Dollar- und Eurokurs – Potenziale für die Exportwirtschaft

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Euro-Stärke – eine Gefahr für unsere Wirtschaft?

Der Euro wertete jüngst gegenüber dem US-Dollar deutlich auf. Ein Warnsignal für die deutsche Wirtschaft? Die Analysten der LBBW haben nachgerechnet.

Gut zwei Jahre dümpelte der Euro-US-Dollar Kurs im April schon unter der 1,15-Marke, zuletzt war der Euro sogar auf unter 1,05 Dollar gefallen, als die europäische Währung plötzlich an Fahrt aufnahm: Bis Anfang Oktober 2017 wertete der Euro gegenüber dem US-Dollar um gut zehn Prozent auf.

Ein starker Euro gilt gemeinhin als Gefahr für die stark exportorientierte deutsche Wirtschaft. Der Anteil der Exporte am Bruttoinlandsprodukt (BIP) lag zuletzt bei 47 Prozent. Gibt es also Grund zur Sorge? Dieser Frage gingen die Analysten der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) in einer aktuellen Studie nach.

Demzufolge könnte die Aufwertung des Euro die Exportpreise zwar durchaus belasten und damit auch die Gewinnmargen der Unternehmen. Das Wachstum der Exporte dürfte aber dennoch kaum betroffen sein. Ein Abwürgen der Konjunktur durch eine weiter erstarkende europäische Währung scheint vor diesem Hintergrund unwahrscheinlich.

Globale Konjunktur ist wichtiger als Wechselkurse

Ihre Einschätzung machen die LBBW-Experten unter anderem daran fest, wie sich in der Vergangenheit Wechselkursschwankungen auf das Exportwachstum und die Unternehmensgewinne ausgewirkt haben. „Eine Wirkung des Wechselkurses auf die reale Exporttätigkeit ist zwar immer wieder festzustellen. Aber wiederholt haben sich beide Größen auch über längere Zeiträume voneinander entkoppelt“, erläutert Martin Güth, Senior Analyst Corporate Developments bei der LBBW.

Als ein Beispiel nennt Güth die Jahre 2004 bis 2007. Damals hätte das reale Exportwachstum, aufgrund eines starken Euro deutlich geringer ausfallen müssen, wurde aber durch eine gute globale Wirtschaftsentwicklung mit einer robusten Nachfrage gestützt.

  • Deutschland: Exportwachstum vs. Eurokurs

    Bedingte Korrelation: Exportwachstum und Eurokurs

    Die Annahme, dass sich ein niedriger Eurokurs positiv auf die reale Exporttätigkeit in Deutschland auswirke, stimmt nur bedingt. Im Zeitraum 2004 bis 2007 beispielsweise hätte das Exportwachstum aufgrund des starken Euro deutlich geringer ausfallen müssen.

Von einem vergleichbaren Szenario geht die LBBW auch für 2017 und 2018 aus: Sie erwartet für 2017 ein globales BIP-Wachstum von 3,3 Prozent, für 2018 liegt ihre Prognose bei 3,5 Prozent. „Die realen Exporte dürften von dieser Entwicklung profitieren“, so Güth. Unabhängig davon, wie sich der Euro-US-Dollar-Kurs weiter entwickelt.

Mehr als ein Drittel der Exporte sind wechselkursunabhängig

Analysiert haben die LBBW-Analysten auch den Zusammenhang zwischen der Wechselkurs- und der Exportpreisentwicklung der vergangenen Jahren. Hier lautet das Fazit: „Die jüngste Euro-Stärke könnte die Exportpreise und damit auch die Margen der exportorientierten Unternehmen durchaus belasten“, so Güth. Dieser Effekt wird jedoch dadurch abgeschwächt, dass mehr als ein Drittel (36 Prozent) der deutschen Ausfuhren vom Wechselkurs unabhängig sind, weil sie in Länder der Eurozone gehen. Dagegen ist mit 8,9 Prozent der Anteil der Ausfuhren, die an Deutschlands größten Exportpartner USA gehen, vergleichsweise gering.

  • Deutschland: Gewinnmarge und Euro

    Exporte in Eurozone verringern die Abhängigkeit vom Dollarkurs

    Mehr als 36 Prozent der deutschen Ausfuhren gehen an Länder der Eurozone und machen sie somit unabhängig von Wechselkursschwankungen. Mit einem Anteil von 8,9 Prozent sind die USA zwar stärkster singulärer Außenhandelspartner Deutschlands, ihr Gewicht im Verhältnis jedoch gering.

Beispiel Maschinenbau: Einfluss US-Dollar wird überbewertet

Warum der Euro-US-Dollar-Kurs die deutschen Exporte weit weniger beeinflusst, als allgemein angenommen wird, zeigt sich nach Einschätzung der LBBW beispielhaft am deutschen Maschinenbau: „Mehr als die Hälfte der Exporte bleiben in Europa. Inklusive des Inlandsanteils sind unterm Strich rund 70 bis 80 Prozent der Produktion in diesem Sektor kaum währungsabhängig“, betont Güth. Zwar seien die USA mit elf Prozent das wichtigste Exportland der Maschinenbauer, doch aufgrund der breiten Diversifikation der Exporte halte sich der Einfluss der globalen Leitwährung in Grenzen.

Maßgeblich für die Exporterwartungen des Verarbeitenden Gewerbes sei vielmehr die konjunkturelle Entwicklung im Kernmarkt, urteilt der Stratege. Für die Entwicklung der Exporte in die USA sieht die LBBW darum die Entwicklung der dortigen Wirtschaft und nicht den Dollarkurs als maßgebliche Größe. „Zudem haben die deutschen Unternehmen beispielsweise in der Antriebs- und Fördertechnik in den USA kaum Konkurrenten – und auch deshalb weiterhin gute Exportchancen“, urteilt Güth.

Verstärkt wird die Konkurrenzfähigkeit der deutschen Unternehmen zusätzlich dadurch, dass der Anschaffungspreis von Maschinen in der Gesamtkostenbetrachtung (Total Cost of Ownership) nur einen geringen Anteil ausmacht (siehe Grafik 3).

  • Eigentumsgesamtkosten für Gabelstapler in Westeuropa

    Qualitätsversprechen „Made in Germany“

    Es kommt den Abnehmern weniger auf den Kaufpreis an als auf die laufenden Kosten. Und hier punkten die deutschen Exporteure seit jeher mit der Qualität und Effizienz ihrer Produkte.

Zum kostenlosen Download der Studie zur Euro-Aufwertung gelangen Sie hier: