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Supply Chain Finance optimiert Liquidität

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Liquidität optimieren mit Supply Chain Finance

Die innovative Verwendung der Zahlungsströme innerhalb der Lieferkette kann die Working-Capital-Basis deutlich verbessern.

Wer sich auf eine hochkomplexe Lieferkette verlassen muss, sollte mit seinen Lieferanten sorgsam umgehen. Das bedeutet nicht zuletzt, sie liquide zu halten – zum Beispiel durch Supply Chain Finance (kurz: SCF). Im Grunde ist sie eine umgekehrte Form des Factoring bzw. ABS. Sie wird daher auch als Reverse Factoring bzw. Reverse ABS bezeichnet. Anders als beim klassischen Factoring ergreift hier nicht der Lieferant, sondern der Käufer die Initiative.

„Für alle Beteiligten ein deutlicher Mehrwert“

Das wesentliche Motiv für diesen Wechsel ist die Rating-Arbitrage. Corporate-Finance-Spezialist Fabian Blumer von der LBBW: „Normalerweise ist das Rating des Käufers besser als das des Lieferanten. Dadurch erhält dieser eine günstigere Finanzierung. Das ist für alle Beteiligten ein deutlicher Mehrwert.“ Im Ergebnis wird der Lieferant auf Basis des besseren Risikos des Käufers zu einem Zins finanziert, der in der Regel zwischen den beiden Bonitäten liegt.

Vor dem Hintergrund der Finanzkrise ab 2007 dehnten Unternehmen ihre Zahlungsfristen gegenüber Lieferanten immer weiter aus. Das gab ihnen kurzfristig Spielräume. Viele Lieferanten allerdings gerieten unter Druck – und den Unternehmen drohten Ausfälle in ihrer Lieferkette.

Der Markt für Supply Chain Finance wächst stark. Das zeigt eine Studie von Capgemini Consulting. Allerdings sehen die Experten noch immer „eine hohe Ungewissheit über Begrifflichkeiten, Anwendungsszenarien und den Nutzen der Lösungen“.

  • Wie funktioniert Supply Chain Finance? Infografik

    Supply Chain Finance auf einen Blick

    „Normalerweise ist das Rating des Käufers besser als das des Lieferanten. Dadurch erhält dieser eine günstigere Finanzierung. Das ist für alle Beteiligten ein deutlicher Mehrwert“, sagt Fabian Blumer – Corporate-Finance-Spezialist von der LBBW.

Weniger Schulden – weniger Zinsen

Dabei liegen die Vorteile auf der Hand. Der Lieferant sichert sich durch Supply Chain Finance:

  • die direkte Auszahlung des abgezinsten Kaufpreises
  • die Verbesserung seiner Liquidität
  • eine Reduzierung des Zinsaufwands und der Finanzverschuldung
  • eine engere Kundenbeziehung

Für den Käufer bedeutet Supply Chain Finance:

  • eine für den Lieferanten akzeptable Verlängerung der Zahlungsziele
  • eine Reduzierung des Zinsaufwands und der Finanzverschuldung
  • die Bindung und Unterstützung strategisch wichtiger Lieferanten
  • vorab eine bessere Verhandlungsposition, da dem Lieferanten eine sofortige Zahlung angeboten wird
  • die Verbesserung der Finanzkennzahlen

Supply Chain Finance wird in diesem Fall durch den Käufer zusammen mit der Bank in Kooperation mit einem Plattformanbieter (FinTech) aufgesetzt und strukturiert. Dreh- und Angelpunkt ist eine digitale Plattform, über die die Transaktion abgewickelt wird. Die Forderungen des Lieferanten werden dort durch den Käufer hochgeladen und freigegeben. Damit verpflichtet sich der Käufer zugleich, die Forderung zum vereinbarten Zahlungsziel in voller Höhe und einredefrei zu bezahlen.

Der Lieferant erhält den abgezinsten Kaufpreis direkt von der ankaufenden Bank. Alle für die Zahlungsströme Bank → Lieferant und Käufer → Bank bei Fälligkeit der Forderungen erforderlichen Informationen und Zahlungsinstruktionen werden dabei ebenfalls vom Plattformanbieter aufbereitet und elektronisch bereitgestellt.

Kooperation zwischen Bank und FinTech

Der hohe Digitalisierungsgrad ist ein zentrales Merkmal von Supply Chain Finance und die entsprechende FinTech-Plattform daher in diesem Fall ein wesentlicher Partner. Zur Sicherung der Prozesse sind Schnittstellen und Informationen standardisiert und automatisiert. Käufer und gegebenenfalls auch Lieferanten stellen die relevanten Schnittstellen in ihren ERP-Systemen bereit. Auch die Banken sind durch entsprechende Schnittstellen an die FinTech-Plattform angebunden, um hier entsprechende Zahlungsinformationen direkt verarbeiten zu können.

Plattformpartner der LBBW ist derzeit CRX Markets. Alexei Zabudkin, Chief Financial Officer des etablierten und als Finanzinstitut regulierten FinTechs, verweist auf weitere Vorteile des Systems: „Durch die Automatisierung der Abläufe in den Warenwirtschaftssystemen der Abnehmer und Zulieferer bietet die Plattform eine erhebliche Vereinfachung unternehmensinterner Prozesse bei sehr geringem Integrationsaufwand und hoher Datensicherheit.“

Für Großkunden und große Mittelständler

Man unterscheidet bei Supply Chain Finance grundsätzlich zwei Modelle. Entweder kauft eine Bank die Forderungen direkt an oder es finden sich verschiedene Investoren in einer Zweckgesellschaft zusammen, welche die Forderungen zentral erwirbt und diese durch Ausgabe von Schuldverschreibungen an die Investoren finanziert. Den zweiten Weg wählte auch die Lufthansa in ihrer Zusammenarbeit mit CRX Markets und der LBBW.

Supply Chain Finance richtet sich vor allem an Großkunden oder große Mittelständler mit einem Umsatz ab 1 Milliarde Euro bzw. einem Einkaufsvolumen ab 250 Millionen Euro pro Jahr. Voraussetzung für eine schnelle technische Realisierung ist die Nutzung von SAP als ERP-System. Bei Verwendung anderer Systeme wird die Integration einen vergleichsweise längeren Vorlauf benötigen. Und natürlich muss die Bonität stimmen.

Die LBBW erhält vermehrt Anfragen von Unternehmen nach Supply Chain Finance. Die Bank hat daher die Weichen gestellt, Kunden auch in diesem Geschäftsfeld erfolgreich zu begleiten. Wenn auch Sie gerne mehr zu diesem Thema erfahren möchten, wenden Sie sich am besten direkt an Florian Pierer, Corporate-Finance-Spezialist bei der LBBW:

Florian Pierer
Landesbank Baden-Württemberg
Am Hauptbahnhof 2
D-70173 Stuttgart
Fon: +49 711 127 49718
Mail: Florian.Pierer@LBBW.de