Risikominimierung bei Fremdwährungsgeschäften

Finanzwissen

Risiko minimieren bei Fremdwäh­rungsgeschäften

Mittelständler können Risiken durch Zins-, Währungs- und Rohstoffmanagement senken – mit passender Absicherungsstrategie und GFA-Analyse.

Die deutsche Wirtschaft brummt. Maßgeblichen Anteil daran haben Geschäfte hiesiger Unternehmen mit aller Welt. So gab das Statistische Bundesamt im Juli 2017 bekannt, dass im Mai 2017 Waren im Wert von 110,6 Milliarden Euro exportiert und Waren im Wert von 88,6 Milliarden Euro importiert wurden. Das waren 14 Prozent mehr Exporte und 16 Prozent höhere Importe als im Mai 2016.

Fremdwährungsgeschäfte aus verschiedenen Motiven

Nach Angaben des Deutschen Industrie- und Handelskammertags fakturieren deutsche Unternehmen mehr als 43 Prozent ihrer Auslandsgeschäfte in Fremdwährung – Tendenz leicht steigend. Die Motive dafür können sehr unterschiedlich sein:

  • Bestimmte Geschäfte werden immer in derselben Währung abgeschlossen, zum Beispiel Rohstoffe in US-Dollar (Gold, Öl usw.).
  • Partner einigen sich auf eine gemeinsame Fremdwährung, um für beide Seiten die Abwicklung zu erleichtern oder weil der Partner mit der stärkeren Verhandlungsposition dies wünscht.
  • Manche ausländischen Unternehmen können aufgrund von Devisenvorschriften ihres Landes nicht in Euro fakturieren oder haben aus anderen Gründen keinen Zugang zum deutschen Markt.
  • Die Fakturierung in Fremdwährung signalisiert Vertrauen und verbessert die Position bei Preisverhandlungen; zum Beispiel kann die Fakturierung in Renminbi zu erheblichen Preisvorteilen für die beteiligten Geschäftspartner führen.
  • Die Fakturierung in der Währung des Vertragspartners kann einen Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen deutschen und internationalen Anbietern bringen und unterstützt so die eigene Akquise vor Ort.

Schwankende Wechselkurse bergen Verlustrisiko

In der Regel wird der Kaufpreis erst bei Lieferung fällig. Wer heute eine Maschine zum Preis von 100.000 Pfund (GBP) nach England verkauft, kann nicht sicher sein, welchen Kurs er für den Erlös bei Lieferung in sechs Monaten bekommen wird – man denke nur an den Brexit und dessen Folgen. Doch auch schon früher hat der Wechselkurs des GBP stark geschwankt. So hat die britische Währung in den vergangenen zehn Jahren gegenüber dem Euro zirka 23 Prozent an Wert eingebüßt. Allerdings war diese Entwicklung nicht gleichmäßig (siehe Grafik-Slider mit Informationen zur Entwicklung ausgewählter weiterer Währungen).

  • Entwicklung des Euro-Pfundkurses von 2000-2017. Großbritannien lag 2016 auf Platz 5 der deutschen Handelspartner.

    Überblick: Die Entwicklung des Euro-Pfundkurses

    Großbritannien rangierte 2016 mit einem Volumen der Im- und Exporte in Höhe von ca. 121 Mrd. Euro auf Platz 5 der wichtigsten deutschen Handelspartner.

  • Entwicklung des Euro-Dollarkurses von 2000-2017. Die USA lagen im Jahr 2016 auf Rang 3 der deutschen Handelspartner.

    Überblick: Die Entwicklung des Euro-Dollarkurses

    Die USA lagen im Jahr 2016 auf Rang 3 der deutschen Handelspartner. Der Wert der Im- und Exporte belief sich auf insgesamt etwa 165 Mrd. Euro.

  • Entwicklung des Euro-Frankenkurses von 2000-2017. Die Schweiz lag im Jahr 2016 auf Platz 9 der deutschen Handelspartner.

    Überblick: Die Entwicklung des Euro-Frankenkurses

    Die Schweiz rangierte im Jahr 2016 auf Platz 9. Der Umsatz mit Im- und Exporten lag bei insgesamt ca. 94 Mrd. Euro.

  • Entwicklung des Euro-Renminbikurses von 2000-2017. China lag 2016 erstmals auf Platz 1 der deutschen Handelspartner.

    Überblick: Die Entwicklung des Euro-Renminbikurses

    China belegte 2016 erstmals Platz 1 unter den deutschen Handelspartnern. Das Volumen der Im- und Exporte lag bei knapp 170 Mrd. Euro.

Aktuell liegt der Kurs des GBP bei ca. 0,88755 GBP/EUR (Stand: Mai 2017). Also würde der Exporteur aus dem beschriebenen Beispiel für seine Maschine umgerechnet 112.670 Euro erlösen. Schwächt sich jedoch der Kurs des GBP bis zur Lieferung auf 0,96 GBP/EUR ab, erlöst der Exporteur nur noch 104.167 Euro – ein Verlust von mehr als 7,5 Prozent.

Währungsrisiken beherrschen mittels ganzheitlicher Finanzanalyse (GFA-Analyse)

Dieses Risiko wird in mittelständischen Unternehmen oft unterschätzt. Die Prognosen bezüglich künftiger Wechselkurse würden oft „zu hemdsärmelig“ getroffen, bedauert Frank Schmidt, Prokurist im Bereich Solutions Zins-, Währungs- und Rohstoffmanagement (ZWRM) der LBBW. „Der sogenannte Budgetkurs, den Unternehmen für die Entwicklung eines Wechselkurses annehmen, entspricht häufig nicht der Realität. Bei großen Abweichungen drohen Verluste. Doch das muss nicht sein, Währungsrisiken lassen sich steuern“, betont Schmidt. Hierfür bieten die Experten der LBBW den Unternehmenskunden maßgeschneiderte Strategien an.

„Entscheidend ist, dass die LBBW den Kunden nicht einfach Absicherungs-Produkte verkaufen will, um das Währungsrisiko zu reduzieren. Vielmehr bieten wir eine sogenannte GFA-Analyse, das heißt ein Ganzheitliches Financial Advisory. Wir beschäftigen uns intensiv mit den Leistungskennzahlen des Unternehmens, den Key Performance Indicators (KPI). Dabei beschränken wir uns auf die für das Währungsrisiko entscheidenden Kennzahlen, um den ganzen Prozess nicht zu überfrachten und den Aufwand der Kunden in einem vertretbaren Rahmen zu halten“, so Schmidt. Ziel sei es, anhand leicht nachvollziehbarer Schritte eine Empfehlung für die optimale Sicherungsquote zu geben und mit den Derivatespezialisten der LBBW ein passendes Instrumentarium zusammenzustellen.

Risikovolumen und Schadenspotenzialanalyse

Zunächst werden alle Devisenaktivitäten zusammengezählt. So erhält man das Risikovolumen. Es ist Grundlage der Schadenspotenzialanalyse. Für diese wird das Cash-Flow-at-Risk- Modell (CFaR-Modell) verwendet. Es sucht nach Antworten auf folgende Fragen:

  • Wie hoch ist der maximale Schaden aus den Devisengeschäften?
  • Welches Verlustrisiko kann/will das Unternehmen tragen?
  • Wie stark sollte dieses Risiko abgesichert werden, damit das Unternehmen keinen entscheidenden Einbruch bei seinen KPI erleidet?
  • Wie stark vermindert die Absicherung das Schadensrisiko, zum Beispiel bei der Eigenkapitalrendite?

Vereinfacht ausgedrückt funktioniert es so: Mittels Devisenkursen der Vergangenheit und Prognosen für deren Entwicklung (zum Beispiel anhand von Kursen der Terminbörsen) werden mögliche Kursverläufe einer bestimmten Risikoposition – abweichend vom Budgetkurs des Unternehmens – simuliert. Gleichzeitig wird errechnet, wie wahrscheinlich diese Abweichungen sind. Schließlich berechnen die Experten der LBBW, wie sich eine ungünstige Wechselkursentwicklung auf die KPI des Kunden auswirken würde (Schadenspotenzial) und wie hoch die Risikotragfähigkeit des Unternehmens ist. Daraus wird errechnet, wie hoch die Absicherungsquote sein sollte.

Schmidt: „Unsere Erfahrungen zeigen, dass mit einer maßgeschneiderten Absicherungsstrategie das Währungsrisiko deutlich verringert werden kann. Auch mittelständische Unternehmen können so die Vorteile einer Fakturierung in Fremdwährungen besser nutzen.“