LBBW-Vorstand Rosenfeld im Interview

Finanzwissen

„Das Stiftungs­vermögen wird deutlich steigen“

Im Interview erläutert BW-Bank-Vorstandsmitglied Thomas Rosenfeld, welche Herausforderungen das Stiftungsmanagement heute mit sich bringt.

Die Betreuung von Stiftungen ist ein sensibles und anspruchsvolles Feld der Vermögensverwaltung. Welche besonderen Eigenschaften prädestinieren die BW-Bank dafür?

Thomas Rosenfeld: Für die Betreuung sind spezielle Berater der BW-Bank verantwortlich. Sie verfügen über langjährige Erfahrungen im Stiftungssegment und beraten jeweils einen überschaubaren Kreis ausgewählter Kunden. Diese schätzen besonders, dass sie einen persönlichen Ansprechpartner haben, der sie in sämtlichen fachlichen Fragen und Anlagethemen unterstützt und begleitet.

Das Niedrigzinsumfeld beeinträchtigt die Ertragssituation von Investoren seit Jahren. Wie gehen die Stiftungsbetreuer damit um?

Thomas Rosenfeld: Generell können wir beobachten, dass viele Stiftungen ihre Anlagerichtlinien neu justieren, denn die Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise machte auch vor dem deutschen Stiftungswesen nicht halt.
Um ihre Aufgaben und Ziele erfüllen und nachhaltig wirken zu können, sind Stiftungen sowohl auf stetige Erträge als auch auf den Erhalt ihres Stiftungsvermögens angewiesen. Zunehmend wird deshalb der Verlustvermeidung in der Anlagepolitik für Stiftungen ein noch höheres Gewicht beigemessen. Bei dieser Optimierung der sogenannten Leitplanken für das Stiftungsvermögen gilt es, Stiftungsverantwortliche strategisch und langfristig zu begleiten, das heißt, innerhalb dieser Anlagerichtlinien zunächst ein spezifisches, vermögensverwaltendes Konzept zu erarbeiten, das die jeweiligen Anforderungen berücksichtigt. In einem zweiten Schritt geht es dann darum, dieses Konzept mit den Entscheidern der Stiftung umzusetzen.

Auch das Thema Nachhaltigkeit spielt eine immer größere Rolle, wenn es um Geldanlagen geht. Sieht das bei Stiftungen ähnlich aus?

Thomas Rosenfeld: Gemeinnützige Stiftungen nehmen im Bereich nachhaltiger Anlagen definitiv eine Vorreiterrolle ein. Schon bevor das Thema regelmäßig in den Medien aufkam, war es vielen Stiftungen wichtig, einen Beitrag zur nachhaltigen gesellschaftlichen Entwicklung durch eine entsprechende Ausrichtung ihrer Finanzanlagen zu leisten. Denn Anleger beeinflussen indirekt durch ihre Entscheidung, welchen Unternehmen sie ihren Anlagebetrag als Eigen- oder Fremdkapital zur Verfügung stellen, deren wirtschaftliche Aktivitäten.

Nachhaltiges Investieren, gute Performance und Werterhaltung schließen einander dabei nicht aus. Unser Konzept in der Vermögensverwaltung kann mit einem nachhaltigen Ansatz kombiniert werden. Dieses Modell aus Wertstrategie und Nachhaltigkeit erlaubt, dass Stiftungen ihr Vermögen erhalten und angemessene Erträge erwirtschaften, um ihre Stiftungsziele nachhaltig zu erfüllen. Gleichzeitig wird dabei in verantwortungsbewusste Unternehmen investiert, welche im Hinblick auf ökologische und soziale Belange eine Vorreiterrolle einnehmen, und damit leisten Stiftungen einen doppelten Beitrag für den Bestand unserer Zivilgesellschaft. Sie sind in dieser Rolle prädestiniert, Brückenbauer von der Gegenwart in die Zukunft zu sein.

Es gibt bereits mehr als 20.000 Stiftungen mit einem Vermögen von rund 100 Milliarden Euro hierzulande. Wird dies in Zukunft nach Ihrer Einschätzung noch mehr und welche Auswirkungen hat das für die BW-Bank?

Thomas Rosenfeld: Ich bin sicher, das Stiftungsvermögen in Deutschland wird in den nächsten Jahren deutlich steigen, da rund 70 Prozent der Stifterinnen und Stifter das Stiftungsvermögen aus eigenen Mitteln erhöhen möchten. Zudem werden in den kommenden Jahren erhebliche Vermögenswerte vererbt. Diese werden voraussichtlich auch zum Teil in Stiftungen fließen. Vor allem sehr große Privatvermögen fließen u.a. in Stiftungen. Wir erhielten zum fünften Mal seit 2011 im Stiftungsvermögen-Ranking der Fachzeitschrift FUCHS-Report die Auszeichnung „Top-Anbieter“ und belegten unter 55 Vermögensverwaltern den 1. Platz.