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Wichtige Änderungen: Investmentsteuerreformgesetz 2018

Investmentsteuerreform – was ändert sich für wen?

Ab 2018 ändert sich maßgeblich die Besteuerung von Investmentfonds. Was Privatanleger, Unternehmer und Stiftungen darüber wissen sollten.

Bereits 2016 hat sich die damalige Bundesregierung nach vorangegangenen intensiven Diskussionen auf das Gesetz zur Reform der Investmentbesteuerung, kurz Investmentsteuerreformgesetz (InvStRefG), geeinigt. Zum 1. Januar 2018 tritt es nun in Kraft – und bringt ein paar grundsätzliche Änderungen mit sich.

Auch Fonds zahlen künftig Steuern auf Erträge

Die wohl wichtigste Neuerung: „Ab dem 1. Januar 2018 sind Fonds teilweise steuerpflichtig in Bezug auf bestimmte inländische Einkünfte. Dabei handelt es sich insbesondere um Dividenden und Immobilienerträge. Diese werden nun auf Fondsebene mit 15 Prozent Körperschaftsteuer besteuert – unabhängig davon, ob es sich um einen in- oder ausländischen Fonds handelt“, erläutert Lukas Montigel, Steuerberater bei der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Alle anderen Ertragsarten, wie z. B. Zinsen, bleiben auf Fondsebene aber weiterhin steuerfrei. Anleger können sich die auf Fondsebene gezahlte Steuer weder erstatten noch anrechnen lassen. Dafür wird die Steuerpflicht auf Fondsebene künftig durch die sogenannte Teilfreistellung auf Anlegerebene pauschal ausgeglichen (siehe unten).

Wichtig für gemeinnützige Anleger: Der Gesetzgeber sieht eine Befreiung von der Körperschaftsteuer auf Fondsebene vor, wenn der Anlegerkreis eines Fonds oder einzelner Anteilsklassen von vornherein auf steuerbefreite Anleger begrenzt ist und zudem die freie Handelbarkeit der Anteile eingeschränkt wird. Steuerbegünstigte Stiftungen können entweder in Anteilsklassen bzw. Fonds für ausschließlich steuerbegünstigte Anleger investieren und dann wird bereits auf Fondsebene keine Steuer erhoben. Eine entsprechende vermögensverwaltende Lösung hat die LBBW-Tochter Baden-Württembergische Bank (BW-Bank) aufgelegt. Mehr dazu lesen Sie hier. Alternativ oder ergänzend können Stiftungen in Publikumsfonds investieren, die im ersten Schritt auf die inländischen Einkünfte Steuern erheben und sich diese im Folgejahr in einem bürokratischen Verfahren wiedererstatten lassen.

Wichtig für betriebliche Anleger: Auch hier greift die steuerliche Vorbelastung auf Fondsebene auf die inländischen Einkünfte. Ausschüttungen oder Vorabpauschalen (siehe unten) sind ebenfalls voll steuerpflichtig, wobei auch hier Teilfreistellungen greifen können. Dafür findet das Teileinkünfteverfahren oder § 8b KStG keine Anwendung. Bei den Teilfreistellungen ist zu beachten, dass beim Kapitalertragsteuerabzug die Quoten für Privatanleger zum Abzug kommen und dass bei der Gewerbesteuer nur die Hälfte der Teilfreistellung zur Anwendung kommt.

Pauschale Besteuerung für Anleger

Die Besteuerung der Investmenterträge auf Anlegerebene erfolgt ab 2018 in pauschalierter Form. Dies gilt sowohl für im Inland als auch für im Ausland aufgelegte Fonds. Um die steuerliche Vorbelastung auf Fondsebene auszugleichen, bleiben Ausschüttungen und Gewinne aus dem Verkauf von Fondsanteilen allerdings für den Anleger teilweise steuerfrei. Die Höhe dieser sogenannten Teilfreistellung richtet sich nach der Art des Fonds. Sie gilt auch, wenn der Fonds im Ausland aufgelegt wurde.

