LBBW
51 farbenfrohe Flaggen schmückten auf 160 Meter Länge die Rückfassade des Tempelhofer Flughafens in Berlin.

LBBW Kunstsammlung zeigt Flagge

51 farbenfrohe Flaggen schmückten auf 160 Meter Länge die Rückfassade des Tempelhofer Flughafens und zogen die Blicke aller „art berlin“-Besucher auf sich.

Das „spektakulärste Kunstwerk“ der art berlin? Für die Süddeutsche Zeitung eindeutig die 51 Flaggen am Dach des Tempelhofer Flughafens. Eine Wiederbegegnung: „Vor gut zehn Jahren installierte der Berliner Künstler Daniel Knorr anlässlich der Berlin-Biennale das Dach von Mies van der Rohes klassisch-modernistischer Neuer Nationalgalerie als bunten Fahnenfries mit den Flaggen aller in Berlin ansässigen und aktiven Burschenschaften“, erinnert die Zeitung und schreibt weiter: „Die Arbeit, die in der Zwischenzeit angesichts des politischen Rechtsrucks an Aktualität noch gewonnen hat, hängt nun auf 160 Meter Länge am Dach des Tempelhofer Hangars über dem Rollfeld, auf dem früher Nazis paradierten und Zwangsarbeiter aus Osteuropa in Baracken untergebracht waren, die hier in den Kriegsjahren Kampfflugzeuge montierten.“ Auf diese Weise spiegele das Werk einen subtilen künstlerischen Kommentar über versteckte nationalistische Traditionen in unserer Gesellschaft wider. Das Werk wurde vor kurzem von der LBBW in einer leicht variierten Fassung erworben.

Bereits auf der documenta 2017 machte Daniel Knorr von sich reden, als er regelmäßig Rauch aus dem Zwehrenturm, einem Wahrzeichen der Kasseler Innenstadt, aufstiegen ließ. Der provokative Gebrauch von Zeichen und die ironische Aufarbeitung ihres Entstehungszusammenhangs sind immer wieder Themen in seiner Arbeit. „Kunst öffnet den Blick für verschüttete Wahrnehmungen und neue Wege“, sagt der 1968 in Bukarest geborene Künstler.

Die art berlin als perfekte Bühne

Mit seinem konzeptionellen Ansatz passt Daniel Knorr perfekt in die konzeptionsstarke LBBW Kunstsammlung. Sammlungsleiter Lutz Casper, der die Kooperation mit der art berlin initiiert hat, freut sich über die gelungene Inszenierung des Werkes und über die gelungene Premiere: „Für uns ist eine echte Win-win-Situation entstanden, denn die art berlin mit ihren rund 35.000 Besuchern ist die perfekte Bühne für unsere Sammlung und unsere Kunstaktivitäten.“ Auch art-berlin-Direktorin Maike Cruse würdigt die Zusammenarbeit: „Die LBBW unterstützt nicht nur großzügig die art berlin, sie bringt auch ihre inhaltliche Expertise ein. So werden Teile der hervorragenden Sammlung gezeigt und hochkarätige Talks ermöglicht, die unser Programm optimal ergänzen. Wir freuen uns auf die kommenden Jahre mit der LBBW!“

  • Kunstsammlung

Zweiter Höhepunkt der art berlin aus der LBBW Kunstsammlung war eine Präsentation von Thomas Locher. Der aus Baden-Württemberg stammende Konzeptkünstler (Jahrgang 1956), heute Rektor der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig, ist schon seit Mitte der 1990er-Jahre in der Sammlung der Bank herausragend vertreten. Seine 125 Quadratmeter umfassende Präsentation zeigte eine Auswahl fotografischer Arbeiten und textbasierter Installationen aus den 1980er- und 1990er-Jahren. Wie eine moderne Office-Situation kam die Inszenierung daher – mit grauen Aluminiummöbeln und sachlich-reduzierten Bildwerken an der Wand – und entpuppte sich bei genauerem Hinschauen als ein dreidimensionales „Schriftstück“, zu dessen Lektüre die angebrachten Texte einluden. Lochers Werke operieren häufig an der Schnittstelle von Text und Bild und behandeln das fragile Verhältnis zwischen Subjekt und Objekt, zwischen Mensch, Sprache und Ding. Der Künstler selbst sagt dazu: „Ausgangspunkt dieser Arbeiten ist mein anhaltendes Interesse an der Sprache, ihrer Grammatikalität und der poetischen Kraft diskursiver Phänomene.“

LBBW Art Talks als Teil des LBBW-Kunstengagements

Erfolgreich waren auch die Diskussionen und Gespräche anlässlich der LBBW Art Talks. Sie wurden von der Redaktion des Kunstmagazins Monopol als Medienpartner moderiert. Die Redakteure befragten die Künstler und Künstlerinnen aus dem Kontext der LBBW Kunstsammlung – Josephine Meckseper aus New York, Asta Gröting und Thomas Locher, beide aus Berlin – über die aktuellen Bedingungen von Kunstproduktion, die sie vor dem Hintergrund ihrer eigenen Arbeit kritisch reflektierten. Auf diese Weise bereicherten die LBBW Art Talks das anspruchsvolle Begleitprogramm der art berlin in diesem Jahr.

So hat der Messeauftritt im Herbst 2019 einmal mehr die Ausrichtung der LBBW Kunstsammlung für die Zukunft bestätigt: dem rein zeitgenössischen Sammlungskonzept verpflichtet und hochkarätig die Kunstsammlung durch Ankäufe weiterentwickeln und mit dieser dann konsequent in die Öffentlichkeit gehen. So darf man sich schon jetzt auf die Präsentation von Werken des Düsseldorfer Künstlers Imi Knoebel auf der Art Cologne im Frühjahr 2020 freuen.

Die beiden führenden deutschen Kunstmessen art berlin und Art Cologne sind seit 2017 unter dem Dach der koelnmesse GmbH vereint. Mit diesem starken Partner hat die LBBW eine ideale Plattform für Öffentlichkeit gefunden. Das wird sich auch in Zukunft fortsetzen. „Wir engagieren uns nicht nur für Kunst, wir bauen auch konsequent unsere Partnerschaften in diesem Bereich aus“, sagt Thorsten Schönenberger, Mitglied des LBBW-Vorstands und Vorsitzender des LBBW Sammlungskuratoriums. „Unsere Partner sind Museen, Messen, Medien, mit denen wir vertrauensvoll kooperieren. Dadurch sind wir glaubwürdige Ansprechpartner des Kunstbetriebs mit seinen zahlreichen Akteuren, insbesondere den Produzenten wie den Galerien als Vermittler. Der Zuspruch der Künstlerinnen und Künstler, Teil unserer Sammlung zu werden, sich sozusagen in bester Nachbarschaft zu befinden, ist hierfür ein wunderbarer Indikator.“

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