Vogelperspektive auf chinesischen Containerhafen

Keine Angst vor China

Die Wachstumsprognosen gehen für die neue Wirtschaftsallianz in Asien durch die Decke. LBBW Asien-Experte Jens Rübbert sieht „enorme Geschäftspotenziale“.

Die vor wenigen Wochen ins Leben gerufene asiatische Freihandelszone RCEP – Regional Comprehensive Economic Partnership –, in der immerhin rund 30 Prozent der Weltbevölkerung leben und die jetzt zur größten zollfreien Union der Welt wurde, „ist keine Bedrohung für die westliche Welt“, sagt Jens Rübbert. Der Chef der Asiengeschäfte der LBBW mit Sitz in Singapur hat selbst fünf Jahre in China gelebt und begleitet vor allem deutsche Unternehmen bei ihren Asiengeschäften – von der Beratung über die Finanzierung bis hin zu Exportbürgschaften. „Ich sehe das als eindeutig positives Signal auf dem Weg zu einem wirklich freien und fairen Welthandel“, kommentiert Rübbert.

Um gleich noch mit einem weiteren oft zitierten Vorurteil aufzuräumen: „Das ist auch keine chinesische Erfindung.“ Vielmehr sei das Reich der Mitte von seinen 14 Anrainerstaaten – namentlich unter anderem Korea, Neuseeland und Australien – mehr oder weniger zum Beitritt aufgefordert worden. „Keine Angst vor China also ist die Losung“, so Jens Rübbert weiter. Die Scheu vor dem Fremden sei vor allem bei mittelständischen Unternehmen immer noch vorhanden. Deshalb würde das enorme Geschäftspotenzial nicht gehoben. Derzeit produzieren rund 5.000 deutsche Unternehmen in China. Allen voran die deutsche Autoindustrie: Jedes dritte von deutschen Herstellern produzierte Auto findet in China einen Käufer.

Jens Rübbert, LBBW Standort Singapur

Wir reden von einer der nachfragestärksten Wachstumszonen auf der Welt.

Jens Rübbert

Die neue Freihandelszone biete deutschen Unternehmen vor allem Chancen. Der geplante schrittweise Abbau von Handelshemmnissen innerhalb von RCEP würde die Produktion vor Ort deutlich attraktiver werden lassen. „Wenn Zölle und Einfuhrbeschränkungen zwischen den Staaten fallen, wird sich der Warenverkehr deutlich beschleunigen. Und da reden wir von einer der nachfragestärksten Wachstumszonen auf der Welt“, prognostiziert Rübbert. Internationale Handelsorganisationen erwarten mit dem wirtschaftlichen Schulterschluss einen jährlichen Wohlfahrtsgewinn von rund 200 Milliarden Dollar in der Region. Hauptprofiteur ist China. Fast jeder zweite Zusatzdollar fließt in die Taschen der Chinesen. Der Handel insgesamt profitiert auch: Auf bis zu zwölf Billionen Dollar jährlich wird das Handelsvolumen der RCEP-Staaten prognostiziert.

Zwar seien zunächst einmal nur graduelle Veränderungen geplant, aber das werde in den kommenden Jahren erheblich an Dynamik gewinnen. „Der Zeitpunkt für ein Investment in die Produktion in Asien“, so Rübbert weiter, „war angesichts des enormen Potenzials und des jetzt beschlossenen Abbaus von Handelsrestriktionen nie besser“, kommentiert Jens Rübbert.

Der Zeitpunkt für ein Investment in die Produktion in Asien war nie besser.

Jens Rübbert

Die 15 Staaten umfassende Handelszone trage immerhin jeden dritten Dollar des Weltsozialprodukts bei – steht also für ein Drittel der Weltwirtschaftsleistung. Tendenz zunehmend. Nach wie vor ist das Wachstum der chinesischen Wirtschaft geradezu ein Konjunkturmotor für die gesamte Welt. Mit dem jetzt beschlossenen Abkommen von Korea bis Neuseeland dürften weitere Wachstumsimpulse generiert werden und für die Weltwirtschaft insgesamt positive Effekte bringen.

Die Sorge von einem ökonomischen Hegemonialstreben der Chinesen teilt Rübbert indes nicht. „Wir sollten aus dem Schwarz-Weiß-Denken ausbrechen und mehr die Chancen denn die Risiken auch für deutsche Unternehmen im boomenden Asiengeschäft sehen“, sagt Jens Rübbert. Der klassische Spruch „Wandel durch Handel“ sei nach wie vor richtig. Und je mehr deutsche Unternehmen in Asien ihren Geschäften nachgehen würden, desto mehr Wissenstransfer würde damit einhergehen. Aus seinen vielen Jahren in Asien weiß Rübbert: „Die Chinesen wissen viel mehr über Europa und Deutschland als wir über Tradition und Geschichte in Asien.“ Das müssten wir ändern.

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