LBBW
LBBW Mittelstandsradar: Die LBBW hat den Mittelstand zur aktuellen Lage befragt

Der Fachkräftemangel gefährdet die Zukunft

LBBW-Mittelstandsradar: Drei Viertel aller Firmen wollen in ihre Digitalisierung investieren, doch fehlen ihnen die passenden Mitarbeiter. Nicht nur hierfür.

Roboter nehmen den Menschen so manche Arbeit ab. Wenn nicht morgen, dann übermorgen. Wann immer der Tag kommen mag, nach Ansicht vieler Unternehmer kommen die Roboter zu spät. Sie brauchen Arbeitskräfte jetzt, und zwar dringend.

Es fehlen menschliche Fachkräfte, und zwar schmerzlich. Fast 90 Prozent der deutschen Mittelständler klagen über Fachkräftemangel, bei 72 Prozent von ihnen bremst er die Geschäftsentwicklung aus. Das berichtet der neue Mittelstandsradar von LBBW Research. Die Unternehmen wollen die günstige Konjunktur noch besser nutzen und investieren, aber sie können nicht – mangels Mitarbeitern.

  • Umfrage Fachkräftemangel

Genauer gesagt: mangels qualifizierter Mitarbeiter. Wer Unternehmer fragt, warum es bei ihnen an Fachkräften mangelt, bekommt oft die Antwort: Selbst wenn es Bewerber gibt, seien die selten ausreichend ausgebildet. Und was an qualifizierten Bewerbungen reinkommt, das reiche nicht aus.

Und es gibt eben zu wenig Kandidaten. Bei Facharbeitern sehen zwei Drittel der Unternehmen einen eklatanten Mangel, bei Hochschulabsolventen sind es gut die Hälfte. Wer frisch von der Hochschule kommt, kann sich seinen Arbeitgeber aussuchen – und schaut neben der Attraktivität der Aufgaben auch nach Wohnort und Gehalt. Begrenzte Vergütungsmöglichkeiten oder einen unattraktiven Standort nennen mehr als ein Viertel der Unternehmer als Gründe, warum dringend benötigte Hochschulabsolventen nicht bei ihnen anheuern.

  • Umfrage über Gründe für Fachkräftemangel

Weiche Faktoren sind wichtiger als hohe Gehälter

Einfach mehr Lohn zu zahlen ist auch keine Lösung, davon sind die Firmenchefs überzeugt. Um Fachkräfte anzuziehen, werben sie lieber mit konventionellen Methoden wie Werbung in Online-, Print- oder sozialen Medien. Oder sie setzen darauf, dass ihr Unternehmen durch die eigenen Mitarbeiter weiterempfohlen wird. Auch setzen die Mittelständler auf weiche Faktoren wie flexible Arbeitszeitmodelle oder sie unterstützen die Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Die Umsetzung der Digitalisierung als wichtigstes Investitionsthema erfordert entsprechend qualifiziertes Personal. Hier wird der Fachkräftemangel zur Fortschrittsbremse.

Dr. Katja Müller, Senior Analystin LBBW Research

Allerdings bleibt der Erfolg des Werbetrommelns überschaubar mangels Fachkräften. Dieser Mangel unterminiert nicht nur die Gegenwart, sondern auch die Zukunft des Mittelstands. Es fehlen vor allem die jungen, zukunftszugewandten Mitarbeiter, mit denen die Firmen die eigene Digitalisierung vorantreiben oder zumindest Schritt halten können mit der Digitalisierung der Märkte und Branchen. Ansonsten humpeln sie fußlahm hinterher.

Mittelstand bleibt bei der Digitalisierung hinter dem eigenen Anspruch zurück

Im Lagebarometer des Mittelstandsradars ordnen Mittelständler ihren aktuellen Stand bei der Digitalisierung im Vergleich zur Branche auf einer Skala von 1 = „voll entwickelt“ bis 6 = „überhaupt nicht entwickelt“ ein. Der Durchschnittswert liegt knapp unter drei. „Die Unternehmer sehen sich selbst im soliden Mittelfeld, was sicherlich nicht dem sonstigen Anspruch des Mittelstands entspricht“, sagt Dr. Katja Müller, Senior- Analystin bei LBBW Research. Darauf weist auch das Zukunftsbarometer Digitalisierung von LBBW Research hin: Drei Viertel der Mittelständler planen Investitionen in IT-Prozesse, damit liegt die Digitalisierung in der Prioritätenliste klar an erster Stelle. „Die Umsetzung erfordert entsprechend qualifiziertes Personal“, sagt LBBW-Analystin Müller. „Hier wird der Fachkräftemangel zur Fortschrittsbremse.“

  • Umfrage zu Digitalisierungsstand

Je spezialisierter IT-Fachkräfte, desto begehrter

Noch sieht es nicht so aus. Die mangelnde IT-Kompetenz der Bewerber kritisieren nur 12 Prozent der befragten Unternehmer. „Das Problem scheint somit nicht unbedingt in der Qualifikation der vorhandenen Arbeitskräfte zu liegen, sondern eher in der Anzahl der

zur Verfügung stehenden Fachleute“, sagt Müller. Statistiken der Bundesagentur für Arbeit bestätigen, dass gerade bei hochqualifizierten IT-Fachleuten spürbare Engpässe bestehen. Die durchschnittliche Vakanzzeit, bis eine ausgeschriebene Stelle wieder besetzt wird, steigt seit acht Jahren an und liegt derzeit bei 107 Tagen.

Es wäre durchaus hilfreich, wenn da Roboter einspringen könnten. Leider fehlen aber genau die Experten, die das Know-how mitbrächten, sie zu bauen.

Erfahren Sie mehr!

Die aufbereiteten Befragungsergebnisse des LBBW Mittelstandsradars können Sie hier kostenlos als PDF herunterladen. Umfassende Informationen über das Leistungsspektrum der LBBW für Unternehmenskunden, Privatkunden, Sparkassen und institutionelle Kunden erhalten Sie hier . Haben Sie Fragen zur Studie, können Sie sich auch an die Autorin wenden:

Dr. Katja Müller
Senior Analystin
Telefon + 49 (0) 711/127–-42106
katja.mueller@LBBW.de

Ergebnisse der bundesweiten Unternehmensumfrage „Mittelstandsradar“