Digitalisierung der Arbeitswelt: Die Skills von morgen – Berufsbilder im Wandel

Digitalisierung

Berufsbilder im Wandel

Die Digitalisierung ist in vollem Gang – Berufe verschwinden, ändern sich, neue entstehen. Daraus ergeben sich für Unternehmen Herausforderungen.

Filmvorführer, Schriftsetzer, technischer Zeichner – viele Berufe sind einem nur noch aus der Kindheit bekannt, weil es sie schon lange nicht mehr gibt. Die Weiterentwicklung der Berufs- und Arbeitswelt hat sie überflüssig gemacht. Das geschieht nach und nach, im Laufe der Zeit. Fast unbemerkt, denn die fertigen Erzeugnisse gibt es immer noch. So werden Bücher gelesen, obwohl ihr Druck über Computerprogramme erfolgt und kein Buchdrucker in mühsamer Handarbeit mehr Buchstaben aneinanderreiht. Dass sich die Arbeitswelt verändert, war schon immer so: zu Beginn des 19. Jahrhunderts mit der Industrialisierung, die mittels Maschinen die Produktivität emporschnellen ließ und Massenproduktion möglich machte. Die Automatisierung durch Elektronik und Computer sorgte Ende des 20. Jahrhunderts für einen weiteren Quantensprung in der Fertigung. Und damit veränderten sich Berufe und die Ansprüche an die Qualifikationen der Menschen.

Automatisierung in der Produktion schreitet voran

Computer werden immer schlauer und übernehmen schon einfache kreative Arbeiten. So werden in Callcentern Beratungsdienstleistungen oft nicht mehr von Menschen ausgeübt, sondern von Chatbots – also Robotern. Die Automatisierung in der Produktion schreitet voran. Längst ist ein Streit darüber entbrannt, wie sich diese Entwicklung auf den Arbeitsmarkt auswirkt. Differenziert sieht die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) die Folgen: „Aufgrund der hohen Innovationskraft der Industrie ist der Arbeitsmarkt Baden-Württemberg bundesweit mit am stärksten von der Automatisierung betroffen. Geschätzt 17 Prozent aller Arbeitsstellen könnten in Zukunft der Automatisierung zum Opfer fallen. Allerdings werden durch die Innovationskraft auch Stellen geschaffen“, sagt Senior Economist Dr. Guido Zimmermann. Mehr zu den Auswirkungen der Digitalisierung lesen Sie hier.

In der Summe nicht weniger Stellen

Dass die Entwicklung individuellen Regeln folgt, zeigt ein Blick auf die aktuellen Innovationen bei der Fertigung von Getriebeteilen für Kraftfahrzeuge. Für manche der neuen Maschinen brauchen Betriebe keine hoch qualifizierten Mechatroniker mehr, die die Maschinen individuell programmieren. Denn die Werkstücke teilen der Maschine mit, wie sie zu bearbeiten sind. An anderer Stelle muss dafür jemand die Fertigungsdaten für die Werkstücke programmieren. Das Verhältnis von qualifizierter und einfacher Arbeit bleibt im Unternehmen insgesamt jedoch gleich.

Die IHK Stuttgart wollte es genau wissen und hat in einer Untersuchung knapp 2.800 Betriebe befragt, wie sich ihrer Einschätzung nach Qualifikationen und Ausbildungen unter dem Einfluss der Industrie 4.0 verändern. „Die Welt der Berufe bleibt im Kern stabil“, sagt Bernd Engelhardt, Geschäftsführer der IHK Stuttgart. Jedoch rechnet ein Drittel fest mit neuen Anforderungen, in großen Unternehmen erwartet dies sogar mehr als die Hälfte. Das Erstaunliche: Kaufmännische Berufe sind stärker betroffen als technische. „Viele Betriebe halten auch in Verwaltung und IT-Services Änderungen bei den Qualifizierungsanforderungen für nötig“, weiß Engelhardt.

