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LBBW Mittelstandsradar: florierende Firmen und die EU als Sorgenkind

LBBW Mittelstandsradar: florierende Firmen und die EU als Sorgenkind

Dem Mittelstand geht’s gut und er blickt optimistisch nach vorn. Dafür sorgen sich die Unternehmen um die Zukunft der EU, zeigt das LBBW-Mittelstandsradar.

Eine gute bis sehr gute Geschäftslage – das melden knapp drei Viertel der mittelständischen deutschen Unternehmen. Ebenso viele bewerten auch die Aussichten für die kommenden sechs Monate als gut bis sehr gut. Das zeigt das aktuelle Mittelstandsradar von LBBW und dem Tübinger IAW, für den bundesweit Unternehmen mit mindestens 15 Millionen Euro Jahresumsatz und 50 Beschäftigten befragt wurden. Ein Blick in den wirtschaftsstarken Südwesten zeigt, dass die Nachrichten von der Konjunkturabkühlung trotzdem berechtigt sind: In Baden-Württemberg reden noch zwei Drittel der Firmen von einer guten oder sehr guten Geschäftslage – nach 91 Prozent bei der Befragung im Herbst 2018. Das LBBW Research erwartet, dass das Wirtschaftswachstum in Deutschland (2018: 1,5 Prozent) in diesem und im nächsten Jahr auf 1,1 und 0,8 Prozent sinken wird.

  • Einschätzung deutscher Mittelständler der Geschäftslage und der Geschäftsaussichten

An erster Stelle wird in die Digitalisierung investiert

Dank ihrer gesunden Lage wollen knapp drei Viertel der Unternehmen in den kommenden sechs Monaten investieren. Die Hälfte hat dafür selbst genug Geld, die andere benötigt zusätzlich Fremdkapital, meist Bankkredite. In erster Linie soll es mit der Digitalisierung weiter vorangehen. Sie ist schon seit mehreren Ausgaben des Mittelstandsradars die Top-Priorität der Unternehmen. Erweiterungsinvestitionen nehmen die Firmen dagegen nicht mehr so wichtig wie vergangenen Herbst – die Konjunkturabkühlung macht sich bemerkbar. Ende 2018 wollten noch über 40 Prozent der Firmen verstärkt neue Märkte erschließen, jetzt sind es nur noch 14 Prozent. „Das Investitionsverhalten bleibt robust“, sagt LBBW-Chefvolkswirt Uwe Burkert. „Die Unternehmen haben verstanden, dass wichtige Neuerungen wie beispielsweise die Digitalisierung der Wirtschaft kein tagesaktuelles Problem sind. Sie ist vielmehr ein langfristig wirkender Megatrend, auf den es unabhängig von konjunkturellen Aufs und Abs besonnen zu reagieren gilt.“

Unternehmenserfolg hängt meist an EU und Euroraum

Die Daten des Mittelstandsradars untermauern die große Bedeutung der EU und des Euroraums für den wirtschaftlichen Erfolg deutscher Unternehmen. Gut 60 Prozent aller deutschen Warenexporte gehen in die EU. Für rund 90 Prozent der exportierenden Mittelständler ist der Euroraum einer der drei wichtigsten Exportmärkte. Da verwundert es nicht, wenn fast alle Firmen den grenzfreien europäischen Binnenmarkt als einen zentralen Pfeiler ihres unternehmerischen Erfolgs bezeichnen. Sie erkennen darin mindestens einen mäßigen Nutzen für den eigenen Geschäftserfolg. Der Wegfall jeglicher Wechselkursrisiken durch den Euro ist für deutlich mehr als die Hälfte der Unternehmen von großer bis sehr großer Bedeutung.

Die Digitalisierung ist kein tagesaktuelles Problem, sondern ein langfristig wirkender Megatrend

Uwe Burkert, Chefvolkswirt der LBBW

Gerade weil dieser supranationale wirtschaftliche Rahmen für die Firmen so wichtig ist, betrachten sie die weitere Entwicklung der EU mit zunehmender Sorge. „Der Mittelstand setzt auf Europa. Aber Unternehmer machen sich Sorgen um eine der wichtigsten Errungenschaften der Wirtschaftsgeschichte, die Europäische Union“, klagt der für das Unternehmenskundengeschäft verantwortliche LBBW-Vorstand Karl Manfred Lochner. Für drei Viertel ist der Zusammenhalt im Staatenbund, an dem der Brexit und nationalistische Strömungen nagen, die größte Herausforderung der EU. Die Mehrheit wünscht sich, dass nach dem Austritt Großbritanniens der Mitgliederkreis stabil bleibt. Sowohl eine Erweiterung als auch Verkleinerung finden nur wenige Freunde.

Brexit nicht die größte Sorge der Firmen

Für Großbritannien – an sich ein wichtiger Wirtschaftsstandort – haben die ergebnisarmen Brexit-Verhandlungen bisher vor allem einen Imageverlust generiert. Das zeigte schon die Mittelstandsradar-Umfrage im vergangenen Herbst, die aktuelle Ausgabe bestätigt das Bild erneut. Großbritannien hat weiter an Vertrauen eingebüßt und wird mittlerweile bei allen wichtigen Standortfaktoren weltweit am negativsten wahrgenommen. Das Brexit-Chaos wird aber eher als Herausforderung für die EU als für das eigene Geschäft bewertet. Nur eine Minderheit der Firmen erwartet Auswirkungen auf das eigene Geschäft, nur wenige Prozent glauben an große Veränderungen, die zumeist in einem Exportrückgang bestehen dürften. Etwas über zwei Drittel der Firmen erwartet einen Rückgang der Importe aus England.

  • Mittelstand sieht Wirtschaftsstandort Großbritannien mit Sorge

Die USA als weltgrößter Absatzmarkt finden im neuen Mittelstandsradar etwas aus dem Meinungstief heraus. Viele Unternehmen haben ihre Einschätzung des Landes als Absatzmarkt und als Produktionsstandort inzwischen wieder revidiert. „Die Mittelständler urteilen inzwischen wieder differenzierter“, sagt LBBW-Analystin Katja Müller. Noch vor einem halben Jahr hatte die sprunghafte Politik des US-Präsidenten Donald Trump den US-Markt viel Sympathie gekostet. Die politischen Rahmenbedingungen sehen die meisten allerdings weiterhin kritisch.

Lesen Sie die Ergebnisse des LBBW Researchs

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