

Finanzwissen

Papermaking 4.0 – die Papierproduktion der Zukunft

Papiermaschinen von Voith sind weltweit gefragt. Zwei der Hightech-Giganten gingen jüngst nach China. Die Exportfinanzierung stammt von der LBBW.

Die Kunst der Papierproduktion kommt ursprünglich aus China. Erstmals beschrieben wurde der komplexe Prozess um 100 n. Chr. von einem gewissen Cai Lun, der seinem Kaiser in der Behörde für die Fertigung von Instrumenten und Waffen diente. Heute, fast 2.000 Jahre später, kommt Papier immer noch in großen Mengen aus dem Reich der Mitte. China ist mit mehr als 110 Millionen Tonnen Jahresleistung die absolute Nummer 1 der Produzenten. Die Technologie und die Maschinen aber, die Cellulose dort in einen der wichtigsten Wertstoffe der Welt verwandeln, sind häufig „made in Germany“.

Internationale Geschäfte finanzieren mit der LBBW

Das Heidenheimer Technologieunternehmen Voith gehört zu den erfolgreichsten Anbietern von Maschinen, die „paper, board and tissue“ produzieren. Der Dreiklang aus Anglizismen gehört zum global gebräuchlichen Fachjargon in dieser Industrie. Von der Produktion von Zeitungs- und Zeitschriftenpapier, über robuste Kartonagen und Verpackungspapiere bis hin zur Herstellung von Tissue, das im Alltag als Toilettenpapier, Taschentuch und Küchenrolle dient – die Technologien von Voith kommen in allen Bereichen der Papierindustrie zum Einsatz.

Durch ständige Innovationen optimiert Voith den Papierherstellungsprozess. Der Schwerpunkt liegt vor allem in der Entwicklung von ressourcenschonenden Produkten, um den Einsatz von Energie, Wasser und Faserstoffen zu reduzieren. Darum sind die Hightech-Papiermaschinen auch ein globaler Exportschlager. Und weil die Finanzierung dieser internationalen Geschäfte ebenfalls einer besonderen Expertise bedarf, setzt das große Familienunternehmen dabei immer wieder auf die Kompetenz der LBBW.

China entwickelt sich zum Exportfinanzierungsmarkt

Das gilt auch für die beiden Papiermaschinen, die Voith für einen großen chinesischen Papierproduzenten an dessen Standorten in den Provinzen Shandong und Jiangsu installiert. Das Investitionsvolumen beziffert sich laut Bernd Rieck, Head of Export & Project Finance in der Voith Financial Services GmbH, auf einen Eurobetrag in dreistelliger Millionenhöhe. Bisher seien solche Geschäfte mit chinesischen Kunden in der Regel über Akkreditive abgewickelt worden. Doch das ändert sich gerade. „China entwickelt sich für uns verstärkt zum Exportfinanzierungsmarkt“, sagt der Finanzexperte aus dem Voith-Konzern.

Kundennähe ist für die LBBW wichtig – auch international

Die LBBW ist dabei für Bernd Rieck ein vertrauter Begleiter. Die Begründung dafür liefert er gleich mit: „Banking ist ein People’s Business“, sagt er. Dabei gehe es nicht in erster Linie um Konditionen und Prozesse. Wichtiger noch seien „persönliche Beziehungen, ein gutes Netzwerk, Schnelligkeit und viel Verständnis für die Situation der jeweiligen Partner“. Im Fall dieser Exportfinanzierung sind das gleich vier: Neben Voith als Exporteur und der LBBW als Federführerin des finanzierenden Bankenkonsortiums gehören der chinesische Papierproduzent als Käufer der Maschine und Euler Hermes, die Kreditversicherung der Bundesrepublik Deutschland, dazu.

LBBW – exzellente China-Expertise

Aufseiten der LBBW kümmert sich Joachim Landgraf, Global Head Export Finance, mit seinem Team um diese komplexen internationalen Geschäfte. Die besonderen Herausforderungen für die Bank ergeben sich aus der Konstruktion einer Exportfinanzierung. Denn der Kreditnehmer ist dabei nicht das deutsche Unternehmen, zu dem die Bank seit vielen Jahren eine vertrauensvolle Beziehung pflegt, sondern dessen ausländischer Kunde. Joachim Landgraf benennt die Probleme: „Wir wissen häufig nicht sehr viel über den Käufer, müssen die spezifischen rechtlichen Rahmenbedingungen des jeweiligen Landes beachten und sind dort häufig auch nicht selbst vor Ort“ ( Mehr dazu lesen Sie hier im Interview). Für die Finanzierung des Exports der beiden Papiermaschinen nach China gilt das allerdings nicht. Die Kunden von Voith gehören zu den größten Papierproduzenten der Welt und können daher recht gut beurteilt werden. Zudem verfügt die LBBW aufgrund eigener Repräsentanzen in Peking und Shanghai über eine exzellente China-Expertise.

Voith – Paper City im Reich der Mitte

Insbesondere dieser Aspekt passt hervorragend zu Voith. Die Heidenheimer Maschinenbauer verfügen mittlerweile über 15 eigene Standorte in China und beschäftigen dort bereits mehr als 2.600 Menschen. Die beiden neuen Papiermaschinen kommen daher auch nicht komplett aus Deutschland. Wichtige Elemente wurden in China produziert. Im Jahr 2010 hat das Unternehmen seine Papieraktivitäten dort in der Voith Paper City Kunshan gebündelt – einem Standort, der längst konzernweit Vorbildfunktion in Sachen effiziente Prozesse, schlanke Produktion und Nachhaltigkeit hat.

Mit Hermes-Bürgschaft internationale Geschäfte absichern

Auch wenn Chinas Wirtschaftskraft stark und die politischen Rahmenbedingungen vergleichsweise stabil sind, bedeuten Exporte ins Reich der Mitte für deutsche Unternehmen immer noch ein erhebliches Risiko. Laut einer Untersuchung des führenden Kreditversicherers Euler Hermes sind chinesische Unternehmen weltweites Schlusslicht in Sachen Zahlungsmoral. Um solchen Exportrisiken – auch in anderen kritischen Regionen der Welt – vorzubeugen, gewährt der deutsche Staat auf Antrag Bürgschaften. Und weil die seit Jahrzehnten über Euler Hermes abgewickelt werden, hat sich dafür die Bezeichnung „Hermes-Bürgschaft“ etabliert. Voith ist seit 150 Jahren im Maschinenbau tätig und viele langjährige Kundenbeziehungen bestehen unter anderem aufgrund solider Finanzierungen und Versicherungsbürgschaften der Aufträge. Klumpenrisiken werden für alle Beteiligten durch diese Maßnahmen minimiert.

Hightech sorgt für nachhaltige Papierproduktion

Die Papiermaschinen, die Voith in China installiert, setzen international Maßstäbe. Die rund 10 Meter hohen, mehr als 10 Meter breiten und gut

300 Meter langen Giganten gewährleisten einen möglichst effizienten Einsatz von Energie, Wasser und Faserstoffen und haben eine Geschwindigkeit von bis zu 2.000 Metern pro Minute, was in etwa 120 Kilometern pro Stunde entspricht. Mit Papermaking 4.0 hat Voith Paper die Digitalisierung von Prozessen und das Internet of Things erfolgreich in der Papierindustrie eingeführt. Im Fokus stehen dabei vernetzte, intelligente Lösungen und Abläufe, die den Kunden einen klaren Mehrwert liefern.

„Auch da ergänzen sich Voith und die LBBW hervorragend“, sagt Joachim Landgraf. „Denn zum vertrauensvollen People’s Business profitieren unsere Kunden zudem von äußerst schlanken, flexiblen Prozessen.“ Wenn Sie mehr über die Exportfinanzierungslösungen der LBBW erfahren wollen, dann können Sie sich hier weiter informieren.

  • Papiermaschine von Voith: PM 2 in Jiangxi Chenming

    Qualität und Wirtschaftlichkeit entscheiden

    Papiermaschinen müssen hinsichtlich Betriebskosten und Papierqualität enorm wettbewerbsfähig sein. Exzellente Papierqualität bei gleichzeitig hohem Wirkungsgrad zeichnet Papierproduktionsanlagen von Voith aus. Hier eine Aufnahme der Papiermaschine PM 2 in Jiangxi Chenming.

  • Papiermaschine von Voith: BM 1 bei Asia Pulp & Paper

    1,2 Mio. Tonnen Produktionsvolumen jährlich

    Auf der BM 1 produziert Asia Pulp & Paper in der chinesischen Provinz Guangxi hochwertigen Faltschachtelkarton aus 100 Prozent Frischfasern. Das jährliche Produktionsvolumen der Anlage beläuft sich auf 1.200.000 Tonnen.

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    Produktionsgeschwindigkeiten von bis zu 1.600 m/min

    Die von Voith gefertigte Papiermaschine „Narew PM 5“ produziert hochwertige Karton- und Verpackungspapiere. Bei einer Produktionsgeschwindigkeit von bis zu 1.600 m/min fertigt die Anlage rund 455.000 Tonnen Material pro Jahr.

  • Exportfinanzierung – Variante direkter Bestellerkredit

    Bei dieser Exportfinanzierung erhält der Besteller den Kredit

    Der Importeur der Maschinen ist bei dieser Exportfinanzierung Kreditnehmer der LBBW. Für den Exporteur ergibt sich auf dieser Konstellation eine Zahlungsgarantie. Mit einer Exportkreditversicherung des Bundes wird das Geschäft abgesichert.

  • Standorte der LBBW und von Voith in China

    China ist für Voith ebenso wie für die LBBW ein wichtiger Markt

    Die großen Papierproduktionsanlagen wurden von Voith an Standorten in den chinesischen Provinzen Shandong und Jiangsu realisiert. Die LBBW ist in Asien an den Standorten Peking, Shanghai sowie mit ihrem Exportfinanzierungs-Hub in Singapur vertreten.