Bildungssysteme der Zukunft

Digitalisierung

Digitalisierung braucht ein breites Bildungsfundament

Wie muss sich Bildung in Zeiten rasanter Digitalisierung wandeln? Neue Thesen des LBBW Research nehmen die Renaissance zum Vorbild.

Die globalen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts führen zu starken strukturellen Veränderungen in Kultur, Ökonomie, Technik und Politik. Dieser insbesondere von der Digitalisierung getriebene Wandel erfordere eine Neuausrichtung der Bildungspolitik, lautet das Fazit einer aktuellen Untersuchung des LBBW Research. Bildung sei eine der zentralen Ressourcen, die künftig über Wachstumschancen und Wettbewerbsfähigkeit eines Landes entscheiden, heißt es dort. Angesichts zunehmender Globalisierung und einer Veränderung zur Industrie 4.0 müsse Deutschland bei den Bildungskonzepten schnell umdenken, um international nicht den Anschluss zu verlieren. Das LBBW Research blickt bei seinen Vergleichen vor allem auf den Vorreiter in Sachen Digitalisierung, die USA.

Derzeitiges Bildungssystem nicht mehr zukunftsfähig

Bisher seien jungen Menschen während ihrer Ausbildung in Deutschland vor allem spezifische Fähigkeiten vermittelt worden, so die LBBW-Autoren in ihrer Untersuchung. Doch die Digitalisierung verlange ein multiples Expertentum während des Arbeitslebens. Bei der notwendigen Neuformulierung einer zukunftsfähigen Bildungspolitik gelte es zwischen der Vermittlung spezieller Kenntnisse und einer breiten humanistischen Grundbildung mit eher allgemein gehaltenen Fähigkeiten abzuwägen. Denn eine breite Bildungsbasis sei die Grundlage für lebenslanges Lernen sowie für Tätigkeiten in sehr unterschiedlichen Berufen – und schaffe so die Voraussetzung für eine lebenslange Erwerbstätigkeit.

Gefragt sei künftig ein Mix aus Hard Skills wie beispielsweise Datenexpertise und Soft Skills, also sozialen Fähigkeiten. Letztere werden zunehmend an Bedeutung gewinnen, prognostizieren die Experten der LBBW. Eine Konzentration der Bildungspolitik auf menschliche Stärken wie Innovation, Empathie, vernetztes Denken und die erwähnten Soft Skills bieten künftig beste Jobperspektiven – die USA machen es vor (siehe Grafik-Slider).

  • Digitalisierung Deutschland – Humankapital wird nicht gut genutzt

    Beispiel Deutschland – Humankapital wird nicht gut genug genutzt

    Der Humankapitalindex des World Economic Forum zeigt, welche Länder das langfristige wirtschaftliche Potenzial ihrer Bevölkerung am besten nutzen.

  • Digitalisierung USA – Soft-Skill-Berufe wachsen am stärksten

    Beispiel USA – Soft-Skill-Berufe wachsen am stärksten

    Zahlen des US-amerikanischen Bureau of Labor Statistics (in Tausend) sind Grundlage für die Prognose, dass Berufe im Bereich Pflege und Gesundheit in den USA am stärksten nachgefragt sein werden. Hier sind insbesondere Soft Skills gefragt.

  • US Arbeitsmarkt – Social Skills im Berufsalltag immer wichtiger

    Beispiel USA – Social Skills im Berufsalltag immer wichtiger

    Diese Zahlen stammen zwar aus dem Jahr 2015, doch schon da zeigte sich deutlich, dass zur Bewältigung der Anforderungen des Berufsalltags Social Skills im Vergleich zu den klassischen Fähigkeiten immer wichtiger werden.

Zukunft der Bildung – wo die Politik eingreifen muss

Um diese moderne Form des Lernens zu realisieren, nennt das LBBW Research wichtige Voraussetzungen:

  • eine bessere Ausstattung der Schulen z.B. mit interaktiven Whiteboards, schnellem Internet und Cloud-Dienstleistungen
  • digitale Fortbildungen für Lehrer
  • Englischunterricht ab Klasse 1
  • Informatik als Pflichtfach

Zudem sollten sich die Hochschulen auch für Arbeitnehmer öffnen, um so als lebenslanger Lernbegleiter zu fungieren. Und es sei darauf zu achten, dass auch bildungsferne Schichten an den digitalen Lernangeboten partizipieren können.

Eine kompakte Darstellung der Bildungsthesen liegt als PDF-Download bereit: