Berufsbild Banker: „Das war ein Glückstreffer“

Verantwortung

„Das war ein Glückstreffer“

Soll man heute noch Banker werden? Zwei Absolventen der Ausbildungsjahrgänge 1990 und 2015 im LBBW-Konzern haben darüber diskutiert – mit interessanten Ergebnissen.

Absolut solide, mit sicheren Berufsaussichten und hohem Ansehen – aber auch ein wenig konservativ. So war lange Zeit das Image der Berufsausbildung zum Bankkaufmann. Doch traf das eigentlich jemals zu? Und wie sieht es heute aus?

Wir haben zwei Ex-Azubis aus dem Konzern der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) gebeten, sich darüber auszutauschen. Marijan Vlajcic (24) beendete 2015 seine Ausbildung zum Bankkaufmann mit Zusatzqualifikation Finanzassistent bei der LBBW. Michael Maier (48) absolvierte von 1988 bis 1990 seine Ausbildung zum Bankkaufmann bei der Landesgirokasse (LG), einem Vorgängerinstitut der heutigen BW-Bank, und ist dem Beruf seit 29 Jahren treu geblieben.

Unterhalten haben sich die beiden per Videokonferenz – und damit gleich das erste Thema gesetzt:

Banken und Digitalisierung

Marijan Vlajcic: Toll, dass wir per Videokonferenz miteinander oder mit unseren Kunden sprechen können. Inzwischen schreitet die Digitalisierung in der Bank voran. Viele Kunden erledigen ihre alltäglichen Bankgeschäfte online und bei der Beratung in der Filiale nutze ich einen Tablet-PC, um bestimmte Sachverhalte plakativ zu erläutern. Die digitale Kompetenz wurde auch in der Ausbildung vom ersten Tag an gefördert. Wie war das, als Sie Ihre Ausbildung gemacht haben?

Michael Maier: Ganz anders. Einen Computer hatten wir zwar 1988 auch schon in der Filiale, das war ein IBM XT-Rechner mit Diskettenlaufwerk zum Berechnen von Baufinanzierungen. Außerdem gab es Terminals mit grünen Bildschirmen, über die wir auf eine Kundendatenbank zugreifen konnten. Das war aber alles andere als benutzerfreundlich. Der Bankalltag lief also nicht mehr total analog, aber so etwas wie Online-Banking war unvorstellbar. Ich habe als Azubi am Schalter unzählige Überweisungen per Hand ausgefüllt und gebucht sowie Reiseschecks ausgestellt. Da hat sich schon extrem viel geändert – zum Vorteil des Kunden, aber auch des Bankmitarbeiters.

Marijan Vlajcic: Reiseschecks habe ich noch nie bearbeitet. Heute sind die Kunden überwiegend mit Bank- und Kreditkarten unterwegs. Wir haben aber immer noch viele Kunden, die mit einem Überweisungsträger in die Filiale kommen. Denen zeigen wir, wie sie unsere Banking-Apps nutzen können. Beispielsweise um ihre Rechnungen bequem online zu bezahlen. Das setzt natürlich voraus, dass man als Mitarbeiter in puncto Digitalisierung immer auf der Höhe ist.

Michael Maier: Genau. Das Lernen hört in der Bank nie auf. Ich gebe zu, wir älteren profitieren bei den digitalen Themen oft von den jungen Kolleginnen und Kollegen. Die Azubis sind meist die ersten, die die neueste Bank-App herunterladen. Und die Digitalisierung ist ja noch lange nicht abgeschlossen. Das gilt für alle Bereiche, von der Banking-App für Privatkunden bis zur Blockchain-Technologie (siehe Video) für den Transfer großer Summen im Firmenkundengeschäft. Aber genau das macht den Beruf ja so spannend.

Beratung und Kundenkontakt

Marijan Vlajcic: Haben sich eigentlich seit Ihrer Ausbildungszeit die Bedürfnisse der Kunden verändert?

Michael Maier: Auf jeden Fall. Viele nutzen für die alltäglichen Bankgeschäfte das Internet oder unsere SB-Geräte in den Filialen. Allerdings ist im derzeitigen Niedrigzinsumfeld der Beratungsbedarf komplexer als früher. Auch wenn Kunden schon absolut digital aufgestellt sind, suchen sie die persönliche Beratung, wenn es um Geldanlage oder Baufinanzierung geht. Zukünftig wird beides gebraucht: Online-Angebot und persönliche Beratung, da bin ich mir sicher.

Marijan Vlajcic: Das kann ich bestätigen. Im persönlichen Kontakt müssen wir kompetente Antworten geben können. Kundenkommunikation hatte einen entsprechend hohen Stellenwert in meiner Ausbildung. Schon in den Seminaren im Bildungszentrum der LBBW berichteten Referenten aus der Praxis und erarbeiteten mit uns in Kleingruppen, wie wir die Inhalte im Kundenkontakt umsetzen. Es geht ja auch um Fingerspitzengefühl und darum, individuell die passende Beratung zu wählen.

Michael Maier: Das war bei uns noch anders. Schulungen gab es bei uns auch, aber da ging es in erster Linie um fachliche Inhalte. Den Umgang mit Kunden haben wir bei der täglichen Arbeit in der Filiale gelernt. Die Kollegen dort waren viel älter als ich und schienen unendlich viel Erfahrung zu haben. Ich konnte am Anfang gar nicht fassen, wie man so souverän beraten kann.

Ausbildung und Karriere

Marijan Vlajcic: Bei allen Unterschieden zwischen damals und heute: Würden Sie wieder eine Banklehre machen?

Michael Maier: Auf jeden Fall, das war ein Glückstreffer. Ich war in der Schule gut in Mathe, da lag es aus meiner damaligen Sicht nahe, eine Banklehre zu machen. Genaue Vorstellung hatte ich aber nicht. Erst später wurde mir klar, dass ein logisches Verständnis und kommunikative Fähigkeiten viel wichtiger sind als hohe Mathematik, die man zur Zinsberechnung ja nicht braucht. Beides brachte ich aber intuitiv mit. Inzwischen bin ich seit 29 Jahren dabei und es macht mir immer noch viel Spaß. Meine Entscheidung war also genau richtig. Und wieso haben Sie sich für eine Ausbildung bei einer Bank entschieden?

Marijan Vlajcic: Mir war es wichtig, einen Ausbildungsplatz in einem Bereich zu erhalten, auf den ich stolz sein kann. Das sehe ich im täglichen Umgang mit den Finanzfragen unserer Kunden bestätigt. Außerdem wollte ich in einem Konzern arbeiten, in dem es eine umfassende Ausbildung gibt mit vielen Angeboten und der sehr gute Übernahmechancen bietet. Und bei der LBBW wurden meine Erwartungen noch übertroffen. Ich konnte als Azubi gleich richtig durchstarten und schon bald Verantwortung übernehmen. Es ist viel Eigeninitiative gefragt. Außerdem ist der LBBW ein gutes Miteinander und ein nachhaltiges Arbeitsumfeld wichtig, das merkte ich schon in der Ausbildung.

Michael Maier: Es ist schon toll, dass das Networking im Konzern LBBW heutzutage von Beginn an auf der Tagesordnung steht. In der Filiale war der Zusammenhalt schon immer gut. Aber nun gibt es mehr Austausch mit Kollegen aus anderen Abteilungen. Auch über die sozialen Berufsnetzwerke halten wir uns gegenseitig auf dem Laufenden.

Marijan Vlajcic: Ja. Und man hört nie auf, etwas dazuzulernen. Direkt nach der Abschlussprüfung ging es bei mir schon mit der Weiterbildung los. Da ich zu den besten Azubis meines Jahrgangs gehörte, beteiligt sich die LBBW an den Kosten für mein berufsbegleitendes Studium. Wenn es so weitergeht, kann ich mir gut vorstellen, dass auch ich in 30 Jahren noch gerne in der Finanzbranche arbeite – vielleicht ja sogar noch bei der LBBW.

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