  • Teilfreistellung beim Verkauf von Fondsanteilen

    Teilfreistellungssätze beim Verkauf von Fondsanteilen

    Der nach der Teilfreistellung verbleibende Teil der Ausschüttungen und Gewinne unterliegt wie bisher der Abgeltungsteuer in Höhe von 25 Prozent zzgl. 5,5 Pro-zent Solidaritätszuschlag sowie ggf. Kirchensteuer.

Wichtig für Privatanleger: Für Anleger in staatlich geförderten Riester- und Rürup-Fonds ändert sich durch die neuen Steuerregeln nichts. Hier bleibt es bei der nachgelagerten Besteuerung in der Auszahlungsphase.

Wichtig für betriebliche Anleger: Die gesetzlichen Teilfreistellungsquoten werden in der Veranlagung berücksichtigt. Der Steuerabzug auf Depotebene wird mit den obigen Teilfreistellungssätzen für Privatanleger berechnet (siehe Tabelle).

Vorabpauschale bei geringer oder keiner Ausschüttung

Sofern der Fonds nach Ablauf eines Kalenderjahres zwar im Wert gestiegen ist, aber nur wenig oder gar nichts von diesem Wertzuwachs ausgeschüttet hat, wird eine sogenannte Vorabpauschale als fiktiver Kapitalertrag angesetzt. Damit will der Gesetzgeber sicherstellen, dass der Anleger auch bei nicht ausschüttenden (thesaurierenden) und teilausschüttenden Fonds einen Mindestbetrag jährlich versteuert. Das Verfahren tritt anstelle der bisherigen ausschüttungsgleichen Erträge und läuft nach folgenden Vorgaben:

  • Die Vorabpauschale orientiert sich an der Höhe einer risikolosen Marktverzinsung für öffentliche Anleihen.
  • Für die Vorabpauschale gelten die gleichen Teilfreistellungen wie für die Besteuerung von Ausschüttungen (siehe Tabelle 1).
  • Um eine Doppelbesteuerung zu vermeiden, werden beim Verkauf der Fondsanteile die zugerechneten Vorabpauschalen vom tatsächlichen Veräußerungsgewinn wieder abgezogen.
  • Die Vorabpauschale gilt am ersten Werktag im Folgejahr als zugeflossen, also erstmals Anfang 2019 für 2018. Dies hat den Vorteil, dass der zu diesem Zeitpunkt noch nicht verbrauchte Freistellungsauftrag auf die Vorabpauschale angewendet werden kann. Nur wenn ein solcher Freistellungsauftrag nicht vorliegt oder nicht ausreicht, muss Abgeltungsteuer auf die Vorabpauschale entrichtet werden. Auch eine beim Kreditinstitut eingereichte Nichtveranlagungsbescheinigung bewirkt, dass keine Abgeltungsteuer einbehalten wird.
  • Die depotführende Stelle darf den für die Abführung der Abgeltungsteuer erforderlichen Betrag einem Konto des Anlegers belasten.

So erfolgt der Übergang zum neuen Recht

Um den Übergang vom alten zum neuen Investmentsteuerrecht zu gewährleisten, werden von den depotführenden Stellen, also zum Beispiel der LBBW, zum 31. Dezember 2017 alle Fondsanteile fiktiv veräußert und gleichzeitig wieder neu angeschafft. Der dabei entstehende – fiktive – Veräußerungsgewinn wird noch nach altem Recht ermittelt, bis zu einem späteren echten Verkauf der Fondsanteile vorgehalten und dann im Rahmen der Abgeltungsteuer besteuert. Gewinne, die ab 2018 entstehen, werden nach dem neuen Recht besteuert.

100.000 Euro Freibetrag für Altbestände

Bis zum 31. Dezember 2017 erzielte Wertzuwächse bei Fondsanteilen, die vor 2009 erworben wurden, bleiben weiterhin steuerfrei. Darüber hinaus bleiben alle Wertzuwächse aus diesen Altanteilen, die ab 2018 bis zur tatsächlichen Veräußerung entstehen, bis zu einem Betrag von 100.000 Euro je Anleger steuerfrei. Die depotführenden Stellen sind zwar verpflichtet, die Abgeltungsteuer auch auf Gewinne ab 2018 abzuführen. Diese Gewinne werden aber in der Steuerbescheinigung gesondert ausgewiesen, sodass der Freibetrag im Wege der Veranlagung geltend gemacht werden kann. Der Freibetrag wird dann vom Wohnsitzfinanzamt festgestellt und fortgeführt.

