Geschäftsfrau, die aus dem Fenster schaut

Kapitalmarktausblick 2021: im Zeitalter der Real Assets

Nach dem Corona-Schock geht es mit der Wirtschaft 2021 wieder kräftig aufwärts. An den Kapitalmärkten setzt zugleich ein wichtiger Paradigmenwechsel ein.

Das Corona-Virus brauchte im Frühling 2020 nur wenige Wochen, um für die schwerste Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg zu sorgen. 2021 wird das Jahr der Gegenbewegung. „Die Konjunktur ist manchmal wie ein Gummiball: Je tiefer er fällt, desto stärker geht es für ihn auch wieder nach oben“, erklärt LBBW Chefvolkswirt Uwe Burkert. „Für das kommende Jahr erwarten wir einen kräftigen Rebound. Denn die Menschheit hat inzwischen gelernt, mit der Pandemie umzugehen. Zudem ist die Entwicklung von Corona-Impfstoffen weit gediehen.“

Uwe Burkert, Chefvolkswirt der LBBW

Das vor uns liegende Jahr wird uns eine Rückkehr zu Wachstum und Prosperität bringen.

Uwe Burkert, LBBW-Chefvolkswirt

Weltwirtschaft vor starkem Aufschwung

Die Verfügbarkeit wirksamer Impfstoffe wird ein entscheidender Schritt zurück zur Normalität sein, doch der Weg ist nach Ansicht des LBBW Research noch weit. Die Weltproduktion wird wohl erst in der zweiten Hälfte des neuen Jahres, in Europa vermutlich sogar erst 2022 das Vor-Corona-Niveau wieder erreichen.

Gesamtwirtschaftliche Leistung (PIB) bzw. Produktion

Veränderung 2021 gegenüber dem Jahr zuvor

Quelle: LBBW

Die Folgen der Corona-Pandemie werden noch Jahre zu spüren sein, zum Beispiel in der Geldpolitik der Notenbanken. Selbst bei einer sehr guten Konjunkturerholung werde sich vorerst nichts daran ändern, dass die führenden Notenbanken zu einer extrem expansiven Geldpolitik gezwungen sind, sagen die LBBW-Analysten. Die neue geldpolitische Strategie, die die Europäische Zentralbank vorstellen will, könnte die Hürden für eine Abkehr von der Negativzinspolitik sogar zusätzlich erhöhen. Zwar erwarten die Ökonomen keine weiteren Leitzinssenkungen, „es ist aber zu erwarten, dass die Euro-Währungshüter ihr milliardenschweres Anleihekaufprogramm nochmals aufstocken und bis mindestens Ende 2021 verlängern“. Vor der ersten Leitzinsanhebung steht dann eine längere Phase umfangreicher Kommunikationsmaßnahmen, damit die Märkte genügend Zeit bekommen, diese neue „Forward Guidance“ zu verdauen.

Nur Real Assets versprechen noch Rendite

In diesem Negativzinsumfeld werden sich verzinste Anlagen so schnell nicht wieder lohnen. Die für Investoren alternativlose Situation hat sogar inzwischen einen eigenen Namen: TINA –für There Is No Alternative. Rendite suchende Anleger müssen ihre Einstellung zu beinahe jeder Assetklasse überdenken. Denn vor schwindenden Zinsen und Kapitalverlust schützen nur noch Realwerte, sogenannte Real Assets. Das LBBW Research meint damit Investitionen in real existierende Sachwerte wie Unternehmen, Immobilien oder Rohstoffe wie Gold.

Nominalwerte und Realwerte

Jedes Vermögen lässt sich in Nominal- und Realwerte trennen. Nominalwerte haben einen konstanten und unveränderlichen Wert.

Nominalwerte sind beispielsweise:

  • Bargeld
  • Bankguthaben
  • Anleihen/Obligationen

Realwerte hingegen werden zum Kauf- oder Verkaufszeitpunkt bewertet, ihr Preis verändert sich im Zeitverlauf.

Realwerte sind beispielsweise:

  • Unternehmensanteile (Aktien)
  • Immobilien
  • Gold

Um das kurz zu erklären: Der Nominalwert eines 10-Euro-Scheins bleibt immer 10 Euro. Allerdings sinkt seine Kaufkraft aufgrund von Preissteigerungen. Deshalb bekommt man heute für 10 Euro weniger von einem Realwert, etwa einem Päckchen Schrauben, als im Jahr 2010. Umgekehrt würde man für damals gekaufte Schrauben heute auch nicht mehr den Einstandspreis bekommen, weil sie unbenutzt angelaufen oder gerostet sind. Der Geldschein hingegen wäre unverändert 10 Euro wert.

Entwicklung diverser Anlageklassen zum Jahresende 2021

An Aktien führt daher nach Ansicht der Analysten kein Weg vorbei. Weil das im Vergleich zu Staats- und Unternehmensanleihen höhere Anlagerisiko derzeit weit überdurchschnittlich vergütet wird, gelten sie als attraktiver.

Trotz hoher Bewertungen am Aktienmarkt sehen wir für 2021 weiteres Potenzial.

Uwe Burkert, LBBW-Chefvolkswirt

Beton und Gold punkten

Als weiteres Realwert-„Asset“ erfreuen sich Immobilien großer Nachfrage. Regelmäßige Mieteinnahmen ähneln einer Kuponzahlung einer langlaufenden Anleihe. In den kommenden Jahren dürften insbesondere Wohnimmobilien weiter steigende Preise erzielen, weil aufgrund des starken Rückgangs der Anleiherenditen in den zurückliegenden Jahren die Anleger zunehmend auf den Immobilienmarkt ausweichen. Dies ist freilich nur solchen Anlegern möglich, die langfristig planen und mit der geringen Liquidität von Immobilien leben können.

Glänzende Aussichten bescheinigen die Analysten auch dem Gold. Barren und Münzen werfen zwar keine laufenden Erträge ab. Jedoch haben sich mit dem vorherrschenden Niedrigzinsumfeld die sogenannten Opportunitätskosten der Goldanlage immens verringert. Im historischen Vergleich sei es deshalb außerordentlich attraktiv, Gold zu halten, obwohl die jüngste Goldhausse etwas übers Ziel hinausgeschossen sei. „Temporäre Rücksetzer lassen sich nie ausschließen, aber auf mittlere Sicht dürften Anleger mit zinstragenden Anlagen den Kürzeren ziehen“, urteilt das LBBW Research.