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LBBW Research Kapitalmarktausblick

Nur noch wenig Aufwärtspotenzial für Dax, Dow und Euro Stoxx 50

Die Weltwirtschaft wächst nach wie vor robust, in Deutschland und Europa wurde das Konjunkturklima zuletzt allerdings merklich rauer.

Bereits zu Beginn des Jahres 2019 hatte die Bundesregierung ihren Jahreswirtschaftsbericht auf Moll gestimmt. Die ursprüngliche Prognose von 1,8 Prozent BIP-Wachstum wurde auf 1 Prozent zurückgenommen. Andere Institute und Organisationen schnitten ihre Wachstumsprognosen für die deutsche Wirtschaftsleistung ebenfalls zurück. Zudem hatte das ifo-Institut für Wirtschaftsforschung deutlich pessimistische Erwartungen der Unternehmen gemeldet. Die derzeitige Lage beurteilten die befragten Manager so schlecht wie zuletzt im Februar 2016. Die Geschäftserwartungen erreichten das niedrigste Niveau der vergangenen fünf Jahre.

In diesem Umfeld erscheint das Kurspotenzial an den Aktienmärkten nur noch gering. Schuld daran sind auch politische Risiken.

Wir haben unsere Prognosen für die Aktienindizes gesenkt.

Uwe Burkert, Chefvolkswirt der LBBW

Der zehn Jahre anhaltende Aufschwung der deutschen Wirtschaft ist beendet. Es ist noch unentschieden, ob es dabei nur eine konjunkturelle Delle wird oder ob wir vor einer umfassenderen Wachstumseintrübung stehen. „Wir betrachten die sich eintrübenden Erwartungen der Unternehmen mit einer gewissen Sorge und haben deshalb unsere Prognosen für die Aktienindizes vor einigen Wochen gesenkt“, erklärt Uwe Burkert, Chefvolkswirt der LBBW.

Nachdem die Unternehmensbilanzen im vierten Quartal tendenziell enttäuschend ausfielen, dürften die Konzerne aus dem Euro Stoxx 50 im Gesamtjahr 2018 das Gewinnniveau des Jahres 2017 gerade so verteidigt haben, bei den DAX-Unternehmen rechnen wir hingegen mit einem Minus. Angesichts der bröckelnden Gewinnprognosen und der verschlechterten Konjunkturindikatoren – insbesondere die in der ifo-Umfrage zum Ausdruck kommenden schwächeren Erwartungen der Unternehmen – revidierte LBBW Research auch seine Prognosen für die heimischen Aktienindizes nach unten. „Das Potenzial für die weitere Kurserholung veranschlagen wir nun etwas geringer“, stellt Uwe Burkert fest. Zur Jahresmitte erwartet das LBBW Research den DAX bei 12.000 Punkten und den Euro Stoxx 50 bei 3.350 Zählern. Bei der DAX-Prognose sind die Dividenden-Zahlungen bereits inklusive, beim Euro Stoxx 50 sind die Ausschüttungen für die Berechnung des Performancepotenzials noch hinzuzurechnen. „Aber im zweiten Halbjahr wird das Fahrwasser unseres Erachtens schwieriger werden, denn zu den Konjunktursorgen in Europa und China kommt 2020 wohl noch die Abschwächung der US-Konjunktur hinzu“, sagt Burkert voraus. Daher setzt das LBBW Research seine Indexkursziele für Ende 2019 mit 11.500 (DAX) und 3.150 (Euro Stoxx 50) Zählern etwas tiefer an als zur Jahresmitte.

DAX und Dow 2019 im Zeichen von Politik und Konjunktur

Nach einem schwachen Aktienjahr 2018 und der Erholungsrallye seit Jahresbeginn dürfte die Volatilität in den kommenden Monaten hoch bleiben. Unverändert beherrschen Themen wie der ungeklärte Brexit, der anhaltende Streit um Zölle zwischen China und den USA auf der einen und zwischen den USA und Europa auf der anderen Seite sowie insgesamt schwächere Konjunkturdaten das Börsenumfeld. Zudem stellt die Europawahl im Mai einen Unsicherheitsfaktor dar. Das Abschneiden rechter und linker Populisten ist auch für die wirtschaftliche Entwicklung der Europäischen Union von Belang. Mit einem Erstarken eurokritischer Parteien würde eine Blockade der für die europäische Zusammenarbeit nötigen weiteren Integrationsschritte drohen.

Daten aus den USA nur auf den ersten Blick gut

In den USA präsentierten die Unternehmen im vierten Quartal 2018 erstmals seit Langem wieder einen im Durchschnitt sinkenden Quartalsgewinn. Dies, obwohl das Schlussquartal aufgrund des hier anfallenden zusätzlichen Weihnachtsgeschäfts eigentlich stets zu den stärkeren Jahresabschnitten gehört. Vor allem die Finanzkonzerne verdienten schlechter. Zudem wird die Dynamik beim US-Gewinnzuwachs auch wegen einiger Basiseffekte im Jahr 2019 deutlich abnehmen. Hinzu kommt, dass die Ausblicke der Unternehmen eher vorsichtig sind und die Stimmung nachlässt. Obwohl das US-amerikanische BIP-Wachstum durchaus robust ist, hat das LBBW Research die Prognose für den Dow-Jones-Index ebenfalls nach unten revidiert und prognostiziert zur Jahresmitte nun einen Stand von 26.500 bzw. zum Jahresende von 25.500 Indexpunkten.

  • LBBW Research Unsicherheitsfaktor Politik für die Aktienmärkte

In der Grundtendenz zuversichtlich

Die LBBW ist dennoch insgesamt zuversichtlich, was die mittelfristige Entwicklung betrifft: Die Europäische Zentralbank wird im Jahr 2019 wegen des gedämpften Konjunkturausblicks und mäßiger Inflation die Konjunktur mit einer weiteren Liquiditätsspritze stimulieren und die Zinswende zunächst ins Jahr 2020 verschieben. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron dürfte über kurz oder lang seine innenpolitische Schwäche überwinden und zu seiner Reformpolitik zurückkehren. In Sachen Brexit wird es am Ende doch ein Abkommen zwischen der EU und Großbritannien geben, nicht aber einen ungeregelten Austritt. Schließlich dürften auch die Handelsgespräche zwischen den USA und China zu einem für beide Seiten zustimmungsfähigen Kompromiss führen, der den Zollstreit begräbt.

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