Für Anleger, die über bestandsgeschützte Altanteile verfügen und in Zukunft Erträge erwarten, die über dem Freibetrag von 100.000 Euro liegen, kann möglicherweise eine Übertragung der Anteile auf Angehörige in Form einer Schenkung in Betracht kommen. Denn über den Freibetrag verfügt jeder Anleger, der entsprechende Gewinne aus bestandsgeschützten Fonds realisiert, unabhängig davon, ob er diese selbst erworben hat. „Allerdings sollte hier im Vorfeld mit einem Steuerberater gesprochen werden, da es hier ja auch Freibeträge zu beachten gibt und Schenkungsteuer anfallen kann“, empfiehlt Montigel. „Auch im Fall der Vererbung bleiben die Fondsanteile begünstigte Anteile, sodass man aus steuerlicher Sicht diese Anteile eher schonen sollte. Grundsätzlich gilt es aber, den Freibetrag zu Lebzeiten auch für sich selber auszunutzen.“

Fonds- oder Direktanlage – eine Einschätzung

Ein Vergleich zur Steuerbelastung nach dem alten Recht sei faktisch unmöglich, da es zu viele Faktoren für die Steuerbelastung gebe, erklärt der LBBW- Steuerexperte. Bei der Frage, ob nach neuem Recht die Direktanlage oder die Fondsanlage günstiger ist, komme es grundsätzlich auf die Zusammensetzung der Erträge an – die Tendenz gehe hier aber rein aus steuerlichen Erwägungen zur Fondsanlage.

Für private wie betriebliche Anleger sei es lohnenswert, zu den Freistellungsquoten vermittelnden Assets nicht begünstigte Assets hinzuzufügen. „Die meisten Anleger verteilen ihr Vermögen auf verschiedene Assets wie Renten, Immobilien und Aktien“, weiß Montigel. Man könne diese Investments in drei Fonds anlegen, die jeweils ausschließlich in Renten, Dividenden und Immobilien investieren. „Steuerlich besser fährt man hingegen, wenn man in einen Aktienfonds investiert, der nach den Anlagebedingungen zu 51 Prozent in Aktien und zu 49 Prozent in Renten investiert“, sagt Montigel.

Was steuerbefreite Anleger tun können

„Anleger, die aufgrund ihres Sparerfreibetrags oder einer Nichtveranlagungsbescheinigung keine Steuern bezahlen, könnten so anlegen, dass auf Fondsebene keine Steuern anfallen, damit sie die Definitivbesteuerung vermeiden“, erläutert Montigel. Dabei könnte dennoch in inländische Aktien investiert werden. Es gibt zum Beispiel Indexfonds, die in den DAX investieren und die Aktien nicht physisch halten, sondern die Performance z. B. über Swaps bekommen. Diese Fonds gelten nicht als Aktienfonds, da sie nicht in Aktien investieren, und bekommen auch keine Teilfreistellung. Da sie aber auch keine inländischen Dividenden generieren, haben sie keine Steuern abzuführen, sodass sie die vollen Erträge ausschütten können.

Anlageentscheidung nicht allein auf Basis der Besteuerung treffen

„Primär sollten steuerliche Aspekte bei der Kapitalanlage allerdings nur nachrangig eine Rolle spielen“, so Montigel abschließend. Denn erstens sollte die Anlage zum Anleger und dessen Wünschen passen und zweitens sollte auch die Rendite der Anlage vor Steuern stimmen.

Hinweis:

Die Aussagen in diesem Artikel beruhen auf dem Rechtsstand zum Zeitpunkt der Verfassung des Artikels und stellt die unverbindliche Rechtsauffassung der LBBW dar. Eine steuerliche Beratung erfolgt nicht durch die LBBW. Es wird empfohlen, mit dem eigenen steuerlichen Berater die persönliche Situation zu analysieren.