Leere Straßen in London während des Lockdowns

Ein MRT der deutschen Wirtschaft

Der LBBW-Branchen-Check: Viele Industriezweige müssen ordentlich Gas geben, um die Herausforderungen von heute, vor allem aber von morgen, zu meistern.

Noch klammert der US-Präsident. Noch ist BNT16b2 nur ein Labor-Impfstoff. Trotzdem sind es beste Nachrichten für die deutsche Wirtschaft. In einem breit angelegten Zustandsbericht zur Lage der deutschen Industrie haben die LBBW-Ökonomen dennoch viele Ampeln auf Rot gesetzt. Denn nach Corona und nach Trump ist immer noch vor Digitalisierung und nachhaltigem Wirtschaften.

Nach Corona und nach Trump ist immer noch vor Digitalisierung und nachhaltigem Wirtschaften.

Und plötzlich überschlagen sich die guten Nachrichten. „Der Impfstoff-Hammer“ schrieb Bild am 1. November und zitierte Albert Bourla, Vorstandschef des BioNTech-Partners Pfizer, mit den Worten: „Das ist ein ganz besonderer Tag für die Menschheit.“ „Der Wahl-Hammer“ hieß es drei Tage zuvor in den USA. The elder statesman Joe Biden ist President-elect und löst den erratischen Politnovizen Donald Trump ab.

Zwei Nachrichten – eine Botschaft. Über Nacht sind gleich zwei Risikovariablen aus der Ökonomen-Rechnung gelöscht. Biden und der Impfstoff BNT16b2 lösten ein Kursfeuerwerk an den Märkten der Welt aus. So ähnlich hatten es die LBBW-Volkswirte in der August-Ausgabe der Hauspost auch prophezeit, falls das Lieblingsszenario „Trump geht – Corona auch“ eintritt.

In einer breit angelegten Studie haben die Volkswirte der LBBW nun die Wettbewerbssituation der deutschen Branchen unter die Lupe genommen. Bereits im Mai hatten die Ökonomen die Covid-19-Situation diagnostiziert. Die Folgen des Lockdowns 1 waren verheerend. Um mehr als sieben Prozent ging die deutsche Wirtschaft 2020 in die Knie – am härtesten getroffen hat es Tourismus, Luft- und Raumfahrt und die freien Berufe.

Jetzt also die Erweiterung: Digitalisierungsstand? Die Abhängigkeit von internationalen Lieferketten? Wie grün sind Deutschlands Branchen und wie zukunftsfähig ist das Geschäftsmodell, wenn immer mehr Kunden zu nachhaltigen Produkten tendieren? Welche Auswirkungen haben Corona und die Folgen für die Wirtschaft?

Es ist ein MRT der deutschen Wirtschaft – von A wie Autoindustrie bis T wie Telekommunikation und U wie Utilities. Eindeutiger Gewinner des Branchenchecks ist die Telekommunikationsindustrie. Das Thema Digitalisierung? Sie sind Treiber und Gewinner der Entwicklung. Nachhaltig? Haken dran. Und internationale Lieferketten spielen nur dann eine Rolle, wenn es um Prozessoren oder Bildschirme für Endprodukte geht. 4-mal grüne Ampel.

And the Winner ist … die Telekom-Branche

In einer breit angelegten Studie haben die Volkswirte der LBBW die Wettbewerbssituation der deutschen Branchen unter die Lupe genommen. Corona – und die Folgen auf Umsatz und Gewinn für die Branchen? Digitalisierungsstand? Die Abhängigkeit von internationalen Lieferketten? Wie grün sind Deutschlands Branchen und wie zukunftsfähig ist das Geschäftsmodell, wenn immer mehr Kunden zu nachhaltigen Produkten tendieren? Es ist ein MRT der deutschen Wirtschaft – von A wie Autoindustrie bis T wie Telekommunikation und U wie Utilities.

Ähnlich gut steht es um Healthcare und Pharma. Die demoskopische Entwicklung in vielen Gesellschaften rund um den Globus ist ein Quell immer neuer medizinischer Produkte und Anwendungen. Der Markt wächst, die Nachfrage ist riesig und All-time-High-Blockbuster wie der jetzt scheinbar zum Greifen nahe Impfstoff gegen das Teufelsvirus führen zu enormen Zuwächsen in der Börsenbewertung. Nur das durch die Pandemie neu entfachte Thema internationale Lieferketten drückt auf die ansonsten positive Bilanz.

4-mal rot für Konsum, Retail und die Autoindustrie

4-mal rot dagegen sehen die Experten aus dem LBBW-Research in den Branchen Konsum und Retail sowie Autoindustrie. Im Konsumsektor und beim Einzelhandel lohnt sich näheres Hinsehen. Der stationäre Einzelhandel gehört durch das Lockdown-bedingte Loch in der Sommerkasse zweifellos zu den großen Verlierern. Aber auch das stimmt nur zur Hälfte. Denn Fahrradgeschäfte, Outdoorausrüster, Fitnessgeschäfte haben einen nie zuvor erlebten Run erfahren. Zudem waren durch die vielfach stornierten Sommerurlaube die Haushaltskassen voll – was den Onlinehandel boomen ließ. Einzig der Aller-Welt-Einzelhandel in den Städten und Shoppingcentern auf der grünen Wiese trägt schwarz. „Die komplette Sommerkollektion wandert jetzt noch bestenfalls in die Outlets für 2021“, mutmaßt Uwe Burkert, Chefvolkswirt der LBBW, über den Totalausausfall.

Automobilbranche

Und das Auto? Und seine Industrie? Endlich aus dem Tiefschlaf erwacht? Oder doch wieder nur vom Turbo-Diesel geträumt? Auf immerhin 18 Neuzulassungen brachte es der jüngst vorgestellte BMW iX3 im September. Um 260 Prozent, so das PS-Blatt Auto, Motor & Sport, ist die Zulassung von elektrisch angetriebenen Fahrzeugen explodiert – der nochmals gestiegenen E-Kaufprämie sei Dank. 21.188 Pkw-Neuzulassungen entfielen im September auf Fahrzeuge mit reinem Elektroantrieb, angesichts der insgesamt 265.227 Neuzulassungen ein Marktanteil von 8 Prozent. E-Bestseller der heimischen Industrie ist ein Volkswagen. Der VW ID.3 kommt auf 1.771 Zulassungen im September. Das bleibt nicht ohne Folgen. Nüchtern bilanzieren die LBBW-Ökonomen: „Tesla, der US-E-Autobauer von Elon Musk, ist aktuell mehr wert als BMW, Daimler und VW zusammen.“ Das Gute an der schlechten Nachricht? Es kann nur noch besser werden.

Tesla ist aktuell mehr wert als BMW, Daimler und VW zusammen.

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