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Verantwortung: Chance für Mittelständler durch Nachhaltigkeitsberichte – LBBW Perspektiven

Die Essenz des Nachhaltigkeitsberichts: der langfristige Erfolg

Aktuelle Zahlen sagen wenig über die Zukunft aus. Nachhaltigkeitsberichte beleuchten die langfristigen Erfolgsaussichten besser – für Mittelständler eine Chance.

Müssen müssen nur die Großen. Wer weniger als 500 Mitarbeiter beschäftigt und nicht börsennotiert ist, muss keinen Nachhaltigkeitsbericht erstellen. Das könnte sich allerdings bald ändern, warnen die Experten von LBBW Research: Damit Konzerne in den gesetzlich vorgeschriebenen Nachhaltigkeitsberichten über ihre Lieferketten berichten können, müssen die Lieferanten die entsprechenden Daten bei sich selbst erheben. Das kann man nervig finden. Oder als Chance nutzen, um selbst einen Nachhaltigkeitsbericht vorzulegen. Freiwillig.

Der Druck jedenfalls wächst. BMW etwa wertete für den Bericht 2017 knapp 4.900 umfangreiche Fragebögen aus, die der Automobilhersteller an seine Zulieferer weltweit verschickt hatte, um deren nachhaltiges Handeln zu erkunden. Wer keine überzeugenden Antworten liefert, muss einen konkreten und nachprüfbaren Plan vorlegen, wie die Zustände verbessert werden sollen. Schlauer ist es für Unternehmen entlang der Lieferkette, selbst aktiv zu werden. „Die positiven Effekte gleichen die Kosten für die Berichte häufig mehr als aus“, sagt LBBW-Analyst Martin Dresp, etwa weil die gewonnenen Erkenntnisse Ansätze für Kostensenkungen bei der Energie- oder Materialwirtschaft liefern. Ein guter Nachhaltigkeitsbericht könne zudem Türöffner zu nachhaltig orientierten Kapitalgebern sein und zugleich bei Angestellten, Bewerbern sowie potenziellen Kunden die Reputation verbessern.

„Glaubwürdigkeit erfordert Aufrichtigkeit“

Für Edeka Südwest war das ein Grund, einen eigenen Nachhaltigkeitsbericht zu veröffentlichen. „Nachhaltigkeit verändert die Wirtschaft. Dabei zählt vor allem eins: Glaubwürdigkeit. Glaubwürdigkeit erfordert aber Aufrichtigkeit“, sagt Michaela Meyer, Geschäftsbereichsleiterin Nachhaltigkeit bei Edeka Südwest . Für sie hat nachhaltiges Engagement ein klares Ziel: „Erfolg langfristig zu sichern.“

Denn bei Nachhaltigkeit geht es um mehr als um Umweltschutz und Energie. Gefordert ist ein Dreiklang aus ökonomischen, sozialen und ökologischen Aspekten. Dieses ganzheitliche Herangehen überfordert derzeit Mittelständler ebenso wie Konzerne, wie die Untersuchung „Nachhaltigkeit als Chance“ von LBBW Research zeigt. Von 61 untersuchten Unternehmen stellten einige ihre Nachhaltigkeitsbemühungen auf lediglich 20 Seiten vor, andere Konzerne fanden 200-Seiten-Berichte angemessener.

Nachhaltigkeit wird integriert im Geschäftsbericht

Mehr als zwei Drittel der Unternehmen entschieden sich für einen separat veröffentlichten Nachhaltigkeitsbericht – nach Ansicht der LBBW ein Auslaufmodell. „Weil das Thema an Bedeutung gewinnt, werden immer mehr Unternehmen ihre Geschäftsberichte um die Nachhaltigkeitsthemen ausweiten“, prognostiziert Martin Dresp. Als bemerkenswert notiert der LBBW-Analyst, dass sich zwei Drittel der untersuchten Unternehmen zu konkret messbaren Zielen verpflichten und ein Fünftel sogar einen Teil der Vorstandsvergütung an Nachhaltigkeitsziele knüpfe. „Bei ihnen ist die Nachhaltigkeit bereits fester Bestandteil der Unternehmensstrategie geworden“, sagt Dresp. Und darüber darf man – sollte man! – gut und gerne berichten.

  • Prozentuale Verteilung der Themen Wirtschaft, Ökologie und Gesellschaft in Nachhaltigkeitsberichten

Der Nachhaltigkeitsbericht

Nachhaltigkeitsberichte müssen bestimmte Qualitätsstandards erfüllen, um für das Unternehmen sowie dessen Anspruchsgruppen sinnvoll und für den Gesetzgeber ausreichend zu sein. Experten empfehlen, sich an anerkannten Standards zu orientieren. Eine weit verbreitete Norm ist der GRI-G4-Standard der Global Reporting Initiative. Damit wird Transparenz, Vergleichbarkeit und Standardisierung auf internationaler Ebene geschaffen.

Über den Bericht hinaus eröffnen sich Unternehmen verschiedene Möglichkeiten, sich nachhaltiges Handeln anerkennen zu lassen. Beispiele hierfür sind die Kernarbeitsnormen der Internationalen Arbeitsorganisation ILO, Zertifizierungen der Umweltmanagementsysteme durch EMAS und ISO. Zudem sind weitere Kennzeichnungen auf Produktebene möglich. Beispiele dafür sind das Fairtrade-Label, das Bio-Logo oder der seit 1978 vergebene Blaue Engel.

Neben dem GRI-G4-Standard gibt es weitere Initiativen, die Leitfäden für die Bearbeitung und Kommunikation von Nachhaltigkeitsthemen erstellen. Vor allem für kleinere Unternehmen bietet der Deutsche Nachhaltigkeitskodex DNK eine verkürzte Form der Berichterstattung. Eine Alternative sind die zehn Prinzipien der UN Global Compact Initiative, zu denen sich weltweit mehr als 9.000 Unternehmen verpflichtet haben – übrigens auch die LBBW .

Unsere Studie zu den Nachhaltigkeitsberichten von DAX-Unternehmen: