Holzleisten in der Lagerhalle

Hoffnungsträger Holz – Preistreiber Holz

Die Weltmarktpreise für Holz sind um bis zu 600 Prozent explodiert. Bauboom in den USA und in China. Russland stoppt den Export und Kanadas Bäume haben den Käfer.

Und plötzlich Holz. Bauboom in den USA. Extreme Nachfrage aus China. Mit Russland fällt nach dem Exportverbot von Präsident Putin ab 2022 der fünftgrößte Lieferant der Welt aus. Und dann auch noch der Käfer. Kanada hat ihn und verhängte einen Exportstopp für Holz. Damit sind gleich zwei Hauptlieferanten für das Naturprodukt vom Weltmarkt verschwunden. In Summe steigen weltweit die Preise für den Rohstoff explosionsartig.

Der S&P Global Timber & Forestry Index kletterte im laufenden Jahr schon um deutlich mehr als zehn Prozent. Zuletzt mit deutlicher Temposteigerung – allein in den vergangenen drei Monaten um 43 Prozent.

An der Börse in Chicago haben sich die Preise für Bauholz seit Dezember mehr als verdreifacht! Ein etwas längerer Blick zurück bestätigt die Kursrallye: Im Mai 2020 kosteten 2,4 Kubikmeter Bauholz an der US-Rohstoffbörse noch 250 US-Dollar. Im Mai 2021 ist der Preis auf 1.500 US-Dollar gestiegen. Ein Anstieg innerhalb eines Jahres um 600 Prozent.

43 %

Anstieg der Ausfuhren von Rohholz aus Deutschland in 2020 im Vergleich zu 2019.

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Importsog in den USA und in China. Exportstopp der großen globalen Lieferanten. Über Nacht ist deutsches Holz auf den Weltmärkten gefragt wie nie. Laut Statistischem Bundesamt sind die Ausfuhren von Rohholz aus Deutschland 2020 im Vergleich zu 2019 um 43 Prozent auf rund 12,7 Millionen Kubikmeter gestiegen. Im langfristigen Vergleich hat sich die Menge von ausgeführtem Rohholz seit 2015 mehr als verdreifacht.

Profiteure sind Sägewerke und Exporteure. Bezahlen müssen die hohen Preise die hiesige Bauwirtschaft, Handwerker, Zimmerleute und – im Endeffekt – Verbraucher. Das Statistische Bundesamt meldete jüngst, dass die Holzpreise auf der gewerblichen Handelsstufe weiter nach oben schießen: So war Nadelschnittholz im März knapp 21 Prozent teurer als im vorigen Jahr – allein gegenüber Februar sind die Preise um 6,4 Prozent gestiegen.

Volle Auftragsbücher, aber kein Material

Schreiner, Tischler, Zimmerleute. Für so manches Brett verlangt der Holzhandel mittlerweile Tagespreise – ähnlich wie bei exquisiten Weinen – angesichts kometenhaft gestiegener Preise. So mancher Bau, so manche Renovierung wird verschoben. Das bleibt nicht ohne Folgen für die Auftragsbücher des holzverarbeitenden Handwerks.

Der Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks (ZVDH) berichtete im März, dass die Kosten für Holzprodukte in den ersten Monaten des Jahres um mehr als 50 Prozent nach oben geschossen sind. Dazu kommen lange Lieferzeiten von bis zu drei Monaten. Damit steigen auch die Baukosten drastisch. Bauindustrie und sämtliche holzverarbeitenden Gewerke leiden unter dem extremen Holzmangel und den explodierenden Einkaufspreisen. Die Auftragsbücher der meisten Handwerker und Bauunternehmer sind randvoll, die Holzlager jedoch gähnend leer. Und die Lieferzeiten werden immer länger. Da dauerte es nicht lange, bis erste deutsche Politiker ein Exportverbot forderten.

30 Jahre dauert es, bis das Holz geschlagen werden kann

Das Problem beim Holz: Man kann nicht einfach die Förderung erhöhen. Wald braucht Zeit. Gut und gerne 30 Jahre dauert es, bis aus dem Setzling eine veritable Fichte geworden ist. Und in den Jahren des Wartens lauern alle Risiken, die damit verbunden sind: Trockenheit und Hitze, Schädlinge und Unwetter.

Und dann ist Holz auch noch zum Rohstoff der Zukunft avanciert. Darauf ruhen auch große Hoffnungen für eine emissionsfreie Zukunft. Das liegt vor allem an seiner Eigenschaft, immer wieder nachzuwachsen. Wird nachhaltig gewirtschaftet, geht es nie aus und bindet dabei auch noch kräftig CO2. Aus ökologischer Sicht gilt Holz deshalb als absoluter Allrounder. Holzfasern können zum Beispiel Kunststoff ersetzen. Für die plastikintensive Verpackungsindustrie eine willkommene Alternative. Mehr als sechs Millionen Tonnen Kunststoffmüll fallen allein in Deutschland jedes Jahr an. Umweltfreundliche, biologisch abbaubare Alternativen auf Holzbasis sind längst entwickelt. Die Branche steuert langsam um.

Darauf hat auch die Textilindustrie ein Auge geworfen. Denn auch ihre Vorprodukte sind in Verruf geraten. Zu viel Wasser und Land verbraucht die Baumwollproduktion. Synthetische Fasern hingegen basieren auf Erdöl. Das Stichwort lautet Lyocell. Das Ergebnis der Cellulose-Gewinnung aus Holz, die in einem mehrstufigen chemischen Prozess zu Fasern verarbeitet wird. Das biologisch abbaubare und kompostierbare Produkt kommt in der Branche zunehmend zum Einsatz. Sogar Player wie IKEA vermarkten mittlerweile offensiv Matratzen, Teppiche, Decken und Kissen aus dem nachhaltigen Zellstoff.

Holz ist auch Rohstoff mit Zukunft

Längst hat zudem die Bauindustrie erkannt, was mit Holz alles anzustellen ist. Es kann kohlenstoffintensive Baustoffe wie Beton und Stahl ersetzen. Der entscheidende Vorteil: Im Holz gebundener Kohlenstoff wird während des Wachstums aus der Atmosphäre gebunden, damit aus dem Kohlenstoffkreislauf entnommen und somit im verbauten Holz gespeichert. Am Ende seines Lebenszyklus reduziert Holz außerdem die Entstehung von Abfällen, erleichtert den Rückbau und erhöht die Wiederverwertung. Ganz nebenbei lässt sich oft sogar der Bauprozess beschleunigen.

Unterdessen schickt sich Holz an, sogar in der Welt der Biokraftstoffe für eine Revolution zu sorgen. Durch den großflächigen Einsatz von Biokraftstoffen kann die Fliegerei nachhaltiger und emissionsärmer werden. Sustainable Aviation Fuels – kurz SAFs – werden bereits für Passagierflüge eingesetzt. Um die eigenen CO2-Emissionen zu drücken, nutzt auch die Lufthansa Biokerosin als Beimischung zu herkömmlichen Treibstoffen. Die fliegen jetzt mit Holz.