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LBBW Mittelstandsradar: Die LBBW hat den Mittelstand zur aktuellen Lage befragt

Märkte verstehen

LBBW Mittelstandsradar: Time to say goodbye, UK und USA?

Der deutsche Mittelstand brummt. Brexit und Trump können die Stimmung nicht trüben, aber der UK- und US-Markt werden negativer gesehen.

Der deutschen Wirtschaft geht es blendend. Der neue LBBW Mittelstandsradar zeigt: Anhaltendes Wirtschaftswachstum in der Eurozone und ein stabiles Exportgeschäft lassen die Kassen klingeln und die Unternehmen äußerst positiv in die Zukunft blicken. Weder Brexit noch Donald Trump können die Stimmung trüben.

Was ist der LBBW Mittelstandsradar?

Der LBBW Mittelstandsradar fühlt dem deutschen Mittelstand den Puls. In einer Zusammenarbeit von LBBW Research und dem Tübinger Institut für Angewandte Wirtschaftsforschung (IAW) werden vorwiegend CEOs, Eigentümer und Finanzvorstände mittelständischer Unternehmen befragt: Wie blicken sie auf die Konjunktur und ihre Wirtschaftspartner? Vor welchen Problemen und Herausforderungen stehen sie? Und wie schätzen sie die wirtschaftliche Zukunft ein?

Nach Brexit und Trump: Altbewährte Partner werden negativer gesehen

Im Auslandsgeschäft verschiebt sich dagegen etwas Grundlegendes. Jahrzehntelang verlässliche Wirtschaftspartner sinken bei den deutschen Mittelständlern in der Gunst. Vor allem der Brexit bleibt nicht ohne Folgen. Ob bei der Bewertung als Absatzmarkt und Produktionsstandort oder bei der Einschätzung der wirtschaftlichen Entwicklung und der politischen Rahmenbedingungen: Kein anderer Standort erzielt so schlechte Werte wie das Vereinigte Königreich. Es liegt damit noch hinter Nahost und Nordafrika.

Und auch die USA unter Donald Trump müssen Federn lassen. Verheerend ist insbesondere die Bewertung der politischen Rahmenbedingungen: Mehr als die Hälfte der befragten Mittelständler sieht diese negativ. Schlechter kommt nur noch das Vereinigte Königreich weg. Selbst China erzielt bessere Werte. Die Volksrepublik ist damit der lachende Dritte. Als Absatzmarkt und Produktionsstandort platzieren die Unternehmen das Land gleich hinter Deutschland und Europa.

  • Der Brexit könnte zum „Mittelstandsexit“ werden

    Der Brexit könnte zum „Mittelstandsexit“ werden

    Ob Absatzmarkt oder Produktionsstandort: Das Vereinigte Königreich bekommt vom deutschen Mittelstand die mit Abstand schlechtesten Bewertungen. China reiht sich hinter Deutschland und Europa ein. Dargestellt: Durchschnitt aus den möglichen Antworten 1 = positiv, 0 = neutral und –1 = negativ

  • China wird besser beurteilt als die USA

    China wird besser beurteilt als die USA

    Auch hier führt das Vereinigte Königreich die Tabelle von hinten an. Besonders negativ bewertet werden die politischen Rahmenbedingungen in den USA. Damit landet die USA hinter China. Dargestellt: Durchschnitt aus den möglichen Antworten 1 = positiv, 0 = neutral und –1 = negativ

  • Exportmarkt Nummer eins: die Eurozone

    Exportmarkt Nummer eins: die Eurozone

    Die Eurozone bildet mit 90 Prozent den mit Abstand wichtigsten Exportmarkt für den deutschen Mittelstand. Gleich dahinter reiht sich China ein, noch vor dem restlichen Europa, dem Vereinigten Königreich und den USA.

Das gute Finanzierungsumfeld stärkt das mittelständische Geschäft

Dabei sind die Unternehmen derzeit erfolgsverwöhnt: Im LBBW Mittelstandsradar beurteilen fast 90 Prozent sowohl ihre Geschäftslage als auch ihre Geschäftsaussichten als gut bis sehr gut. Vor allem der Export, der zur DNA des deutschen Mittelstands gehört, sorgt für Optimismus. Allein im letzten Halbjahr wuchs das Exportgeschäft bei 30 Prozent der Befragten. Und auch für die kommenden sechs Monate rechnet ein Viertel der Unternehmen damit, dass der Außenhandel weiter zulegen wird. Mehr noch: Das Exportgeschäft soll sogar ausgebaut werden.

