Nachhaltige Geldanlage: LBBW-Vorstand Dr. Ricken im Interview

Finanzwissen

„Wir haben die Alternativen“

Dr. Christian Ricken, im Vorstand der LBBW zuständig für Kapitalmarktgeschäft, Asset Management und Internationales Geschäft, im Gespräch.

Herr Dr. Ricken, warum sollten sich heute nicht nur Kirchen und Stiftungen, sondern auch „normale“ Treasurer und Profiinvestoren für Umwelt und Soziales bei ihren Anlageentscheidungen interessieren?

Dr. Christian Ricken: Weil auch sie entgegen allen Klischees in der Regel nicht auf das schnelle Geld aus sind, sondern langfristig stabile Renditen bei vertretbaren Risiken erzielen wollen. Sowohl auf der Ertrags- als auch auf der Risikoseite spricht da viel für nachhaltige Anlagestrategien. Es liegt auf der Hand, dass sich die Wertpapiere von Unternehmen, die auch mit Blick auf Nachhaltigkeit gut gemanagt sind, auf Dauer stabiler und besser entwickeln als die von skandalgeplagten Wettbewerbern. Eine immer größere Rolle spielt darüber hinaus das Reputationsrisiko. Wer heute zum Beispiel in Atomkraft oder Rüstung investiert, muss in Zeiten sozialer Medien noch viel stärker als früher mit einem Imageschaden rechnen. Deswegen ziehen gerade viele professionelle Anleger aus solchen Branchen ihre Gelder ab und suchen nach Alternativen. Die haben wir als kundenorientierte Bank – und zwar schon seit vielen Jahren.

Wie kommt es dazu?

Dr. Christian Ricken: Den Impuls haben wir unseren Kunden zu verdanken. Vor rund 15 Jahren platzte die Internetblase. Bilanzskandale wie Enron oder WorldCom erschütterten die Finanzwelt. Schon damals erkannten viele Anleger: Es ist zu kurz gesprungen, nur auf die nackten Finanzkennzahlen zu schauen. Sie wünschten sich Vermögensverwalter, die Investitionsobjekte ganzheitlich unter die Lupe nehmen – also auch prüfen, ob die Unternehmen seriös geführt werden und ökologische oder ethische Normen einhalten.

Welche Konsequenzen hat die LBBW daraus gezogen?

Dr. Christian Ricken: Wir haben 2001 damit begonnen, gemeinsam mit institutionellen Kunden die ersten nachhaltigen Anlagelösungen zu entwickeln. 2002 ging dann der erste maßgeschneiderte Spezialfonds an den Start, den wir übrigens heute noch erfolgreich managen. 2007 sind wir mit einem Klimawandelfonds ins Publikumsfondsgeschäft eingestiegen. Inzwischen managt die LBBW Asset Management über 1 Milliarde Euro Kundengelder nach nachhaltigen Kriterien – Tendenz klar steigend: 2016 lag das Plus bei fast 40 Prozent.

  • Entwicklung nachhaltiger Investments der LBBW Asset Management in den Jahren 2002 bis 2017

    Entwicklung nachhaltiger Investments der LBBW Asset Management

    Seit Auflegen des ersten nachhaltigen Spezialfonds im Jahr 2002 entwickeln sich die nachhaltigen Anlagen sehr dynamisch. Im Jahr 2016 wuchsen sie erstmals auf mehr als eine Milliarde Euro an.

Sie haben also viel Erfahrung darin, Vermögen nachhaltig zu managen. Aber welchen Stellenwert hat Nachhaltigkeit bei der LBBW selbst?

Dr. Christian Ricken: Nachhaltigkeit ist bei uns Vorstandssache! Denn für uns bedeutet Nachhaltigkeit viel mehr, als einfach nur selbst ökologische oder soziale Standards einzuhalten – was wir selbstverständlich tun, wie die entsprechenden Ratings und Siegel zeigen. Aber Banken spielen eine Schlüsselrolle im Wirtschaftskreislauf und haben daher eine ganz besondere Verantwortung mit Blick auf den Strukturwandel, etwa in der Automobil- oder Energiebranche.

Das heißt?

Dr. Christian Ricken:Wir wollen unsere Firmenkunden auf dem Weg hin zu neuen, nachhaltigen Geschäftsmodellen begleiten. Hier sehen wir eine klare Wachstumsperspektive. Deshalb gehört Nachhaltigkeit zu den vier zentralen strategischen Stoßrichtungen der LBBW. Wir werden deshalb auch unsere Produkte und Dienstleistungen für nachhaltig orientierte Anleger weiter ausbauen.

Was planen Sie hier konkret?

Dr. Christian Ricken: Zum Beispiel werden wir unsere Beratung intensivieren. Wir bieten seit vergangenem Jahr als erste Landesbank unseren Kunden ein umfassendes Nachhaltigkeitsresearch, mit dem sich Anleger fundiert über Stärken und Schwächen von Unternehmen bei Themen wie Menschenrechen oder Umweltschutz informieren können. Nicht zuletzt sind wir nicht nur ein Vermögensverwalter, sondern auch sehr erfolgreich darin, Wertpapieremissionen von Kunden zu begleiten beziehungsweise selbst Anleihen und Pfandbriefe zu begeben. Diese Position wollen wir nutzen, um ein Green-Bond-Programm aufzulegen. Auf diese Weise erleichtern wir die Platzierung von „grünen“ Emissionen am Kapitalmarkt und schaffen neue nachhaltige Anlagemöglichkeiten für Investoren.