Unternehmerisches Denken gefragt

Der Online-Spezialversender für Bike- und Outdoor-Produkte, Internetstores, ist ein Kind der Digitalisierung. Geschäftsführer Bernd Humke zieht den Vergleich zum Vorläufer, dem Kataloggeschäft: „Waren die Preise einmal gedruckt und die Ware geordert, gab es keine Möglichkeit mehr, etwas zu ändern. Heute können wir bei Ladenhütern die Preise senken oder Fahrräder nachordern, wenn der Bedarf da ist.“ Die dafür nötigen Tätigkeiten entsprechen aber kaum noch den Inhalten der klassischen Lehrberufe. Um so flexibel sein zu können, brauchen die Mitarbeiter sehr viel mehr IT-Know-how als früher. „Wir wollen schon heute den Bedarf von morgen vorhersagen können“, sagt Humke. Heißt, wie viele von denen, die heute auf Google ein Fahrrad angeschaut haben, werden es in zwei Wochen kaufen. „Aufgrund der engen Zeitschiene wird immer mehr Verantwortung und auch Unternehmertum von jedem einzelnen Mitarbeiter verlangt. Dies ist nur möglich, wenn jeder anhand von Kennzahlen seinen Zuständigkeitsbereich steuert. Dazu sind überfachliche Qualifikationen wichtig, wie die Fähigkeiten, Informationen zu filtern, priorisieren zu können und teamfähig zu sein“, resümiert Humke.

Prozesse optimieren und gestalten

Bei der Firma Festo, einem Hersteller von Automatisierungstechnik, ist das Thema Digitalisierung längst ein strategisches, das zentral organisiert wird. Schließlich setzt der Umgang mit der massiv steigenden Quantität an Daten und Komplexität in der Vernetzung von Anlagen- und Unternehmensbereichen neue oder erweiterte Kompetenzen voraus. Ein Instandhalter muss beispielsweise in der Lage sein, Echtzeitdaten auszuwerten, um Energietransparenz- oder Prozessoptimierungskonzepte zu gestalten, und er sollte die sichere Vernetzung von Anlagenbereichen über eine sehr große Zahl von IP-Adressen übersehen. „Die Wichtigkeit der Aus- und Weiterbildung für die Industrie 4.0 ist erkannt und entsprechende Lösungen und Angebote werden auch massiv eingefordert – von Unternehmen genauso wie von Regierungen. Es ist allen klar, dass die Qualifikation bei der Digitalisierung die entscheidende Rolle spielen wird“, sagt Enrico Rühle, Vorstand Festo Didactic.

Klar ist: Arbeitskräfte müssen künftig ganz andere Dinge beherrschen als heute. In vielen Unternehmen gelten Softwareexperten als Ingenieure der Zukunft. Unternehmerischen Nachwuchs früh zu schulen, dafür setzt sich ein Netzwerk aus rund 130 Unternehmenein.
„Die Wissensfabrik bietet spannende Projekte, die wirtschaftliche, naturwissenschaftliche und technische Zusammenhänge erklären, und gibt ihr Wissen an junge Gründer weiter“, sagt Dr. Guido Zimmermann von der LBBW. „Gerade Forschungseinrichtungen und produktive, exportorientierte Unternehmen sind in der Lage, neue Angebote und Arbeitsplätze zu schaffen“. Das eröffnet der Digitalisierung viele Chancen für den Standort Deutschland. Das Fraunhofer IAO und der Digitalverband Bitkom erwarten, dass die Bruttowertschöpfung der deutschen Industrie bis 2025 um 30 Prozent steigt. „Und wenn die Politik die Voraussetzungen dafür schafft, verlaufen auch die Beschäftigungseffekte der Digitalisierung positiv“, prognostiziert Dr. Guido Zimmermann.

Welche Skills künftig besonders gefragt sind

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    Kenntnisse im Suchmaschinenmarketing, Data-Mining und Cloud-Computing gehörten 2015 zu den gefragtesten Schlüsselqualifikationen im Business-Network LinkedIn.