Breitbandausbau in Deutschland

Digitalisierung

Breitbandausbau vor großen Herausforderungen

Etwa 50 Prozent der deutschen Unternehmen warten auf Breitbandanschlüsse. Der Glasfaser-Investitionsbedarf ist riesig. Eine Bestandsaufnahme.

Präsentationen herunterladen, auf Programme zugreifen oder Datenpakete verschicken? Fehlanzeige in vielen Büros. Der Umgang mit dem Internet wird vielerorts zur Geduldsprobe. Manche Firmen mieten sich für Konferenzen ein Büro in der Stadt oder ziehen gleich ganz dorthin, damit die stotternde Datenverbindung nicht zum Wettbewerbsnachteil wird.

Im europäischen Vergleich hinken die Deutschen beim Breitbandausbau hinterher. Nur 38 Prozent aller Unternehmen mit mehr als zehn Beschäftigten besitzen schnelles Internet. Zum Vergleich: In Dänemark verfügen 65 Prozent über einen Breitbandanschluss, in Schweden immerhin 59 Prozent. Damit liegen die Deutschen nur auf Rang fünf im EU-Vergleich. Vor allem auf dem Land sieht es mau aus – und das obwohl beispielsweise in Baden-Württemberg 43 Prozent aller Firmen ihren Sitz außerhalb der Städte haben. In einer Befragung der baden-württembergischen Industrie- und Handelskammern sagen 42 Prozent der Unternehmen, dass sie nicht über eine ausreichende Breitbandanbindung verfügen.

Schnelles Internet durch Breitbandausbau – was ist das eigentlich?

Je mehr Daten innerhalb einer bestimmten Zeit übertragen werden, desto schneller ist ein Anschluss. Die Maßeinheit sind Megabit pro Sekunde. Das Versprechen der Politik: Zumindest 50 Megabit pro Sekunde sollen in jedem Haushalt bis Ende 2018 verfügbar sein. Das bekräftigte Kanzlerin Angela Merkel jüngst auf einem Kongress zum Digitalen Wandel. Bislang ist die angepeilte Übertragungsgeschwindigkeit aber erst in gut 75 Prozent der deutschen Haushalte verfügbar. Doch was der familiären Spiel- und Spaßnutzung genügt, reicht für Unternehmen längst nicht aus. Um Mensch und Maschine miteinander zu vernetzen, braucht es Datenübertragungen im Gigabitbereich. Um zu höheren Übertragungsraten zu gelangen, müsste eine neue Technologie eingesetzt werden. Statt über herkömmliche Kupferkabel, sollen Daten künftig durch Glasfaserkabel rauschen.

Glasfaserleitungen transportieren die Daten nicht nur schneller als die Technologie mit Kupferkabeln, sie sind auch wesentlich robuster. Die Fasern bestehen aus geschmolzenem Glas, das zu dünnen Fäden gezogen wird. In den Leitungen werden die Daten nicht wie bei Kupferkabeln durch elektrische Impulse übertragen, sondern als optische Signale gesendet. Das Licht ermöglicht schnelle Übertragungsgeschwindigkeiten. Außerdem sind diese Leitungen unempfindlicher gegenüber elektrischen oder magnetischen Störfeldern. So können Daten per Glasfaser selbst über längere Strecken ohne Qualitätsverluste verschickt werden.

Das Verlegen der Kabel sorgt für hohe Kosten

Klingt traumhaft, doch leider ist der Breitbandausbau mit hohem Aufwand verbunden, da neue Kabel verlegt werden müssen. Und das ist teuer. Die Erdarbeiten sind für den größten Teil der Kosten verantwortlich, nicht die Technik. Je nach Schätzung kostet ein flächendeckender Glasfaserausbau, bei dem die Leitungen bis in die Haushalte reichen, bis zu 100 Milliarden Euro. Die Politik hat das Problem erkannt und will bis 2025 mit hohen Investitionen in den Gigabit-Breitbandbereich vordringen. Die Kanzlerin erklärte das Digitalthema für die kommende Legislaturperiode deshalb zur Chefsache, um neue Entwicklungen, beispielsweise in der Telemedizin oder das autonome Fahren, auf den Weg bringen zu können.

5 Milliarden Euro Finanzierungsbedarf für Breitbandausbau in Baden-Württemberg

Hohe Investitionen sind vonnöten, sagt die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW): „Gemessen an den zu versorgenden Haushalten und angesiedelten Unternehmen schätzen wir den Finanzierungsbedarf beim Breitbandausbau allein für Baden-Württemberg auf circa 5 Milliarden Euro in den nächsten drei bis fünf Jahren“, sagt Bettina Deuscher aus dem Research der LBBW. Dafür können Unternehmen Förderanträge stellen. Im vergangenen Jahr unterstützte das Land bei jedem fünften Förderantrag finanziell den Breitbandausbau, meist um Unternehmen direkt an die Glasfaser anzuschließen. Mehr Informationen zu den Fördermöglichkeiten finden Unternehmen hier.

  • Breitbandausbau Baden-Württemberg: Wo ist leitungsgebundenes Breitband verfügbar?

    Verfügbarkeit von leitungsgebundenem Breitband in BW

    Für Unternehmen ist nicht nur der Download wichtig, sondern vor allem auch der maximale Upload, d.h. die Bandbreite, mit welcher Daten verschickt werden können.

  • Breitbandausbau Baden-Württemberg: Wo ist drahtloses Breitband verfügbar?

    Verfügbarkeit von drahtlosem Breitband in BW

    Drahtloses Breitband (mit mind. 50 Mbit/s Download) ist in Baden-Württemberg derzeit praktisch nicht vorhanden.

Glasfasertechnik bietet viele Vorteile

Die neue Technik ist nicht nur schnell, sie bietet auch noch andere Vorteile. Stefan Schnorr, Leiter Digital- und Innovationspolitik im Wirtschaftsministerium, sagt: „Glasfaserkabel sorgen nicht nur für hohe Down- und Upload-Möglichkeiten, sondern bringen auch extrem kurze Verzögerungszeiten.“ Die seien beispielsweise wichtig, wenn im Bereich Industrie 4.0 eine Maschine über das Internet gesteuert werden soll. Zwischen dem Eingabebefehl und der Ausführung dürfe möglichst nicht mal eine Millisekunde liegen, weil es sonst zu Produktionsfehlern kommen könnte. Auf lange Sicht scheint also kein Weg an Glasfaserleitungen vorbeizuführen. So sieht es auch Stephan Albers, Geschäftsführer des Netzbetreiberverbands Breko: „Reine Glasfaseranschlüsse für alle Bürger und Unternehmen unseres Landes sind schon bald so wichtig wie ein Wasser- oder Stromanschluss. Sie bilden einen zentralen Grundstein für wirtschaftliches Wachstum und Wohlstand für die heutige Gesellschaft sowie kommende Generationen.“

Neue Technik macht alte Kupferkabel schneller

Bis es so weit ist, setzt der Netzgigant Telekom auf einen Kompromiss und versucht, mit neuer Technik aus den Kupferkabeln mehr Geschwindigkeit herauszusaugen. Mithilfe dieser Technologie, die man als „Vectoring“ bezeichnet, werden die alten Kupferleitungen deutlich schneller und Geschwindigkeiten von bis zu 100 Megabit pro Sekunde sind möglich.

Ohne schnelles Internet für Wirtschaft und Unternehmen wird der notwendige Innovationssprung hin zur Industrie 4.0 nicht zu schaffen sein. Der IT-Verband Bitkom blickt in die Zukunft und schätzt, dass mit dieser Transformation eine Produktivitätssteigerung von knapp 80 Milliarden Euro bis 2025 für die deutsche Wirtschaft möglich ist. Doch Zeit ist knapp, alle zwei Jahre verdoppelt sich die Menge digitaler Daten. Immer mehr Informationen, die möglichst schnell transportiert werden müssen.

LBBW Research - Halbjahresausblick Telekombranche