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LBBW research: Klimawandel kurbelt Nachfrage nach energieeffizienten Lösungen an.

„Klimawandel kurbelt Nachfrage nach energieeffizienten Lösungen an.“

Studie von LBBW Research: Die globale Erwärmung stellt die Welt vor große Herausforderungen – bietet einigen Unternehmen aber auch wirtschaftliche Chancen.

Ist das noch Wetter oder ist das schon Klimawandel? Nach dem heißen Sommer 2018 drängte sich vielen der Eindruck auf: Es wird spürbar ernst mit der globalen Erwärmung. Schätzungen der weltweiten Folgekosten mögen zwar mit hohen Unsicherheiten behaftet sein, weitgehend einig ist man sich aber darin: Sie werden immens. Das LBBW Research hat nun untersucht, wie sich die anbrechende „Heißzeit“ speziell auf die deutsche Volkswirtschaft auswirkt.

Ergebnis: Im globalen Vergleich könnte Deutschland relativ glimpflich davonkommen. Bei einer Auswertung von sechs relevanten Studien kamen die Analysten zu dem Schluss, dass die Kosten des Klimawandels das BIP um durchschnittlich 0,3 Prozent drücken könnten – also weniger die Hälfte der Belastung, die beispielsweise für die spanische Wirtschaft erwartet wird. „Allerdings unterschätzen die Studien die negativen Effekte des Klimawandels aufgrund der globalen Vernetztheit und Nichtlinearität der Effekte“, warnen die beiden Autoren Dr. Guido Zimmermann und Jan Ulex in der Analyse „Kosten des Klimawandels" .

Klimawandel birgt unterschiedliche Risiken für Branchen

Unabhängig davon steht jedoch fest: Industrien, die viel Energie benötigen, hohe CO2-Emissionen verursachen oder mit fossilen Ressourcen arbeiten – also etwa die Metall-, die Baustoff- und die Papierbranche –, werden zu den Verlierern zählen, sagt LBBW-Analyst Zimmermann voraus. Auch der Wintertourismus werde leiden. Profitieren hingegen können Maschinenbau, die Elektrotechnik und die Pharmabranche. „Der Bedarf an energieeffizienten technischen Lösungen wird weiter wachsen“, schreiben die Autoren. „Das kurbelt die Nachfrage für diese Branchen an.“ Auch die Bauindustrie darf hoffen, ebenso der Sommertourismus.

Der Bedarf an energieeffizienten technischen Lösungen wird wachsen.

Dr. Guido Zimmermann und Jan Ulex, LBBW Research

Die potenziellen Konsequenzen für die Land- und Forstwirtschaft sind am schwierigsten zu prognostizieren. Schäden durch Trockenheit und Unwetter stehen entlastende Aspekte durch den Anstieg der Temperatur und der CO2-Konzentration gegenüber. Überdies fallen die Auswirkungen regional sehr unterschiedlich aus.

Eine besondere Gefahr für die Wirtschaft: Stromausfälle

Die beiden Analysten setzen darauf, dass der Klimawandel die Gesetzgeber anregt, die Energie- und Verkehrswende forciert voranzutreiben. Es biete sich die Möglichkeit, klimafreundliche Energieträger erfolgreich am Markt zu platzieren. Wie glimpflich Deutschland am Ende davonkommt, hängt aber unter anderem auch davon ab, ob Unternehmen und Haushalte sicher mit Strom versorgt werden. Das Risiko für Stromausfälle steige, konstatieren Zimmermann und Ulex. „Starke Niederschläge können Umspannanlagen überfluten, wärmere Flüsse nicht mehr zur Kühlung der Kraftwerke genutzt werden, schließlich können Stürme Strommasten beschädigen.“ Wie abhängig das Land ist, zeigt bereits ein Detail: Würde deutschlandweit nur eine einzige Stunde der Strom komplett ausfallen, betrüge der Schaden für die deutsche Wirtschaft – je nach Rechenansatz – zwischen 0,6 und 1,3 Milliarden Euro. Und was das Stromnetz bedroht, gefährdet auch Straßen und Bahngleise. Zu Schäden an Oberleitungen, Brücken und am Gleisbett kommt die Gefahr, dass sich Schienen bei Hitze verformen und Züge entgleisen.

Anderswo ist der Klimawandel bedrohlicher

Das klingt bedrohlich, die wahren Problemfelder liegen aber andernorts, warnen die LBBW-Analysten. Da andere Regionen der Welt deutlicher unter steigenden Temperaturen leiden, werde sich die Zahl der Menschen erhöhen, die ihre Heimat auf der Suche nach einer besseren Zukunft verlassen. Die Internationale Organisation für Migration rechnet mit 200 Millionen Umweltflüchtlingen bis Mitte des Jahrhunderts.

Zugleich dürfte auch in Deutschland die Lebensqualität sinken. Höhere Temperaturen und Hitzewellen sorgen für einen Anstieg der Sterberate durch Herz- und Kreislaufversagen, Atemwegsprobleme und Hitzeschläge, warnen die LBBW-Analysten. Der WWF Deutschland rechnet damit, dass sich die Zahl der hitzebedingten Todesopfer im Lauf dieses Jahrhunderts fast vervierfachen wird.

So seriös die Zahlen auch hergeleitet werden, letztlich können sie nur einen Fingerzeig geben. Wer die Kosten quantifizieren will, muss viele Faktoren einberechnen, die nicht zweifelsfrei zu beziffern sind, und außerdem „auf die entscheidende Rolle der Rückkopplungseffekte“ achten, schränken die Autoren ein. Denn in einer globalen Wirtschaft wirken sich die Folgen des Klimawandels in anderen Staaten und Kontinenten als indirekte Kosten auch auf Deutschland aus – zumeist negativ, manchmal aber eben auch positiv.