Karl Manfred Lochner, LBBW-Firmenkundenchef

„Die Krise hat uns zusammengeschweißt“

Gerade jetzt brauchen viele Unternehmen starke Bankpartner. LBBW-Unternehmenskundenchef Karl Manfred Lochner: „Wir lassen unsere Kunden nicht im Stich!“

LBBW Hauspost: Herr Lochner, seit nunmehr sechs Monaten grassiert die Coronapandemie. Tausende Unternehmen, vom Konzern bis zum Gewerbetreibenden, fürchten um ihre Existenz. Wie kann und konnte die LBBW helfen?

Karl Manfred Lochner: In der Frühphase der Pandemie ging es vor allem um Liquiditätssicherung. Wir haben unseren Kunden innerhalb des ersten Monats nach dem Shutdown fast vier Milliarden Euro zusätzliche Kreditlinien zur Verfügung gestellt. Zudem haben wir schnell und sehr unbürokratisch Tilgungsaussetzungen besprechen können – und wo es ging, auch zügig umgesetzt. So konnten wir für unsere Haus- und Kernbankkunden die Liquidität sichern und zeigen, dass wir ein stabiler und verlässlicher Partner unserer Kunden sind.

LBBW Hauspost: Die Bundesregierung hatte seinerzeit die KfW ins Zentrum der Hilfen gestellt.

Lochner: Unsere erfahrenen Fördermittelspezialisten und die traditionell enge Beziehung zur KfW waren da sehr hilfreich. Unsere digitale Prozessstraße tat ein Übriges. Aktuell haben wir als LBBW bislang über 10.000 KfW-Anträge für Kunden und die Kunden unserer Sparkassen gestellt mit einem Volumen von fast 4,5 Milliarden Euro. Da ging es in vielen Fällen schlicht um Tempo.

LBBW Hauspost: KfW-Mittel kommen nicht für jeden in Frage, Kreditlinien gehören eher zum Standardrepertoire …

Lochner: Genau. Deshalb haben wir unsere Kunden auch mit unserer Corporate-Finance-Expertise unterstützt und bei der Ausfinanzierung der Kreditlinien über den Kapitalmarkt begleitet. Neben diversen Bond-Mandaten ist es uns vor allem gelungen, mit einem historisch großen Schuldscheindarlehen den bis dato ausgetrockneten Schuldscheinmarkt wieder zu öffnen. Es geht und ging aber auch immer wieder um Alternativen zur Liquiditätssicherung. Wo die KfW-Hilfen nicht attraktiv waren, mussten andere Lösungen gefunden werden, so zum Beispiel alternative Finanzierungsinstrumente, Factoring oder ABS zur Optimierung im Working-Capital-Bereich.

In der Pandemie schlägt eindeutig die Stunde der Hausbanken.

Karl Manfred Lochner, Unternehmenskundenchef der LBBW

LBBW Hauspost: Hat sich mit der Pandemie das Verhältnis zwischen LBBW und Kunden verändert?

Lochner: Wir sind und wir waren immer ein starker Partner an der Seite unserer Kunden. Aber klar ist auch: In der Pandemie schlägt eindeutig die Stunde der Hausbanken. Covid-19 hat gezeigt, dass opportunistische Bank-Kunden-Beziehungen – also mal mit der Bank zusammenarbeiten und mal nicht – kein sinnvolles Modell sind. Dort, wo es langjährige vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Bank und Kunden gab, konnte die Bank auch jetzt in der Krise besonders schnell und gut unterstützen. Die Krise hat uns noch stärker zusammengeschweißt.

LBBW Hauspost: Energiewende, Industrie 4.0, nachhaltiges Wirtschaften – die To-Do-Liste ist für die Betriebe eh schon ewig lang …

Lochner: Und jetzt kommt Corona noch als Trendbeschleuniger dazu. Vieles, was sich vorher schon abgezeichnet hat, wird jetzt um einen Faktor X schneller gehen, schneller gehen müssen. Speziell beim Thema Nachhaltigkeit: Wer geglaubt hat, Corona lässt uns Zeit zum Luftholen, sieht sich jetzt getäuscht. Politik und Gesellschaft haben sich hier eindeutig positioniert.

LBBW Hauspost: Die Welt soll also noch schneller noch grüner werden und damit überleben?

Lochner: Wenn man so will, ist das die Nettobotschaft. Unternehmen, die zum Beispiel von der Energiewende betroffen sind, und das sind viele, sind jetzt massiv gefordert, ihre Geschäftsmodelle zu transformieren oder zumindest anzupassen. Das kostet Kraft und erfordert Investitionen. Wir stehen hierzu eng mit unseren Kunden im Dialog. Dabei helfen uns insbesondere unsere Sektorexperten, die aufgrund ihres tiefen Branchenverständnisses strategische Probleme mit unseren Kunden auf Augenhöhe diskutieren. Uns ist es wichtig, mit unseren Kunden wirksame Wege zur CO2-Reduktion zu finden und sie zu begleiten. Je mehr Marktmechanismen hier Anreiz sind, desto besser. Nur durch Regulierung darf das nicht vorangetrieben werden.

Mit unserem Angebot im Bereich Nachhaltigkeit stehen wir an der Spitze der Bewegung. Dieser Vorsprung muss jeden Tag neu verteidigt werden.

Karl Manfred Lochner, Unternehmenskundenchef der LBBW

LBBW Hauspost: Was kann die LBBW als Bank hier noch beitragen?

Lochner: Es ist ein Riesenvorteil, dass wir Nachhaltigkeit schon vor über drei Jahren als eine unserer strategischen Stoßrichtungen festgelegt haben. Daher stehen wir mit unserem Angebot an der Spitze der Bewegung. Nehmen Sie Finanzierungen mit ESG-Bezug wie Grüne Schuldscheine und Anleihen. Wir haben schon etliche solcher Finanzierungen für unsere Kunden begleitet. Manche Unternehmen und potenzielle Green-Bond-Emittenten fremdeln noch mit grünen und sustainable Finanzierungsformen. Dabei kommen Green-Finance-Instrumente viel öfter in Frage, als man denkt. Dieser Vorsprung muss jeden Tag neu verteidigt werden. Der Wettbewerb nimmt hier sichtbar zu.

LBBW Hauspost: Welchen Stellenwert hat das Thema Nachhaltigkeit bei den Unternehmen?

Lochner: Aus vielen Kundengesprächen weiß ich, dass Nachhaltigkeit bei den meisten schon lange ein Thema ist. Was teilweise noch fehlt, ist der Brückenschlag von der Nachhaltigkeitspolitik zur Finanzierung. Aber auch da können wir als LBBW sehr gut unterstützen. Wir haben ein Expertenteam für Sustainable Advisory, das Unternehmen bei der Entwicklung nachhaltiger Geschäftsmodelle berät und begleitet und die passenden Finanzierungen anbietet.

Die qualifizierte Beratung durch echte Menschen wird weiterhin der Anker in der Bank-Kunden-Beziehung bleiben, daran ändert auch die Digitalisierung nichts.

Karl Manfred Lochner, Unternehmenskundenchef der LBBW

LBBW Hauspost: Die Pandemie hat auch der ohnehin schon voranschreitenden Digitalisierung einen kräftigen Schub verpasst. Wird Firmenkunden-Banking jetzt auch zum Online-Banking?

Lochner: Das würde ich so nicht unterschreiben. Die qualifizierte Beratung durch echte Menschen wird weiterhin der Anker in der Bank-Kunden-Beziehung bleiben. Daran ändert auch die Digitalisierung nichts. Aber die Nutzung unserer digitalen Kundenlösungen hat sich durch die Kontaktbeschränkungen in enormem Maße erhöht. Wenn ich mir die Entwicklung der Nutzerzahl unseres Corporates-Portals anschaue, die sich seit Anfang des Jahres verfünffacht hat, oder sehe, dass inzwischen fast 15 Prozent unserer Aval-Aufträge online über unsere Aval-App eingereicht werden, dann sind wir am Anfang eines guten Weges und müssen noch mehr Fahrt und Geschwindigkeit aufnehmen.

LBBW Hauspost: Die LBBW hat vor knapp drei Jahren die Branchen Telekommunikation, Medien & IT, Energie & Versorger und Gesundheitswesen zu Wachstumsbranchen erklärt. Zu Recht?

Lochner: Wir haben uns in den genannten Branchen sehr erfolgreich entwickelt. Seit Anfang 2018 konnten wir unser Exposure in diesen Branchen um 26 Prozent deutlich überproportional ausbauen. Das hilft uns in der aktuellen Krise enorm, da glücklicherweise all diese Branchen zu den Krisengewinnern zählen. Und wir werden hierzu künftig stärker differenzieren, welche Geschäftsmodelle über belastbare Transformations- und Digitalisierungsstrategien verfügen, und werden auch weitere Branchen verstärkt ausbauen, beispielsweise Lebensmittelhandel und -produktion.

Die Coronakrise hat gezeigt, dass eine schnelle Anpassung über Sieg oder Niederlage entscheidet.

Karl Manfred Lochner, Unternehmenskundenchef der LBBW

LBBW Hauspost: Die Corona-Infektionszahlen nehmen gerade wieder zu, wagen Sie einen Blick in die Zukunft?

Lochner: Da gibt es weiterhin viele Fragezeichen. Im Firmenkundengeschäft der LBBW konzentrieren wir uns jetzt vor allem auf die mittelfristige Liquiditäts- und Finanzplanung. Für viele Unternehmen geht es darum, ihre Zukunftsfähigkeit zu manifestieren. Denn die Krise hat gezeigt, dass eine schnelle Anpassung an sich verändernde Marktgegebenheiten über Sieg oder Niederlage entscheidet. Für viele Betriebe und Unternehmen entsteht damit ein deutlich gestiegener Investitionsbedarf. Das heißt für uns, dass wir Stabilität nach vorne denken müssen – für unsere Kunden, aber auch für uns selbst. Wir müssen Veränderungen, Transformationen weit vorausdenken und die Weichen schon jetzt so stellen, dass wir auch in Zukunft eine verlässliche Bank bleiben.

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