Konjunkturrisiken dominieren

Für den deutschen Mittelstand verschärft sich die Lage. Neben steigenden Kosten belastet vor allem das Finanzierungsumfeld.

Mittelstandsampel Rot

Die LBBW Mittelstandsampel ist im Juli um 3 Punkte auf 34 Zähler gestiegen. Diese leichte Verbesserung kann nicht verbergen, dass sich das Umfeld zum Beginn des dritten Quartals deutlich verschattet hat. Neben den hohen Preisen für Energierohstoffe belasten auch die gestiegenen Arbeitskosten. Die exportorientierte Nachfrage bleibt noch vergleichsweise robust, jedoch ist das Verbrauchervertrauen im Keller und die Konsumfreude so gut wie gelähmt.

Zögerliche Verbraucher — und jetzt noch der Ukraine-Krieg

Die LBBW Mittelstandsampel bis April 2022

Quelle: LBBW

An den Rohstoffmärkten sind die explosiven Preisausschläge zu Beginn des Ukraine-Kriegs inzwischen in eine Phase rückläufiger Preise bei Industriemetallen übergegangen. Gleichwohl verharren die Preise für Energierohstoffe vor dem Hintergrund der Gaslieferkrise auf einem hohen Niveau. Neben diesen vorherrschenden Belastungsfaktoren steigen auch die Arbeitskosten weiter. Die Lohnstückkosten verzeichneten schon im Mai gegenüber dem Vorjahresmonat ein Plus von fast 9 Prozent.

Die Nachfrage nach den Produkten und Dienstleistungen des deutschen Mittelstands ist zur Jahresmitte relativ robust. Der globale Warenhandel ist im Mai um 2,5 Prozent gegenüber dem Vormonat und um 5,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat gestiegen. Von der Belebung des Welthandels dürften vor allem deutsche und europäische Maschinenbauer profitieren. Jedoch darf nicht außer Acht gelassen werden, dass die Verunsicherung deutscher Firmen über die Konjunkturentwicklung so groß ist wie lange nicht mehr. Der Ifo-Geschäftsklimaindex fiel von revidiert 92,2 Punkten im Juni auf 88,6 Zähler im Juli. Darüber hinaus fällt das OECD-Konsumentenvertrauen seit September 2021 und leistet seit vier Monaten keinen Beitrag zur Stützung der Nachfrage.

Mittelstand hadert mit Finanzierungsbedingungen.

Die Finanzierungsbedingungen für die kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) bleiben dabei tendenziell ungünstig. Besonders die Rendite für 10-jährige Bundesstaatsanleihen, die Indikator für viele Kreditvereinbarungen ist, schlägt negativ zu Buche. Nach einem rapiden Anstieg bis knapp 2 Prozent notiert die Rendite derweil um die Marke von 1 Prozent. Hinzu kommt die Absicht vieler Banken, ihre Kreditrichtlinien für kleine und mittlere Unternehmen im dritten Quartal weiter zu verschärfen.

Das LBBW Research veröffentlicht jeden Monat die LBBW Mittelstandsampel. Das Marktbarometer vermittelt ein aktuelles Bild der Rahmenbedingungen für den deutschen Mittelstand. Details zur Berechnung erfahren Sie hier . Die Langfassung der Mittelstandsampel erhalten LBBW-Kunden bei ihrem Berater.