Einen nicht unwesentlichen Anteil an der guten Stimmung hat der Finanzplatz Deutschland: 55 Prozent der Mittelständler bewerten das Finanzierungsumfeld positiv für die eigene Geschäftsentwicklung. Über 80 Prozent empfinden die derzeitigen Finanzierungsbedingungen als gut bis sehr gut. Besonders hohe Werte erzielt der klassische Bankkredit. Die überwältigende Mehrheit der Unternehmen (94 Prozent), die im kommenden Halbjahr Fremdkapital brauchen, will auf dieses Finanzierungsinstrument setzen. Ein großer Vertrauensbeweis für die Banken.

Das größte Problem des Mittelstands: Wachstum ohne Fachkräfte

Doch nicht alles ist Gold beim deutschen Mittelstand, denn es gibt auch echte Wachstumsbremsen. So sind 7 von 10 Unternehmen der Meinung, dass sich insbesondere die hohen Arbeitskosten negativ auf das Geschäft auswirken. Noch stärker schlägt der Fachkräftemangel zu Buche: 80 Prozent bewerten ihn als geschäftsschädigend. Ganz oben auf der Prioritätenliste der Mittelständler für das kommende halbe Jahr steht deshalb die Verbesserung der Kostenstruktur. Gleichzeitig lassen sich die Unternehmen ihren Optimismus nicht nehmen: Zu ihren Prioritäten gehört es auch, Kapazitäten im Inland aufzubauen und in neue Märkte zu expandieren. Das Problem der fehlenden Fachkräfte dürfte sich dadurch aber noch verschärfen – und zu einem echten Bremsklotz für das Wachstum werden.

Zukunftsthema Nummer eins: Investitionen in Digitalisierung

Einen Lichtblick gibt es jedoch: Der digitale Fortschritt könnte für viele Unternehmen einen Ausweg aus der Kostenfalle bedeuten. Die Mehrheit des Mittelstands ist in Sachen Digitalisierung bereits auf einem guten Weg. Auf einer Skala von 1 („voll entwickelt“) bis 6 („überhaupt nicht entwickelt“) verorten sich die Befragten bei 2,8. Das ist nicht Weltspitze, aber eine gute Ausgangsbasis. Klar für die Unternehmen ist: Die Digitalisierung ist das zentrale Zukunftsthema. Hier sehen sie daher auch den größten Investitionsbedarf. Investitionen in IT-Infrastruktur und Digitalisierung stehen ganz oben auf der Liste der zukünftigen Investitionsschwerpunkte.

  • Top-Prioritäten im deutschen Mittelstand

    Top-Prioritäten im deutschen Mittelstand

    Für fast 70 Prozent der Befragten hat die Verbesserung der Kostenstruktur die größte Dringlichkeit. Die Unternehmen bleiben jedoch optimistisch und setzen Kapazitätsaufbau und Expansionspläne auf die folgenden Plätze.

  • Lagebarometer Digitalisierung

    Lagebarometer Digitalisierung

    Mit einem Wert von 2,8 ist der Mittelstand in Sachen Digitalisierung gut aufgestellt – mit Luft nach oben.

  • Die Zukunft ist digital – investiert wird digital

    Die Zukunft ist digital – investiert wird digital

    Bei den künftigen Investitionsschwerpunkten sind dem deutschen Mittelstand Investitionen in IT-Infrastruktur (Soft- und Hardware) und Digitalisierung am wichtigsten.

Erfahren Sie mehr!

Die aufbereiteten Befragungsergebnisse des LBBW Mittelstandsradars können Sie hier kostenlos als PDF herunterladen. Umfassende Informationen über das Leistungsspektrum der LBBW für Unternehmenskunden, Privatkunden, Sparkassen und institutionelle Kunden erhalten Sie hier. Haben Sie Fragen zur Studie, können Sie sich auch an die Autorin wenden:

Dr. Katja Müller
Senior Analystin
Telefon + 49 (0) 711/127–-42106
katja.mueller@LBBW.de

Ergebnisse der bundesweiten Unternehmensumfrage „Mittelstandsradar“