Bullenstatuen vor der Frankfurter Börse

Alles im Plus

Wirtschaftswachstum, Welthandel, Beschäftigung, Aktien und Märkte – nach der Prognose des aktuellen LBBW- Kapitalmarktkompasses stehen die Zeichen überall auf Plus.

Optimistisch blicken die Volkswirtinnen und Volkswirte der LBBW in ihrer jüngsten Prognose ins gerade begonnene zweite Halbjahr 2021. „Nach vielen Monaten coronabedingter Zwangspause ist die Weltwirtschaft 2021 in einen breit angelegten Aufschwungpfad eingeschwenkt“, sagt Thomas Meißner vom LBBW-Research. „Mehr und mehr Branchen partizipieren am Boom, und viele Länder sind beteiligt.“

China erreicht wieder angestammte Zuwachsraten beim Bruttoinlandsprodukt. Wesentlicher Grund: Die privaten Haushalte forcieren ihren Konsum. Ähnlich in den Vereinigten Staaten, wo allein außerhalb der Landwirtschaft im Juni per Saldo 850.000 neue Jobs geschaffen wurden. Entsprechend wird dort mehr konsumiert, sprichwörtlich, als gäbe es kein Morgen. Auch in Deutschland stützt der private Konsum die gesamtwirtschaftliche Nachfrage in einer ohnehin bereits starken Konjunktur.

Der Run in den Konsum treibt zuweilen seltsame Blüten

Ausverkauft. Der Run zurück ins Leben treibt hier und da seltsame Blüten. Die Preise für Gebrauchtuhren der Luxusmarken Rolex oder Patek Philippe sind nahezu explodiert. Viele Feld-Wald-und-Wiesen-Ersatzteile für Pkws sind kaum zu haben. Wer neue Stoßdämpfer für seinen Porsche braucht, muss Geduld von bis zu sechs Monaten aufbringen. Der Fuhrpark auf deutschen Straßen war nie mondäner als aktuell.

Geld ist, im Aggregat betrachtet, nicht das Problem. Die Deutschen haben in der Pandemiezeit weniger konsumiert, ergo gespart. Die Sparquote liegt bei 23,2 Prozent – der höchste Wert seit der deutschen Einheit. Fast ein Viertel des verfügbaren Einkommens wurde zuletzt beiseitegelegt. Jetzt wird gekauft: Im Homeoffice-Boom sind besonders gefragte Gegenstände um bis zu 400 Prozent teurer geworden, namentlich Drucker oder Webcams. Grafikkarten wurden bis zu 34 Prozent teurer. Desktop-PCs kosten bis zu 79 Prozent mehr.

Fahrräder, Hometrainer, Reisemobile: nahezu ausverkauft. Wer eine PlayStation 5 haben will, muss lange warten.

Konjunkturbremse Materialmangel

Volle Auftragsbücher – fehlendes Material. Neben dem Konsum boomt bereits seit Längerem die Bauwirtschaft. Für viele Produkte – von Dämmstoffen bis zur Küchenzeile – herrscht Mangelware. Für verschiedene Holzprodukte haben sich die Preise zwischenzeitlich verfünffacht.

Wenn weltweit konsumiert wird, muss produziert werden. Nicht zuletzt dank großzügiger Finanzhilfen haben die Arbeitsmärkte rund um den Globus die Coronazeit mehrheitlich gut überstanden. So hat in Europa das Kurzarbeitergeld stark reüssiert. Zudem ist die von vielen befürchtete große Insolvenzwelle ausgeblieben. Wo dann die Produktion läuft, bedarf es eines Welthandels, um die produzierten Produkte zu verteilen. Problem: Die Frachtraten sind zuletzt in die Höhe geschossen, für Containerschiffe genauso wie für Lkws auf der A 7 oder A 5.

3.2 %

wird die deutsche Wirtschaft 2021 zulegen.

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In Summe: „Nach dem Katastrophenjahr 2020 mit einem Minus von 5,1 Prozent in der Wirtschaftsleistung wird die deutsche Wirtschaft 2021 um 3,2 Prozent zulegen. Für 2022 erwarten wir ein Plus von 5,5 Prozent“, so Thomas Meißner. Fast schon Hochkonjunktur.

Ähnlich das Bild in Europa und den USA. Nach minus 6,8 Prozent im Euroraum hat sich das Blatt gewendet. Plus 4,5 Prozent im Jahr 2021 – ein weiterer Zuwachs dann 2022, und zwar um 4,8 Prozent. Ähnlich in den Vereinigten Staaten: Mit einer neuen politischen Führung seit Januar nun nicht mehr das Land der begrenzten Unmöglichkeiten, sondern wieder wie ehedem das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. 2020 ging es dort um 3,5 Prozent bergab. Für den jetzigen Aufholprozess erwartet das LBBW Research ein Plus von 7,5 Prozent für 2021 und 4,5 Prozent für das kommende Jahr.

DAX nimmt Kurs auf 16.000 Punkte

Da nimmt es kaum Wunder, dass die Experten der LBBW auch für die Aktienmärkte weiterhin positiv gestimmt sind. Im Hauptszenario wird der DAX zum Jahresultimo auf 16.000 Punkte geklettert sein – mit weiterem Wachstumspotenzial 2022. Ähnlich bullish sind die Erwartungen für Dow und Nikkei. Und in ihrem Fünf-Jahres-Modell steht der DAX gar bei 22.000 Punkten.

Bei so viel Optimismus und guten Daten ist auch das deutsche Angstthema Inflation keine grundlegende Sorge. „Die jüngst deutlich gestiegenen Preise im Warenkorb haben einen Namen: Rohstoffe. Da dürfte sich auch weiterhin wenig tun, sodass im Herbst durchaus eine Preissteigerung von vier Prozent zu erwarten ist“, schätzt Meißner. Auf Jahresbasis bleibe die Inflationsgefahr eher gering: 2,5 Prozent. Also alles im Plus.