M2M-Kommunikation: Logistik durch Digitalisierung auf dem Vormarsch

Digitalisierung

Wenn Maschinen mit Maschinen sprechen

Weltweit wächst die digitale Kommunikation. Doch schon längst sorgen hier nicht mehr die Menschen für die massivsten Steigerungsraten.

M2M – das Kürzel steht für die Kommunikation von Maschine zu Maschine (engl. „machine to machine“) und bezeichnet eine gewaltige Herausforderung für die weltumspannenden Datennetze. Denn schon bald sollen Maschinen mehr Daten untereinander austauschen, als es Menschen tun. Bis zum Jahr 2020 werden rund 50 Milliarden Maschinen und Geräte untereinander vernetzt sein, schätzt der Branchenverband M2M Alliance. Auf einen Menschen kämen dann rund sechs Geräte. „Während sich die Anzahl von Tablets, Smartphones und Intelligenten Fernsehern bis zum Jahr 2020 in etwa verdoppeln dürfte, werden in dieser Zeit rund sieben Mal mehr Maschinenmodule miteinander kommunizieren können als heute“, sagt Senior-Analystin Bettina Deuscher vom LBBW Research.

Das Bestellportal steuert die Produktion

Ein Blick in die Produktionshallen des schwäbischen Werkzeugherstellers Trumpf lässt erahnen, was M2M für die Zukunft bedeutet und warum sich die maschinengetriebene Kommunikation sprunghaft entwickeln wird. Dort, wo vor wenigen Jahren noch Aufträge per Hand entgegengenommen und verarbeitet wurden, laufen heute vier vollautomatische Bearbeitungsmaschinen, die zwar von Trumpf-Mitarbeitern überwacht und gewartet werden, letztlich aber von Kunden überall auf der Welt direkt mit Aufträgen beschickt werden. Der Kunde loggt sich einfach in das firmeneigene Bestellportal ein und konfiguriert dort sein benötigtes Stanzwerkzeug. Das Shopsystem entscheidet dann selbstständig, welche Maschine den Auftrag übernimmt und nach welcher Priorität er abgearbeitet wird. Da die Maschinen sieben Tage in der Woche rund um die Uhr arbeiten, folgen sie ganz anderen Gesetzen als den Schicht- und Arbeitsplänen eines klassischen Werks.

  • M2M-Kommunikation: Das neue Logistikzentrum von Trumpf in Ditzingen

    Das neue Logistikzentrum von Trumpf in Ditzingen

    Trumpf steuert die Lagerhaltung in Regalen sowie auch alle ein- und ausgehenden Materialflüsse mit digitalen Prozessen und treibt so die unternehmensinterne Digitalisierung voran. Ein automatisches Kleinteilelager bietet aktuell 23.000 Behälterstellplätze für schnelldrehende Teile.

  • Dreh- und Angelpunkt des weltweiten Logistiknetzwerks von Trumpf

    Dreh- und Angelpunkt des weltweiten Logistiknetzwerks von Trumpf

    Mehr als 30.000 lagerhaltige Materialien umfasst das Zentrallager von Trumpf in Ditzingen. Jeden Monat werden rund 60.000 Artikel von dort versandt, das entspricht 270.000 Paketen pro Jahr. Für die europäischen Kunden kommen rund 90 Prozent davon bereits einen Tag nach der Bestellung an.

Netzausbau hinkt hinterher

Für viele Unternehmen in Deutschland sieht die Realität derzeit allerdings noch deutlich anders aus. Von Hochgeschwindigkeitsinternet können sie nur träumen.

Dieses jedoch ist für eine Vielzahl künftiger M2M-Anwendungen unerlässlich. Wurde die M2M-Kommunikation bislang noch vor allem für Überwachungsprozesse von außen eingesetzt, etwa für das automatische Monitoring eines Klärwerks, so dringt sie nun wie im Beispiel Trumpf immer stärker in die industrielle Produktion vor. „Zwar benötigt man für klassische Überwachungsprozesse auch schnelle, zuverlässige Leitungen mit geringer Latenzzeit. Hier werden bei den meisten Anwendungen aber keine großen Datenmengen transportiert, sodass nicht unbedingt ein Breitbandanschluss nötig ist“, differenziert Axel Sikora, Professor für Kommunikationselektronik an der Hochschule Offenburg. „Unternehmen, die M2M-Kommunikation für die Steuerung industrieller Prozesse nutzen wollen, benötigen hingegen zwingend eine Breitbandanbindung, um ihre digitalen Geschäftsprozesse abwickeln zu können.“

  • Fahrplan für den Ausbau der Gigabit-Netze bis 2025 - BMVi

    Auf dem Weg zur „Gigabit-Gesellschaft“

    Das BMVi hat sich zum Ziel gesetzt eine gigabitfähige konvergente Infrastruktur bis Ende 2025 in Deutschland aufzubauen. Zu den Anforderungen gehören neben bloßer Bandbreite auch Echtzeitverfügbarkeit, Sicherheit und Energieeffizienz.

Herausforderung und Wachstumsmarkt

Experten des Fraunhofer-Instituts für Offene Kommunikationssysteme haben die künftige Entwicklung des durch M2M-Kommunikation generierten Datenverkehrs für Deutschland geschätzt: Ausgehend von aktuell circa 200.000 Modulen erwarten sie bis zum Jahr 2021 einen Zuwachs auf über eine Milliarde kommunizierender Maschinen. Damit verbunden ist eine rasante Steigerung des mobilen Datenverkehrs um mehr als das Sechsfache auf unvorstellbare 2.250 Petabyte pro Monat. 1 Petabyte entspricht einer Million Gigabyte ( hier finden Sie weitere Informationen zu Massendaten).

Hoffnungsträger Mobilfunk

„Nicht zuletzt für die Netzbetreiber bietet der Wachstumsmarkt M2M riesiges Geschäftspotenzial. Die Schnittstellen der angeschlossenen Geräte müssen verwaltet werden, die Geräte an Standorte angebunden und ein gesicherter Netzzugang betrieben werden“, sagt LBBW-Digital-Expertin Deuscher.

Bis es so weit ist, müssen vor allem Unternehmen im ländlichen Raum aber wohl noch eine ganze Weile mit schlappen Netzverbindungen zurechtkommen. Doch selbst in den Ballungsräumen geht der Breitbandausbau nur schleppend voran. Mancher hofft vor diesem Hintergrund schon auf die Einführung der fünften Mobilfunkgeneration (5G). Sie soll bis 2020 kommen und könnte mit Übertragungsraten von bis zu 10 GBit pro Sekunde das eine oder andere neue Kabel obsolet machen.

  • Prognose: Zuwachs des mobilen Datenverkehrs bis 2020

    Mobile Traffic wird sich bis 2020 verdreifachen

    Laut einer Erhebung des US-amerikanischen Unternehmens Cisco Systems bewegt sich der weltweite mobile Datenverkehr derzeit bei 9,9 Exabyte. In den kommenden drei Jahren soll er auf auf 30,6 Exabytes anwachsen.