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Blockchain in der Praxis: Interview mit Leiter Corporate Finance LBBW, Joachim Erdle

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Interview: Blockchain in der Praxis

Joachim Erdle, Leiter Corporate Finance, und Dominik Buric, Head of Corporate Debt Origination I, über Vorteile und Potenziale von Blockchain.

Die LBBW hat die Blockchain-Technologie bereits erfolgreich bei Schuldscheintransaktionen mit Daimler und Telefónica Deutschland eingesetzt. Warum haben Sie gerade dieses Finanzierungsinstrument mit Blockchain kombiniert?

Joachim Erdle: Wir haben dieses Produkt bewusst gewählt, da wir bei Schuldscheinen über eine hohe Kompetenz und eine starke Stellung im Markt verfügen. Außerdem ist der Schuldschein gerade für viele unserer Unternehmenskunden ein wichtiges Finanzierungsinstrument. Eine Bank nimmt bei Schuldscheinen eine klassische Mittlerfunktion zwischen dem Darlehensnehmer und den Investoren ein. Hier kann die Technologie einen hohen Kundennutzen stiften, weil sie in der Lage ist, auf Vertrauen basierende Prozesse effizienter zu lösen.

Beschreiben Sie den konkreten Vorteil der Technologie...

Dominik Buric: Im Schuldscheingeschäft gibt es viele manuelle Schnittstellen zwischen dem Darlehensnehmer, dem Arrangeur und den Investoren. Gerade in der Vermarktungsphase und in der Abwicklung geht noch viel Papier hin und her. Vieles davon könnte durch die neue Technologie aufgrund der parteienübergreifenden Transparenz in Zukunft wegfallen. Dadurch könnten sich die Durchlaufzeiten in der Abwicklung von Schuldscheindarlehen um mindestens 50 Prozent reduzieren.

Die Blockchain-Technologie zielt darauf ab, Vermittler wie Banken verzichtbar zu machen. Wie beurteilen Sie Ihre künftige Rolle?

Joachim Erdle: Die Struktur des Marktes und die Rollen der Marktteilnehmer ändern sich. Das heißt aber nicht, dass Banken obsolet werden. Wir machen durch die Blockchain vor allem die Umsetzung effizienter und gewinnen dadurch Zeit für die Beratung. Ein vertrauenswürdiger Partner mit hoher Produktkompetenz und Marktkenntnis stiftet auch dann Mehrwert für Unternehmen und Investoren, wenn rein technisch kein Intermediär mehr notwendig wäre. Ebendiese Rolle möchte die Bank in die digitale Welt transformieren.

Wie geht es mit der Blockchain bei der LBBW weiter?

Dominik Buric: Wir befinden uns noch in der Erprobungsphase und arbeiten daran, die technische Entwicklung weiter voranzutreiben. Die Fragen, mit denen wir uns dabei beschäftigen, lauten etwa: Wie binden wir Darlehensnehmer und Investoren technisch an? Wie schaffen wir schlanke Schnittstellen zu Bestandssystemen? Wie gestalten wir die Technologie rechtssicher und aufsichtskonform? Die Blockchain-Schuldscheine sind für uns ein erster und wichtiger Schritt. Das Knowhow, das wir bereits jetzt daraus gewonnen haben, trägt sicher in Zukunft auch in anderen Bereichen zur Optimierung von Geschäftsprozessen bei. Interessant sind zum Beispiel die Exportfinanzierung, der Zahlungsverkehr und die Wertpapierabwicklung.