Künstliche Intelligenz

Digitalisierung

LBBW Research: Wie KI die Arbeit verändert

Künstliche Intelligenz verändert die Arbeitswelt. Neue Berufsfelder entstehen, alte verschwinden. Doch wie wirkt sich KI auf die Beschäftigung aus?

Science-Fiction-Filme im Kino spielen seit Jahrzehnten mit der Idee: Menschlicher Held tritt gegen intelligente Maschine an. Das tat Hollywood-Star Harrison Ford, der schon 1982 in „Blade Runner“ Jagd auf menschliche Replikanten machte, genau wie ein Jahrzehnt später die Mensch-Maschine „Terminator“ in Gestalt von Arnold Schwarzenegger. Und Keanu Reeves musste sich zur Jahrtausendwende in einer digitalen Parallelwelt, der Matrix, gegen künstliche Menschen durchsetzen. Diese apokalyptischen Vorstellungen blieben allesamt filmische Fiktion. Dennoch schürten sie die Furcht, dass Künstliche Intelligenz (KI) zunehmenden Einfluss auf die Realität nehmen könnte. Insbesondere aufs Berufsleben, wo Roboter immer verantwortungsvollere Tätigkeiten übernehmen, und damit Menschen verdrängen und Arbeitsplätze vernichten.

Intelligente Roboter sind auf dem Vormarsch

Von Künstlicher Intelligenz (KI) spricht man, wenn es gelingt, menschliche Empfindungen und menschliches selbstbestimmtes Handeln mithilfe von Maschinen nachzubilden. Solche Systeme spielen eine immer größere Rolle, sie bestimmen zunehmend sogar unseren Alltag. Solange es sich um nützliche Assistenten wie Apples Siri, Amazons Alexa oder Google Now handelt, sind neue Technologien willkommen, weil sie das Leben angenehmer gestalten. Die großen Tech-Konzerne der Welt setzen ihre Zukunft darauf. Im südkoreanischen Seoul kam es vor einiger Zeit zu einem Stillstand des öffentlichen Lebens, als Koreas bester Go-Spieler das dort beliebte Brettspiel gegen einen Computer verlor. Gegen die lernenden neuronalen Netze hatte Go-Ass Lee Sedol keine Chance. Optimisten gehen davon aus, dass KI sogar das Internet an Bedeutung übertreffen wird und nur mit der Erfindung der Elektrizität zu vergleichen sei. Die intelligenten Roboter sind auf dem Vormarsch – und mit ihnen die Frage, welche Effekte dies auf die Berufswelt hat.

Künstliche Intelligenz ist kein Jobkiller

Jedes fünfte Unternehmen der Digitalwirtschaft sieht laut Digitalverband Bitkom in Künstlicher Intelligenz ein Topthema. 2016 betrug der Anteil gerade einmal neun Prozent. „Wenn Unternehmen KI einsetzen, dann erhoffen sie sich davon eine höhere Wertschöpfung“, sagt Dr. Mathias Weber, bei Bitkom der Leiter des Bereichs IT-Services. Zur diesjährigen Hannover Messe hatte das Beratungsunternehmen Sopra Steria Consulting Unternehmensentscheider zu deren Eindrücken befragt. Branchenübergreifend sehen fast 80 Prozent positive Auswirkungen des KI-Einsatzes auf Personalkosten und Personalaufwand in der Produktion. Allerdings ist diese Erwartung weniger mit der Aussicht verbunden, menschliche Arbeit durch Roboter zu ersetzen. In der Automobilproduktion geht es beispielsweise darum, mit intelligenten Assistenzsystemen monotone und gefährliche Tätigkeiten deutlich zu reduzieren. Den Ruf als Jobkiller erfüllt KI damit nach Meinung der befragten Unternehmen nicht. Pessimistischer schätzt Raúl Rojas, Professor für Künstliche Intelligenz an der Universität Berlin, die Lage ein: „Die Beschäftigungseffekte in den kommenden Jahren werden eher negativ ausfallen. Ich sehe nicht, wie in der Kürze der Zeit so viele Leute umgeschult werden können“, sagt er.

KI ist aus vielen Branchen nicht mehr wegzudenken

„Das größte Problem wird nicht sein, dass uns die Arbeit ausgeht, sondern dass sich die Art der Arbeit ändert und wir uns rechtzeitig darauf einstellen müssen“, sagt Dr. Guido Zimmermann, Senior Economist bei der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), der sich jüngst intensiv mit dem Thema beschäftigte. „Kurioserweise werden die technologischen Durchbrüche, die Künstliche Intelligenz bewirken kann, kurzfristig überschätzt. Auf lange Sicht werden ihre Auswirkungen aber deutlich unterschätzt“, so der LBBW-Volkswirt.

Die LBBW-Untersuchung zeigt: Aus einigen Branchen ist KI schon nicht mehr wegzudenken. Zum Beispiel aus der Finanzbranche: Fintech-Unternehmen schießen wie Pilze aus dem Boden, entwickeln digitale Berater oder Apps für die persönliche Finanzplanung. KI ist auch die Grundlage für das viel diskutierte autonome Fahren in der Automobilbranche. Und im Verarbeitenden Gewerbe werden durch Prozessautomatisierung Zulieferketten optimiert und es wird zunehmend on demand produziert. Geschäftsmodelle ohne Rückgriff auf Methoden der Künstlichen Intelligenz sind mittel- bis langfristig kaum vorstellbar. „Die Unternehmensstruktur wird virtueller, die Bedeutung von Plattformen bei der Produktion und im Vertrieb wird zunehmen“, sagt Dr. Zimmermann.

Höhere Produktivität, höhere Löhne

Insgesamt schätzt die Bank of America das Marktvolumen für Roboter bis 2025 auf rund 67 Milliarden US-Dollar. Die damit einhergehenden Effizienzgewinne könnten einen jährlichen Effekt von 14 bis 33 Billionen US-Dollar bis 2025 erzeugen. Schon diese ungefähren Annahmen zeigen: Langfristig sollten die neuen KI-Technologien zu höherer Arbeitsproduktivität und damit zu höheren Reallöhnen der Beschäftigten führen. Allerdings sind die Bedingungen nicht für alle gleich. Manche Branchen gewinnen, andere verlieren, neue Berufe werden geschaffen, andere sterben aus, Tätigkeiten verändern sich. Professor Raúl Rojas prognostiziert gut Ausgebildeten wie Ingenieuren sehr gute Aussichten. „Doch die Mitte bricht zusammen, in den USA liegt der Anteil der Industriearbeiter heute bei nur noch zehn Prozent“, sagt der digitale Vordenker.

  • Marktpotenzial für künstliche Intelligenz bis 2020

    Marktpotenzial für Künstliche Intelligenz bis 2020 in Mrd. US-D

    Die Datengrundlage basiert auf unterschiedlichen Prognose-Horizonten. Das LBBW Research hat darauf basierende Schätzungen vorgenommen und bei großen Schwankungen Mittelwerte gebildet.

Polarisierung des Arbeitsmarktes löst sich langfristig auf

Eine Studie der Landesbank Baden-Württemberg kommt auf lange Sicht zu einem anderen Schluss: Indem die Roboter immer smarter werden und Nichtroutinetätigkeiten übernehmen, dürfte sich die gegenwärtige Polarisierung des Arbeitsmarktes („Jobs mit mittlerer Qualifikation gehen verloren, Jobs mit geringer und hoher Qualifikation gewinnen an Zuwachs“) zunehmend wieder auflösen. Gewinner der Digitalisierung dürften die Arbeitnehmer sein, die entweder die Methoden der Künstlichen Intelligenz zu nutzen verstehen oder Tätigkeiten ausüben, die nicht durch einen Roboter ausgeübt werden können.

  • Prozentualer Anteil der Beschäftigten im Verarbeitenden Gewerbe

    Prozentualer Anteil der Beschäftigten im Verarbeitenden Gewerbe

    Die Anzahl der Stellen im Verarbeitenden Gewerbe sinkt kontinuierlich. Die Entwicklung neuer intelligenter Fertigungstechniken wird diesen Prozess weiter beschleunigen.

Durch die zunehmende Automatisierung haben bislang vor allem Arbeitnehmer verloren, die Routinetätigkeiten ausüben. Dies birgt viel politischen Sprengstoff in sich, denn die wirtschaftliche Basis der Mittelschicht der entwickelten Länder beruhte bislang vor allem auf wiederkehrenden Tätigkeiten. „Wir vermuten, dass KI tendenziell positiv für die Gesellschaft sein sollte, wohlwissend, dass die wirtschaftlichen und sozialen Umbrüche durch diese neuen Technologien von der Politik abgefedert werden müssen“, beurteilt Ökonom Dr. Zimmermann die Entwicklung.

„Auf lange Sicht werden die Auswirkungen von KI deutlich unterschätzt.“
Dr. Guido Zimmermann, Senior Economist, LBBW
  • 53 Prozent der deutschen Maschinenbauer setzen auf Robotertechnologie

    53 % der deutschen Maschinenbauer setzen Robotertechnologie ein

    Laut einer aktuellen Untersuchung von PriceWaterhouseCoopers (PWC) setzt bereits mehr als die Hälfte der deutschen Maschinenbauer im Rahmen der Produktion auf Robotertechnologie.

  • 57 Prozent der Firmen wollen Roboter stärker in der Produktion nutzen

    57 % der Firmen wollen Roboter vermehrt in der Produktion nutzen

    Die PWC-Befragung ergab, dass Unternehmen die Digitalisierung insbesondere in den Bereichen Vertrieb (62 %) sowie in der Montage und Produktion (57 %) forcieren wollen.

  • Ranking der Roboter-Nationen: Deutschland auf Platz 4

    Deutschland liegt im Ranking der Roboter-Nationen auf Platz 4

    Beim PWC-Ranking rangiert Deutschland auf Platz 4 der internationalen Roboter-Nationen. Die Nummer 1 ist Japan, es folgen China und die USA. Für 2018 prognostizieren Branchenexperten 216.000 installierte Einheiten.

  • Automobilindustrie: Jede 10. Arbeitskraft ist ein Roboter

    Jede 10. Arbeitskraft in der Automobilindustrie ist ein Roboter

    PWC hat in seiner Untersuchung die meisten Roboter in der Automobilindustrie gezählt. Pro 10.000 Mitarbeiter sind es dort bereits 1.150. Zum Vergleich: In der Industrie sind es 160 Roboter pro 10.000 Mitarbeiter.

  • Maschinenbauer wollen Digitalisierungsgrad auf 84 Prozent steigern

    Maschinenbauer wollen den Digitalisierungsgrad auf 84 % steigern

    Laut PWC wollen Maschinenbauer weltweit jährlich 5 Prozent ihres Umsatzes in digitale Lösungen investieren, wie etwa den 3-D-Druck. Deutsche Firmen planen, ihren Digitalisierungsgrad in den nächsten 5 Jahren auf 84 Prozent zu steigern.

Eine kompakte Darstellung der KI-Studie liegt für Sie als PDF-Download bereit: