Wissenschaftler arbeit mit Proben im Labor

BNT16b2 schenkt der Welt ein Lächeln

Ist das Virus besiegt? Nach dem Dream-Team BioNTech/Pfizer sollen binnen Jahresfrist auch Astra Zeneca und Moderna mit Impfstoffen gegen das Teufelsvirus kommen.

Man könnte vermuten, Albert Bourla ist kein Freund von Donald Trump. Dass der Pfizer-Chef ausgerechnet den 9. November 2020 zum „besten Tag für die Menschheit ausrief“ und nicht den Montag vor der US-Wahl, hat vor allem einen geärgert. Nämlich den Präsidenten der USA. Zumal, so raunt die mitunter amüsierte Zunft der Pharmabranche, die Proklamation von BNT16b2, dem weltweit heißersehnten Impfstoff gegen das Virus, nicht von Behörden bestimmt wurde, sondern rein Pfizer-internen Prozessen folgte.

Kurze Rückblende: Trump war es, der Obamacare gestoppt hatte und Millionen von US-Bürgern ohne jede Krankenversicherung dastehen ließ. Trump war es, der die zuvor üppig fließenden Subventionen in die kostenintensive Forschung und Entwicklung der Pharmaunternehmen zu einem Rinnsal ausdünnte. Wen wundert es, dass Johnson&Johnson und Co jetzt die Gunst der Stunde sahen und durch den Pfizer-Chef zu einer kleinen Retourkutsche Richtung White Haus ansetzten. Wen wundert es, dass Trump twitterte: „Das ist unfair.“

Was also mit Joe Biden, President-elect, und einem kleinen Tischfeuerwerk begann, holte dann wenige Sekunden nach der Bekanntgabe durch Dream-Team BioNTech aus Mainz und Pfizer zu einem wahrlich nur noch mit pyromanischen Maßstäben zu vergleichenden globalen Feuerwerk aus. TUI plus 40 Prozent. Der Kinobetreiber Cineworld plus 70 Prozent, Amrest, Betreiber von populären Restaurants wie Kentucky Fried Chicken und PizzaHut, plus 60 Prozent. Selbst die quasi am Boden stehende Lufthansa macht einen Luftsprung – die Aktie gewann binnen Minuten 25 Prozent. Das an der US-Technologiebörse Nasdaq notierte BioNTech selbst legte dagegen nur 15 Prozent zu, Pfizer 10 Prozent.

Binnen Sekunden schaltete die Börse von tiefer Trauer auf unglaublichen Jubel um

Dominik Jasinski, Sector-Head Pharma und Healthcare der LBBW

Der Grund liegt auf der Hand: natürlich der Wirkstoff. Aber während die seit Wochen zu beobachtende Hausse im Pharma- und Medizinsektor getrieben war von der Annahme, ein Impfstoff habe maximal eine 70-prozentige Wirkung, sind es jetzt die „für die schnelle Herdenimmunität so wichtigen 90 Prozent Wirkungsgrad“, erklärt Dominik Jasinski, Sector-Head Pharma und Healthcare der LBBW, im Gespräch mit der Hauspost. „Binnen Sekunden schaltete die Börse von tiefer Trauer auf unglaublichen Jubel um“, so Jasinski weiter.

In wenigen Wochen werde es weitere Freudenbotschaften aus den Forschungslabors geben. Jasinski: „Astra Zeneca ist dicht dran, Moderna auch.“ Selbst CureVac, bei dem SAP-Milliardär Dietmar Hopp eine gewichtige Aktionärsrolle spielt, „wird bald die Zulassung bekommen“. Und das gehört dann schon zur Generation 2 unter den Impfstoffen.

Bei Generation 1 gibt es enorme Herausforderungen bei Transport und Lagerhaltung. Der BioNTech-Wirkstoff BNT16b2 benötigt eine durchgehende Lieferkette, bei der eine Temperatur von minus 80 Grad gewährleistet werden muss. „Den Auftrag dafür hat die Post-Tochter DHL gewonnen“, weiß Jasinski. Das werde immense Investitionen in die Logistik fordern, ist er sich sicher. Vom Flugzeug bis hin zum Transporter, der das Heilmittel bei der Apotheke abliefert. Generation 2 soll deutlich niedrigere Ansprüche haben.

Pfizer hat sich bereits vor Wochen viele Lohnproduktionen in asiatischen Ländern gesichert – und produziert bereits im großen Stil.

Dominik Jasinski

50 Millionen Dosen sollen noch 2020 produziert und ausgeliefert werden, so BioNTech-Star, Mitgründer und Vorstandsvorsitzender Ugur Sahin. Wie das gehen kann in den verbleibenden knapp sechs Wochen? „Pfizer“, erklärt Insider Jasinski, „hat sich bereits vor Wochen viele Lohnproduktionen in asiatischen Ländern gesichert – und produziert bereits im großen Stil!“

BioNTech und Pfizer – die Brainmachine aus Deutschland gemeinsam mit der US-Vermarktungs- und Vertriebspower – machen jetzt Cash. Auf rund 350 Millionen Euro haben sich die Verluste bei dem Mainzer Unternehmen in diesem Jahr kumuliert. Von Pfizer gibt es keine Zahlen. Aber es wird eine große Summe sein. Krankenkassen – dort, wo es sie gibt – werden jetzt im Tender-Bieter-Verfahren die notwendigen Dosen ordern. Staaten werden gigantische Mengen bei BioNTech/Pfizer kaufen (President-elect Joe Biden: „Gratis-Impfung für alle“). Preis pro Dosis? „Irgendwo zwischen 30 und 40 Euro, bei größeren Bestellungen von 100 Millionen Dosen kann der Preis bei 20 Euro liegen“, schätzt Jasinski. In Summe bis Weihnachten ein Umsatz von 1,5 Milliarden Euro. Fortsetzung folgt dann 2021.

Sollten die Aktienmärkte recht haben, „fliegen wir alle wieder in den Urlaub, machen Kreuzfahrtreisen, essen einen Burger und gehen wieder ins Kino“. Kann sein, dass dann da eine Werbung läuft: BioNTech – Freude am Leben.

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