Betriebliche Altersvorsorge: neue Regeln ab 2018

Finanzwissen

Neue Regeln für die betriebliche Altersvorsorge

Zuschusspflicht, Tarifpartnermodell, Garantieverbot – ab 2018 gelten neue Regeln für die betriebliche Altersvorsorge.

Für viele größere Unternehmen ist die betriebliche Altersvorsorge (bAV) schon seit Langem ein wichtiger Faktor, wenn es um Fürsorge gegenüber der Belegschaft und um aktive Mitarbeiterbindung geht. Die finanziellen Verpflichtungen, die deutsche Firmen in diesem Zusammenhang bereits in allen Durchführungswegen eingegangen sind, belaufen sich aktuell auf rund 575,0 Milliarden Euro, davon sind 290,3 Milliarden Euro klassische Pensionszusagen. Eine gigantische Summe, von der allerdings immer noch viel zu wenige profitieren.

Schätzungen gehen davon aus, dass nur gut die Hälfte der Angestellten in Deutschland eine bAV nutzen. Um diese Zahl zu steigern, wurde nach langem Anlauf noch kurz vor der letzten Bundestagswahl das Betriebsrentenstärkungsgesetz (BRSG) verabschiedet. Die nach der damaligen Arbeits- und Sozialministerin benannte „Nahles-Rente“ tritt am 1. Januar 2018 in Kraft und „wird in vielen Unternehmen neuen Handlungs- oder zumindest erheblichen Anpassungsbedarf auslösen“, sagt Norbert Pachl, Betriebsrenten-Experte und Geschäftsführer der LBBW Pensionsmanagement GmbH mehr dazu im Interview.

Nahles-Rente – Arbeitgeber von Haftung befreit

Die für Unternehmen wohl wichtigste Veränderung betrifft die Garantien auf die Renditeentwicklung sowie die spätere Höhe einer vereinbarten Betriebsrente. Das BRSG macht damit Schluss. Das neue Prinzip setzt allein auf die reine Beitragszusage (kurz: pay and forget) und verbietet Arbeitgebern alle weiteren Leistungsversprechen in diesem System. Die Arbeitgeber können auch weiterhin die bekannten Systeme nutzen, teilweise allerdings in einer veränderten Fassung.

Die bisherigen Garantien führen bei einzelnen Unternehmen schon heute zu enormen Belastungen. „Nicht wenige Firmen haben in der Vergangenheit verbindliche Zusagen über die Höhe der Altersvorsorgebezüge ihrer Mitarbeiter gemacht“, weiß Norbert Pachl. Weil die Menschen heute im Durchschnitt aber länger leben als gedacht, und weil die Zinsen schon seit Jahren niedrig sind, wachsen diese Positionen zum Teil enorm.

Sozialpartnermodell – Betriebsrente per Tarifvertrag

Die tatsächliche Ausgestaltung der Nahles-Rente soll künftig in einem Sozialpartnermodell zwischen den Tarifvertragsparteien ausgehandelt werden. Das Besondere: Die Betriebsrente per Tarifvertrag soll auch Unternehmen und deren Mitarbeitern möglich sein, die selbst gar nicht tariflich gebunden sind. Sie erhalten die Möglichkeit, sich dem jeweiligen Tarifmodell und der Versorgungskasse ihrer Branche anzuschließen.

Entgeltumwandlung – Übergangsfristen bis 2022 vereinbart

Weitere wichtige Veränderungen für Unternehmen ergeben sich im Bereich der Entgeltumwandlung. Das BRSG schreibt Arbeitgebern vor, künftig bis zu 15 Prozent der in diesem Zusammenhang eingesparten Sozialversicherungsbeiträge in die bAV des jeweiligen Mitarbeiters zu zahlen. „Diese Pflicht gilt allerdings erst für Vereinbarungen, die ab dem 1. Januar 2019 geschlossen werden“, erläutert Norbert Pachl. Zudem weist der LBBW-Betriebsrentenexperte darauf hin, dass dieser sich aus der neuen Nahles-Rente ergebende Zuschuss tarifdispositiv sei. Diese Vereinbarung könne also nur im Rahmen von Tarifverhandlungen verändert werden; ein wichtiger Unterschied im Vergleich zum verpflichtenden Arbeitgeberzuschuss bei einer reinen Beitragszusage. Noch mehr Zeit, sich auf die neuen Regelungen einzustellen, haben Arbeitgeber bei den bereits mit ihren Mitarbeitern bestehenden Vereinbarungen zur Entgeltumwandlung. Diese müssen erst bis zum Jahr 2022 an die neuen Vorgaben angepasst werden.

Steuerfreiheit – Höchstbeträge werden angehoben

Das BRSG verändert auch die bisherigen steuerfreien Höchstbeträge bei der Entgeltumwandlung. Sie werden ab dem 1.1.2018 von bisher vier auf dann acht Prozent der Beitragsbemessungsgrenze der allgemeinen Rentenversicherung angehoben.

Wer heute eine Entgeltumwandlung mit einem 20-Jährigen vereinbart, muss diese Dokumente 77 Jahre lang aufbewahren.
Norbert Pachl, Geschäftsführer LBBW Pensionsmanagement GmbH

Dokumentationspflichten – enormer Aufwand für Unternehmen

LBBW-Experte Norbert Pachl weist zudem auf weitere Anforderungen hin, die Unternehmen im Zuge ihrer Entscheidungen für eine passende betriebliche Altersvorsorge unbedingt berücksichtigen sollten. Der Gesetzgeber verlange von Firmen die komplette Dokumentation ihrer Altersvorsorgevereinbarungen und das über sehr lange Zeit. Ab Beginn der Rente müssen entsprechende Unterlagen 30 Jahre lang verfügbar gehalten werden. „Wer heute eine Entgeltumwandlung mit einem 20-Jährigen vereinbart, muss diese Dokumente bis zu dessen 97. Lebensjahr sicher aufbewahren – also volle 77 Jahre“, so Pachl. Und er ergänzt: „Unternehmen brauchen nicht nur die passenden Produkte, sondern auch die passenden Konzepte, um mit den neuen bAV-Regeln sinnvoll und juristisch sauber umzugehen.“ Das LBBW Pensionsmanagement verfolge hier als eines von nur wenigen Unternehmen in Deutschland „einen ganzheitlichen Beratungsansatz, der produktunabhängig nach der individuell besten Lösung für das jeweilige Unternehmen“ suche.