Kontaktlos bezahlen bei der BW-Bank dank NFC-Technologie

Finanzwissen

Auf dem Weg in die bargeldlose Zukunft

Per Karte zahlen ohne PIN und Unterschrift findet bei kleineren Beträgen immer weitere Verbreitung. Wie sich Handel und Kunden darauf einstellen.

Woran erkennt man deutsche Touristen in Schweden? Sicher an den mangelnden Sprachkenntnissen, vor allem aber daran, dass sie ihre Brötchen beim Bäcker mit Münzen oder Scheinen bezahlen möchten. Und das fällt auf, denn Bargeld ist hoch oben im Norden schon fast kein Thema mehr. Selbst kleine Beträge für eine Busfahrt, die Morgenzeitung am Kiosk oder eben beim Bäcker – fast alles wird per Karte bezahlt, entweder per Chip oder per kontaktlosem Bezahlverfahren. Glaubt man den Forschern der Technischen Hochschule Stockholm, verschwindet Bargeld dort bis zum Jahr 2045 komplett.

Wir Deutsche hinken diesem Trend noch hinterher, doch laut einer Expertenbefragung des Ibi-Instituts der Universität Regensburg wird der Anteil des Bargeldes am Gesamtumsatz bis zum Jahr 2020 auf unter 50 Prozent sinken. Für immer mehr Menschen ist ein Leben ganz ohne Münzen durchaus denkbar. Laut Digitalverband Bitkom ist fast die Hälfte inzwischen bereit, in alltäglichen Situationen bargeldlos zu bezahlen. Vor einem Jahr war es erst gut ein Drittel. „Bargeldlose Bezahlverfahren sind komfortabler und sicherer, deshalb werden sie das Bargeld auf mittlere Sicht ersetzen“, sagt Bitkom-Geschäftsführer Bernhard Rohleder.

Bargeldlos bezahlen – Handel steht in den Startlöchern

Zudem wird die Technik immer komfortabler: Wer seinen Einkauf im Supermarkt getätigt hat und an der Kasse mit seiner Karte bezahlen möchte, muss diese künftig nicht mehr in ein spezielles Kartenlesegerät einstecken und die PIN-Nummer dazu eintippen oder unterschreiben. Bei Beträgen bis 25 Euro ist in der Regel weder PIN noch Unterschrift des Kunden erforderlich. Zeigt die Kasse den fälligen Betrag an, hält der Kunde seine Karte einfach ganz nah ans Leseterminal. Es blinkt oder piept und die Waren sind bezahlt. Beträge über 25 Euro können ebenfalls kontaktlos bezahlt werden, dann aber immer mit PIN-Eingabe oder Unterschrift. Im Handel und an Tankstellen ist das kontaktlose Bezahlen bereits weit verbreitet. Schon jetzt ermöglichen beispielsweise Lidl, Aldi, Norma, Kaufland, Rewe, Penny, Toom-Baumärkte, DM-Drogerien oder Esso-Tankstellen solche Transaktionen.

Die Zahl der Terminals, an denen kontaktlos mit girocard bezahlt werden kann, wird in naher Zukunft rasant steigen. Terminalhersteller und Netzbetreiber arbeiten derzeit daran, die Software zu aktualisieren und kontaktloses Bezahlen in ihre Systeme zu integrieren. Seit Anfang des Jahres bieten die ersten Netzbetreiber solche Terminals an. Schon Ende 2017 sollen bundesweit ca. 600.000 Terminals ausgerüstet sein. Die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) sieht ihre Kunden gut aufgestellt: „85 Prozent der Terminals sind bereits mit der entsprechenden Software ausgestattet, weitere zehn Prozent können über ein Software-Update auf den neuesten Stand gebracht werden. Das wird aufgespielt, ohne dass der Händler etwas davon merkt“, sagt Bettina Schlosser vom Produktmanagement der LBBW. Nur bei den verbleibenden fünf Prozent der Terminals älterer Bauart ist ein Austausch unumgänglich.

Versehentliches Bezahlen unmöglich

In der neuen Bezahlwelt, heißt es nicht nur für Händler, sich mit aktuellen Terminals auszustatten. Auch Kunden brauchen passende neue Karten, um kontaktlos bezahlen zu können. Sie sind an einem speziellen Symbol zu erkennen: Es sieht wie ein auf der Seite liegendes W-LAN-Zeichen aus. Befindet sich dieses Symbol auf der Karte, dann ist sie mit einem entsprechenden Chip ausgestattet – und der Kunde weiß, er kann kontaktlos bezahlen. Das geht nicht nur schnell, sondern ist auch sicher. Persönliche Daten wie Name, Geburtsdatum oder Adresse werden bei den Zahlungen in keinem Fall übertragen. Wer beim Bezahlen zusätzlich eine Kundenkarte zückt, gibt mehr über sich preis. Und da die Kunden ihre Karte im Abstand von nur wenigen Zentimetern an das Terminal halten müssen, ist versehentliches oder unbemerktes Bezahlen nahezu unmöglich. Zudem aktiviert der Kassierer jeden Bezahlvorgang einzeln. Wer es wünscht, kann aber auch weiterhin per Einstecken der Karte ins Terminal bezahlen.

  • Kontaktlos bezahlen mit der neuen Visa Kreditkarte der BW-Bank

    Musterexemplar einer neuen Visa Kreditkarte bei der BW-Bank

    Das umgedrehte „W-LAN-Zeichen“ neben dem Chip lässt Karteninhaber wissen, dass auch kontaktloses Bezahlen möglich ist.

  • Kontaktlos bezahlen mit der neuen Mastercard Kreditkarte der BW-Bank

    Musterexemplar einer neuen Mastercard von der BW-Bank

    Das umgedrehte „W-LAN-Zeichen“ neben dem Chip lässt Sie wissen, dass auch kontaktloses Bezahlen möglich ist.

Inzwischen dauert auch bargeldloses Zahlen kaum länger als Barzahlung. Das EHI Retail Institute misst seit Jahren die Geschwindigkeiten bei dieser Art der Geldübergabe. Das Ergebnis: Bezahlen mit Bargeld benötigt im Schnitt 15 bis 25 Sekunden, je nach Kunde. Im Supermarkt dauert es etwas länger als etwa beim Kleiderkauf. Und wie sieht es beim Bezahlen mit der Karte aus? Hier mussten Kunden in den 90er Jahren noch deutlich mehr als 40 Sekunden einplanen. Doch mit den Jahren hat sich die Technik verbessert: Heute dauert der Vorgang nur noch 30 Sekunden – der Vorsprung des Bargelds schmilzt dahin. Glaubt man den Ibi-Forschern, haben die Menschen auch gar nichts gegen Kartenzahlung, zwei Drittel zahlen nur aus Gewohnheit in bar. Und das Einkaufen bei Bäcker oder Metzger wird auch noch hygienischer, wenn das Verkaufspersonal nicht zugleich Ware wie Bargeld berührt.

Den Mitarbeitern NFC Funktionen näher bringen

Die Kassentechnik ist nicht nur sicher, sondern auch ungefährlich. Bei der verwendeten NFC-Technologie (Near Field Communication) handelt es sich um eine passive Technologie, die erst durch ein Terminal aktiviert wird. Die Energie zur Aktivierung des Chips wird für die Dauer des Bezahlvorganges aus dem elektromagnetischen Feld des Terminals entnommen. Das dauert in der Regel weniger als eine Sekunde. Dabei senden die NFC-Karten keinerlei Strahlung aus. Nur im Moment des Lesevorgangs entsteht ein minimales Magnetfeld, dessen Stärke weit unterhalb der eines Mobiltelefons liegt. Grundsätzliches Problem, so Produktmanagerin Schlosser, sei nicht die Technik. Eher die mangelnde Bereitschaft oder Unwissenheit der Händler, sie zu nutzen. „Hier ist noch Aufklärungsarbeit zu leisten“, sagt sie, schließlich könne durch kontaktloses Bezahlen viel Zeit eingespart werden. „Die Händler sind dabei auch gefragt, ihre Mitarbeiter zu schulen“, so Schlosser.

Um von vornherein Missbrauch zu vermeiden, sind die Karten beim Postversand zum Kunden mit einem Schutz ausgestattet. Bei der Kreditkarte wird dieser Schutz aufgehoben, wenn der Kunde zunächst mindestens einen Umsatz mit gesteckter Karte tätigt. Bevor bei der girocard die Kontaktlos-Funktion ohne PIN für kleinere Beträge genutzt werden kann, muss beim ersten Mal die PIN eingegeben werden. Damit identifiziert sich der Kunde als berechtigter Nutzer. Und davon gibt es immer mehr: Die LBBW beispielsweise ersetzt seit Anfang Oktober alle abgelaufenen Girokarten durch neue, die alle mit einem „Kontaktlos-Chip“ ausgestattet sind.

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