Digitalisierung: Frauen könnten gewinnen – LBBW Perspektiven

Digitalisierung

Digitaler Wandel: Frauen könnten gewinnen

Laut einer aktuellen Studie könnten Frauen von der Digitalisierung mehr profitieren als Männer – wenn die Weichen richtig gestellt werden.

Ein 2017 in Deutschland geborenes Mädchen hat eine statistische Lebenserwartung von rund 93 Jahren -eine vergleichsweise lange Zeit. Dennoch dürfte diese Lebensspanne – wiederum rein statistisch gesehen – kaum dafür ausreichen, dass das Mädchen als Frau berufliche Gleichstellung erfährt. Denn nach dem aktuellen „ Global Gender Gap Report“ des Weltwirtschaftsforums (World Economic Forum) werden bis zur völligen Gleichstellung von Mann und Frau in Westeuropa noch 61 Jahre vergehen, weltweit sogar 170 Jahre.

Es gibt allerdings auch gute Nachrichten: Der digitale Wandel könnte den Gleichstellungsprozess für Frauen beschleunigen – wenn die Politik jetzt die richtigen Weichen stellt. Das besagt eine aktuelle Studie des Kieler Instituts für Weltwirtschaft. Die IfW-Forscher haben untersucht, in welcher Weise Frauen in den wichtigsten Industrie- und Schwellenländern, den sogenannten G-20-Staaten, von der Digitalisierung betroffen sind – und von ihr profitieren könnten.

Roboter ersetzen vor allem Männer – zunächst

Trotz vieler Unterschiede der G-20-Staaten – der Trend ist der IfW-Studie zufolge von den USA über Japan und Deutschland bis hin zu Saudi-Arabien ähnlich: Bis zu 60 Prozent der Arbeitsplätze sind demnach durch den digitalen Wandel gefährdet. Insbesondere in Berufen, die eine vergleichsweise geringe Qualifikation erfordern, gehen Jobs verloren. Der digitale Wandel betrifft zunächst weniger Frauen als Männer, denn letztere arbeiten häufiger in der Industrie oder in industriellen Fertigungsberufen. Zudem die Aufgaben von Maschinenführern und Fließbandarbeitern sind prädestiniert für programmierbare, nimmermüde Roboter.

Frauen hingegen sind vor allem in sozialen Berufen in der Überzahl. Die hier geforderten Fähigkeiten wie Mitgefühl und Fürsorge werden trotz der Bestrebungen, dies zu tun, auch durch Roboter mit künstlicher Intelligenz so schnell nicht zu ersetzen sein. Dennoch: Auch typische Frauenberufe wie zum Beispiel Verkäuferin im Einzelhandel werden nach und nach von Automaten und Robotern übernommen.

Mehr Bildung ist unerlässlich

Frauen sind in Berufen, die direkt von der digitalen Transformation profitieren können, noch in der Minderheit. Dazu gehören unter anderem Managementpositionen und generell Beschäftigungen im MINT-Bereich (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik). Zwar schneiden Frauen in den im digitalen Zeitalter wichtigen Schlüsselqualifikationen soziale Kompetenz und Empathie statistisch gesehen regelmäßig besser ab als Männer. Aber damit sie diese Fähigkeiten auch in qualifizierten Berufen und Führungsetagen einsetzen können, müssen die G-20-Staaten ihnen besseren Zugang zu akademischer Bildung ermöglichen, so lautet ein Fazit der IfW-Forscher. Hier sei die Politik gefordert. Außerdem dürften Frauen bei der Besetzung von Führungspositionen nicht mehr benachteiligt werden.

Die Forscher fordern zudem Strukturen, die es Frauen ermöglichen, im Kleinen wie im Großen unternehmerisch tätig zu sein. Durch die Digitalisierung entstehen viele neue Chancen für Unternehmensgründungen. Der digitale Wandel böte Frauen dadurch grundsätzlich mehr Möglichkeiten, sich selbstständig zu machen und ihr Wissen einzubringen. Bisher aber sind gerade in der Technikbranche Frauen noch unterrepräsentiert – bestes Beispiel ist das Silicon Valley, dessen Leitfiguren bis auf ein oder zwei Ausnahmen allesamt Männer sind.

Digitaler Wandel: alte Zöpfe abschneiden

Alina Sorgner, Mitautorin der IfW-Studie, formuliert es so: „Die G-20-Staaten müssen dringend die Geschlechterdiskriminierungen aus dem analogen Zeitalter abbauen, damit Frauen ihr Potenzial im digitalen Zeitalter voll entfalten können.“ Dann würde die Geschlechterungleichheit verringert und Frauen würden zu Gewinnerinnen am digitalen Arbeitsmarkt.

  • Gründeraktivitäten in der Technologiebranche weltweit (Frauen/Männer)

    Die Gründerszene der G-20-Länder ist stark von Männern dominiert

    Frauen haben es schwerer, mit wichtigen Geldgebern oder ideellen Förderern in Kontakt zu kommen. Spezielle Onlinetools und Onlinenetzwerke helfen Gründerinnen, unternehmerische Fähigkeiten gezielt zu schulen sowie Mentoren und Mentorinnen einzubinden.

  • Geschlechterschiede beim Onlineshopping und -zahlungsverkehr

    Zugang zu digitaler Technik und Internet verbesserungswürdig

    Online haben viele Frauen bessere Chancen, vorherrschende Diskriminierungen bei Information, Bildung und Arbeit zu umgehen. Daher sollte der Zugang zu digitaler Technik und dem Internet für alle möglich sein.