E-Auto lädt an Ladestation

Weckruf für die Automotive-Branche

Elektroautos werden noch in diesem Jahrzehnt die Verbrenner von der Straße und viele Zulieferer vom Markt verdrängen. Neue Geschäftsmodelle müssen her.

Schon in zehn Jahren werden nur 40 Prozent der in Europa neu zugelassenen Autos mit Diesel oder Benzin fahren – Hybridfahrzeuge mitgezählt. Das prognostizieren Experten. Diese Entwicklung werde alle Autozulieferer in arge Schwierigkeiten bringen, die zu lange an klassischen Motoren- und Antriebsteilen festgehalten haben, warnt das LBBW Research in der aktuellen Studie „Mobilität der Zukunft: E-Mobilität bringt den Automarkt unter Strom“.

Angesichts der stürmischen Entwicklung bei Elektroautos werden die Benziner oder Diesel schneller als erwartet von der Straße verdrängt, sagen die LBBW-Automobilanalysten Frank Biller und Gerhard Wolf in der Studie voraus: „Für Deutschland und Europa erwarten wir 2030 einen BEV-Anteil an den Neuzulassungen von bis zu 60 Prozent.“ Bereits 2027 oder spätestens 2028 dürften erstmals mehr vollelektrische Autos (Battery Electric Vehicles, BEV) zugelassen werden als PKW mit Verbrennungsmotor.

Gleich ein ganzes Bündel von Faktoren lässt die Elektroquote steigen. Dazu gehört die Regulatorik, die den CO2-Ausstoß weiter deutlich senken soll. Und dazu gehört die viel diskutierte Abgasnorm Euro 7, mittels der die Schadstoffgrenzen weiter reduziert werden sollen. Vor allem verweisen die Analysten auf umfangreiche staatliche Unterstützung durch Kaufanreize und Steuervorteile, die einen Kauf für Verbraucher und Unternehmen gleichermaßen attraktiv machen. Die bekannten und neuen Autobauer böten dabei eine immer größere Modellpalette an. „Allein bei den großen deutschen Anbietern verdoppelt sich 2021 die Anzahl der Modelle, 2025 rechnen wir mit einer nochmaligen Verdreifachung“, sagt Frank Biller.

Hybrid- wird Übergangslösung

Einen besonderen Anteil am Durchbruch der E-Mobilität werden den LBBW-Experten zufolge die batterieelektrisch angetriebenen Fahrzeuge haben. Die Plug-in-Hybrid-Fahrzeuge (PHEV) mit einem klassischen und einem alternativen Antrieb, die in Europa derzeit knapp die Hälfte der Elektrofahrzeuge ausmachen, seien nur eine Übergangslösung. „Sie tragen aktuell deutlich dazu bei, dass die Autohersteller die flottenweiten CO2-Grenzwerte erreichen können. Aber aus Kosten- und Akzeptanzgründen dürften die Zulassungszahlen langfristig deutlich sinken“, erwartet Gerhard Wolf. 2020 war der Absatz der Hybrid-PKW dank üppiger Förderung um fast 430 Prozent gestiegen, während die Zahl der verkauften BEV-Fahrzeuge um gut 170 Prozent in die Höhe schoss. Die Analysten prognostizieren, dass alle Verbrenner sukzessive mindestens mit der sogenannten 48V-Mild-Hybridtechnologie ausgestattet werden. Spätestens darauf sollten sich verbrennerlastige Zulieferer einstellen. Aber diese Hybridisierung dürfe Zulieferer nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Spielraum für eine Neuausrichtung ihrer Unternehmen abläuft.

Zur Studie

Der Handlungsdruck wird mit der steigenden Zulassung von E-Fahrzeugen zunehmen.

Gerhard Wolf, Automotive-Experte bei LBBW Research

Während mancher Verbraucher noch mit alternativen Antrieben fremdelt, haben sich die meisten Automobilhersteller bereits auf den Antriebswandel eingestellt. So wollen beispielsweise Volvo und General Motors im kommenden Jahrzehnt weltweit nur noch E-Autos anbieten. BMW, Daimler und VW kalkulieren für 2030 mit einem Elektroanteil von mehr als der Hälfte ihrer gebauten PKW. Eine Änderung der Förderpolitik oder ein zu langsamer Aufbau der Lade-Infrastruktur könnte den Trend ausbremsen, schränkt Gerhard Wolf ein: „Allerdings zeigt die bisherige Entwicklung, dass sich die Elektrifizierung nicht aufhalten lässt. Im Gegenteil, sie verläuft sogar dynamischer als prognostiziert.“

Zur Studie
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