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Roboter übernehmen immer mehr Aufgaben von Menschen – und kommunizieren miteinander

Wenn Maschinen mit Maschinen sprechen

M2M-Kommunikation beschleunigt Prozesse und steigert die Effizienz. Die Laserexperten bei Trumpf zeigen, wie das in der Praxis funktioniert.

Er schneidet Blech in jede vorstellbare Form, per Laser. Dabei sammelt er pausenlos Daten und gibt sie weiter. Per App signalisiert der weiß-blaue Klotz, wenn er Öl braucht oder neue Laserlinsen. So weit, so Industrie 4.0. Doch der TruLaser Center 7030 geht noch weiter: Er übernimmt Aufgaben, mit denen sich bislang Menschen abplagten. Die mussten Lasermaschinen mit Blech füttern und anschließend die bearbeiteten Teile wegsortieren. Doch der TruLaser Center 7030 belädt sich selbst. Vakuumsauger ziehen die Blechplatten durch, der Laser zischt grün und gelb drüber, Funken sprühen. Was geschnitten wurde, wird anschließend maschinell in Körbe oder auf Paletten sortiert. Ohne Menschen.

Durchlaufzeiten halbieren sich, die Effizienz wird um 30 Prozent gesteigert: Der Hersteller dieser Maschine sitzt im schwäbischen Ditzingen und heißt Trumpf. Das schwäbische Familienunternehmen ist Markt- und Technologieführer bei Werkzeugmaschinen und Lasern für die industrielle Fertigung. „Wir haben in unserer Branche einen Vorsprung vor den Googles dieser Welt“, sagt Chefin Nicola Leibinger-Kammüller. Jetzt gelte es, diesen Vorsprung zu nutzen.

Der Redebedarf von Maschinen

M2M heißt es bei Fachleuten, wenn Maschinen mit Maschinen reden („machine to machine“). Und die reden eine Menge: Bis zum Jahr 2020 werden weltweit rund 50 Milliarden Maschinen und Geräte untereinander vernetzt sein, schätzt der Branchenverband M2M Alliance. Vom Internet of Things, dem Internet der Dinge, sprechen die Experten. „Während sich die Anzahl von Tablets, Smartphones und intelligenten Fernsehern bis zum Jahr 2020 etwa verdoppeln dürfte, werden in dieser Zeit rund siebenmal mehr Maschinenmodule miteinander kommunizieren können als heute“, sagt Analystin Bettina Deuscher vom LBBW Research.

  • Grafik: IoT-Erfolg stellt sich ein

Das zeigt sich auch bei Trumpf. Dort, wo vor wenigen Jahren noch Aufträge per Hand entgegengenommen und verarbeitet wurden, laufen vier vollautomatische Bearbeitungsmaschinen, die zwar von Trumpf-Mitarbeitern überwacht und gewartet werden, letztlich aber von Kunden überall auf der Welt direkt mit Aufträgen beschickt werden. Der Kunde loggt sich ins firmeneigene Bestellportal ein und konfiguriert dort etwa sein benötigtes Stanzwerkzeug. Das Shopsystem entscheidet selbstständig, welche Maschine den Auftrag übernimmt und nach welcher Priorität er abgearbeitet wird.

Die Industrie 4.0 hängt am Breitband

Es geht um riesige Datenmengen, die in Echtzeit verarbeitet werden müssen. Für M2M-Kommunikation sei daher Breitband unverzichtbar, sagt Axel Sikora, Professor für Kommunikationselektronik an der Hochschule Offenburg. Zwar baut Deutschland sein Breitbandnetz nur zögerlich aus, gleichwohl erwarten die Experten des Fraunhofer-Instituts für Offene Kommunikationssysteme bis zum Jahr 2021 einen raschen Zuwachs kommunizierender Maschinen. Weil der mobile Datenverkehr damit explodiert, erwartet die Netzbetreiber ein lukratives Geschäft. „Die Schnittstellen der angeschlossenen Geräte müssen verwaltet werden, die Geräte an Standorte angebunden und ein gesicherter Netzzugang betrieben werden“, sagt LBBW-Digital-Expertin Deuscher. Bis es so weit ist, müssen vor allem Unternehmen im ländlichen Raum wohl noch eine ganze Weile mit schlappen Netzverbindungen zurechtkommen.

Wir haben in unserer Branche einen Vorsprung vor den Googles dieser Welt. Jetzt gilt es, diesen Vorsprung zu nutzen.

Nicola Leibinger-Kammüller, Vorsitzende der Trumpf-Geschäftsführung

Trumpf in Ditzingen hat dieses Problem nicht. Bis 2022 will Chefin Nicola Leibinger-Kammüller alle Trumpf-Standorte digital vernetzt wissen – auch hierin unterstützt von der LBBW. Leibinger-Kammüller lobt ihre Bank als „Partner, der sich neue Entwicklungen hier vor Ort anschaut und einfach zur Stelle ist – in guten wie in schlechten Zeiten.“

Jetzt brechen gute Zeiten an, wenn es nach der Unternehmenschefin geht: die digitale Ära. Es gebe keinen Grund, sich davor zu fürchten, sagt Nicola Leibinger-Kammüller, im Gegenteil. Die deutschen Unternehmen haben die Chance auf ein zweites, auf ein digitales Wirtschaftswunder – „ja, wenn wir schnell genug sind.“

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