Das Kapitol in Washington mit amerikanischer Flagge

Europafreundliche USA

Mit Joe Biden werden die Beziehungen zu den USA wieder freundlicher. LBBW-US-Manager Leonard Crann über die Erwartungen deutscher Unternehmen auf dem US-Markt.

Mit dem Wechsel im Weißen Haus in Washington sind die USA wieder stärker im Fokus deutscher Unternehmen. Nach dem konfrontativen Stil von Donald Trump hoffen nun viele europäische Unternehmen auf harmonischere Zeiten. Leonard Crann, LBBW Head of the Americas in New York, weiß von vergangenen Sorgen und künftigen Hoffnungen deutscher Unternehmen zu berichten.

Joe Biden, das heißt auch „back to the future“. Der neue US-Präsident hat in einem symbolträchtigen Akt am Tag nach seiner Amtseinführung die USA zurück in das Pariser Klimaschutzabkommen geführt. Die USA – so die klare Botschaft – sind wieder verlässlicher auf der internationalen Bühne von Wirtschaft und Politik.

Das sogenannte Corporate Desk der LBBW in Manhattan berät und finanziert gut und gerne 100 deutsche, schweizerische und österreichische Unternehmen seit vielen Jahren bei ihren Aktivitäten in Nordamerika. Durch die Finanzierung vor Ort entfallen vor allem Währungsrisiken und Transferkosten, trotzdem kann das gute Rating der Muttergesellschaft im Heimatland herangezogen werden. Aufgrund der intensiven Zusammenarbeit mit deutschen Unternehmen wissen Crann und sein New Yorker Team, was deutsche Unternehmen im US-Markt beschäftigt – und worauf sie achten müssen.

Eines der wichtigsten Themen ist Sicherheit.

Leonard Crann, LBBW-US-Manager

„Eines der wichtigsten Themen ist Sicherheit“, sagt Crann. „Sicherheit bei internationalen Handelsfragen und Sicherheit bei Zöllen und Steuern“, so Crann weiter. Die USA zeigen seit Jahren stabiles wirtschaftliches Wachstum und hohe Widerstandsfähigkeit. „Viele deutsche Unternehmen wollen durch ihre Präsenz in den USA daran partizipieren.“ Insofern wäre ein zügiger Abbau der Einreisebeschränkungen für Europäer insgesamt wünschenswert, hört Crann immer wieder. Business ist eben auch ein People-Business. Die wegen der Corona-Pandemie nach wie vor geltenden Restriktionen seien „dabei mehr als hinderlich“.

Mit der Rückkehr einer versöhnlicheren US-Regierung auf die internationale Politikbühne würden zudem viele Unternehmen die Hoffnung verbinden, „dass die globale Zusammenarbeit gegen die Covid-19-Pandemie nun verstärkt wird“ und damit auch neue Impulse für das Weltwirtschaftswachstum entstehen würden.

Nach wie vor seien aber die Sorgen um Zölle und Restriktionen im Handel mit den USA ganz oben auf der Liste. Zudem seien viele Unternehmen unsicher, welche Effekte die nach wie vor grassierende Pandemie in den USA auf die Wirtschaft habe – also Umsatz, Lieferketten, Produktionskapazitäten – und die Mitarbeiter in den Vereinigten Staaten. Dennoch zeigt sich Crann zuversichtlich: „Die USA haben einen sehr mobilen und flexiblen Arbeitsmarkt. Das wird in Europa oftmals unterschätzt.“

Gleichwohl rät er deutschen Unternehmen, für die Einstellung von qualifiziertem Fachpersonal in den USA mit höheren Kosten und mehr Vorlaufzeit zu rechnen, als sie es von daheim gewohnt sind. Das liege vor allem an den unterschiedlichen Ausbildungssystemen. Ebenfalls unterschätzt werde gern der Serviceanspruch auf den US-Märkten. „In den USA sind die Kundenerwartungen an den Service rund um die verkauften Produkte sehr hoch. Unternehmen müssen bei Anfragen von Kunden besonders schnell und professionell reagieren“, meint Crann. Das erfordere eine entsprechende Service-Infrastruktur. Und last, but not least: das Marketing. In Deutschland spricht die Qualität eines Produkts oft für sich selbst. In den USA geht ohne die Werbetrommel dagegen wenig bis gar nichts.

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