Mittelstandsampel Gelb

Was, wenn Rohstoffe und Energie noch teurer werden?

Beim deutschen Mittelstand fallen die Aussichten ebenso wie die Konsumfreude der Verbraucher. Was hingegen noch steigt, sind die Rohstoff- und Stromrechnungen.

Für die deutschen Unternehmen hat sich das Umfeld zum Beginn des zweiten Quartals deutlich verschlechtert. Die LBBW Mittelstandsampel sank gleich um 4 Punkte auf 37 Zähler. Dabei belasten neben den hohen Energie- und Rohstoffpreisen auch die gestiegenen Arbeitskosten. Gleichfalls zog die Inflationsrate und mit ihr die Bund-Rendite an. Die Nachfrage bleibt noch vergleichsweise robust, jedoch bröckelt bereits das Verbrauchervertrauen, das regelmäßig einen Ausblick auf die Entwicklung der Konsumfreude liefert.

Zögerliche Verbraucher — und jetzt noch der Ukraine-Krieg

Die LBBW Mittelstandsampel bis April 2022

Quelle: LBBW

An den Rohstoffmärkten sind die erratischen Ausschläge in der Anfangsphase des Ukraine-Kriegs inzwischen einer Konsolidierungsphase auf hohem Niveau gewichen. Die Gefahr neuer Preisturbulenzen im Falle eines Öl- oder Gas-Embargos schwebt bereits seit geraumer Zeit über dem Markt. Der Bloomberg Commodity Index überschritt das bisherige Allzeithoch weiter, das er im März erreicht hatte. Neben diesen vorherrschenden Belastungsfaktoren steigen auch die Arbeitskosten weiter. Diese verzeichneten im Februar gegenüber dem Vorjahresmonat ein Plus von fast 9 Prozent.

Die Nachfrage nach den Produkten und Dienstleistungen des deutschen Mittelstands ist zum Jahresauftakt robust. Im Februar, als der russische Angriff auf die Ukraine erfolgte, stiegen die Exporte noch unerwartet stark. Sie wuchsen binnen Jahresfrist um gut 14 Prozent auf 124,7 Milliarden Euro. Für die deutsche Wirtschaft lief es damit bis zum Ausbruch des Krieges gut. Doch in Anbetracht der laufenden Sanktionen sind zurückliegende Ausfuhrdaten nur von geringem Aussagewert. Vielmehr belastet derzeit der seit September 2021 anhaltende Rückgang des Verbrauchervertrauens die Nachfrage bei Industrie und Handel.

Die Finanzierungsbedingungen für die kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) bleiben dabei tendenziell ungünstig. Besonders die Rendite für 10-jährige Bundesstaatsanleihen, die Indikator für viele Kreditgeschäfte ist, schlägt hier negativ zu Buche. Vor dem Hintergrund der Inflations- und Zinserhöhungsängste nähert sich die Rendite der Marke von einem Prozent. Hinzu kommt die Absicht vieler Banken, ihre Kreditrichtlinien für kleine und mittlere Unternehmen im zweiten Quartal weiter zu verschärfen.

Das LBBW Research veröffentlicht jeden Monat die LBBW Mittelstandsampel. Das Marktbarometer vermittelt ein aktuelles Bild der Rahmenbedingungen für den deutschen Mittelstand. Details zur Berechnung erfahren Sie hier . Die Langfassung der Mittelstandsampel erhalten LBBW-Kunden bei ihrem Berater.