Brücke führt von traditionellen zum modernen China

Marco Polo: Ein Aufbruch in neue Welten

Weg mit Papier, Schluss mit verschwendeter Zeit: Das Trade-Finance-Netzwerk Marco Polo macht den internationalen Handel schneller und sicherer.

Modern geht anders. Im Internationalen Handel wird Papier von hier nach da gesendet, unterschrieben und zurück geschickt, oft mehr als 100 Seiten, im Zweifelsfall brauchen die Formulare noch Stempel. Das ist ebenso umständlich wie nerven- und zeitraubend. Und glücklicherweise schon bald Vergangenheit, dank Marco Polo.

Das Trade-Finance-Netzwerk ist benannt nach dem venezianischen Weltreisenden, der den Europäern erstmals von exotischen Ländern erzählte. Der Kontakt in die Ferne ist heute direkter und schneller, vieles geht elektronisch. Nur bei der Trade Finance hakt es bislang, der Handelsfinanzierung. Dort wuchert die Bürokratie seit Jahrzehnten – vor allem aus rechtlichen Gründen. Waren werden erst bezahlt, wenn sie wohlbehalten angekommen und keine bösen Überraschungen mehr zu erwarten sind. Keiner der Beteiligten will ein Risiko eingehen. Deshalb der Papierkram zur doppelten und dreifachen Absicherung. Die macht Marco Polo überflüssig. Das Netzwerk basiert auf der Distributed-Ledger-Technologie, kurz DLT, in diesem Fall eine weiterentwickelte Blockchain namens Corda. Sie ermöglicht es allen Teilnehmern, auf eine gemeinsame dezentrale Datenbank zuzugreifen, um dort Dokumente zu bearbeiten.

Logo des Finance-Trading-Netzwerks Marco Polo

Das schnell wachs­ende Netzwerk für Trade Finance basiert auf der Blockchain-Technologie

Alles geklärt – innerhalb von Minuten

Unternehmen tauschen Informationen über Marco Polo innerhalb von Minuten aus, vereinbaren Bestell- und Lieferdaten über das Netzwerk und sichern das Zahlungsziel durch ein Payment Commitment ab. Für dieses „bedingte Zahlungsversprechen“ ist die Bank des Käufers zuständig, die dieses Commitment innerhalb von Minuten – statt bisher Tagen – geben kann. Nach Eingang der Lieferung finden sich die dazugehörigen Daten sofort in den Systemen und die Banken wickeln die Zahlung umgehend ab.

Banken werden für die Abwicklung eines Handelsgeschäfts damit fast kein Papier mehr brauchen.

Michael Maurer, Leiter International Trade und Payment Solutions bei der LBBW

„Banken werden für die Abwicklung eines Handelsgeschäfts damit fast kein Papier mehr brauchen und sorgen so für eine hohe Entlastung bei den Unternehmen“, sagt Michael Maurer, Leiter des Geschäftsbereichs International Trade und Payment Solutions bei der LBBW. Der gesamte Informationsfluss sowie die Auslösung des Zahlungsversprechens erfolgen automatisch über die Plattform.

Der Startschuss ist gefallen

Im Mai 2021 startete Marco Polo mit einer ersten vollständig digitalen Transaktion so richtig durch. Es ging um die Zahlungsabsicherung von Handelsgeschäften mit Spezialkupplungen. Die erforderlichen Datentransfers zwischen dem Technologiekonzern Voith und dem Armaturenhersteller KSB sowie LBBW und Commerzbank als beteiligten Kreditinstituten erfolgte in einem gesicherten und geschlossenen Bereich, zu dem ausschließlich die beteiligten Parteien Zugang hatten. Die aufwändige manuelle Prüfung von Papierdokumenten wurde durch den automatischen Abgleich digitaler Handelsdaten ersetzt, was nur wenige Minuten dauerte.

Zuvor hatte die Plattform solche Transaktionen zwei Jahre lang getestet, mit Voith und KSB ebenso wie mit Daimler und Dürr . Beispielsweise wurden Bestellung und Lieferung einer Auswuchtanlage der Dürr-Tochter Schenck an Daimler zwischen den Unternehmen über Marco Polo vereinbart und über das Payment Commitment der Bank abgesichert. Nach erfolgter Lieferung wurden die dazugehörigen Daten ins Netzwerk geladen, automatisch mit den bereits zuvor abgestimmten Daten abgeglichen und damit die unwiderrufliche Zahlungsverpflichtung ausgelöst.

Diese Innovation kommt genau zum richtigen Zeitpunkt.

Dr. Christian Ricken, LBBW-Vorstand

Die LBBW gehört mit der Commerzbank zu den Gründungsmitglieder von Marco Polo. In der Zwischenzeit haben sich BNP Paribas, ING, Standard Chartered, Natwest und eine Vielzahl anderer Banken dem Netzwerk angeschlossen. Bewusst bindet Marco Polo zudem Unternehmen ein, die für den globalen Handel wichtig sind. Dazu zählen Logistiker ebenso wie ERP-Anbieter (SAP, Oracle), die dafür sorgen, dass Unternehmen die Daten aus ihrem ERP-System in das Netzwerk integrieren können.

„Mit der Handelsfinanzierung erschließen wir ein neues Anwendungsfeld der Distributed-Ledger-Technologie, von dem unsere Kunden außerordentlich profitieren“, sagt der zuständige LBBW-Vorstand Dr. Christian Ricken. „Geschäfte werden dadurch schneller, einfacher und sicherer.“

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Med Ridha Ben Naceur, Project Lead Marco Polo,  International Trade and Payment Solutions

Med Ridha Ben Naceur

International Trade and Payment Solutions
Project Lead Marco Polo

med-ridha.ben-naceur@lbbw.de
Tel.: +49 711 127-38444